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Das Prinzip von Nähe und Distanz

Das Prinzip von Nähe und Distanz besagt vereinfacht gesagt, dass in jeder Beziehung (sogar in Freundschaften oder familiären Beziehungen) eine gewisse Dynamik besteht, in der die beiden Beteiligten abwechselnd dem jeweils anderen entweder Nähe kommunizieren oder sich distanzieren. Nähe zeigt man z.B., indem man für den anderen etwas Gutes tut, ihm etwas Nettes sagt, auf seine Bedürfnisse eingeht, sich häufig meldet oder demjenigen auf irgendeine Weise seine Zuneigung beweist. Distanz zeigt man, indem man dem anderen z.B. die eigenen Grenzen aufzeigt, Kritik übt, sich mal eine Weile nicht meldet, oder auch schon dann, wenn man das ansonsten übliche Kommunizieren der Nähe einfach nur einmal weglässt.

Das alles läuft prinzipiell fast immer unterbewusst ab. Allerdings lässt sich jede Handlung, die man in einer Beziehung gegenüber seinem Partner ausführt in einer mehr oder weniger starken Ausprägung entweder so einordnen, dass sie Nähe kommuniziert, oder eben, dass sie Distanz kommuniziert.

Die Dynamik in der Beziehung entwickelt sich dann so, dass sobald ein Partner sich etwas distanziert, der andere dazu neigt, mit Nähe zu reagieren. Zeigt ein Partner in der Wahrnehmung des anderen zu viel Nähe, reagiert dieser mit Distanz. In einer gut funktionierenden harmonischen Beziehung hält sich diese Kommunikation von Nähe und Distanz bei beiden Partnern in etwa die Waage, d.h. beide Partner zeigen abwechselnd in etwa ähnlich viel Nähe und Distanz. Dabei läuft das ganze sehr subtil und eher unmerklich ab, häufig auch über die Körpersprache oder die Betonung, wie man etwas Bestimmtes sagt. Problematisch wird es für eine Beziehung dann, wenn sich hier ein Ungleichgewicht einschleicht, also ein Partner viel mehr Nähe zeigt, während der andere zunehmend distanziert reagiert. In der Folge kann sich dieses Ungleichgewicht immer stärker ausprägen, bis sich der distanzierende Partner von dem anderen trennt.

Was nach einer Trennung passiert

Trennt sich ein Partner und kommuniziert dem anderen somit eine extreme Form von Distanz, so reagieren die meisten Menschen aufgrund Ihrer Gefühle in dieser Situation instinktiv so, dass Sie eine extreme Form von Nähe zeigen. Liebesbekundungen, Hinterherlaufen, dem Ex-Partner Geschenke machen, Diskutieren, es dem Ex-Partner in Zukunft alles recht machen wollen, usw. sind alles Beispiele für die anschließende Kommunikation von extremer Nähe, die ich bei meinen Kunden nur allzu oft erlebe. Was sie damit allerdings fast ausnahmslos erreichen, ist eine weitere Distanzierung des Ex-Partners gemäß dem Prinzip von Nähe und Distanz.

Je abweisender sich der Ex-Partner verhält, desto mehr läuft man ihm hinterher und desto mehr glaubt man, dass nur das Hinterherlaufen etwas bewirken kann - ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Tatsächlich ist in so einer Situation die Dynamik von Nähe und Distanz vollständig aus dem Gleichgewicht geraten und jedes weitere Zeigen von Nähe verfestigt nur dieses Ungleichgewicht und vermindert massiv die Chancen darauf, den Ex-Partner jemals zurückzugewinnen.
(Quelle: Richard Tscherney)

Vielleicht hilft es dir ein wenig #klee

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Ich denke, ich habe Dich verstanden.

Zwischen seinem ersten und seinem letzten Auszug ist genau das von Dir beschriebene hier passiert. Dabei war vorher oft ich diejenige die mehr Distanz gesucht hat, gerade als die Kids so klein waren, das deren Bedürfnis nach Nähe meines voll ausgefüllt hat.

Jetzt suche ich keine Nähe mehr, ich möchte gerade nicht mit ihm über uns reden. Ich weiß, das mag sich hier anders lesen, aber bei unserem letzten Treffen habe ich versucht sachlich zu sein, ich werde auch nie wieder betteln und vor ihm heulen.

Danke.