Wie kann ich ihm helfen?

    • (1) 23.05.13 - 10:53
      WIe gehts weiter?

      Hallo!

      Es geht um meinen Mann. Wir sind seit 8 Jahren zusammen, haben einen knapp 2 jähirgen Sohn. Als wir uns kennengelernt haben, hat er noch studiert... bzw. er befand sich in der Diplomphase und hat in einem Vermessungsbüro als Gehilfe gearbeitet.

      Kurzfassung: Die Diplomarbeit hat er nie geschrieben, das Büro hat ihn weiterbeschäftigt und ihm die Möglichkeit zur Technikerprüfung gegeben. Hat er gemacht und arbeitet jetzt immer noch in diesem Büro.

      Ich habe zu dem Zeitpunkt als wie uns kennengelernt haben das Haus meiner Eltern und Großeltern gekauft. Altes Haus, ordentlicher Preis.... Es ist immer noch viel zu machen und ständig tauchen neue Dinge auf. Schon eine Belastung.

      Mein Mann hat immer mehr Phasen in denen er sagt er wäre dumm, er hätte keine Ahnung vom Leben, er bekommt nichts gebacken.

      Dumm ist er nicht. Auf keinen Fall. Er ist intelligenter als ich - das stelle ich hier überhaupt nicht zur Frage. Er hat keine Ahnung vom Leben trifft es schon eher.

      Er gerät wegen Kleinigkeiten in Panik bzw. Streß. Er sucht permanent irgendwas - wenn ich dann einmal schaue, finde ich es. Er ist dann so hektisch, dass gar nichts mehr klappt. Sobald irgendwas ausser Plan läuft bekommt er eine Krise und wird hektisch, laut und zum Teil auch echt gemein. In diesem Moment sind dann immer alle anderen dran schuld.

      Er kann nicht reden. Sich einfach mal unterhalten, Dinge hin und her werfen, Diskutieren. Kann er nicht. Gabs in seiner Familie nie.

      Ihm ist alles zuviel - dabei muss er sich um nichts kümmern! Also um nichts wichtiges. Alles was irgendwie mit Verantwortung zu tun hat regele ich. Er kümmert sich nicht. Er kann nicht abschätzen was wichtig ist. Ich sage ihm seit 3 Monaten das er klären muss wieviel Urlaub er noch hat, damit wir den Übergang unseres Sohnes von Krippe zu Kiga abdecken können. Er macht nichts. Er kümmert sich nicht. Er muss in dann in den Kiga bringen und kann dadurch erst später anfangen zu arbeiten. Ab 01.08. gehts los - er hat bis heute nicht mit seinem Arbeitgeber gesprochen. Kann er nicht, schafft er einfach nicht.

      Wir sind dabei zwei Wohnungen zusammen zu legen. Alles vom Handwerker machen zu lassen können wir uns nicht leisten. Mein Mann ist handwerklich begabt. Das steht ausser Zweifel. Aber es geht nicht voran, weil er Angst hat, etwas falsch zu machen. Wenn ich ihm dann anbiete, dass ich jemanden frage bzw. das wir zusammen jemanden fragen, dann will er das auch nicht. Er weiß nicht was er will.

      Ich liebe ihn wirklich über alles... sonst würde ich das nicht mehr mitmachen. Ich trage gerne Verantwortung und komm damit auch gut klar. Aber momentan bin ich einfach an einem Punkt wo ich mir wünschen würde, er würde auch mal was machen.

      Also er macht ja, er fängt 1000 Dinge gleichzeitig an und macht nichts fertig. Hier ein Regal, da der Garten, zwischendrin noch irgendwas anderes.... 1000 angefangene Projekte und nichts wird zu Ende gebracht.

      Ich will jetzt nicht hören, dass ich ihn verlassen soll und ich das nicht mitmachen soll.... wer mir das raten will, kann sich das tippen sparen. Ich will ihm wirklich helfen. Ich weiß nur nicht wie. Vielleicht war selbst schon mal jemand in so einer Situation wie ich es jetzt bin oder auch in einer wie mein Mann es ist und hat ein paar Tipps.

      Vor dem Gang zum Therapeuten scheut er sich. Reden bringt wie gesagt auch nichts. Wenn ich alles mache, ist es hinterher meistens falsch.... aus seiner Sicht.

      Ich weiß momentan nicht wie es weitergeht. Ich bin selbst ein Mensch mit vielen seelischen Baustellen und beginne demnächst auch eine Therapie. ich kümmere mich gerne und trage gerne Verantwortung, aber ich will auch sehen, dass was passiert. Mich kotzt es ehrlich gesagt an, wenn er nur da sitzt, sich aufregt und dann nur immer wieder sagt, dass er dumm ist und keine Ahnung hat....

      Achso - natürlich könnte ich ihn einfach gehn lassen und ihn dann die Konsequenzen seines Nicht-Handelns spüren lassen. Aber wie mache ich das zB in der Urlaubssache? Da steht dann mein Sohn morgens da und ist alleine? Geht ja nicht. Problem ist halt, dass ich oder auch der Kleine immer auch von den Konsequenzen betroffen sind und da hab ich keine Lust drauf.

      • Unser Sohn ist knapp 3 und nicht knapp 2....

        Hier vielleicht noch ein paar Beispiele:

        Wir fahren auf einen Parkplatz. Für ihn ist es die Hölle, einen "richtigen" Parkplatz auszuzuschen. Wenn ich fahre, sagt er 1000mal welchen ich nehmen soll (mache ich nicht mehr, sondern entscheide selbst!).

        Mh, gar nicht so einfach. Die Beispiele die er mir immer nennt, warum er ja angeblich dumm ist, sind so banal und in meinen Augen total normal.... Er vergisst zB das er kein Bargeld mehr einstecken hat, er stellt bei Ebay was rein und gibt versehentlich ne falsche Fabrikatsnummer an. Wenn ich so drüber nachdenke, sind das immer Situationen in denen er etwas vergisst. Oft kann er auch Zusammenhänge nicht finden. Also es ergibt sich irgendeine Situation und er bekommt es nicht hin, die mit einer anderen zu verknüpfen und dann entsprechend zu handeln. Jetzt fällt mir natürlich kein Beispiel ein.

        Nur mal so eingeworfen.. gibts ne AD(H)S Geschichte in der Familie Deines Mannes? Ist Dein Sohn auffällig?

        Klingt für mich sehr danach.

        Lichtchen

        • Hallo,

          das erste was mir einfiel war auch Asperger-Symdrom. Ganz salopp gesagt eine "Mischung" aus ADHS und Autismus nur schwächer ausgeprägt.

          Diese Menschen werden oft gar nicht als krank wahrgenommen nur als seltsam oder anders.
          vg

        Ich hab jetzt nochmal nachgedacht. Vor einigen Monaten meinte die Erzieherin in der Krippe, dass unser Sohn eventuell Autistische Züge hätte. Es muss immer alles seine Ordnung haben und möglichst den gleichen Ablauf. Das ist auch immer noch so.

        Asperger ist eine Form von Autismus, oder?

        • Googel einfach mal ein bisschen, du wirst sicher ne Menge dazu finden.

          Wenn Dein Mann AD(H)S hat ist es mehr als wahrscheinlich, dass Euer Sohn es auch hat. und alles was Du beschreibst passt sehr sehr gut ins Bild.

          Allerdings sind solche Selbsttest und sowas quatsch. Vielleicht kriegste Deinen Mann ja über die schiene Sohn? Also dass er sich diagnostizieren lässt um dem Sohnemann zu helfen quasi. Es ist immer gut, so eine Diagnose vor der Einschulung zu haben, im Zweifel erspart man sich und dem Kind viel viel Ärger und Frust.

          lichtchen

          • Das hab ich gestern Abend versucht. Ich hab ihm Info-Material ausgedrückt und ihm dann unter Bezug auf den kleinen "ins Gewissen" geredet. Jetzt lasse ich ihn erst mal ein paar Tage in Ruhe und sprech das Thema nicht mehr an. Ich bin gespannt...

    <Vor dem Gang zum Therapeuten scheut er sich. Reden bringt wie gesagt auch nichts. >

    Wie willst du ihm denn helfen, wenn er sich nicht helfen lassen will?

    Wow! Genau in die Richtung hab ich auch schon gedacht. Hab auch schon einen ADS Test mit ihm gemacht. Sieht er aber alles nicht ein!

    Genau das ist ja das Problem - ich weiß nicht wie ich ihm helfen soll! Aber so kann es doch auch nicht ewig weitergehen!

    Habt Ihr vielleicht Buchtipps oder Links wo die Symtome gut dargestellt werden?

    Er war mal zu 5 Probestunden bei einem Psychologen. Leider haben sie sich dort nur über das aktuelle Weltgeschehen unterhalten...

    Unser Sohn ist sehr lebhaft, aber an ADS Denk ich bei ihm gar nicht.

    Ich fühl mich so hilflos und es ist so schwer ihn so Leiden zu sehen...

Ich verstehe dass es extrem frustrierend ist, mit einem solchen Menschen zusammen zu leben. Und dass du einen Großteil der Verantwortung trägst ist belastend.

Ob er AD(H)S hat, sei dahingestellt...er hat die Prüfung geschafft und die Arbeit bekommt er auch gut geregelt - mein Schwager hat ADHS, bei ihm sieht es ganz ander aus - für mich scheint es eher so, dass er einfach viel Zeit braucht, um sich zu sortieren und sich vllt. mit Familie, Arbeit, in der er nicht ganz zufrieden ist und Handwerkerhaus sehr viel aufgeladen hat - für seine Verhältnisse. Fachfrau bin ich aber nicht...AD(H)S (oder nicht) kann nur der Neurologe feststellen.

Nur....du kannst es nicht erzwingen, dass er sich ändert - du nennst es helfen lassen - für ihm sieht es wahrscheinlich anders aus. Von allen Seiten Druck...

Entweder du erträgst es und Ihr findet einen Weg, Euer (sein) Leben etwas simpler und strukturierter zu gestalten oder du setzt ihm ein Ultimatum - entweder läßt er sich untersuchen und ggfls. behandeln oder du gehst.

#klee

  • Ein Ultimatum werde ich nicht stellen. Ich bin ja auch bereit mein Verhalten so zu ändern/anzupassen, um es ihm zu erleichtern. ich weiß nur leider nicht wie. Wenn er "einsehen" würde, dass er nicht dumm ist, sondern einfach "anders tickt" wäre das auch schon sehr hilfreich. Ich will ihn auch nicht ändern, schließlich liebe ich ihn ja und er hat ja auch unheimlich tolle Seiten! Ich will ihn verstehen und bin auf der Suche nach einem Weg, wie wir das zusammen hinbekommen. Aber diesen Weg muss ich suchen und ich finde ihn momentan nicht.

    Ja, er hat sich zuviel aufgelastet und das belastet ihn. Wenn ich aber mit ihm darüber sprechen will, ob wir unser Haus verkaufen (oder es zumindest mal versuchen), geht er da überhaupt nicht drauf ein. Ich bekomme keine Antworten von ihm.

    Er könnte sogar beruflich nochmal was komplett neues machen. Die Möglichkeiten hätte er, da ich durchaus auch als Alleinverdiener klarkäme. Aber er weiß selbst nicht was er will und er ist ja der Meinung er kann gar nichts und ist dumm.

    Solanger er diese Einstellung hat, seh ich keinen Weg raus aus diesem Kreislauf und ich habe keine Ahnung wie ich ihn davon wegbekommen kann.

    • Es scheint nur dich zu belasten - oder empfindet er alles genauso?

      • Ihn belastet es auch.

        Mich belastet es in soweit, als das ich eigentlich immer diejenige bin, die dann zB den Jähzorn abbekommt, die immer an allem schuld ist und die immer alles falsch macht.

        Das er halt nicht "normal" darüber redet erschwert es noch. ich würde mit ihm so gerne mal eine Diskussion führen, aber das geht nicht. In ganz wenigen Momentan klappt das mal. Er will immer das ich keine Fragen stelle sondern von mir und meinen Gefühlen erzähle. Das mache ich auch - aber es kommt nichts zurück. Er erzählt nichts von sich.

        Er hat so tolle Ideen, redet aber immer erst hinterher darüber, vergisst es oder kann es nicht umsetzen. Das belastet ihn und für ihn ist das dann wieder der Beweis dafür, dass er dumm ist.

        Wir lassen in unsere Erziehung viel Montessori und Jesper Juul einfließen und hier und da verfalle ich wieder in alte gewohnte Muster. Anstatt mir dann aber zB in dem Moment zu sagen: "Hey, find ich grad nicht so prickelnd!" dauert es Tage bis er damit rausrückt. In dieser Zeit merke ich aber schon, dass etwas mit ihm nicht stimmt.

        Gestern kam er nachhause und war schon wieder total angespannt. Warum weiß ich nicht, ich habe es aber gemerkt. Unser Sohn auch.... ich bin dann für ne Stunde zum Sport und der Kleine hat immer wieder nach mir gerufen und geweint. Das macht er "normal" nicht. Dadurch war mein Mann natürlich noch angespannter. Als ich heim kam und der Hund nervös rumgelaufen ist und den Schwanz zwischen den Beinen hatte, wußte ich schon was los war. Mein Mann ist rumgerannt wie ein HB Männchen - total gestresst, gereizt und kurz vorm Explodieren. An der Situation war dann natürlich ich schuld... Warum auch immer. Ich verstehe oft Gedankengänge von ihm nicht und frage nach. Dann kommt nur: "Kapierst Du das nicht oder was?".

        Dan gibt es momente da können wir super miteinander reden. Er erzählt dann zwar auch nicht sooo viel, aber es ist ok.

        Womit ich auch nur schwer umgehen kann, sind Schwankungen. Er ist im einen Moment aufgebracht und jähzornig und im nächsten Moment total gelassen und ruhig.

        Ich will einfach wissen wie ich damit umgehen kann und ihm damit auch helfen kann.

        • Ich lese sehr viel Frust und Schmerz aus deinen Erzählungen und ich kann so gut nachvollziehen, wie verzweifelt du bist. Die Schwierigkeiten, die Machtlosigkeit, nichts ändern zu können, nicht zum Partner vordringen zu können, das zermürbt, zerstört.

          Lass dich erstmal drücken #liebdrueck

          Du schreibst so vieles, das einzige, was ich nicht lese ist, dass er auch darunter leidet...ich denke, so lange er die Einsicht nicht hat, keine Selbstreflexion, wirst du den Berg nicht bewegen können. Warum sollte man sich ändern wenn es nicht notwendig ist - oder man meint, es bringt eh nichts - oder man hat gar Angst davor oder es scheint nicht zu bewältigen zu sein.

          Mein Partner hat einen ähnlichen "Abschaltreflex"...wenn ich frustriert bin und auf ihn einrede und er nicht versteht, warum ich sauer bin...schläft er ein...er packt diese verbale, emotionale Informationsflut nicht. Ich habe herausgefunden, dass wenn ich ihm schreibe - und er sich alles ausdruckt, analysiert, unterstreicht, dann begreift er - oft nach Wochen - was mich bewegt. Das ist unser Weg. Ich bezweifele aber, dass das bei Euch funktionieren wird. Dein Mann scheint so viel "unfähiger" zu sein, normale Alltagsdinge zu strukturieren und Gedanken und Gefühle zu sortieren.

          Ich bin hier schlicht überfragt - wenn er sich nicht untersuchen lassen will und nicht auf deine Bitten eingeht und kein vernünftiges, konstruktives Gespräch möglich ist sehe ich keinen Weg außer...es akzeptieren, versuchen, weiterhin an ihn heranzukommen - oder ihm ein Ultimatum zu setzen.
          #klee

          • Ich finde ja schon das er leidet. In dem Moment in dem er sich als dumm bezeichnet. Darunter leidet er ja. Aber die Einsicht, dass er daran was ändern kann bzw. seine Einstellung dazu ändern kann, die fehlt noch. Wahrscheinlich ist seine Schmerzgrenze noch nicht erreicht.

            Ich habe eine tolle Seite im Netz zu ADS gefunden - ich denke das trifft bei ihm eher zu. Da ist auch eine Art Leitfaden für Partner. Vielleicht hilft mir das ein bisschen, anders damit umzugehen. Da ich ja selbst nächste Woche eine Therapie starte (wenn ich endlich DIE Therapeutin für mich gefunden habe), hilft mir das vielleicht auch.

            Ich bin halt auch das totale Gegenteil.... Eine Freundin von mir meinte neulich, dass wir uns im Grunde ja super ergänzen und solange die Organisation für mich kein Problem ist, soll ich es doch machen. Das ist auch in Ordnung und das mache ich ja auch gerne. Aber was ist mit den Dingen um die er sich kümmern MUSS und die Konsequenzen für uns Alle haben.

            Was mir jetzt auch nochmal zu denken gibt ist unser kleiner Mann. Schließlich sind die hier im Thread genannten Krankheiten alle Vererblich. Ich denke ich werde mit meinem Mann im Hinblick darauf nochmal versuchen zu reden. Ganz hier in der Nähe habe ich auch eine Klinik gefunden die sich mit ADS bei Erwachsenen beschäftigt. Eventuell gibt es da auch ambulante Möglichkeiten und vielleicht lässt er sich darauf ein.

            Ich schreibe ihm fast nur :) Aber auf die Idee, sich das mehrmals durchzulesen und drüber nachzudenken ist er noch nicht gekommen :) Find ich gut wie ihr das macht. Vielleicht rege ich das bei ihm mal an.

            Vielen lieben Dank für Deine Antworten. Sie haben mir geholfen. Oft ist man ja einfach nur in seiner Denkweise eingefahren und braucht einen Schuppser von aussen!

            Das mit dem Ultimatum werde ich aber trotzdem lassen :) Dafür liebe ich ihn zu sehr und dafür ist MEINE Schmerzgrenze auch noch nicht weitgenug überschritten.

            #blume

hab grad nicht viel zeit.
wegen des angesprochenen asperger...schau mal in die bücher von tony attwood wenn du da interesse hast...gut zu lesen.

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