Streit mit meinem Bruder - wer hat Recht?

    • (1) 14.06.13 - 14:43
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      Hallo,

      mein Bruder hat letztes Jahr am 3. Advent geheiratet (kirchlich, standesamtlich war er schon verheiratet), das wollten die beiden so, weil das der Jahrestag war. Es war ein Sonntagmittag, die Trauung war um 15.00. Wir waren als Familie eingeladen und planten erst, das Wochenende komplett hinzufahren (ca. 400km). Mein Bruder war von der Idee nicht begeistert, da einige Studienfreunde kamen, die er seit Jahren nicht gesehen hat und die ganze Vorbereitung (war eine kleine Hochzeit, aber gut). Meine Schwägerin sagte auch gleich, dass wir nicht vorher vorbeikommen sollten, wegen Kleid, Friseur, Fotograf, etc. etc. Die Message war "wir sehen uns dann um 15.00 in der Kirche".

      Leider habe ich in der Arbeit den Montag nicht freibekommen, mein Mann auch nicht, wir haben schulpflichtige Kinder, die in der Woche viele Klassenarbeiten schrieben. Das habe ich meinem Bruder gleich gesagt, es ging vielen der Freunde und Verwandte so. Wenn ihr euch erinnert, war das das Schneechaoswochenende. Wir wollten gegen 6.00 los fahren, es schneite, mein Mann sagte einfach, er würde nicht fahren und es den Kindern auch nicht zumuten, bei solchen Wetterverhältnissen 2x400km im Auto zu sitzen.

      Ich bin dann alleine gefahren. Es schneite und schneite, ich habe auf dem Hinweg schon fast fünf Stunden gebraucht, war um 14.30 an der Kirche, war zur Trauung da und bin dann wieder heimgefahren. Sofort danach. Ich war kurz vor Mitternacht daheim - es war wirklich mörderisch (Blitzeis, etc. etc.). Das haben wohl ganz viele der Hochzeitsgäste gemacht, das "gemütliche Abendessen" fiel aus.

      Mein Bruder und meine Schwägerin sind noch immer total sauer, weil sie meinten, wir Gäste hätten die gesamte Hochzeit ruiniert, man hätte ja auch mal über den Schatten springen können. Ich weiß nicht, wie? Ich finde, dass die Hochzeit an dem Tag eine Fehlplanung war, wenn viele Gäste von weit her kommen und am nächsten Tag arbeiten müssen, kann ich doch nicht erwarten, dass nach der Trauung um 16.45 noch der Bär steppt, wenn es draußen schneit? Ich war so froh, dass ich die Kinder nicht im Auto hatte.

      GLG
      Miss Mary

      • Hallo.

        Ich finde:
        wenn ich an einem Sonntag NACHMITTAG heirate, muss ich sehr wohl damit rechnen, dass niemand bis spät abends bleibt bzw Leute von weiter weg, nicht kommen.

        Zumal ich mir auch so spontan keinen Urlaub hätte nehmen können oder sowas...

        LG,
        Enelya

        • (3) 14.06.13 - 14:53

          Ach so, ich wäre wahrscheinlich garnicht erst hingefahren. 800km für eine halbe Stunde/Stunde Zeremonie... Nö.

          (4) 14.06.13 - 14:56
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          Hallo,

          ich bin total froh, dass du das auch so siehst - ich hatte schon bei der Einladung gesagt, dass ich es viel besser fände, wenn man sich um 12.00 zum Essen trifft - also vorher, nicht hinterher. Es war natürlich nicht meine Hochzeit, aber ich hatte mir schon gedacht, dass es so läuft. Es war dann auch so, dass ich noch schnell, als ich ankam, in einer Pizzeria was gegessen habe und dort noch andere Hochzeitsgäste traf, die dann auch direkt abreisten.

          Es gibt mit meinem Bruder immer wieder Zoff deshalb, er meint eben, man hätte wenigstens zum Abendessen dableiben können und auch mein Mann und die Kinder hätten sich halt mal zusammennehmen können. Ich habe ihm vorgerechnet, dass ich fast sieben (!) Stunden auf der Autobahn und Landstraße war - auf dem Rückweg - mit meinen Kindern wäre das der totale Albtraum gewesen.

          GLG

      Dein Bruder ist enttäuscht, hat sich das anders vorgestellt...

      Aber mal ehrlich...eine (zweite) Trauung, an einem Sonntagnachmittag mitten im Winter zu planen und zu erwarten, dass abends die wilde Party abgeht ist ziemlich naiv.

      Dass der Tag für die beiden viel bedeutet kann man verstehen, ich persönlich hätte - da ich ja schon offiziell getraut worden wäre - eine romantische Zweisamkeitsgeschichte mit meinem Mann daraus gemacht. Oder eben die Trauung an einem anderen Tag - wenn man so viel Wert auf die Feier legt - geplant.

      Vielleicht wird dein Bruder noch einsichtig und macht es beim nächsten Mal (Taufe? Einweihung?) besser.

      #klee

      • (6) 14.06.13 - 14:59
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        Hallo,

        das hatte ich im Vorfeld auch schon angemerkt, wobei das heute so ausgelegt wird nach dem Motto "ihr hattet doch eh keine Lust, ihr hattet doch gleich gesagt ...."

        Wie gesagt, hätte der Tag eine andere Struktur gehabt (erst Essen, dann Hochzeit), wäre es vielleicht auch noch gegangen. Ich habe es als ziemliche Zumutung empfunden und das Gezanke heute ist auch nicht schön. Mein Bruder hat eben damit gerechnet, dass viele gegen 20.00 aufbrechen.

        Mir graut ehrlich schon vor Taufen, Konfirmationen, etc. etc.

        • Dein Bruder scheint ein wenig egozentrisch zu sein. Oder sagt man "betriebsblind"?

          Ich habe gelernt, wenn ich eine Feier plane und andere Menschen einlade - und gewisse Erwartungen/Wünsche an diese Feier habe - zu berücksichtigen, dass andere eigene Leben haben und ein wenig Rücksicht auf diese zu nehmen, um weitestgehend meine Wünsche und ihre Möglichkeiten in Einklang zu bringen.

          Wenn ich stur mein Ding durchziehen will - milder ausgedrückt...wenn mir ein Datum/ein Ablauf wichtiger ist als alles andere kann ich nicht erwarten, dass andere mitziehen wollen oder können.

          Prioritäten....

          Wie sagte meine Mutter immer so schön? Du kannst den Kuchen nicht gleichzeitig essen und aufbewahren wollen...

          • (8) 14.06.13 - 15:18
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            Hallo,

            es ist mehr meine Schwägerin, die ziemlich egozentrisch ist. Seit die beiden ein Kind haben, ist das noch schlimmer. Klar nimmt man bei Leuten mit kleinen Kindern Rücksicht, aber sie macht so einen "Perfektionskult" - schlimm. Aber das ist ein anderes Thema.

            Deine Mama hat da Recht. Ich bin die Diskussion echt schon Leid und etwas mürbe. Inzwischen frage ich mich echt, ob er im Recht war. Daher auch meine Frage.

            Du hast aber schon Recht - die beiden haben ihr Ding durchgezogen. Sie sind gerne "etwas anders" - die Hochzeitsbilder wurden auch in einer Burgruine geschossen (sehr romantisch) - sie muss aber fast erfroren sein, im weißen Kleid, im Schnee. Es sind tolle Bilder, sehr anders, aber sie mussten halt einen Preis dafür zahlen.

            GLG

            • Ach, Gott, ja...eine von jener Sorte, die über Leichen geht, Hauptsache, IHR Leben macht sich in hochglanz XXL phantaaastisch...

              So wie sich das anhört bekommt dein Bruder ganz schön Feuer...nicht er spricht, sondern sie durch ihn...

              Ich würde nicht so viel dibbern...mach ihm/ihr klar, dass nicht die ganze Welt springt, sitzt, eine Rolle macht...und sich in Lebensgefahr begibt, weil sie eine Kulisse für ihre Vorstellungen brauchen...da würde ich schon Tacheles reden. Und wenn das nicht hilft...frag ihn, wie wichtig ihm diese Kulisse noch wäre wenn du oder einer der anderen Gäste nachts auf der Strasse verunglückt wären...

    (10) 14.06.13 - 15:02

    Über welchen Schatten?

    Ich finde es mutig, dass Du alleine gefahren bist. Ich hätte es nicht gemacht.

    Ich habe einmal im Leben in Schneeverwehungen im Auto verbracht und hatte Todesangst. Nie wieder.

    Sei froh dass Du heil heimgekommen bist. Der Rest wäre mir echt egal.

    • (11) 14.06.13 - 15:06
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      Hallo,

      ich hänge ziemlich an meinem Bruder, ich glaube, die Hochzeit war auch ganz gut geplant, aber ich habe ja nur die Kirche mitbekommen.

      Es war wohl so, dass die Freunde fast alle nicht zum Essen blieben, wobei er meint, wir "hätten einen Trend losgetreten, indem ich sagte, dass ich nach der Trauung gehen würde - so als Schwester hätte er das nicht gut gefunden".

      Ich habe ihm auch gesagt, dass ich an dem Abend mal gut 45 Minuten auf einer Autobahnraststätte gewartet habe, bis mal wieder ein Streufahrzeug vorbeikam und ich wirklich als Plan B geplant hatte, irgendwo rauszufahren, die Nacht in einem Hotel zu verbringen und am nächsten Morgen meinen Chef anrufen und ehrlich die Lage zu schildern. Das einzige, was mich von dem Plan abgehalten hat war die Tatsache, dass die Landstraßen in einem noch katastrophaleren Zustand waren wie die Autobahn und ich kein I Phone habe, ich hätte auf gut Glück die Autobahn verlassen müssen.

      LG

      • (12) 14.06.13 - 15:12

        Du hast irgendwie ein schlechtes Gewissen.

        Dir hätte auch was passieren können.

        Das ist es über ein halbes Jahr her, warum macht er das immer noch zum Thema.

        Die Sache ist gegessen.

        • (13) 14.06.13 - 15:14
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          Hi,

          schlechtes Gewissen trifft es nicht ganz, ich mache mir schon Gedanken, weil es mir Leid tut, dass die Hochzeit so daneben ging. Andererseits sehe ich nicht, dass ich eine andere Handlungsmöglichkeit gehabt hätte. Es war eh chaotisch und er hat ja viele solche Rückmeldungen bekommen, ein Onkel von uns lebt 30km von der Stadt und hat dann zwei Nächte im Hotel verbracht, weil er einfach sagte, dass er in seinem Alter auf das Auto angewiesen ist und er nicht mit seinem Leben spielt.

          Mein Bruder macht gerade Recht viel zum Thema. Irgendwie hat er die Hochzeit noch nicht verdaut bzw. sieht nicht wirklich ein, dass es ein Planungsfehler war.

          GLG

    <<<Ich finde es mutig, dass Du alleine gefahren bist. Ich hätte es nicht gemacht.>>>

    Genau meihe Gedanken, als ich das gelese habe.

(16) 14.06.13 - 15:46

Hallo,

ich finde es so toll von dir, dass du überhaupt gefahren bist!

Das dein Bruder enttäuscht ist, kann man schon verstehen - es war für ihn ja auch ein wichtiger Tag.

ABER: Wenn ich so viel Wert darauf lege, dass alle mir wichtigen Menschen dabei sein können und auch so feiern können, wie ich es mir wünsche, dann muß ich die Planung eben entsprechend machen.

Meine Schwester hat damals an einem Wochentag geheiratet u. ich hatte zu der Zeit Urlaubssperre. Wir konnten auch nur zur Trauung u. zum Kaffee bleiben. Viel Verständnis haben wir nicht geerntet. Aber damit mußte ich (und auch sie) halt leben.

Genauso unsere Mutter. Sie hat geheiratet, wo sie ihren Mann kennen gelernt hat - ca. 600 km von unser aller zu Hause (auch von ihrem!) entfernt. Wie wir es drehten und wendeten, es war uns nicht möglich, dorthin zu fahren.

Streß u. Streit gab es zum Glück nicht, es hätte ja eh nichts geändert. Traurig waren wir trotzdem. dass es ihr wichtiger war, dort zu feiern als ihre Familie bei sich zu haben. Wir haben dann später noch eine kleine Feier nachgeholt. Damit war alles ok.

  • (17) 14.06.13 - 19:12

    "Traurig waren wir trotzdem. dass es ihr wichtiger war, dort zu feiern als ihre Familie bei sich zu haben."

    Vielleicht hätte aber seine Familie auch nicht kommen könne, wenn sie bei euch in der Nähe gefeiert hätten und er und seine Familie / Freunde wären sehr traurig gewesen?
    Bei solch einem Ortsunterschied muss man sich eben entscheiden wo man feiert und egal wie man sich entscheidet, für eine Seite ist es ziemlich blöd.

    • (18) 14.06.13 - 20:19

      Oh, das ist wohl falsch rüber gekommen. Wir wohnen ALLE in einer Gegend! Sowohl die Familie von ihm als auch die von meiner Mutter.

      Die haben sich im Urlaub kennen gelernt und wollten darum dort feiern. Es hätten ALLE diese Strecke zurücklegen müssen!

Ja verständlich! Dann hätten sie anders Planen müssen!

Hallo

du hast an der Hochzeit teilgenommen, nicht jeder hätte das unter diesen Umständen getan.
Dein Bruder hat einfach sehr schlecht geplant und keine Rücksicht auf seine Gäste genommen. Damit muss er jetzt leben.
Mach dir keinen Kopf.

L.G.

Ich wäre bei diesem Wetter nicht gefahren.

Du hast als Mutter Verantwortung für deine Kinder und sollst dein Leben nicht aufs Spiel setzen.

  • (22) 14.06.13 - 17:58
    Neutrale Meinungen bitte

    Hallo,

    bei der Rückfahrt habe ich das wirklich auch gedacht, gut, dass ich morgens noch nicht wusste, dass es so schlimm wird. Sonst wären wir vermutlich alle daheim geblieben und mein Bruder hätte uns aus seinem Leben gestrichen.

Hier mal eine Stimme für den Bruder. Es war nicht irgendein Geburtstag, sondern seine Hochzeit. So ein Fest feiert man natürlich an einem besonderen Datum und wenn man an so einem Tag nicht mal egoistisch sein darf, wann dann? Ich persönlich hätte einen Kurzurlaub mit Mann und Kind draus gemacht.

  • (24) 14.06.13 - 17:57
    Neutrale Meinungen bitte

    Hallo,

    das war auch unsere erste Idee. Aber mein Bruder hat gleich gesagt, dass er überhaupt keine Zeit hat, uns vor 15.00 zu sehen (am Sonntag) und hat den Samstag für "alte Freunde" reserviert.

    Wir wollten dann nicht hinfahren und über Nacht bleiben, weil
    (1) wir daheim so kurz vor Weihnachten jede Menge zu tun hatten
    (2) die Kids auch im Stress waren (Weihnachtsfeiern, Klassenarbeiten)
    (3) es kein preiswertes Hotel gab, das hätte uns locker 200€ extra gekostet
    (4) mein Bruder in der Wallachei wohnt, außer Schlittenfahren etc. hätten wir dort nichts machen können, was daheim nicht auch geht.

    Beide Kids sind schulpflichtig, mein Mann hatte Urlaubssperre und ich auch.

    "wenn man an so einem Tag nicht mal egoistisch sein darf, wann dann?"
    da stimme ich dir absolut zu, weswegen wir auch allein geheiratet haben - vielleicht wäre es ratsam gewesen, dass die beiden so egoistisch sind und selbst an dem Tag in den Urlaub gefahren wären - das hätte ihnen zumindest Frust und Kummer und den Streit mit der TE erspart.

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