Ich bin überheblich !

    • (1) 15.07.13 - 18:20
      nasehoch

      Hallo ihr lieben,

      in den Augen meines Freundes bin ich 'manchmal schon echt überheblich'. Die Aussage hat mich schon verletzt und ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.

      Konkret vorangegangen ist dem, dass wie jemanden gesehen haben, der eine Tasche mit dem Aufdruck 'Free Snowden' trug. Ich sagte, dass ich auch gerne so eine hätte.

      Er fragte mich daraufhin, wer den Snowden überhaupt sei. Meine Reaktion war wahrscheinlich so: #klatsch#augen#nanana

      Klar, ich hätte vielleicht ruhig erklären sollen, um was es geht. Aber eigentlich dachte ich: HALLOOOO, NACHRICHTEN??? Und konnte mein Unglauben auch schwer bis gar nicht verbergen.

      Es tut mir dann auch wirklich leid und ich weiß, dass ich in solchen Situationen auch belehrend wirken kann. Aber manchmal glaube ich, dass ich ihm in Bildungsdingen nicht einfach überlegen bin, was sicherlich nicht an der Intelligenz, sondern am Interesse und Engagement liegt. Und ich erwarte, dass er das ändert. Man will sich ja auch unterhalten können.

      Ist das jetzt auch ein überheblicher Gedanke?

      Ich möchte auch niemandem meine Meinung aufdrängen, aber ich erwarte, dass mein Gegenüber eine Meinung hat.

      Und zugegeben, wenn es eine sehr einfach gestrickt Meinung ist ( a la 'Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich jedem eine Millionen Euro im Jahr und einen Ferrari geben, nicht so wie die Säcke da oben'), dann macht es mir schon ein bisschen Spaß, aufzuzeigen, dass das zwar nett wäre aber nicht praktikabel ist und warum.

      Ich meine, wer sich auf eine Diskussion einlässt oder sie sogar beginnt, der muss auch einstecken können, oder?

      Ich habe da bisher oft die Erfahrung gemacht, dass gerade Männer es gar nicht haben können, wenn sie einsehen müssen, dass sie im Unrecht sind oder ein Fehler in ihrer Argumentation liegt. Einmal habe ich auch einen Mann kennegelernt, der nachher zu meiner Freundin meinte, ich wäre ihm zu klug, das mache ihm Angst und er können sich nicht vorstellen, dass ich ihm abends Wurstbrote schmieren würde.

      Ich möchte aber nicht überheblich wirken, nur kann ich anscheinend keinen Mittelweg finden, vor allem wenn ich für ein Thema brenne.

      Hat jemand konkrete Vorschläge?

      Einfach 'Ja, du hast recht' sagen, wenn ich es nicht meine, kann ich nicht.
      Einfach 'Nein, davon habe ich keine Ahnung', wenn ich sie aber habe, kann ich nicht.
      Und ich muss meine Ansichten einfach erklären, wenn mich jemand falsch versteht und ich bitte auch schonmal darum, dass mir mein Gegenüber seine Meinung nochmal erklärt, wenn ich sie nicht verstanden habe.

      Ich habe übrigens kein Problem damit, insgesamt einen Charakter zu haben an dem manche anecken und nicht Everybody's Darling zu sein (oder zu mimen).

      Aber überheblich will ich nicht wirken, ich habe einfach Spaß an tiefgründigen Diskussionen, die mich fordern.

      vlg

      Für mich klingt es schon ein wenig überheblich! Ich bin mal ehrlich, ich weiß, wer Snowden ist und kenne die Nachrichten, aber bei Tasche mit dem Aufdruck "Free Snowden" dachte ich auch einen Moment "Hä, was will sie?"

      Ich kenne sowas auch hin und wieder von meinem Mann. Er ist mir in der Tat haushoch überlegen. #schein Ich hab auch studiert und höre Nachrichten, aber er saugt einfach alles auf, da kann ich nicht mithalten. Trotzdem muss er mich nicht belehren, ich erwarte von ihm mit Respekt behandelt zu werden. Ich hab eben woanders meine Stärken!

      Allerdings ist meine Meinung unerheblich, denn es kommt doch vor allem drauf an, was Dein Freund fühlt. Sprich ihn doch einfach nochmal konkret an! Wie fühlt er sich? Das würde ich auch ernst nehmen!

      Und ja, Du hättest durchaus sagen können "Hast Du es in den Nachrichten nicht verfolgen können?" und dann die Fakten...

    • Gute Gespräche hab ich auch gern und ich denke auch, dass es nicht unwichtig ist, wenn Partner sich intellektuell relativ ebenbürdig sind. Ich könnt keine Dumpfbacke an meiner Seite haben, die von nix ne Ahnung hat.

      Ich hab so ne Arbeitskollegin, die weiß echt nix. Die liest nie Zeitung, schaut nie Nachrichten, beschäftigt sich überwiegend mit WOW und ähnlichem Schrott. Meldet sich des Geldes wegen als Wahlhelferin und weiß aber nicht, wer Hannelore Kraft für NRW ist. Da geht mir der Hut hoch.

      Dennoch lass ich sie wie sie ist. Es ist nicht mein Job, sie draufhinzuweisen, wie dusselig sie ist. Sie ist glücklich in ihrem Leben, da solls mir Recht sein.

      Nichts find ich schlimmer, als wenn mir jemand ständig irgendwelche Weißheiten unter die Nase reibt oder sich wie ein oberlehrerhafter Erklärbär gibt. Da ergreif ich die Flucht.

      Leben und Leben lassen. Wenn dir dein Freund zu toastbrotig ist, dann such dir einen, der dir geistig gewachsen ist. Aber ich würd dir den Tipp geben, ihm nicht ständig dein Wissen unter die Nase zu reiben. Das ist sehr unangenehm und tatsächlich auch ein stückweit arrogant. Selbst wenn du das selber so nicht willst. Aber so kommt das meist rüber, bei Menschen, die sich geístig unterlegen fühlen.

      Ob du ihn groß geändert kriegst, ist fraglich. Ich hab da eher meine Zweifel.

      Hallo!

      Ich habe auch Phasen wo ich mich überhaupt nicht um das Geschehen um mich herum (Politik, Wirtschaft) interessiere weil mich andere Dinge beschäftigen. Zeitung lesen ich zur Zeit aus Kostengründen nicht. Auf Nachrichten habe ich manchmal keine Lust. Da kann es auch passieren dass einige Dinge öffentlichen Interessen einfach so unbemerkt an mir vorbeigehen.

      Ein Familienmitglied von mir reagiert dann auch manchmal so:#klatsch#augen#nanana

      Ich empfinde das auch manchmal als herablassend. Jeder hat andere Schwerpunkte, Interessen, manchmal vergisst man auch Sachen. Wenn wieder einmal jemand etwas nicht weiß, was - Deiner Meinung nach - zur Allgemeinbildung gehört, dann klär ihn doch einfach freundlich auf. Ohne #klatsch#augen#nanana. Geht es um ein Thema, wo man sich WIRKLICH auskennen sollte kannst Du das auch freundlicher zum Ausdruck bringen. Z. B. Das ist der und der... hast Du davon noch gar nicht gehört? Aber ohne Vorwurf.

      Ich wundere mich auch oft was einige Menschen nicht wissen. Eine Bekannte von mir, nun immerhin schon Mitte 40, hatte z. B. noch nie davon gehört dass es in einigen Kulturkreisen üblich ist, dass die Eltern den Heiratspartner aussuchen. Das ist eben so.

      Der Witz ist dann auch: Reagiert man bei meinem Familienmitglied auf die gleiche Art und Weise wird es sauer. Ist das bei Dir auch so? Stell Dir mal vor, jemand reagiert auf eine von Deinen Fragen so, wie Du auf die Deines Freundes. Wir würdest Du das finden?

      Ich denke wenn man viel weiß kann man auch viel sagen. Aber der Ton macht die Musik. Mit einem "Oh mein Gott, das weiß man doch" in der Stimme gilt man schnell als arrogant. Ich kenne auch jemanden, der wirklich sehr viel weiß und zu allem etwas sinnvolles zu sagen hat. Er sagt es in einem ruhigen, freundlichen Ton. Von Herablassung keine Spur. Keine Ahnung wie ich es Dir beschreiben soll. Hast Du mal Deine innere Einstellung überprüft? Oftmals will man einen bestimmten Ton gar nicht anschlagen, aber es passiert trotzdem weil man in der betreffenden Stimmung ist. Vielleicht musst Du Deine Einstellung überdenken. Es gibt viele unintelligente, ungebildete, faule, vergessliche Menschen (zumindest zu den letzten dreien zähle ich mich auch :-) ) Aber sie haben trotzdem ein Recht auf einen netten Umgangston.

      Wenn Du für ein Thema brennst kannst Du das ruhig deutlich machen. Warum sollen andere Leute Deine Begeisterung, Dein Interesse nicht spüren? So lange Du auch andere Meinungen akzeptieren kannst und sachlich diskutierst ist das doch in Ordnung!

      Ich finde es klasse dass Du Dich gerne informierst und diskutierst. Das Gerücht, Männer würden es nicht mögen, wenn ihnen eine Frau intellektuell überlegen ist, hält sich ja hartnäckig. Ob es wirklich so ist weiß ich nicht. Da müsste man eine anonyme Umfrage starten.

      Der Wurstbrotmensch hat sich im Grunde doch schon selbst lächerlich gemacht und seine Minderwertigkeitskomplexe vormuliert. Was will man mehr?

    "Aber manchmal glaube ich, dass ich ihm in Bildungsdingen nicht einfach überlegen bin, was sicherlich nicht an der Intelligenz, sondern am Interesse und Engagement liegt. Und ich erwarte, dass er das ändert. Man will sich ja auch unterhalten können."

    du kannst viel erwarten, wenn der tag lang ist. aber er, will er das ändern? weil wenn nicht, dann habt ihr ein grundsätzliches problem. obwohl ich dich verstehen kann, klingt es trotzdem so, als ob du den respekt langsam verlierst vor ihm, wenn er daran nix ändert.

    grüsse, ks

    Ganz ehrlich: Du hast dir deinen Partner ausgesucht ;-). >>Und ich erwarte, dass er das ändert. Man will sich ja auch unterhalten können.<< Wie stellst du dir das vor? Wenn dir dein Partner ein absolut uninteressantes Buch vorlegt, würdest du es lesen, weil es von dir verlangt wird? Weil er sich gern mit dir darüber unterhalten würde? Sicher, das Geschehen um einen herum ist wichtiger als irgendein Groschenroman. Aber für manche Menschen sind Politik, Zeitungen und Tagesschau einfach ein Graus.

    >>Und zugegeben, wenn es eine sehr einfach gestrickt Meinung ist ( a la 'Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich jedem eine Millionen Euro im Jahr und einen Ferrari geben, nicht so wie die Säcke da oben'), dann macht es mir schon ein bisschen Spaß, aufzuzeigen, dass das zwar nett wäre aber nicht praktikabel ist und warum.<< Das kenne ich nur zu gut und ich mag das auch. Aber nicht um jeden Preis. Wenn ich merke, dass man Gegenüber nur noch irgendetwas sagt, um vermeintlich mithalten zu können, wohlmöglich auch noch Todschlagargumente ins Feld führt, dann ist die Diskussion vorbei. Das hat auch nix mehr mit Spaß zu tun.

    Ich kann deinen Partner verstehen (ja, deine Reaktion scheint überheblich gewesen zu sein), aber ich kann auch dich verstehen. Aber wenn ich das Gefühl hätte, meinem Partner intelektuell nicht ebenbürtig zu sein oder er mir, dann sähe ich in der Beziehung leider keine Chance, übereinzukommen.

    >>Ich habe da bisher oft die Erfahrung gemacht, dass gerade Männer es gar nicht haben können, wenn sie einsehen müssen, dass sie im Unrecht sind oder ein Fehler in ihrer Argumentation liegt. Einmal habe ich auch einen Mann kennegelernt, der nachher zu meiner Freundin meinte, ich wäre ihm zu klug, das mache ihm Angst und er können sich nicht vorstellen, dass ich ihm abends Wurstbrote schmieren würde.<<

    Klischee. Es gibt immer solche und solche. Aber Gott sei Dank gibt es in dieser Welt nicht nur solche Machos. Würde mich mal interessieren, was die Freundin dazu gesagt hat. #kratz

    >> Hat jemand konkrete Vorschläge?<< Damit leben, dass du es nicht jedem Recht machen kannst. Ich kenne dein Diskussionsverhalten aber auch nicht. Vermeide bei Menschen, die du nur über Dritte kennst, brenzlige Themen. Versuche dich, wenn du eine andere (möglicherweise polarisierende) Meinung hast, aber nicht direkt angesprochen wirst, aus der Diskussion rauszuhalten. Versuche nicht, deine Meinung durchzudrücken. Mit besten Freunden oder engen Vertrauten sieht das ganze anders aus.

    Zu guter letzt: Das Argument überheblich fällt öfter mal, wenn dein Gegenüber sich von dir bloßgestellt fühlt. Rede nicht mit erhobenem Zeigefinger.

    Um noch weiterzureden, sollten wir telefonieren #rofl. Mir tun nämlich schon die Finger weh, obwohl ich gern noch weiter zu diesem Thema schreiben würde ;-).

    GLG obscuritas

    • (10) 15.07.13 - 19:35

      Ich würde dir gerne noch mehr Sterne geben! ;-)

      Zum einen kenne ich auch diese Problematik, zum anderen kann ich sehr sarkastisch sein und zum Schluss, nicht immer meine Klappe halten....

      Übrigens bin ich Friseurin und frage nicht, wieviele mit offenen Mündern dasitzen, wenn ich mit ihnen über gewissen Dinge diskutiere... Tja, das Klischee ist halt noch voll bedient... #zitter

      • Ist doch schön! Da kann dir niemand wegrennen... Hauptsache, sie kommen dennoch wieder!

        #liebdrueck

        L G

        White

        • (12) 15.07.13 - 20:44

          Das stimmt! Mir kann keiner entfliehen...#huepf

          Und es kommen viele Kunden gerade deswegen zu mir.
          Manche schauen dann einfach mal so rein und fragen mich zb nach Literaturtipps für den Urlaub oder so.

          Ich bin eben auch nicht so aufgetakelt oder stark geschminkt... Viele meiner Kollegen entsprechen allerdings wirklich dem Klischee...

          Naja, was solls...

          #liebdrueck

          • Ich liebe meinen Frisör.

            Und ansonsten: Die Leute kommen zu dir, um sich Tipps zu holen? Das ist cool!

            #pro

            Dann bist du aber anders als die TE, die sich Schrott lacht über ihren Freund, wenn er etwas nicht weiss.

            • (14) 15.07.13 - 20:59

              Nein, das tue ich in der tat nicht.

              Ich habe soviele unterschiedliche Menschen kennengelernt, aus allem Bevölkerungsschichten. Teilweiße aus Psychatrie von Betreuern gebracht, Suchtkranke, Menschen mit verschiedenen Behinderungen, Anzugmänner und richtig "schäbig-schmutzige-dreckige" Menschen. Omas mit demenz nicht zu vergessen.

              Ich habe immer versucht, nicht zu Werten und mich auf die Menschen einzustellen, diese so anzunehmen wie sie sind. Was man, gerade durch den entgegengebrachten Respekt für Geschichten hört, ist einfach unvorstellbar! Jeder dieser Menschen hat seine Geschichte! Es sind viele tragische Dinge dabei gewesen, wodurch sie so gewurden sind wie sie sind... Daran versuche ich immer zu denken, wenn ich jemanden begegne...

              Es klappt nicht immer, Voruteilsfrei zu sein, aber ich versuche es.

              Manchmal fühle ich mich eher wie eine Lebensberatung... Und der berühmte Satz "erzähls deinen Frisör" bekommt eine ganz andere Bedeutung.;-)

              • "Ich habe soviele unterschiedliche Menschen kennengelernt, aus allem Bevölkerungsschichten. Teilweiße aus Psychatrie von Betreuern gebracht, Suchtkranke, Menschen mit verschiedenen Behinderungen, Anzugmänner und richtig "schäbig-schmutzige-dreckige" Menschen. Omas mit demenz nicht zu vergessen.

                Ich habe immer versucht, nicht zu Werten und mich auf die Menschen einzustellen, diese so anzunehmen wie sie sind. Was man, gerade durch den entgegengebrachten Respekt für Geschichten hört, ist einfach unvorstellbar! Jeder dieser Menschen hat seine Geschichte! Es sind viele tragische Dinge dabei gewesen, wodurch sie so gewurden sind wie sie sind... Daran versuche ich immer zu denken, wenn ich jemanden begegne..."

                Das sind sehr gute Voraussetzungen, um selbst ein guter Mensch zu sein. Ernsthaft.

                #liebdrueck

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