Im Schatten seiner toten Frau

    • (1) 28.09.13 - 11:53
      schattenleben

      Hallo,

      ich habe vor 2 Jahren einen Mann kennengelernt, der fast perfekt ist. Wir verstehen uns in allen Dingen super, sind auf einer Wellenlänge, der Sex ist toll. Mit seinem 11 jährigen Sohn verstehe ich mich auch prima. Er ist 39 und ich bin 41.
      Vor 4 Jahren starb seine Frau noch sehr jung an Krebs. Und hier liegt auch mein Problem.

      Er möchte, dass ich zu ihm ziehe, ab er er wohnt noch in dem Haus in dem er mit seiner Frau wohnte. Die Einrichtung ist noch von ihr, überall hängen noch Fotos von ihr, Hochzeitsbilder und Bilder auf denen sie als Paar sehr glücklich aussehen. Er geht regelmäßig ein mal in der Woche zum Friedhof und spricht auch ab und an von ihr. Was eigentlich nicht das Problem ist. Nur wie er von ihr spricht, verletzt mich irgendwie. Er idealisiert sie sehr, spricht immer zertlich von ihr und ich habe einfach das Gefühl, dass ich irgendwie nicht die Nummer Eins bin.

      Ganz am Anfang, habe ich noch gedacht, dass sich das mit der Zeit legen wird, aber dem ist nicht so. Ich traue mich auch nicht, ihn zu bitten ihre Bilder abzuhängen. Wenigstens teilweise.

      Wie seht ihr das? Sehe ich gespenster oder kann das jemand nachvollziehen?

      LG

      • Puh, das ist schwer.

        Also zum einen hast Du - an der Seite dieses Mannes - keine andere Wahl, als vollumfänglich zu akzeptieren, dass sie eine (!) große Liebe war und das Ende dieser schrecklich war.

        Sie ist ein wichtiger Teil seiner Vergangenheit und "noch" größer als Dein Part in seinem Leben.

        Ich verstehe Deinen Wunsch nach etwas "eigenem" mit ihm sehr gut.
        Aber weißt Du, gerade in so schwierigen Situationen ist es das A und O, dass man reden kann. Sag ihm, wie Du Dich fühlst und was Du Dir wünscht.

        Dann kann er Dir sagen, wie es für ihn ist und was er sich wünscht.
        So pirscht ihr Euch Schrittchen für Schrittchen an Euren ganz individuellen Weg und wachst zusammen.
        DU bist die Gegenwart, vielleicht kann er die Vergangenheit noch nicht ganz los lassen.
        Es heißt dass das 5-6 Jahre dauert, bis man einen solchen Verlust gänzlich verdaut hat.

        Also hilf ihm beim loslassen, indem Du mit Verständnis und Liebe reagierst und verein Dich gedanklich mit dieser Frau. Sie ist kein Feind, wie könnte sie, ihr liebt den selben Mann.

        Alles LIebe!
        Cora

        (3) 28.09.13 - 12:31

        hatte das gleiche Problem. Sie zog bei ihrem Freund ein und dort war auch überall noch die Handschrift seiner verstorbenen Frau. Mein Mama, begann irgendwann einige Dinge in Sachen Einrichtung zu ändern. Aber nicht alles auf einmal sondern nach und nach. So hatte ihr Freund Zeit sich daran zu gewöhnen. Irgenwann nahm sie auch die Fotos von der Wand und sammelte alle persönlichen Dinge ein. Sie stellte dann eine Vitrine im Flur auf wo, einige dieser Dinge ihren Platz fanden. Die schönsten Fotos gab sie in ein Fotoalbum, welche sie ihm übergab. Nur noch ein einziges Foto von ihr steht im Wohnzimmer, daneben eine Kerze.

        Meine Mutter findet es nicht schlimm. Es ist seine Vergangenheit und meine Mutter sagt immer, sie würde auch nicht wollen, dass man alles von ihr nach ihrem Tod irgenwo auf den Speicher verbannt.

        Ich würde ihm sagen wie es ist: dass Du nicht zu ihm ziehen willst, solange die Bilder seiner Frau an den Wänden hängen weil Du so das Gefühl hast dass sie stÄndig präsent ist. iIm Fotoalbum wäre das anders. Erinnerung schön und gut, aber es muss auch für dich erträglich sein. Du darfst dich nicht fühlen als ob er noch bei ihr ist.

            • weil manche besondere , schwere Lebenssituationen Kompromisse und Einfühlungsvermögen brauchen, und keinen kompromisslosen Egoismus.
              Da gehen die anderen beiden, vor allem das Kind bei drauf#augen

              • Ich habe nicht geschrieben, dass sie auf das Abhängen der Bilder bestehen soll (worunter da Kind sicher leiden würde), deshalb verstehe ich nicht, wieso Du hier von kompromisslosem Egoismus schreibst. Ich habe geschrieben, dass sie - wenn sie mit der Situation nicht klarkommt, dort nicht einziehen sollte.

                Der Mann redet mit seiner verstorbenen Frau, geht 1x pro Woche auf den Friedhof, hat überall Bilder hängen oder stehen - wohlgemerkt, nicht in Alben. Seine verstorbene Frau ist noch überaus präsent - mir wäre das auch zu viel. So kann eine neue Partnerschaft nicht funktionieren, bei allem Verständnis.

                Auch wenn die TE hier Kompromisse machen sollte, bedeutet das nicht, dass sie sich komplett aufgeben muss. Ein möglicher Kompromiss wäre sicher, dass eine Vitrine eingerichtet wird als "Gedenkstätte" für die Frau, wie schon hier vorgeschlagen wurde. Vor allen Dingen sehe ich aber den Mann in der Pflicht, er muss nämlich lernen, abzuschließen. Oder eben nicht eine andere Frau aufzufordern, das alles so zu akzeptieren, wenn sie sich als Schattenfrau dabei fühlt.

                Und ich wäre Dir dankbar, wenn Du den Augenroll-Urbini unterlassen würdest.

                • Ja, Kompromisse machen heisst aber nicht: häng die Bilder ab und mach sie in ein Album, sonst ziehe ich nicht ein. (und das hast du geschrieben, lies doch mal wieder).
                  Also ICH verstehe unter Kompromiss was anderes.

                  Klar hängen die Bilder noch da, klar geht er zum Friedhof und natürlich "spricht" er auch noch mit seiner Frau, der Mutter seines Kindes.

                  Natürlich muss auch der Partner Kompromisse eingehen, darüber reden und einen gemeinsamen Weg finden, bei dem jeder etwas zurückstecken muss, ist wohl der einzigste Weg.
                  Vielleicht hast du es nicht so gemeint wie es bei mir rübergekommen ist, aber es liest sich schon sehr egoistisch.

                  Und da wir uns ja nicht ständig schreiben: ich benutze manchmal gerne Urbinis, besonders dann, wenn sie das ausdrücken, was ich denke. Und meinen würde ich genauso wieder setzen! Oder soll ich schreiben: denk nicht nur an dich sonder versetze dich mal in die Lage anderer, auch in die des Mannes und Kindes!

                  Schönen Abend noch

                  • So habe ich das auch nicht gemeint, ich habe mich tatsächlich nicht gut ausgedrückt, mea culpa. Ich bin auch der Ansicht, dass beide sehen müssen, wie sie zurecht kommen, und ob das überhaupt möglich ist. Für sie ist es anscheinend nicht möglich, so, wie es momentan läuft, zu ihm zu ziehen. Wie weit er gehen kann, ohne ein Problem für sich und seinen Sohn zu kreieren, muss er dann sehen. So jedenfalls sehe ich schwarz für eine gemeinsame Zukunft. Sollte sie tatsächlich zurück stecken, wird da nicht lange gut gehen. Da oftmals der Sohn angesprochen wurde: das Scheitern einer neuen Beziehung seines Vaters wäre auch für das Kind sicherlich traumatisch, zumal er sie wohl mag.

            Gefühle muss man auch manchmal überprüfen und bei sich behalten, wenn

            sie aus fehlendem Selbstwertgefühl heraus entstehen zum Beispiel.

          (15) 29.09.13 - 16:03

          Vielleicht, weil sie eine erwachsene Frau ist und kein Kind (!), welches um seine tote (!) Mutter trauert?!

          So viel pubertäre Egonzentrik bei einer Frau über 40, ts.... #augen

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