Ehe in einer Sackgasse

    • (1) 05.07.13 - 23:17
      anonym80

      Hallo,

      weiß in unserer Ehe nicht mehr weiter. Wir leben nur noch nebeneinander und nicht miteinander. Ich liebe ihn nicht mehr, er liebt mich jedoch, sagt er zumindest.

      Kurz zu uns, ich - 33, er - 39. Seit fast 18 Jahren zusammen, seit 11 Jahren verheiratet, 2 Kinder (7 und 5). Probleme gibt es, seitdem die Kinder auf der Welt sind. Ein großes Problem war, dass er zu der Zeit viel und regelmäßig getrunken hat. Habe damals ihm immer versucht deutlich zu machen, dass er sich und unsere Beziehung damit kaputt macht. Also unter der Woche hat er nicht viel getrunken, ein paar Bier. Aber am Wochenende kam regelmäßig der Absturz. Und nein, er ging nicht immer mit Freunden trinken, sondern oft eben zuhause alleine, meistens Bier.

      Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr dagegen anzukämpfen (Kinder, Haushalt) und habe es einfach so laufen lassen. Trennung kam für mich auch nicht in Frage, da ich in Elternzeit war und kein eigenes Einkommen hatte. Und auch keine Kraft für eine Trennung.

      Er ist kein schlechter Mensch. Wenn er nüchtern war, hat er viel im Haushalt gemacht, mir mit den Kindern geholfen. Er ist ein guter Vater und liebt die Kinder über alles. Das war auch mit ein Grund, warum ich mich nicht von ihm getrennt hatte.

      Mittlerweile arbeite ich wieder seit 2 Jahren, er hat sich auch gebessert. Trinkt nicht mehr regelmäßig und viel weniger. Er hat eingesehen, dass es früher zu viel war. Allerdings kommen die Totalabstürze immer noch vor und dann kommt bei mir alles wieder hoch.

      Wir sind ein gutes Team, was Kinder und Haushalt betrifft. Allerdings beziehungstechnisch läuft da nicht mehr viel. Ich will auch gar kein Sex mehr mit ihm. Er jedoch schon und drängelt mich oft.

      Ich mag ihn, allerdings mehr wie einen guten Freund. Ich denke, das Beste wäre, wenn wir uns trennen. Allerdings haben wir 2 Kinder und ich bring es nicht übers Herz, den Kindern die Trennung anzutun. Gerade die Große, sie ist so sensibel und hängt total an ihrem Papa. Ich weiß nicht, wie sie das wegstecken wird.

      Andererseits, wenn ich mir vorstelle, wir bleiben nur der Kinder wegen zusammen... Ich weiß nicht... OK, wir verstehen uns eigentlich recht gut, mir fehlt aber die Liebe und die Leidenschaft.

      Finanzen sind auch so ein Thema. Im Moment geht es uns sehr gut. Er verdient nicht schlecht, mein Gehalt ist auch nicht zu verkennen. Wir haben ein Haus (was erst in 10 Jahren abbezahlt ist) und keine Geldsorgen. Ihm liegt auch sehr viel an dem Haus, es ist "sein" Haus. Er hat hier sehr viel selber gemacht. Also falls wir uns trennen, dann werde wohl ich mit den Kindern ausziehen. Aber ich weiß nicht, ob er ihn alleine finanzieren kann.

      Dann wird es für alle Außenstehenden erstmal ein Schock sein. Meine Eltern, seine Eltern, Nachbarn, alle. Wir sind das perfekte Paar, ewig zusammen, 2 Kinder, Haus. Die werden mit Sicherheit Probleme machen und uns wieder versuchen zusammen zu bringen.

      Und wenn ich mir erst vorstelle: Trennung, neue Wohnung suchen, Umzug, die ganzen Sachen aus dem gemeinsamen Haus aufteilen, da wird mir schlecht. Ich weiß nicht, ob ich so viel Kraft aufbringe, dies alles durchzuziehen.

      Ach, es gibt so viele Sachen, die für und auch gegen eine Trennung sprechen. Wenn man nur wüsste, was der richtige Weg ist... Wir haben schon über eine Paartherapie nachgedacht und wollen diese auch machen, falls es in der nächsten Zeit nicht besser wird.

      War schon jemand in der gleichen Situation und welche Entscheidung habt ihr getroffen?

      Würde mich über ein paar Erfahrungen sehr freuen.

      lg

      • (2) 05.07.13 - 23:45

        Dein Beitrag könnte fast 1 zu 1 von mir sein, nur mit dem Unterschied, dass mein Mann niemals zu einer Paartherapie bereit wäre :-(

        Deshalb habe ich mittlerweile so ziemlich resigniert und lass es laufen, so lange es eben noch einigermassen läuft. Wir streiten auch nicht, bzw. selten und kommen im Alltag als gut eingespieltes Team miteinander klar. Mehr will und braucht mein Mann offensichtlich nicht, von daher ist er gar nicht einsichtig oder bereit irgendwas daran zu ändern.

        Wenn dein Mann insofern wenigestens Verständnis hat und erkennt, dass deine Bedürfnisse nicht erfüllt werden und bereit ist mit dir eine Paartherapie zu machen, dann würde ich diese Möglichkeit in jedem Fall nutzen, bevor über eine Trennung weiter nachgedacht wird.

        18 Jahre wirft man nicht einfach so weg.

        Ich wünsche euch viel Glück

        Du bist noch lange nicht so weit, dich ernsthaft zu trennen.
        Wenn der Wunsch oder die Notwendigkeit einer Trennung unabwendbar ist, denkt man nicht über den Umzugsstress nach, sondern zieht es durch.
        Für mich hört sich das so an, dass du alltagsmüde bist, das ist aber kein Grund, eine Ehe aufzukündigen.
        Macht eine Paartherapie und denkt nicht nur darüber nach-

        Dein Mann müsste in eine Entzugsklinik oder zumindest eine Therapie wegen seiner sucht machen.. Meistens regelt sich dann beziehungstechnisch alles, entweder weil der eigentliche Mensch wieder zum Vorschein kommt oder weil der trockene Alkoholiker erkennt, dass er diese ehe nicht mehr will.

        Gruß

        Manavgat

      • Hi,

        Ich bin auch schon "ewig" (fast 20 Jahre glaube ich) mit meinem Mann zusammen, davon fast 9 Jahre verheiratet.....wir hatten auch schon Krisen.....ich denke dies kann nach so langer Zeit auch passieren. Ich war auch einmal kurz davor mich zu trennen, als er sich zum Ende seines Studiums so richtig gehen ließ, so nach dem Motto "jetzt kann ich noch", ich aber schon gearbeitet und quasi alles finanziert hatte...schwierig damals......hatte mich damals auch einem sehr guten Freund etwas zu sehr angenähert...nichts "Richtiges" gelaufen, aber fast.....anyway....ich bin heute unheimlich froh, dass ich bei meinem Mann geblieben bin....wir gehören einfach zusammen. Was mich bei Deinem Beitrag allerdings stutzig macht ist euer nicht vorhandenes Liebesleben, ohne das geht es eben auf Dauer nicht...klar, die Leidenschaft wird weniger, aber ein Flämmchen sollte schon noch vorhanden sein. Ich würde es auf jeden Fall mit der Paartherapie versuchen, allerdings mußt Du Dir im Klaren sein, dass auch einiges an Arbeit auf DICH zukommt, von der (wichtigen) gefühlsmäßigen Seite scheint er Deinem Beitrag nach mehr an Dir zu hängen als Du an ihm, von daher wird es schwer, vor allem wenn Du schon schreibst, dass Du ihn nicht mehr liebst....bist Du Dir da sicher?
        Hört sich sehr vertrackt an....ich würde wie gesagt die Paartherapie versuchen, zumindest kannst Du Dir hinterher nicht vorwerfen, Du hättest nicht alles versucht.
        Klappt das nicht, wirst Du Dich wohl trennen müssen, ich könnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, mit einem Mann zusammen zu leben, den ich nicht mehr liebe und mit dem ich mir keinerlei körperliche Nähe mehr vorstellen könnte. DAS würden letztendlich auch die Kinder merken und irgendwie auch darunter leiden.....Trennung ist heutzutage auch keine Schande mehr.....und muss, wenn man es vernünftig angeht, nicht unbedingt traumatisch für Kinder sein...

        Wünsche Dir alles Liebe,

        Mareia

        (6) 06.07.13 - 22:40

        Danke für Eure Antworten!

        Alltagsmüde bin ich auf jeden Fall auch. Aber ich glaube nicht, das es das größte Problem ist.

        Mein größtes Problem ist einfach, dass ich ihn nicht mehr liebe. Wie gesagt, ich mag ihn, er gehört irgendwie dazu (nachdem wir so lange schon zusammen sind), aber ich liebe ihn nicht. Mich interessiert es nicht, wie sein Tag war. Wenn er von der Arbeit erzählt, finde ich es nur ermüdend. Ich hab auch kein Bedürfnis, von meinem Tag zu erzählen. Ich will mit ihm nicht schlafen, letzter Sex ist ca. 1 Monat her. Und das auch nur, weil er mich "überredet" hat. Hört sich hart an, ist aber leider die Tatsache.

        Er ist jetzt zum Beispiel seit 4 Tagen mit seinen Eltern weggefahren und bleibt noch eine Woche fort. Bis jetzt habe ich ihn nicht vermisst :-(

        Eher ist es eine Erleichterung, dass er nicht da ist und ich keine Rechenschaft ablegen muss, was ich mach und wo ich war. Man muss dazu sagen, er ist sehr besitzergreifend und eifersüchtig. Es war schon die ganze Beziehung so, dass ich alles genauestens erzählen musste, wo ich war, was besprochen wurde und und und. Früher habe ich darüber gelacht, irgendwann mich darüber geärgert und nun kann ich das gar nicht mehr ertragen.

        Mal schauen, vielleicht werde ich ihn nächste Woche vermissen, zumindest hoffe ich das...

        Ich werde mich wohl nach einem Therapieplatz umschauen und dies noch versuchen. Vielleicht kommen die eingeschlafenen Gefühle doch noch zum Vorschein. Denn ich habe ihn ja eine lange Zeit geliebt. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, wir haben uns in unterschiedliche Richtungen entwickelt.

        Ende August steht noch der gemeinsame Urlaub an. Reise ist schon länger gebucht. Danach werden wir schauen, wo wir stehen.

      • (7) 07.07.13 - 07:41

        Ich stamme aus einer alkoholkranken Familie und habe schwere psychische Schäden davongetragen. Ich war sehr froh, als sich meine Mutter getrennt hat, da war ich aber schon 16. Früher wäre besser für mich gewesen.

        Die Argumente mit Geld und Haus gab es bei uns auch, wenn das alles ist....

        Hallo anonym80,
        ich glaube die gelegentlichen Abstürze Deines Mannes sind nicht das eigentliche Problem.
        Er hat sich ja stark gebessert...
        Ich glaube Dein Problem liegt woanders.

        "Kurz zu uns, ich - 33, er - 39. Seit fast 18 Jahren zusammen, seit 11 Jahren verheiratet"

        Ihr seid zusammen seit Deinem 15. Lebensjahr. Du warst offensichtlich noch nie alleine, praktisch vom Elternhaus in die Beziehung, später Ehe...
        Wann konntest Du denn einmal Dein eigenes Leben leben, eigene Entscheidungen treffen und aus den Konsequenzen lernen?
        Konntest Du sexuelle Erfahrungen mit anderen Männern sammeln, Dir praktisch die Hörner abstoßen? Glaubst Du nun das Dir so etwas fehlt?

        Das geht vielen so die schon sehr jung zusammengekommen sind.
        Deinen Mann den kennst Du ja in- und auswendig, der ist jetzt erst einmal relativ uninteressant für Dich. Aber Du hast das Gefühl etwas verpasst zu haben und möchtest es nun gerne nachholen....
        Vielleicht möchtest Du Dich auch einfach einmal frei fühlen, wer weiss...
        Eine Paartherapie halte ich für eine gute Idee, wenn Beide wirklich dazu bereit sind.
        Vielleicht ist Dein Mann genauso gefrustet wie Du? Er wird auch mitbekommen haben das er Dich zum Sex drängen musss , er wird sich auch nicht mehr geliebt fühlen.

        Ich bin der Meinung das man aus so einer Situation eigentlich nur gestärkt herausgehen kann. Ihr Beide seid unzufrieden, ihr beide müsst Euch nun hinterfragen.
        Und ihr müsst zusammen Änderungen herbeiführen um aus diese Sackgasse rauszukommen.
        Eine Paartherapie kann da schon ein Wegweiser sein.

        Viel Glück!
        gruß
        my-opinion

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