Ehevertrag - was meint Ihr dazu?

    • (1) 10.06.13 - 21:12

      Hallo zusammen,

      ich bin im 4. Monat schwanger und auch wenn wir noch nicht sehr lange Zusammen sind, spielen wir mit dem Gedanken zu heiraten.

      Leider ist mein Partner - ebenso wie ich schon mal verheiratet und geschieden - der Ansicht, dass er sich erstmal rechtlich zu einem Ehevertrag beraten lassen möchte, ehe er überhaupt einen Antrag macht ... Ich wusste schon am anfang unserer Beziehung, dass er aus Angst davor, ausgenommen zu werden,,nur noch mit Ehevertrag heiraten würde.

      Dennoch hätte ich mir gewünscht dass er erstmal einen antrag macht und wir lassen uns dann gemeinsam mal beraten. Aber er war bereits beim Anwalt. Er werde von seinen Vorstellungen nicht zurückweichen, was ich partout schon mal sehr hart zu schlucken finde. Seine Vorstellungen sind: Ausschluss der zugewinngemeinschaft und des Versorgungsausgleiches. Dafür würde er im trennungsfall laufend eine Unterhaltszahlung leisten und mir bereits jetzt die Finanzierung einer Altersvorsorge (Immobilie) mit jährlichen zahlungen in höhe von ca 8500 Euro ermöglichen (im Falle einer Trennung würde ich ihm diese zahlungen zurück geben, das war mein eigener Vorschlag weil ich keinesfalls den Eindruck erwecken möchte, ihn ausnehmen zu wollen!). Ein netter Vorschlag, diese Finanzierung, gar keine Frage! Umgekehrt wird auch er davon profitieren, auch bei einer Trennung. Dafür aber planen wir, bald ein Haus zu bauen - hierbei soll ich nicht im Grundbuch eingetragen werden, da ich nicht aktiv mitfinanzieren kann (Logo, bin ja auf unser beider Wunsch für mindestens 2 Jahre in Elternzeit und würde danach nur Teilzeit arbeiten!).

      Er ist doch um einiges vermögender als ich - auch wenn ich jetzt als Arm bezeichnen würde.

      Würdet Ihr Euch auf einen solchen Vertrag einlassen? Was habe ich zu verlieren? Ich bin schon etwas enttäuscht, dass er auf einem solchen Vertrag besteht, aber ich verstehe auch seine Angst. Leider Gottes kann er sich davon auch nicht frei machen....

      Ohne Heirat hätte ich gar keine Absicherung, jedenfalls spätestens nachdem das Kind drei Jahre alt ist. Ein gemeinsames Sorgerecht ist für mich auch selbstverständlich, wenn wir nicht heiraten würden. Allerdings bestünde ich auf meinen Nachnamen, wenn wir unverheiratet sind bei der Geburt des Kindes.

      Ein schales Gefühl bleibt... all die Aufregung nur, um den "Worst Case" zu regeln ... Vor lauter Diskussion über dieses Szenario vergesse ich beinahe schon, was Ehe bedeuten sollte ;-(

      Einen eigenen Anwalt werde ich erst aufsuchen, wenn er mir wirklich einen Antrag gemacht hat. Ich habe ihn gebeten sich erstmal genau zu überlegen ob er das will - Jenseits aller möglichen Ehevertrags- und finanziellen Regelungen.

      Danke fürs bis-hierher-lesen!

      Wie steht Ihr dazu?

      sunflower

      • "Dafür aber planen wir, bald ein Haus zu bauen - hierbei soll ich nicht im Grundbuch eingetragen werden, da ich nicht aktiv mitfinanzieren kann (Logo, bin ja auf unser beider Wunsch für mindestens 2 Jahre in Elternzeit und würde danach nur Teilzeit arbeiten!)."

        Das ist für mich keineswegs "logo". Du bist ja auch aktiv - nur eben zuhause, um EUER Kind zu versorgen! Du machst ja nicht Urlaub auf Hawaii auf seine Kosten, sondern leistest genausoviel für die Familie wie er! Wieso soll er dann im Grundbuch stehen und Du nicht? DU ermöglichst ihm ja seinen Vollzeitjob, indem Du ihm den Rücken freihältst.

        In einer Ehe sollte der Beitrag beider Partner gleich viel zählen.

        Nun ja, laß Dich gut beraten vom Anwalt ...

        Schließe mich Anyca an!

        Du puhlst dir ja nicht an den Füßen sondern trägst dazu bei das Papi Abend's Heim kommt und ein lecker Essen auf dem Tisch hat.
        Das "sein" Haus schön sauber und gepflegt ist.

        Such dir wirklich einen guten Anwalt, im Mom. kann zumindest ich als Laie nicht erkennen was dir bei einer Scheidung bliebe für deinen Einsatz

        Wenn du zu Hause bleibst und dann teilzeit arbeitest hast du ja auch Einbußen bei deiner Rente.
        Cloti

        #winke

        Ich bin da recht romantisch-verklärt, ein Ehevertrag käme für mich NIE in Frage! Zum Glück für meinen Partner auch nicht...

        Sicher kann ich Argumente die dafür sprechen nachvollziehen aber der Gedanke bei einer Heirat eine (evtl.) Scheidung quasi mit einzuplanen ist für mich total befremdlich...wenn auch (leider) realistisch!

        Lg
        Nina

        • (5) 11.06.13 - 11:29

          danke.

          du sprichst mir aus der seele.

          ich finds auch immer mehr als befremdlich. wie kann man sich denn einem menschen öffnen, mit ihm eine familie gründen, ein gemeinsames heim schaffen, ein ganzes leben mit ihm verbringen wollen ... aber gleichzeitig eine trennung "dingfest" zu regeln ... fürchterlich. da gruselts mich.

          lg a.

      Wir haben einen Ehevertrag sowie Testament. Das haben wir sehr nüchtern abgehandelt. Wir waren allerdings gemeinsam beim Notar, haben uns dort beraten lassen und waren auch beide mit der Regelung einverstanden.

      Wir sind nun seid fast 5 Jahren glücklich verheiratet #verliebt
      Mein Mann hat 8 Jahre Summen an seine Exfrau gezahlt, da wird mir heute noch schlecht.

      Darum konnte ich ihn sehr gut verstehen!

    • Grundsätzlich finde ich es sinnvoll, vor der Heirat oder auch später einen Ehevertrag abzuschließen. Da dein Partner schon eine Scheidung hinter sich hat, kann ich gut nachvollziehen, dass er nun vorsichtiger geworden ist. Die Frage ist nur, ob er dich mit dem vollständigen Ausschluss von Zugewinnausgleich und Versorgungsausgleich nicht über den Tisch ziehen würde. Da du ja momentan schwanger bist und dann euer gemeinsames Kind aufziehen wirst, wirst du zwei Jahre lang auch kein Einkommen haben. Meines Wissens ist eine solche Regelung eigentlich nur bei kinderlosen Paaren sinnvoll, die beide berufstätig sind und somit keine Auszeiten haben. In eurem Fall wäre zu überlegen, ob nicht eine modifizierte Zugewinngemeinschaft, d. h. eine zeitliche oder hälftige Beschränkung die bessere Variante wäre.

      Wenn du nicht ins Grundbuch eingetragen wirst, wäre er ja dann alleiniger Eigentümer des Hauses. Das würde bedeuten, dass er dich im Trennungsfall von heute auf morgen vor die Tür setzen könnte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieser Regelung zustimmen würde, da du große Nachteile dadurch hättest. Wäre es für dich denn gar nicht möglich, einen Teil des Hauses mitzufinanzieren? Ihr könntet euch auch anteilig entsprechend eurer Vermögensverhältnisse ins Grundbuch eintragen lassen. Das haben ich und mein Mann beim Hausbau damals so gemacht, weil unsere Vermögensverhältnisse recht ungleich waren.

      Auf alle Fälle würde ich mich an deiner Stelle noch von einem anderen Rechtsanwalt beraten lassen, der deine Interessen vertritt. Was du vermeiden solltest, wäre eine voreilige Unterschrift des Ehevertrages in dieser Form.

      Ich würde es genau so wie Dein Partner handhaben. Bei der 1. Ehe ist man noch jung, bei der 2. Ehe ein gebranntes Kind und vernünftiger.

      Du sprichst die Grundbuchsache gesondert an, das scheint Dir am Herzen zu liegen. Du solltest Dir klar machen, das Du keine Miete zahlen wirst, zunächst überhaupt nicht arbeiten musst, und planst, später nur Teilzeit zu arbeiten. Du wirst also fast komplett von Deinem zukünftigen Ehemann finanziert werden. Da ist es natürlich, dass er das Haus auch alleine kauft. Passt Dir das nicht, solltet ihr auch arbeitsmäßig ein anderes Modell wählen.

      • Hallo,

        Danke für deine Antwort. Nein, es liegt mir nicht besonders am Herzen, zumal ich das Haus allein ohnehin nicht halten könnte, aber ich empfinde es als unfair, dass meine Arbeit - auch wenn sie im wirtschaftlichen Sinne nichts bedeutet - nicht gewürdigt wird. Ich verzichte ja schließlich auf mein eigenes Geld, meine Alterssicherung, Erfolgserlebnis und soziale Kontakte im Job etc., um unser gemeinsames Kind zu erziehen und unseren Haushalt zu führen! Das sollte schon auch gewürdigt sein, denke ich.

        Wie meinst du das mit dem unter Umständen sittenwidrig des Ausschlusses des Versorgungsausgleiches? Und gilt das auch für den Zugewinn?

        • Und warum lässt du dich so bequatschen und gehst nach der Elternzeit nicht Vollzeit arbeiten? Bist du dann eine billige Putze und Nanny? Wenn er so viel Geld hat, dann kann er auch eine Putzfrau und den Kindergarten bezahlen, zur Not auch einen Gärtner.

          Auf einen Antrag warten, finde ich Kleinprinzessinnengehabe. Was ändert ein Antrag? Macht Nägel mit Köpfen, sprich, macht klare Hochzeitspläne. Lasse dich z.B. zu 25% ins Grundbuch aufnehmen, lasse dich von einem Notar oder Anwalt hinsichtlich dessen beraten, genauso wie zu dem anderen Zeugs. Du putzt in dem Haus, du machst den Garten. Also gehört dir das Haus auch irgendwie, auch wenn du dafür nichts bezahlst.

          Ich würde jedenfalls nie so abhängig sein wollen von einem Mann.

      Du tust so, als ob sie jahrelang Urlaub machen würde - sie wird aber FamilienARBEIT leisten. Rechne doch mal aus, was der Herr zahlen müsste, wenn er eine 24-h- Kinderfrau und Haushälterin einstellen würde!

      Meine Mutter war jahrelang zuhause und hat uns Kinder betreut und hat danach erst mal Teilzeit gearbeitet, aber selbstverständlich gehört das Haus meiner Eltern beiden gleichermaßen. Das ist doch der Normalfall in einer Ehe?

      • Ich gehe davon aus, dass der Mann ein gewisses Kapital schon von Anfang an in das Haus stecken wird. Geld, dass er erarbeitet hat, schon bevor er die TE kennen gelernt hat. Auch ist ein Vollzeitjob nun einmal wesentlich anstrengender und setzt in den meisten Fällen eine Ausbildung voraus, was beim Putzen, Kochen und Kinderbetreuen nicht der Fall ist. Ich finde nicht, dass man im Falle einer Trennung dann davon ausgeht, dass beide gleichberechtigt gewirtschaftet haben. Gerade deshalb sollten sich Frauen nicht so abhängig machen, indem sie planen, ganz zu Hause zu bleiben oder nur Teilzeit zu arbeiten - insbesondere, wenn der Mann so sehr darauf aus ist, sich abzusichern. Dann sollte sie es auch tun, und zwar, indem sie sofort einen Anwalt befragt.

        Einen Ehevertrag finde ich gut für die 2. Ehe, gerade wenn so unterschiedliche Voraussetzungen gegeben sind. Aber die TE darf sich nicht über den Tisch ziehen lassen; der Vertrag muss auch für sie fair sein, was bei diesem Entwurf hier nicht zu sein scheint.

        Man könnte hier eine Aufwandsentschädigung festlegen für jeden Monat des Zusammenlebens.

        • Das heißt, eine - sagen wir - Lehrerin, die jahrelang aussetzt, ist auf einmal nur noch so viel "wert" wie eine ungelernte Putzfrau?

          Wenn der Mann seinen höheren Verdienst als Argument benutzt, dass er weiter Vollzeit arbeitet, dann ist es für mich selbstverständlich, daß er FÜR DIE FAMILIE arbeiten geht und nicht nur für sich.

          • Wenn die Lehrerin nur noch Tätigkeiten einer Putzfrau verrichtet - warum sollte sie höher bezahlt werden? Zumal man als Hausfrau seine Zeit einteilen kann. Es ist nun einmal kein Vollzeitjob.

            Du vergisst auch, dass in einer 1. Ehe in der Regel noch kein Vermögen vorhanden ist. hat ein Mann oder eine Frau sich aber eine gewisse Summe, sagen wir mal, 60.000 Euro angespart und will damit ein Haus kaufen, den Betrag also als Anzahlung nutzen, wäre es schon ungerecht, wenn die Ehefrau/der Ehemann dann Anspruch darauf erheben würde im Falle einer Trennung.

            In meiner 1. Ehe hatten wir beide nichts, aber ein gewisses Vermögen gemeinsam erarbeitet. Wir haben immer abwechselnd oder gemeinsam gearbeitet und dabei 2 Kinder gehabt. Als wir uns nach vielen Jahren Ehe getrennt haben, wurde alles aufgeteilt. Jetzt stehe ich vor einer neuen Ehe. Ich habe recht viel Vermögen, mein Zukünftiger weniger als nichts, nur Schulden. Er hat auch keine Arbeit. Wenn wir uns ein neues Haus kaufen würden, würde ich es als extrem ungerecht empfinden, sollte er im Falle der Trennung Rechte daran haben.

            • "Ich habe recht viel Vermögen, mein Zukünftiger weniger als nichts, nur Schulden. Er hat auch keine Arbeit. Wenn wir uns ein neues Haus kaufen würden, würde ich es als extrem ungerecht empfinden, sollte er im Falle der Trennung Rechte daran haben."

              Ich sehe, wir haben ein sehr unterschiedliches Eheverständnis. Jemanden, mit dem ich nicht alles zu teilen bereit bin, würde ich nicht heiraten.

Noch etwas: ein vertraglich festgelegter vollständiger Ausschluss des Versorgungsausgleiches kann möglicherweise sittenwidrig sein und angefochten werden.

  • Wenn sie ihn demnächst unterschreibt sicherlich.Die TE ist schwanger! Sofern die Salvatorische Klausel noch existiert.

    • Guten Morgen! TE - soll ich das sein? Wenn ja, was hat das mit der Schwangerschaft zu tun? Hab es zwar gegooglet aber noch nicht wirklich eine Antwort auf die frage nach der sittenwidrigkeit gefunden.

      • Wenn die Frau zum Zeitpunkt des Abschlusses des Ehevertrages schwanger war und er sie eindeutig benachteiligt ( Verzicht auf Unterhalt, Versorgungsausgleich, Zugewinn )kann z.B. unterstellt werden, das sie diesen nur unterschrieb um geheiratet zu werden.
        Dies könnte dazu führen, das er insgesamt als sittenwidrig gesehen wird.Zumindest vor einigen Jahren war das noch so.

        In deinem Fall würde ich z.B. nicht auf den Versorgungsausgleich verzichten, auf Zugewinn auch nur, wenn dein Mann schon vor der Eheschliessung erhebliche Vermögenswerte hat.
        Anwaltliche Beratung ( eigener Anwalt ) brauchst du auf jeden Fall.

(22) 11.06.13 - 02:21

Liebe sunflower!

Es mag 1000 rationale Gründe für einen Ehevertrag geben, ..., dennoch für mich wäre das - in dieser Form, wie Du das beschreibst - nichts.

Für mich hat Ehe mit Vertrauen zu tun und dem Willen, es gemeinsam zu machen.
Und nicht damit, meine Vorstellungen auf Gedeih und Verderb durchzusetzen.

Eine Heirat birgt leider das Risiko, dass man sich auch wieder scheiden lassen kann.
Wenn ich ja sage, dann ganz - das Gleiche erwarte ich auch von meinem Partner.

Unter diesen Umständen würde ich persönlich einen Heiratsantrag ablehnen.
Ich bin da aber auch emotional ;-).

Alles Gute!

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