Mein evtl. bipolar gestörter Mann bringt mich an meine Grenzen

    • (1) 26.06.13 - 11:39
      kraftquelle

      Hallo!

      Ich muss nur etwas Frust ablassen.

      Mein Mann ist schon länger in einer psychologischen Therapie. Dafür gab es verschiedene Gründe, angefangen mit seiner Kindheit. Er soll Anpassungsschwierigkeiten haben. Und konnte seine Wutausbrüche nicht unter Kontrolle halten
      Nun vermutet man eine Bipolare Störung bei ihm oder zumindest dass er manisch ist (da kenne ich mich nicht aus, bin gerade beim Lesen und mich informieren). Jetzt muss er für 8 Wochen in eine entsprechende Klinik. Das finde ich gut, da wird ihm hoffentlich geholfen.

      Was ich bis jetzt gelesen habe passt gut zu seinem Verhalten. Aber genauso könnte man sagen, dass man ihm noch nie im Leben so richtig die Grenzen aufgezeigt hat. Bei seiner Mutter war er immer der Prinz, der alles machen durfte. Schon seit Jahren halte ich dagegen, wenn er mit absolut lachhaften Geschäftsideen auf mich zukommt. Er soll doch seinen Job machen und froh sein, dass er ihn hat. Was aber, wenn er recht hat? So geht es in vielen Lebensbereichen: das Geld soll abgeschafft werden oder zumindest aufgeteilt, so dass jeder genug hat. Man soll am besten das Grundeinkommen einführen. Er sieht überall Verschwörungen (so ein klitzekleines bisschen tun wir das alle) und das wird mit jedem Jahr ausgeprägter. Die Kinder dürfen nicht geimpft werden...

      Oft stehe ich alleine da. Er muss sich entfalten können und ist oft unterwegs. Wenn er wirklich krank ist, kann ich ihn ja nicht wie einen normalen Menschen behandeln und erwarten, dass er einsieht, dass er Luftschlösser baut! Aber was wenn nicht? Dauernd muss ich abwiegen, wieviel ich entgegen setzen darf, ohne dass er ausflippt

      Sein Redebedürfnis ist auch extrem (passt zu der Bipolaren Störung) und wenn ich nicht alles stehen und liegen lasse, um ihm zuzuhören, flippt er auch aus.

      Neulich sagte ich zu ihm, dass ich weder Psychologe noch Psychiater bin und gar nichts vom Gesagten verdauen kann. Dass es mir einfach zuviel ist. Denn ich muss klaren Kopf behalten und mich um die ganze Familie kümmern. Er ist manchmal eher wie ein Kind, statt eine Hilfe zu sein. Das kam nicht gut an, aber er musste es akzeptieren

      Hier geht alles vor die Hunde.
      Ihm scheint es egal zu sein, dass er seine Arbeit liegen lässt und dass er seinen Job wahrscheinlich verliert. Ihm ist egal, dass am Haus einiges gemacht werden muss. Ihm ist egal, dass mein Auto nicht mehr läuft (seins tut es). Wichtig ist nur dass, was er für wichtig erklärt. Am besten auf der Couch sitzen und die Welt retten wollen

      Oder ist er einfach krank?

      Ich bin inzwischen selber durcheinander und werde mir Hilfe holen. Im nächsten Ort ist eine Selbsthilfegruppe für Angehörige, da gehe ich in zwei Wochen hin. Die Angst vor der Zukunft ist immens, aber ich will nicht, dass die Kinder das spüren. Sie sind schon zum Teil wegen ihrem Vater aufgebracht, da er seine Wutausbrüche noch ab und zu hat, aber auch oft total respektlos ist und nie für die Kinder da. Mehr verkraften sie nicht.

      Danke fürs Lesen

      LG

      • Lass Dich mal #liebdrueck

        Es ist ganz wichtig, dass auch Du Hilfe suchst und bekommst, das mit der Selbsthilfegruppe ist eine gute Idee. Im Focus steht immer der Kranke, doch der Gesunde, der ist auch kein Duracell Häschen und kann immer alles mit "krankheit" entschuldigen.

        Auf deiner Schulter liegt alle Last.

        ich habe meine Beziehung auf Grund so einer Erkrankung meines Partners beendet.... ich konnte das noch, wir waren zwar 4 Jahre zusammen, aber lebten getrennt, keine gemeinsamen Kinder, nix. Da war das relativ "einfach" zu entscheiden, dass ich diesen Weg nicht mit ihm gehen kann - weil meine Kraft dazu nicht ausreicht. Dennoch leide ich sehr unter dieser Entwicklung.

        Du hast mein vollstes Mitgefühl für Deine Situation.

        Vergiss Dich nicht bei allem, das ist wichtig.

        Lichtchen

        • (3) 26.06.13 - 16:51

          Danke Dir!

          Verlassen möchte ich ihn auch nicht, geht nicht so einfach mit den Kindern und ich liebe meinen Mann. Und er braucht Hilfe. Hoffentlich nimmt er sie an

          Danke für Deine Worte, es tut gut zu wissen, dass auch andere damit zu tun haben/hatten.

          LG

      (4) 26.06.13 - 11:50
      liebermalinschwarz

      Hallo,

      ich schreibe lieber in schwarz, denn mit meiner Antwort werde ich mir definitiv keine Freunde machen.

      Mein Rat: Trenn dich! Den Kindern zuliebe und auch dir.

      Ich kenne eine Familie, wo der Vater psychisch krank ist. Seine ganze Familie litt unter ihm. Die Frau hat es erst nach 20 Jahren geschafft, sich zu trennen. Zu ihren Kindern besteht kein Kontakt mehr. Sie haben sich abgewandt, denn sie hatten alles andere als eine schöne Kindheit. Alles wurde immer nur auf die Krankheit geschoben. Auf die Bedürfnisse der Kinder hat niemand geachtet.

      Ich fände es besser, wenn nur einer leiden muss (in dem Fall dein Mann). Schlimm, wenn die ganze Familie leiden muss. Also ich mein, besser einer ist down, als alle zusammen.

      vg

          • (7) 26.06.13 - 12:16

            Ganz einfach:

            Ich selbst hätte kein Problem damit, jedoch möchte ich das Familienmitglied schützen, evtl. (dummer Zufall) würde jemand die Person irgendwann durch diese Posts erkennen.

            Jeder soll selbst entscheiden, wer von einer Krankheit weiss, und wer nicht. Von meinen Freunden wissen es nur die wichtigsten, die die Person auch kennen. Man wird heutzutage leider immer noch an den Pranger gestellt ("Ey, guck, das ist der / die Verrückte"), so ist das halt.

      (9) 26.06.13 - 16:56

      Hallo!

      Keine Angst, den Tipp bekam ich schon öfter.
      Trennung kommt (noch) nicht in Frage. Erstmal warte ich das Ende seiner Therapie ab und wie er auf Medikamente reagiert. Ich brauche die Gewissheit. Und ich denke, er wird uns nachher brauchen

      Sollte er aber die Therapie abbrechen und die Medikamente verweigern, werde ich ihn vor die Wahl stellen. Es geht um meines und das Leben unserer Kinder. Wir wollen ein normales Leben und nicht das, wozu er uns zwingt. Die Kinder reagieren schon zum Teil ablehnend. Es ist auch schwer zu begreifen, wie der Papa so plötzlich ganz andere Laune hat und sich ziemlich respektlos verhält

      Liebe Grüße

(10) 26.06.13 - 12:02

puaaaaaah, ich möchte nicht mit Dir tauschen. Ich habe selbst solch einen Fall in der Familie. Mir half dabei nur klares Abgrenzen, das ging bis zum Kontaktabbruch für einige Jahre.

Diese Krankheit ist sehr vielschichtig und damit ist nicht zu spaßen. Problem ist: der Patient muss für sich selbst erkennen, dass er krank ist. Und das ist ein langer Weg. Das dauert u.U., je nach Ausprägung mehrere Jahre.

Wenn er in eine Klinik geht, wird er sicher auch Medikamente bekommen. Damit werden die Symptome zwar erstmal besser, aber der Patient muss diese auch immer nehmen, leider neigen diese dazu, die Medikation abzusetzen, auch heimlich. Ihnen geht es ja im Grunde nicht schlecht, man ist ja nicht krank, etc. Man kann das aber gut mit einem Diabetiker vergleichen der Insulin braucht. Der käme ja auch nicht auf die Idee, seine Medis abzusetzen... Dieser merkt aber die Auswirkungen sofort, wenn der Insulinspiegel nicht stimmt. Der Patient mit der BiPol.Störung tut dies aber nicht. Er denkt, alles ist normal, selbst wenn er bereits in die Manie o.ä. abdriftet. Eine zu geringe Medikation macht sich durchaus auch für den Patienten bemerkbar, er muss die Anzeichen aber richtig deuten können um gezielt dagegen steuern zu können. Dafür muss die Krankheit aber akzeptiert werden... und das kann Jahre dauern...

Mein Familienfall sieht mittlerweile so aus: nach über 10 Jahren erwerbsunfähig, Frührente, etc. Aber, die Krankheit wird akzeptiert, kleinste Anzeichen von zu geringer Medikation / Überanstrengung werden sofort erkannt. Geeignete Maßnahmen werden ergriffen, die Belastungsgrenzen sind bekannt, wir als Angehörige haben mittlerweile selbst feinste Sensoren und sprechen Unstimmigkeiten sofort an.

Eine Selbsthilfegruppe für Angehörige ist schonmal ein guter Ansatz.

Ich will Dir keine Angst machen, die Krankheit ist vielschichtig und komplex, kein Patient ist wie der Andere. Mach Dir klar, dass Du im Zweifelsfall alle Konsequenzen ziehen mußt, inkl. Kontaktabbruch, etc. Auch wenn viele hier gleich aufschreien werden "er ist doch krank, wie kann man nur". Ich als betroffener Angehöriger kann JEDE Reaktion Deinerseits verstehen, sei sie auch noch so herzlos. Du bist für Dich und Deine Kinder verantwortlich. In der Manie oder im psychotischen Schub ist der Patient nunmal nicht mehr rationaldenkend, so wie es die Allgemeinheit kennt.

Du hast nichts falsch gemacht im Leben, es kann jeden treffen, ohne Ausnahme.

  • (11) 26.06.13 - 17:01

    Hallo und vielen Dank!

    Als die Einsicht kam, war ich schon froh! Er ging damals zum Psychotherapeuten freiwillig und zog das 4 Jahre lang. Dann kam ein Jahr Pause und die Lage wurde schlimmer als je davor. Jetzt ist er wieder beim gleichen Therapeuten und er schickte ihn in die Klinik.

    Ob er Medikamente nimmt? Das würde mich überraschen. Jetzt schon kamen Sprüche á la "Man möchte uns Rebellen ruhig stellen und zu Marionetten machen"

    Wie konntet Ihr die Anzeichen erkennen? Wie schnell kamen diese nach dem Absetzen der Medikamente? Waren die so ausgeprägt?

    Falls er wirklich krank ist, werde ich selbstverständlich abwarten, ob und wie er auf die Therapie reagiert. Sollte er sich nicht helfen lassen wollen, werde ich ihn mit meinem Auszug konfrotieren

    Liebe Grüße

"Oder ist er einfach krank?"
Ja, das ist er. Das ist aber kein Grund, dass du und (vorallem) deine Kinder darunter leiden müssen.

Wie hier schon mehrfach gesagt wurde: du trägst die Verantwortung für dich und deine Kinder. Dein Mann ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich (wenn auch krank).

Wenn die Ausfälle deines Mannes so schlimm sind, wie du sie beschreibst, dann schütze deine Kinder, sie werden es dir danken. Je länger man in so einer Situation festhängt, desto schwerer wird es, zu gehen.

Ich kenne einen ähnlichen Fall aus meinem Umfeld. Der Mann war über zwei Jahre in (teils) stationärer Behandlung, bekam irgendwann nur noch Krankengeld. Die Frau musste sehen, wie sie ihre Familie (auch finanziell) über Wasser hält und hat etliche Rückfälle ihres Mannes erleben müssen - und war machtlos. Sie selber - eine wirklich starke Frau, die noch dazu beruflich mit psychisch kranken Erwachsenen zu tun hat - ist nahezu vor die Hunde gegangen. Sie hat gekämpft. Mit ihm, gegen ihn, für sich und ihre Kinder.

Momentan ist wieder Ruhe, sie tankt Kraft, er ist momentan stabil. Aber im Hinterkopf hängt immer noch der Gedanke: was ist, wenn es wieder los geht?

Ich weiß: ich hätte längst die Flucht ergriffen, ich hätte es nicht geschafft, dieses fragile Gebilde aufrecht zu erhalten und ich wäre kaputt gegangen. Ich verstehe jeden Partner, der den "Kranken" verlässt.

Da ist es wieder - "jeder ist sich selbst der Nächste". Wenn die Wahl im Raum steht, dass entweder einer kaputt geht oder alle kaputt gehen. Dann muss ein Bauernopfer gebracht werden.

Alles Gute für Dich und deine Kinder!
Nina

  • (13) 26.06.13 - 17:05

    Danke Dir!

    Wir sind auch finanziell am Ende.
    Früher hätte er sich darum gekümmert, dass mehr Geld reinkommt. Aber jetzt nicht mehr. Und dann hat er immer höhere Ansprüche, was das Essen betrifft. Bier muss es immer geben. Ich hole es nicht mehr. Mein Auto ist seit Monaten kaputt. Jetzt gibt es keins mehr.

    Jetzt merke ich, wohin die Reise und führt und da möchte ich nicht hin. Unsere Kinder haben es auch nicht verdient so zu leben. Ich muss ganz klar an mich denken. Denn wenn ich am Ende bin, dann ist alles zu spät für die Kinder. Also hole ich mir HIlfe und hoffe, dass er sich helfen lässt. Wenn nicht, dann werde ich wohl weg gehen müssen, um uns zu retten

    Liebe Grüße

(14) 26.06.13 - 14:07
eine bipolare spricht

Schön hast des geschrieben, ich glaub dir nur die Hälfte. Bipolare haben auch ihre guten Seiten und die hast du mal geflissentlich weggelassen.

Wie du hier alle gegen deinen Mann aufbringt das is genau das Gegenteil von dem was er jetzt brauch. Klingt als hätte er ne depressive Episode, und da ists recht wenn du dich i.S. der Kinder abgrenzt, aber das heisst nicht, dass du ihm euer ganzes Leben um die Ohren schmeissen sollst, wie einige das hier raten.
Wie verhast doch psychisch Kranke Menschen sind, das regt mich soooo auf!!!!!!
Die brauchen Verständnis und kein dissen. Denn so kommen sie nie aus dieser Negativspirale raus.
Gott sei Dank dass mein Mann mehr Verständnis für mich hat, als du für deinen.

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