Wut auf Geister aus alten Zeiten berechtigt?

    • (1) 20.02.13 - 19:08
      PointOfView

      Liebe Urbia-Gemeinde,

      ich benötige dringend einen anderen Blickwinkel auf eine momentane Situation in meiner Beziehung (ein paar Jahre).
      Momentan bin ich der Meinung mein Mann/Freund verhält sich unverhältnismäßig und beschwört ein Problem herauf wo keines ist. Aber eventuell liege ich ja völlig falsch und verkenne das Problem einfach nur.

      Ich bin frisch schwanger (lange geplant). Wir waren bei der normalen Schwangerschaftsvorsorge und ich reiche der FÄ meinen alten Mutterpass. In diesem stehen zwei vorhergegangene Schwangerschaften (1 nur im Anamneseteil nicht als verfolgte Schwangerschaft). Bei der Letzten handelt es sich um eine späte Missed Abortion von welcher er wusste. Erstere war ein Windei von vor 10 Jahren, welche auch nur zufällig entdeckt wurde und einer Jugendsünde entsprang. Ich hatte damals während einer eher seltsam gelagerten on-off-Beziehung einen Ausrutscher mit einem anderen Mann. Ich war jung, es war ein Fehler, ich bin nicht stolz drauf aber es belastet mich nicht großartig. Das alles ist 10 Jahre her und war also seeeeeehr lange vor meinem jetzigen Freund. Da es sich um keine wirkliche Schwangerschaft handelte habe ich diesen Umstand nie erwähnt - er wurde nur aus gynäkologischer Sicht eben damals vermerkt.

      Nun ist mein Freund seit er davon erfahren hat sauer. Er ist der Meinung ich hätte ihn belogen und warf mir Fragen an den Kopf ob ich vielleicht auch noch Drogen genommen hätte oder es noch andere Schwangerschaften gäbe von denen er nichts wüsste. Ich habe ihm den Umstand dann auf seine Nachfrage hin erklärt (eben weil ich auf Fragen NICHT lüge) und auch warum es mir nicht wichtig war das zu erzählen- er war aber ganz anderer Meinung, zudem hält er mir den damaligen Betrug vor obwohl er über die Umstände gar nichts weiß.

      Ich war ehrlich vor den Kopf geschlagen. Das ganze ist 10 Jahre!!! her, war lange vor ihm und hat mit ihm rein gar nichts zu tun.
      Dennoch habe ich ihm noch am selben Tag gesagt dass es mir leid tut wenn ich ihn damit verletzt haben sollte und das nicht meine Absicht war. Aber schon hier wusste ich nicht wirklich wofür ich mich bei IHM enschuldigen sollte.

      Er selbst erzählte oft genug dass er in seiner Jugend kein Feiner und in Beziehungen samt Treue nicht besonders fair war. Ebenso sagte auch er dass er selbstverständlich nicht alles erzählt und es Dinge gibt die ich nicht weiß.

      Nun verhält er sich seit gestern doch tatsächlich so als hätte ich IHN betrogen. Er ist abweisend, kühl, redet nur das nötigste mit mir und all die liebevollen kleinen Gesten die sonst unseren Alltag ausfüllen, wurden eingestellt.

      Ich kapiers nicht!
      Ich weigere mich mich schlecht oder schuldig zu fühlen ihm gegenüber, wegen einer Sache die 10 Jahre her ist und mit ihm gar nichts zu tun hat.
      Meiner Meinung nach hat er gar kein Recht auf diese Wut.

      Müsste ich dann nicht auch das Recht haben ihn unter Generalverdacht zustellen noch das selbe "Arschloch" zu sein wie in Jugendzeiten? Unsere Jugendzeiten unterscheiden sich in der Fehlerquote und -intensität kaum.
      Weshalb hat er ein Recht auf Jugendsünden und ich nicht?

      Versuche ichihm etwas zu erklären heißt es ich würde es schön reden. Detail baut und rekonstruiert er sich so zusammen wie es seiner Meinung nach in sein "Bild des Ganzen" passt. Er baut sich seine eigene Wahrheit und rückt keinen Punkt davon ab. Versuchtman ihn zu berichtigen oder Details zu klären geht da kein Weg rein - er hat seine Wahrheit und die stimmt, Punkt.

      Ich weiß nicht mehr wie ich mich verhalten soll. Am liebsten würde ich ihm an den Kopf werfen " Dann trenn dich doch, suche dir eine Frau die vor dir möglichst kein Leben hatte und hoffe dass sie mit deiner Vergangenheit klar kommt"
      Aber das kann es doch auch nicht sein.
      Ich sehe das Drama einfach nicht und fühle mich in eine Schuldposition gezwungen die meiner Meinung nach keine ist.

      Ich habe ihm schon vorgeworfen er würde Gründe suchen und generieren um endlich sagen zu können "Ich wusste ja dass das mit uns nichts werden kann". Aber dem wäre angeblich nicht so.

      Er ist sonst ein absolut liebenswürdiger und für mich perfekter Partner. Es gibt nichts worüber wir streiten oder uneins sind. Er ist der erste mit dem ich unterschiedlicher Meinung sein kann ohne dass einer gewinnt und einer verliert. Ich liebe ihn sehr und will nicht wegen solchen unsinnigen Dingen aufgeben müssen weil es meine Energie aufzerrt.

      Ich weiß nicht weiter.

      Danke, POV

      • Hui,
        vielleicht ist das auch irgendwie so ein wenig "Gesamtpanik", die in ihm langsam angesichts der nahenden Vaterschaft aufkommt?

        Ansonsten könnte man da jetzt viel rein interpretieren, muss man/frau aber nicht.

        Und wenn du ihn sich erstmal "austoben" lässt und dann noch einmal versuchst vernünftig mit ihm zu reden? Vielleicht muss er das erst einmal verdauen?

        Wenn du mit ihm redest versuch doch mal heraus zu finden, WARUM er so aufgebracht ist. Was ihn so verletzt?

        Mein Mann und ich haben bezüglich meiner/seiner Vergangenheit auch immer mal so Diskussionen. Meistens braucht er ein paar Tage, dann hat er drüber nachgedacht, mit seinen Freunden drüber geredet und dann ists auch gut. Manche Dinge muss man auch schlichtweg einfach mal verdauen.

        • (3) 20.02.13 - 19:37

          Hallo,

          danke für deine Nachricht!

          Das mit der Gesamtpanik dachte ich zunächst auch - kam mir aber in Anbetracht der Tatsache dass er schon 5 Kinder hat und sich den Nachwuchs sehr wünscht dann irgendwie unlogisch vor.

          Ich habe schon mehrfach versucht mit ihm zu reden - er macht komplett dicht und lässt nichts an sich heran was seine zusammengewurstelte Wahrheit durcheinander bringen könnte.

          Ich hatte mich dann auch zunächst auf das Aussitzen konzentriert und dachte er fängt sich schon wieder wenn er merkt dass es völliger Unsinn ist was er da zusammenkonstruiert.

          Aber mittlerweile merke ich wie sich auch in mir langsam echt Wut aufbaut, darüber dass er mich zwingt mich schuldig und schlecht zu fühlen, darüber dass er unsere Beziehung wanken lässt wegen Dingen die ihn noch nicht einmal etwas angehen, darüber wegen 10 Jahre alter Fehler von IHM bestraft zu werden - ohne dass diese mit ihm zu tun hätten.

          Mit welchem Recht maßt er es sich an mich für 10 Jahre alte Fehler abzustrafen?

          Danke
          POV

          • Äh, Du bist nicht zufällig mit meinem Ex zusammen (auf 5 Kinder könnte der es inzwischen auch bringen)???

            Im Ernst, der hatte auch solche Eifersuchtsanwandlungen auf meine Vergangenheit. Leider stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass er bestes Psychopathenmaterial verkörpert.

            • (5) 21.02.13 - 18:05

              Hallo.

              ich glaube nicht.... dann hättest du 4 davon mit ihm, ich glaube das wüsstest du :-D

              Ich kapiers auch nicht - der Zustand hält an. Obwohl wir schon wieder mehr miteinander sprechen. Dennoch fühlt es sich an als müsste er sich dazu überwinden. So aufgesetzt.

              Ich war immer ein Beführworter der These "Wer am lautesten schreit, ablehnt, leugnet, belt (beliebig erweiterbar).." projeziert seine eigenen fehler nur auf den anderen weil er weiß wie einfach es ist.

              Keine Ahnung wie viel an der These wirklich dran aist - aber die Exfreunde welche ich als am Eifersüchtigsten erlebt habe waren letztenendes die, welche mich betrogen haben.
              Und ich habe mir absolut gar nichts in dieser Beziehung vorzuwerfen. Werde aber bestraft.

              LG Cal

      Ihr habt einen Tag, ab dem ihr zusammen wart. Als ich meinen jetzigen Mann kennenlernte, habe ich ihm nach einer Weile gesagt, dass dies der Stichtag ist, ab dem er für mich wichtig war, alles andere davor geht ihn schlicht nichts an !
      Was ich erzählen will, gut, was nicht, auch gut. Das gleiche Recht hatte er auch. Er war zwischen seiner Scheidung von der 1. Frau und unserem Kennenlernen auch kein Kostverächter. Hätte er da dumm rumgetan, hätte ich ihn gefragt, in welchem Jahrhundert er hängengeblieben wäre, Mann darf alles, Frau nix - SO NICHT !!
      Ich glaube, auch bei Deinem Partner sind klare Worte nötig. Du MUSST Dich nun einfach auf die Hinterbeine stellen und Deine Position behaupten, hallo ? Das riecht ja nach hinterstem Afghanistan, wie der sich benimmt. Nachgeben würde ich nicht, schwanger hin oder her - sonst bist Du Dein Lebtag am Rechtfertigen....
      Ihn geht es schlicht nichts an, Du hast ihm kein AIDS verschwiegen oder ähnlich Schlimmes, sondern ihm sogar noch alles erzählt. Wenn er Dir das zum Vorwurf macht, ist er ein ganz armes Würstchen mit verdammt mangelndem Selbstbewußtsein, schönen Gruß von mir !
      LG Moni

      • (7) 20.02.13 - 19:48

        Hallo Moni,

        auch dir danke für deine Antwort!

        Ich finde es einerseits total beruhigend dass ich wohl doch nicht so völlig falsch liege mit meiner Einstellung. Andererseits beunruhigt es mich natürlich umso mehr dass die Einstellung meines Freundes so furchtbar festgefahren ist.

        Er scheint der Meinung zu sein wenn ich früher fremdgegangen bin muss das heute auch so sein. Aber dann müsste ich bei ihm ja auch die Beine in die Hand nehmen und sehen dass ich weg komme.

        Er sagt ich hätte ihn schon deshalb angelogen weil ich gesagt habe die ersten Jahre der letzten Beziehung waren schön - und dann rauskam dass ich doch ziemlich zeitig mal fremdgegangen bin.
        Aber das eine schließt doch das andere nicht aus. Trotz schöner Anfangsjahre hatten wir schlechte Zeiten - und ja, wir haben Fehler gemacht. Ich war 19 oder 20 Jahre alt, es war meine erste richtige Beziehung.

        Und ich bin eben auch der Ansicht - was vor uns war geht ihn nichts an. Wenn er etwas wissen will lüge ich nicht, aber ich erzähle nicht alles gleich und schuldig fühle ich mich ihm gegenüber erst recht nicht.

        LG
        POV

        • Bist Du BEI IHM fremdgegangen ? Wenn nein, dann soll er den Ball flach halten. Ich HASSE so eine hinteranatolische Doppelmoral :-[ Er hat die Frauen "genossen", aber alle Frauen, die er beglückt hat, sind ja eh Nutten ? Oder wie ?
          Schon 1970 hätte ich mir sowas nicht bieten lassen, neuer Freund, neuer Anfang - was zuvor war, ist meine Sache. Wer das nicht mitgemacht hat, sein Problem.
          Und ich bin wirklich gut damit gefahren - immer !
          Denn wenn ein Partner immer und immer wieder so alte Kamellen hochzieht, dann hat der doch ein Problem !!!

          Andererseits muss ich auch wirklich sagen, dass die meisten Frauen einfach viel zuviel erzählen, Männer müssen nicht ALLES wissen, denn sie erzählen uns auch nicht alles, aber dann darf man eben auch nicht dauernd "bohren" - so einfach ist das ! Und das muss auch garnicht sein, denn wie man nun ja sieht, es bringt meistens nur Ärger.
          Manchmal ist Mund halten einfach besser. Grins, wenn mein Mann ALLES wüsste, ich glaube, der würde nach 33jährigem Zusammenleben noch auf die Palme flitzen, trotz Bandscheibenschaden...
          Ich kann Dir nur raten, wirklich hart zu bleiben, ehrlich !
          LG Moni

          • (9) 20.02.13 - 21:38

            Nein nein... ich habe nicht ihn betrogen. Es geht um einen Betrug der vor 10 Jahren in meiner ersten Beziehung stattfand. Also hat gar nichts mit ihm zu tun. Das war viele Jahre bevor ich ihn überhaupt kannte.

            Ich erzähle ja schon nicht alles. Aber wenn er f e aht lüge ich ihn nicht an. Er hatte es eben leider durch den Mutterpass erfahren.

            LG POV

    (10) 20.02.13 - 20:18

    egal was du früher getan hast, er kennt dich seit einigen jahren und weiß genau wie und wer du bist, PUNKT!...und genau deswegen würde ich mich nicht ständig rechtfertigen, vor allem dann nicht weil er ja auch nicht mister harmlos war.

    keine ahnung was er gerade hat, er hat aber kein recht so über dich zu urteilen und so ne show abzuziehen und das würde ich ihm auch deutlich sagen und dann wäre das thema durch für mich.

    ich habe verdammt viel erlebt und 2 sachen sind dabei die ich nicht erzähle.seitdem hatte ich 2 feste beziehungen und keinem habe ich das erzählt, werde ich auch nicht, weil es meins ist.ich habe damals so entschieden und für mich ist das thema vollkommen durch.würde es rauskommen und mein jetziger partner würde so einen aufstand machen, würde ich ihm was anderes sagen.denn er kennt mich seit jahren, weiß wie ich bin und wenn er mich für sowas dermaßen in frage stellen würde, könnte er mich mal!
    ich erkläre mich einmal, vielleicht auch ein zweites mal, aber dann nicht mehr.ich lasse mich nicht für etwas anmachen was ich für mich damals ganz klar entschieden habe und wo es ihn noch nicht gab.
    sucht er stress weil ihm irgendwas quer liegt und meint er könne deswegen so sein, kläre ich das einmal, zweimal und wenn er dabei bleibt, bleibt es auch sein problem.
    ich mache solche spielchen bestimmt nicht mit....

    aber ich bin da auch etwas kälter ;-)

    • (11) 20.02.13 - 21:45

      Hallo.
      Genauso sehe ich das eben auch. Das ist eben damals passiert. Ich bin da nicht übermäßig stolz drauf. Kann es aber nicht mehr ändern und gehe eben nicht damit hausieren.

      Ich sehe einfach kein Anrecht darauf die komplette Vergangenheit des Partners zu kennen. Und vorallem nicht darauf darüber zu richten oder Schuld zu zu weisen.

      LG POV

Hm, also wenn Ihr sonst eine tolle Partnerschaft habt finde ich die Reaktion jetzt auch merkwürdig. Ok, eine Schwangerschaft ist jetzt auch nicht nichts, aber ich denke auch es müsste ok sein wenn Du ihm das jetzt erklärst wies war. Ich glaube von mir aus hätte ich das auch nicht erzählt. Schließlich ist eine FG auch immer etwas sehr belastendes. Auch wenn nicht bemerkt.

Ich mein er wusste von dem späten Missed Abort, weshalb er wegen der unbemerkten SS so komisch reagiert ist für mich auch nicht nachvollziehbar...
Hast Du ihn mal gefragt warum er so reagiert? Also dass er es ausführlicher erklären soll?

Alles Liebe und ich hoffe es ränkt sich alles wieder ein.
Reagiere jetzt erstmal nicht schroff...

  • (13) 20.02.13 - 21:50

    Hallo.

    Schroff bin ich nicht... dazu bin ich gar nicht der Typ.
    Gestern wsr ich gewohnt liebevoll zu i hab aber gemerkt dass er das total ablehnt und mich mit Liebesentzug straft.
    Und nun ist es eben inzwischen so dass ich selbst wütend über so viel selbstgerechtigkeit werde.
    Reden ist leider nicht sein Ding.

    Wenn ich es erkläre und etwad passt nicht in sein selbst gebasteltes Bild der Wahrheit unterstellt ersofort Lüge oder Schönfärberei. Also drehen wir uns letztendlich im Kreis.

    LG POV

Wenn du jetzt nicht schon schwanger wärst, würde ich sagen: Nimm von deinem Kinderwunsch -zumindest mit diesem Mann- Abstand.

Dein Partner nimmt sich Sachen raus (Dinge nicht erzählen), die er dir im Gegenzug nicht auch zugesteht...für mich sieht das offen gestanden nicht nach einer Beziehung auf Augenhöhe aus, und so würde ich definitiv nicht leben wollen.

  • (15) 21.02.13 - 18:12

    Hallo Nick,

    diese Fluchttendenzen hatte ich auch zunächst.

    Aber dann kam es mir blöd vor, wegen jeder Kleinigkeit gleich an Trennung zu denken.

    Wäre das jetzt ein jahrelanger unüberwindbarer Zwist - okay.
    Zumal eine Schwangerschaft oder Kinder für mich auch kein Grund sind eine miese Beziehung weiterhin fortzführen - ich bin selbständig (sogar der Hauptverdiener) und damit nicht gezwungen zu verharren.

    Aber hier geht es ja um ein Thema welches frisch ist.
    Ich würde ihm gern die Chance geben einzusehen dass es Unsinn ist, für soetwas wertvolle Beziehungs- und Lebenszeit zu opfern.
    Noch hoffe ich dass es keine grundsätzliche Einstellung ist, sondern vielleicht nur ein Moment den er eben so ad hoc nicht einordnen konnte und daher inadäquat reagiert hat.

    Ich weiß nur eben nicht wie ich damit umgehen soll aktuell, weil ich Wut aufsteigen merke, die mehr kaputt machen kann als das eigentliche Problem.

    LG
    POV

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