Warum kann mein Mann nicht einfach *normal* sein?

    • (1) 29.12.12 - 13:51
      jemandanderes

      Hallo,

      ich weiß nicht was ich im Moment machen soll.

      Ich bin 26 Jahre alt und verheiratet. Habe zwei Töchter. Die Große ist allerdings nicht die leibliche Tochter meines Mannes (29 Jahre alt).

      Als ich meinen Mann kennenlernte, sagte er mir, er wäre anders. Er brauche immer mal wieder Zeit für sich. Wenn ich eine Beziehung mit ihm wollte, dann müsse ich das akzeptieren. Das war für mich auch kein Problem, also funktionierte es.

      Er und meine große Tochter verstanden sich super. Der leibliche Vater hatte kein Interesse an ihr. Nach und nach wurde die Bindung stärker, es war, als wäre alles perfekt.
      Wir beschlossen zu heiraten und noch ein weiteres Kind zu bekommen. Während meiner Schwangerschaft wollte er seine Diplomarbeit schreiben, besorgte sich ein Thema (angemeldet war die Arbeit aber noch nicht), alles lief gut an.

      Als wir verheiratet waren und ich gerade schwanger war meldete sich auf einmal der KV der Großen. Er hatte auf einmal Interesse. Wollte sie auf einmal sofort alle 14 Tage über 3 Nächte bei sich, dann noch ein paar Tage unter der Woche und die hälftigen Ferien. Von 0 auf 100 also. Ich hatte Bedenken, weil es so schnell ging, daher fackelte er nicht lange und ging vor das Gericht.
      Er bekam alles wie er es wollte. Es dauerte keine 2 Wochen, da war es doch nicht mehr so wichtig. Mittlerweile bleibt es aber bei den Wochenenden.

      Nun ja. Mein Mann verkraftete das nicht. Er fühlte sich betrogen von meiner großen Tochter, weil meine Tochter sich nicht wehrt zum Vater zu gehen. Es wurde immer schlimmer. Er steigert sich immer tiefer in diese Gedanken rein. Mittlerweile habe ich ihn gebeten auszuziehen, damit sich die Wut erst einmal legt und man dann noch einmal "von vorne" anfangen kann als Stiefvater und Stieftochter, mit einer weniger engen Bindung. Das hat er Anfang Dezember getan.
      Die Kleine ist nun abwechselnd bei mir und bei ihm.

      Bis heute ist die Diplomarbeit nicht geschafft. Dabei ist das schon 2,5 Jahre ein Thema.
      Er sagt, er könne sich erst mit der Klärung der Familienprobleme beschäftigen, wenn die Diplomarbeit fertig ist. Und er kann die Diplomarbeit erst schreiben, wenn sein Kopf frei ist. Deshalb braucht er frei. Frei von mir.

      Wir sehen uns so schon nur noch 4 Tage im Monat - immer dann wenn die Große beim KV ist. Aber das ist ihm zu viel.
      Ich habe ihm jetzt eine Frist gesetzt. Ich habe gesagt, dass unsere Probleme so massiv sind, dass sie nicht warten können bis er irgendwann seine Diplomarbeit geschrieben hat (er arbeitet schon in einer Firma, in der er dann auch vollbeschäftigt sein soll nach dem Abschluss, finanziellen Druck gibt es also nicht).
      Ich gebe ihm Zeit bis Ende Februar, dann beginnen wir mit einer Familientherapie. Länger will ich nicht mehr warten. Er hat diesem Plan zugestimmt.

      Ich weiß nicht was ich machen soll. Ist es das? Gibt es da wirklich noch Hoffnung? Tu ich meiner Großen Tochter nicht unrecht, wenn ich mich nicht trenne (sie sagt immer noch sie liebt ihn, und will nicht, das wir uns trennen)?
      Nehme ich der Kleinen ihre Familie, wenn ich die Beziehung beende?
      26 Jahre alt, zwei Kinder von zwei Vätern und geschieden. Super. Genau so hatte ich mir das vorgestellt. Ich weiß, ich bin selber schuld.

      Ich ärgere mich so. Ich war so blind, dachte alles ist schön, alles passt. Er ist der perfekte Mann. Und im Moment sieht es so schlimm aus.

      Danke fürs zuhören.

      • (2) 29.12.12 - 14:16

        Hallo

        Weshalb will Dein Mann nicht, dass Deine Tochter sich mit ihrem eigenen Vater trifft?
        Seine Gedankengaenge bzw. Gefuehle machen doch keinen Sinn. Er muss einsehen, dass er nie der richtige Vater fuer sie sein wird - er hat sie nun mal nicht gezeugt. Solange er nicht versucht, sich Muehe zu geben mit der Beziehung zu Deiner Tochter, zu Dir und zu seinem eigenen Kind, sieht die Lage wohl nicht gut aus.

        Ich glaube aber, dass der Haken irgendwo anders ist. Evtl. merkte er - zeitgleich mit dem Auftauchen des KV - dass er dem Familienleben eh nicht gewachsen ist?

        LG Mindgames

        • (3) 29.12.12 - 14:26

          Danke für deine Meinung.

          Es sind ja 2,5 Jahre seit dem Auftauchen des KV vergangen in denen er trotz allem für die Familie da ist.
          Er macht alles hier. Um nichts muss man ihn zweimal bitten, meistens noch nicht mal einmal.

          Er ist ein sehr liebevoller Vater für die Kleine, das war er auch für die Große.
          Er verkraftet nicht, dass es einen unfähigen Mann gibt, der ihm dieses Kind genommen hat. So sieht er es.
          Der KV hat hohe Ansprüche an die Erziehung, aber nur solange wir es machen. Er selbst parkt sie vorm Fernseher, raucht in der Wohnung im gleichen Zimmer, zu essen gibt es natürlich Fast Food. Arbeitslos ist er und bemühen tut er sich um das Kind auch nur halbherzig.

          Mein Mann hat alles für die Große gemacht. Es war herrlich. Aber irgendwie bekommt er nicht in seinen Kopf, dass meine Tochter gleichzeitig gerne zum KV gehen, und ihn selbst lieben kann.
          Sie sagt heute noch. Mein Mann wäre ihr Papa. Davon ist sie nicht abzubringen, auch wenn mein Mann darauf besteht sich anders anreden zu lassen.

          Ich hoffe sehr, dass eine Familientherapie etwas bringt. Er sagt selbst, dass er die Familie nicht aufgeben möchte und er stimmt der Therapie ja auch zu.
          Ich hoffe, dass es nichts aussichtslos ist.

          • (4) 29.12.12 - 14:35

            Er haette aber keine Stieftochter, wenn der KV sie nicht gezeugt haette ;-)

            Ich denke, dass Familientherapie Euch (ihm) helfen wird, das Patchworkfamilienkonzept besser zu verstehen. Ist ja mal ein gutes Zeichen, dass er mitmachen will.

            Uebrigens: Eure Kinder werden spaeter Freunde haben, evtl. verheiratet sein u. eigene Kinder bekommen.. Wird es ihm da auch schwerfallen, loszulassen? Er muss von dem Gedanken loskommen, dass nur er allein Anspruch auf die Liebe seiner Familie hat, nur weil er alles so toll macht zuhause. Wenn er Deine Tochter bedingungslos liebt, muss er sie zeitweise loslassen, denn nur dann kommt sie immer wieder gerne zu ihm zurueck.

            LG
            Mindgames

      Hallo,

      also wenn ich das lese, dann schnürt sich mir die Kehle zu ob der Belastungen, die Kinder in ihren Familien aushalten müssen.

      Ich vermute mal, dass deine Tochter noch nicht sehr alt ist...maximal Grundschulkind...und ihr Stiefvater "bestraft" sie mit Liebesentzug, weil sie eine Beziehung zu ihrem Vater entwickelt?

      Ihr völlig natürliches Verhalten, eine Beziehung zu ihrem Vater zu entwickeln und zu pflegen...auf diesem Verhalten wird eine ganze Familienkrise "aufgebaut"?

      Dein Mann nimmt das u.a. als Vorwand her, sich nicht mit seinen Ängsten bezüglich der Beendigung seines Studiums auseinandersetzen zu müssen?

      Das Kind sagt, es liebe seinen Stiefvater und möchte nicht, dass ihr euch trennt? Und ihre Zuneigung zu ihrem Vater ist ein wesentlicher Grund?

      Du guter Gott...was tut ihr dem Kind an? Was für eine Last auf seinen Schultern...

      Dein Mann braucht dringend eine Behandlung, um sozialfähig zu werden und zu lernen, dass man den eigenen Problemen ins Auge sehen muss und das, was dann kommt, AUSHALTEN muss, statt das Umfeld mit Schuld und Schmerz zu überziehen...damit er diese Gefühle in sich betäuben kann...Schuld und Schmerz.

      Ich hoffe für deine Tochter, dass sie es irgendwie schafft, in dieser Katastrophe groß zu werden, ohne zu sehr Schaden zu nehmen.

      Aber es klingt so, als hätte sie mehr Schneid als ihr alle zusammen.

      Viel Glück
      die hinterwäldlerin

      • (6) 29.12.12 - 14:46

        Hallo,

        danke auch für deine Antwort.

        Ich habe immer versucht es sie nicht merken zu lassen. Seitdem ich dann bemerkt habe, dass er ihr gegenüber maulig wurde habe ich ihn nicht mehr mit ihr allein gelassen und mich immer für sie eingesetzt, wenn er denn gemault hat.

        Weil ich merkte, dass es nicht mehr geht, habe ich versucht die Reißleine zu ziehen und ihn ausziehen lassen.

        Ich gebe dir recht, es ist schrecklich. Und es ist untragbar.
        Es ist die letzten Monate so geworden. Und jetzt stehe ich hier und überlege, was man tun kann. Ich, meine und seine Familie reden auf ihn ein. Es ist bisher erfolglos geblieben.

        Meine erste Lösung waren so nun die getrennten Wohnungen.

        Nun suche ich nach weiteren Möglichkeiten. Und ich überlege, ob eine Trennung unumgänglich ist.

        Ich will um keinen Preis, dass es meiner großen Tochter schlecht geht, bzw noch schlechter. Ich bin einfach völlig ratlos.
        Ich bin bereit mich für meine Tochter von meinem Mann zu trennen. Aber ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist, weil es zum einen noch ein weiteres Kind gibt und zum anderen vllt doch noch Hoffnung besteht, dass es auch für meine große Tochter wieder schön wird.

        Mein Mann sagt, er mag sich selbst so nicht und ist Willens an dem Thema zu arbeiten. Aber eben erst nach der Diplomarbeit...
        Bezüglich des Therapiebedarfs gebe ich dir vollkommen recht. Weil er sich sicher nicht allein behandeln lässt, gehe ich mit ihm zusammen in eine Therapie.

        Was kann ich sonst tun?

        • Ich glaube ehrlich gesagt, dass du ansonsten nichts tun kannst. Ich habe den Eindruck, das Problem deines Mannes ist nur noch mit einem Profi zu knacken.

          Wenn überhaupt, wäre es vielleicht sinnvoll, mit dem Auf-ihn-einreden aufzuhören.

          Mach das, was du bisher machst, weiter. Die besagten Besuchstage. Schütz das ältere Kind vor ihm. Es sollte die Chance haben, eine gute Beziehung zu seinem Vater haben zu dürfen, ohne Angst und ohne Schuld.

          ...und auf gar keinen Fall darf das Kind das Gefühl bekommen, es sei schuld, es sei der Anlass für die Trennung!

          Es ist schwer, aber ich denke, es wäre wichtig, nicht mehr auf ihn einwirken zu wollen...sondern sich so weit es geht zurückzuziehen und bis zur Familientherapie auf nichts mehr einlassen.

          Ihr, sein ganzes Umfeld, bedient mit eurem Handeln die ganze Zeit sein "System". Damit solltet ihr aufhören.

          Viel Kraft
          die hinterwäldlerin

    Wenn ein Erwachsener Mann diese Kinderkacke vorschiebt, weil er mit sich selbst nicht klar kommt, dann musst du die Reiseleine ziehen!

    Der Mann braucht dringend eine Therapie!

    Gruß

    Manavgat

    Sorry aber war deinem Mann wirklich klar das deine Große Tochter NICHT SEIN KIND ist?
    Denn Fakt ist es hat sicherlich keiner damit gerechnet das der Vater der Tochter so einfach auftaucht. Doch damit war irgendwann zu rechnen. Und jetzt zu schmollen wie ein Kindergartenbaby weil die große Tochter sich nicht weigert zum echten Vater zu gehen finde ich total daneben. Mensch er kann doch deiner Tochter nicht ein schlechtes GEwissen machen. Sie hat ein Recht auf ihren VAter und vielleicht will sie aus Neugierde hin weil er doch die ganzen Jahre eben nichts gemacht hat. Dein Mann soll ihr Zeit lassen ihren eignen Weg zu finden statt ihr Druck zu machen. Was stellt er mit dem Kind an wenn er jetzt solche Erwartungen an sie hat!

    Ela

    (11) 29.12.12 - 22:17

    Ich denke nicht, dass er seine Diplomarbeit demnächst in Angriff nehmen wird, geschweige denn abschließt.

    Erst war es das Familienleben, welches ihn hinderte, dann die Beziehung zum KV, dann du, dann wieder die familiäre Situation usw.

    Er ist der geborene Ausredenkönig.

    • (12) 30.12.12 - 00:22

      Die Frist für die Diplom-Arbeit dürfte auch schon abgelaufen sein.

      Mir sind Menschen suspekt, die irgendwelche Änderungen versprechen, wenn etwas anderes eingetreten ist.

      Wenn das Haus fertig ist, dann mache ich.....

      Wenn das Kind da ist, dann werde ich....

      Warum nicht gleich, wenn es ernstgemeint ist, etwas zu tun, etwas zu ändern?

Liebe jemandanderes,

Ich meine älteste Tochter ist nicht mein leibliches Kind, sprich: ich bin Stief-Vater wenn man das so nennen will.
Der Erzeuger hatte jahrelang seine eigenen Probleme und sich schon kaum noch gekümmert, als "meine Tochter" 5 war. Seit sie mit 6 in die Schule kam, kümmere ich mich jeden tag um sie als wäre sie mein eigenes Kind und mindestens seit 6 Jahren ist sie es in meinen (und ihren) Augen auch.
Ihr tatsächlicher Vater hatte auch mal eine Phase, in der er sich plötzlich mehr interessierte. Und wir (meine Frau und ich) haben diesen Kontakt immer unterstützt. Nicht, weil der sogenannte Vater auf irgend etwas ein Recht hat, sondern weil unsere Tochter ein Recht darauf hat.

Ich will ehrlich sein: Diese Phase war auch für mich nicht leicht.
Wenn du dich jeden Tag um ein Kind kümmerst - weil du es willst - und dann kommt irgend so ein Hallodrie daher und stellt Ansprüche, telefoniert mit Deiner Frau, schreit sie (in unserem Fall) dabei häufiger an und macht uns (Eltern) oft Probleme - und ob das Ganze wirklich dem Kindswohl dient, sei mal dahingestellt - und Du selbst stehst daneben, quasi ausgeschlossen, als hätte das alles nichts mit Dir zu tun. Weil es genetisch nichts mit Dir zu tun hat, obwohl Dein ganzer Alltag und Dein emotionales Leben damit so viel zu tun hat.
Das ist für einen Mann nicht leicht, der das Kind des Partners wie sein eigenes aufgenommen hat.

Aber ich denke, dem Problem liegt eine innerer Unsicherheit zu Grunde. Der andere Kerl, der sich da durch Juristerei ins Leben dieses Kindes gemogelt hat - wo man sich selbst doch jeden kleinen Schritt verdienen musste - scheint doch seine Rolle nur garantiert zu haben.
Denn seien wir ehrlich: Kinder werden größer. Und Kinder bewerten solche Dinge doch recht genau, nur das sie die Konsequenzen erst später selbst ziehen.
Aber mit dieser Unsicherheit kann Dein Mann sich nicht entgegenstellen. Dabei gibt Eure Große scheinbar doch recht klar zu verstehen, dass sie ihn noch immer als Teil ihres Lebens sieht. Und das, obwohl Dein Mann Eure Tochter in dieser für sie selbst sicher auch nicht leichten Situation allein gelassen zu haben scheint.

Klipp und Klar: Dein Mann braucht diese Therapie dringenst! Meine Meinung.
Wie an anderer Stelle schon gesagt: Im Leben gibt es immer wieder Situationen, in denen man sich Liebe, Zeit Aufmerksamkeit von Kindern teilen muss. Und nicht immer gefällt einem der andere Teilhaber. Dein Mann muss die innere Zuversicht wiederfinden, dass die Zeit mit ihrem leiblichen Vater weder Verrat an ihm ist, noch seine Leitung schmälert.
Sein eigenes Verhalten in letzter Zeit allerdings schon.

Zur Diplomarbeit: Ganz ehrlich, ist sein Bier. Wenn er eh das gleiche Geld verdient und damit i.M. einfach nicht zu Potte kommt - Ihr habt grad genug Probleme, als das Du Dir seine persönlichen noch aufhalsen musst. Klar, wäre was anderes wenn ihr drauf angewiesen währt.

In meiner Situation hat unsere älteste nach einiger Zeit beschlossen, dass sie nicht mehr zu ihrem leiblichen Vater will. Sie war in einem Alter, wo diese Entscheidung im Zweifel vom Gericht mit berücksichtigt worden wäre. War aber dann nicht nötig, der Kerl hat den Kontakt dann selbst einschlafen lassen.
Heute ist sie 16, trägt meinen Namen, nennt mich Vater und lässt sich verleugnen, wenn er mal anruft. Sie hatte die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil zu fällen und alle Beteiligten leben damit, schon seit Jahren. Am Ende entscheiden doch die Kinder selbst.

Dein Mann muss sich aber um 180 Grad drehen, sonst wird irgendwann (vielleicht auch bald) Deine Große entscheiden, dass ein uninteressierter (lieblicher) Vater immernoch besser ist, als ein tief verletzter und daher abwesender (Stief-)Vater.

Ich wünsche Euch alles Gute,
Christian

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