Ich bin unglücklich in meiner Ehe.

    • (1) 12.07.13 - 16:31

      Hallo ihr,

      ich war eigentlich immer ein gehemmter, in sozialen Situationen ängstlicher Mensch mit depressiven Verstimmungen. Schon als Kind - was sicherlich auch familiäre Gründe hat. Ich glaube allerdings, dass ich auf Außenstehende eher arrogant und distanziert, vielleicht sogar gleichgültig gewirkt habe.
      Meinen Mann habe ich während des Studiums kennengelernt. Er ist eigentlich ein lustiger Mensch, vielleicht etwas oberflächlich und gedankenlos. Aber er meint das nicht böse. Das habe ich schon damals gemerkt und war manchmal unglücklich, aber letztendlich habe ich damals weniger ihn, als mich und mein Verhalten in Frage gestellt.

      Nach einigen Jahren haben wir geheiratet. Und noch mal ein paar Jahre später kamen zwei Kinder. Ich war immer wieder unglücklich und verstimmt, habe sicherlich auch oft rumgezickt, war bestimmt auch oft unfair zu ihm - also die ganze Palette. Ich habe aber auch immer wieder versucht, ihm gerecht zu werden und ihn zu verstehen.
      Das Verständnis von seiner Seite ist da weniger stark ausgeprägt - weil er es nicht kann, vermute ich. Anfangs war er betreten, wenn ich gemeckert habe, später meinte er statt dessen, "das war doch nur Spaß". -- Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, es würde sich bessern, aber das war dann nur ein Strohfeuer.

      Vor allem stört mich seine häufig negative Art - er beschwert sich schnell, kritisiert schnell, sucht und findet immer das Haar in der Suppe. Er lobt aber nicht oder nur sehr selten. Oder er macht eben Witze, ironische Spitzen, die man durchaus als Kritik verstehen kann. (Klingt es sehr widersprüchlich, dass ein "lustiger" Mensch gleichzeitig so "negativ" denkt? Aber es ist so!)
      Wenn ich sein Verhalten anspreche, dann meint er, ich sei so empfindlich: Seine Kritik meine er doch gar nicht so. Aber ich denke mir: Wenn es so unwichtig wäre, wie er behauptet, dann könnte er doch auch einfach den Mund halten, statt mal wieder eine blöde Bemerkung vom Stapel zu lassen.

      Vor zwei Jahren (da war meine Verzweiflung so groß, dass ich tatsächlich Angst hatte, irgendwann durchzudrehen oder mir etwas anzutun, damit ich endlich nicht mehr so unter meinem Leben leiden muss - trotz der Kinder!) da habe ich angefangen, mich von meinem Mann innerlich zu lösen.
      Und seltsamerweise schien das die Lösung zu sein: Ich habe zwar auch manchmal weniger gute Phasen, aber es wird immer besser - ich habe mehr Selbstwertgefühl, bin fröhlicher, offener, auch direkter in meiner Art. Ich bin zum ersten Mal mit mir im Reinen. Und ich merke zum ersten Mal, wie andere Menschen positiv auf mich reagieren! Mit fast 40 Jahren... So viel verschwendetet Zeit, in der ich dachte, ich könnte das nicht und wäre in sozialen Dingen schnell überfordert.

      Das hat mir etwas mehr Gelassenheit gegeben - auch im Umgang mit meinem Mann. Ich dachte: Jetzt wird es doch noch gut! Aber leider habe ich jetzt auch einen "Hunger" nach emotionaler Wärme, der vermutlich schon immer da war, den ich aber jetzt nicht mehr zügeln kann. Und da kann mein Mann nicht helfen. Der kann Witze, der kann Auto waschen, der kann auch mit den Kindern Fußball spielen oder den Geschirrspüler ausräumen. Und das ist alles ganz toll! Aber er kann mir keine Wertschätzung vermitteln. Geschweige denn das Gefühl, als Frau attraktiv für ihn zu sein.

      Ich habe manchmal mit mir gehadert (das Thema Scheidung hatten wir schon öfters, aber wir haben uns immer wieder zusammengerissen - klar, wegen der Kinder, aber manchmal auch in der Hoffnung, dass es besser wird). Aber letztendlich habe ich immer gedacht, dass ich es mit meinen Mann auch hätte schlechter treffen können. Stimmt ja auch.

      Und dann kam es, wie es kommen musste: Durch meine Offenheit habe ich festgestellt, dass andere Männer da anders sind. Und, Sch***, manche machen mir schöne Augen. Das bringt mich jetzt völlig aus dem Konzept. Und ich bin tierisch unglücklich, dass mein Mann das nicht kann. Und - Herrgott, noch mal - ich habe ihm wirklich schon häufig genug gesagt (in freundlichem, konstruktiven Tonfall), dass ich mir so etwas wünsche! Wenn er liebevoll wäre, mir zeigen würde, dass er mich toll findet - vielleicht sogar mal vor anderen Menschen (wo er mich sowieso immer nur "kumpelhaft" behandelt, als wäre alles andere peinlich) ... ich würde mich vielleicht wieder verlieben. Ich wäre bereit dazu. Zumindest war ich das früher immer, aber so langsam (ver)zweifle ich.

      Nach all den Jahren, in denen ich immer wieder auf Besserung gehofft habe (auch, weil ich davon ausging, dass ich "nur" die richtige Einstellung brauche, dann wird schon alles wieder gut), habe ich langsam keine Kraft und Lust mehr. Ich bin am Ende. Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist: Als ich unglücklich war und es nicht verstanden habe - oder jetzt unglücklich zu sein und die Lösung zu kennen, aber nicht akzeptieren zu wollen. Ich merke erst jetzt, dass ich lebe! Aber an der Seite meines Mannes muss ich wieder in den Dämmerzustand versinken. Anders kann ich dort nicht existieren.

      Ich bin vielleicht einfach nur noch nicht bereit, das Scheitern meine Ehe öffentlich zuzugeben. Aber vielleicht würde es ja doch noch klappen? All die Jahre in die Tonne treten? Gibt es noch Hoffnung? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich all die Jahre auch nicht immer ein einfacher Mensch gewesen bin. Und da ist er auch nicht gegangen. (Ich bin mal ganz ehrlich: Er ist weder so attraktiv noch so beziehungsfreudig, dass er viele Alternativen zu mir gehabt hätte.) Es ist unfair, wenn ich mich ändere - und dann einfach gehe. Auf der anderen Seite denke ich, dass ich ihm sehr oft Gelegenheit gegeben habe, sich mit mir weiterzuentwickeln. Zum Positiven.

      Was soll ich tun?

      • (2) 12.07.13 - 17:27

        Hallo

        vielleicht macht ihr eine Eheberatung?

        L.G.

        (3) 12.07.13 - 17:51

        Rechnet Dein Mann überhaupt damit, dass Du Dich trennen könntest? Oder denkt er: "Die hab ich im Sack, wozu was ändern, läuft doch alles gut."

        Mal ehrlich: Welcher Mensch ist schon einfach? Richtig, Keiner!
        Wenn du glaubst, die Trennung ist eine Lösung, du dies aber vielleicht garnicht möchtest, dann würde ich auch vorschlagen zu einer paar Therapie zu gehen. Das kann euch bzw. dir auch helfen.

        Das man nach Jahren einer Beziehung sich auch mal umguckt, scheint mir eigentlich ''normal'' zu sein- Menschen sind dazu veranlagt, das heißt ja nicht, das man seinem Partner diekt fremdgeht oder wahrhaftes Interesse an anderen Menschen hat, nur weil man ''flirtet''. Ich denke das tut jeder irgendwann mal irgendwie, auch um unbewusst sein Ego wieder aufzupolieren, weil die frische Liebe in der man bemüht ist dem anderen ''Honig ums Maul'' zu schmieren auch mal beendet ist.

      • :-D Dir ist aber schon klar, warum du ihn geheiratet hast, oder?

        Ihr habt beide eine Neigung zu depressiven Verstimmungen, aber er überspielt das mit Sprüchen und gibt sich betont oberflächlich, um den Ernst aus der Sache rauszunehmen. Das heißt aber nicht, dass er nicht leidet.

        Ich glaube, den naheliegensten Weg siehst du gar nicht: Du brauchst eine Therapie, denn dann wirst du erst begreifen, dass es nicht darauf ankommt, dass ANDERE dir sagen, dass du toll bist.

        Die anderen Männer sehen dich nicht so, wie du wirklich bist. Die sehen, was du ihnen zeigst. An der Seite deines Mannes versinkst du dann in den Dämmerzustand, weil er dich einfach zu gut kennt und dir einfach nicht glauben würde, dass es dir super geht und du mit beiden Beinen im Leben stehst.

        Und ob er für andere Frauen noch attraktiv ist, sorry, das kannst du wohl im Moment schlecht beurteilen. Mein Mann ist auch fast 40 und hat deutlich Bauchansatz und er ist diesem Winter von seiner 20jährigen Azubine angegraben worden. Das war für mich auch ein Schock! Aber natürlich, für sie hat er eine ganz andere Anziehung. Auf der Arbeit ist er ja auch ganz anders, in der Hierarchie ziemlich weit oben, Anzugträger, eine hohe soziale Kompetenz, charmant... klar, wenn man ihn so sieht, kann man schon beeindruckt sein - sofern man seine stinkenden Socken nicht vom Boden aufsammeln und waschen muss.

        Vielleicht dämmert dein Mann ja auch nur in deiner Gegenwart. Die Hölle wärs für dich, wenn du deinen Mann verlässt und er dann ohne dich aufblüht und du dich dann wieder verliebst. Und dann sagt er am Ende:"Nein danke, ohne dich gehts mir viel besser..." Oder er findet direkt eine andere Frau und verliebt sich dann. Würdest du damit klarkommen? Wenn ja, dann ist die Luft wirklich raus...

        Ich glaubs aber nicht, das wäre so ein heftiger Schlag für dein Selbstvertrauen. Denn jetzt bist du dir ja noch ziemlich sicher, dass du wenigstens deinen Mann im Sack hast. Aber wenn der nicht mehr da ist, hast du dann wirklich so viele Alternativen?

        Optimal wäre es für dich, wenn du dein Lebensglück nicht davon abhängig machst, ob die Männer dich toll finden, sondern das du dich selber wieder lieben kannst und notfalls auch allein klarkommen würdest.

        Apropos "loben" und "Gelegenheit gegeben, sich mit mir weiterzuentwickeln" - das ist keine Beziehung auf Augenhöhe. Du bist nicht seine Mutter und auch nicht seine Lehrerin und auch erst recht nicht seine Therapeutin. Vielleicht hat er sich entwickelt, nur eben nicht in eine Richtung, die dir in den Kram passt. Vielleicht findet er deine Weiterentwicklung gar nicht so attraktiv und ist aber trotzdem bei dir geblieben, weil er dich liebt.

        • Danke!
          Das sind klare Worte, die wirklich helfen. (Wenn sie auch nicht immer angenehm zu lesen waren für mich. :-/)

          Meine Erwiderungen dazu:

          * Ja, eine Neigung zu Depressionen habe ich - und er vermutlich auch. Das hast du gut erkannt. Ich denke tatsächlich, dass er manchmal leidet. Und wenn ich nicht gerade die Ursache bin, bin ich - meine ich - eine gute Unterstützung für ihn.

          * Therapie ... daran habe ich auch schon gedacht. Ich reagiere leider so empfindlich auf äußere Bedingungen, egal worum es geht: Musik oder Licht oder was auch immer können mich schon massiv beeinflussen oder sogar aus der Bahn werfen. Und andere Menschen erst Recht: Wenn ich z.B. in einer Gruppe (ist mir erst gestern passiert) unterschwellige Misshelligkeiten spüre, dann kann ich mich davon so schlecht distanzieren, bin sofort "mitten drin" statt "nur dabei" und leide unendlich unter der Situation (auch körperlich). Aber ich scheue mich davor, prefessionellen Rat einzuholen. Ich bin sicher, dass du jetzt (richtigerweise) etwas schreibst von Stolz und Überheblichkeit ... und irgendwie Angst: Wenn so ein Psychiater mich genauso stark beeinflussen kann wie schon fremde Menschen, dann bin ich doch am Ende nicht mehr ich selbst. Verstehst du, was ich meine?

          * Das mit dem Dämmerzustand meine ich anders: Weil er so oft kritisch redet und ich darauf so empfindlich reagiere, muss ich mich abschotten. Ich schaffe es nicht, nur das "Nette" herauszufiltern. Entweder ganz oder gar nicht. Dazwischen kann ich nicht.

          * Aber dass andere Männer nicht mich sehen, das stimmt hundertprozentig. Ich könnte dem Bild, das sie von mir haben, gar nicht gerecht werden ...

          * Das mit der Attraktivität ... *autsch* ... da hast du auch wieder Recht. Tatsächlich weiß ich sogar von einer Frau, die ihn gar nicht mal so schlecht findet. Mann, ich habe an der Stelle einfach Bockmist geschrieben. Ich nehme es zurück.

          * Dass er ebenfalls "dämmert", könnte sein. Ein kluger Gedanke. Und tatsächlich: Ich finde ihn erschreckend.

          * Beim nächsten Absatz musste ich schlucken. Heftig geschrieben, aber ich kann nicht so richtig widersprechen. Dieser Abschnitt (und der vorherige) sind für mich die hilfreichsten deines Beitrags!

          * Zur nächsten Aussage (notfalls alleine klarkommen): Wenn ich mich von meinem Mann trennen würde, dann nicht wegen eines anderen. Das plane ich schon deshalb nicht, weil die Hälfte dieser Männer, die mir schöne Augen machen, selbst verheiratet sind. Eine Ehe kaputt machen, ist ja schon schlimm genug, aber zwei?? Und die andere Hälfte ... ich weiß nicht ... ich bin zwar manchmal blöd, aber nicht so blöd, dass ich mich danach gleich in einer neue Beziehung stürzen würde. Ich weiß schon, dass ich mindestens 50% der Verantwortung habe für die aktuelle Situation (vermutlich eher mehr). Es wäre Wahnsinn, sich dann einen "Neuen" anzulachen.

          * Das mit dem "Loben" hast du vielleicht falsch verstanden: Es geht nicht darum, dass er mir bei jeder Gelegenheit Honig um den Bart schmieren soll. Es ist allerdings m.E. so: Wer andauernd kritisiert, der muss doch umgekehrt auch mal was Nettes sagen, um das quasi "auszugleichen", damit man das Negative dauerhaft verkraften kann und nicht irgendwann persönlich nimmt. Oder? Das gilt doch eigentlich in jeder Beziehung (egal welcher Art): unter Freunden und Kollegen, bei Vorgesetzten und Untergebenen ... auch da sollten sich positive und negative Aussagen mindestens die Waage halten. Warum denn dann nicht auch in einer Ehe? Siehst du das anders?

          * Die "Augenhöhe", ja, die ist manchmal ein Problem. Vielleicht ist sie sogar das Grundübel. Ich weiß es nicht. *überleg* Dieses Thema ist sehr komplex bei uns. Wobei ich vermutlich eher dominant bin, aber eben trotzdem "harmoniebedürftig", eine schlechte Kombination.

          * Nachtrag: Ich achte derzeit vermehrt auf das, was mir an ihm gefällt. Da gibt es ja genug. Ich denke manchmal: Es gibt vermutlich nur wenige Menschen, die besser zu mir passen können. Es heißt also: weitermachen. Sich manchmal auskotzen muss aber auch mal sein. Zumal dann, wenn man dann ein deutliches Statement zu hören bekommt, das einem Gottseidank auch mal den Kopf wäscht. Nochmals: Danke! :-D

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