Komische Dozent-Student-Beziehung, was sagt ihr?

    • (1) 30.09.13 - 19:04
      studentessa

      Hallo ihr Lieben,
      ich bitte um eure Deutung.

      Ich studiere seit drei Jahren eine Fremdsprache , habe seit Beginn immer die gleiche Dozentin (sie Mitte dreißig, ich Mitte zwanzig). Letztes Jahr hatte ich ein sehr interessantes Seminar bei ihr und hab es in der mündlichen Prüfung mit 1,0 abgeschlossen. Sie war sehr begeistert von mir und fand es ganz toll, dass ich so interessiert bin. Im April habe ich zusammen mit ihr und zwei anderen Studenten ein Projekt gemacht, bei der wir beide in sehr intensivem Email-Kontakt standen und ich sehr viel Arbeit investiert habe. (Seitdem dutzen wir uns auch). Sie hat mir immer wieder beigepflichtet, dass auf mich Verlass sei, dass sie es ganz toll finde, wie ich mich reinhänge und hat mir häufig gesagt, dass sie froh ist, dass ich dabei bin. Wir haben uns über Musik und Filme unterhalten, sie schickte mir Lieder und Buchtipps per Mail und ich ihr ebenfalls. Während dieser Zeit war ich öfter aus organisatorischen Gründen in ihrem Büro und sie begann mir Komplimente zu machen… sowas wie „deine haare sehen so toll aus, wirklich wunderschön“ oder, als ich eine neue Brille hatte, sagte sie mir, wie toll ich damit aussehe.

      Ich bin gerade dabei, mit ihr ein neues Projekt zu verwirklichen und habe mich um die ganze Organisation gekümmert. Dann schrieb sie mir, ob wir nicht gemeinsam einen Kaffee trinken wollen, um das alles zu besprechen (das war zu Beginn der Semesterferien). Gesagt, getan, es war auch total super, haben uns viel über dies und das unterhalten und natürlich auch über das Projekt. Dann fragte sie mich, ob ich die Tutorin für das erste Projekt, von dem ich eben schrieb, im nächsten Jahr werden möchte, weil sie die Arbeit so unheimlich toll mit mir fand. Eigentlich „darf“ man nur einmal mitmachen, da jeder die Chance haben soll, diese Möglichkeit wahrnehmen zu können. Ich hab sofort bejaht und ich riesig gefreut. Ich fühle mich bei ihr sehr wohl und vertraut und mag es auch mit ihr zu arbeiten.

      Ich denke, wir haben einfach darüber hinaus sehr viele Gemeinsamkeiten und gleiche Interessen und politische/existenzielle Ansichten, über die wir schon gesprochen haben.

      Jetzt bin ich gerade für ein Jahr im Ausland, ihrem Heimatland, und wir stehen im Email-Kontakt. Sie schrieb mir, dass sie hofft, dass es mir gut gehe und wenn ich irgendwelche Fragen und Probleme hätte, wäre sie für mich da. Vor Monaten hatte sie mal angedeutet, dass sie Lust hätte, mich in ihre Heimatstadt einzuladen, um diese mir zu zeigen. In der letzten Mail schrieb sie dann „Die Einladung für nächstes Jahr steht immer noch! Ich freue mich, dir die Stadt zu zeigen!“ Das würde implizieren, dass ich dort auch schlafe (knapp 5 Stunden Zugfahrt pro Strecke).

      Am Sonntag treffen wir uns, weil wir auf Exkursion sind, für eine Woche.

      Ich weiß einfach nicht, was ich von alldem halten soll. Ich weiß nicht, ob ich da etwas zu viel interpretiere, wenn ich es irgendwie seltsam finde, dass so eine Dozent-Student-Beziehung besteht, oder ob es tatsächlich einfach nur total lieb gemeint ist von ihr, weil sie mich wirklich einfach nur mag und mich auch irgendwie schätzt. Ich versuche das seit Langem so objektiv wie möglich zu sehen, nur fällt mir das sehr schwer, da ich sie sehr gern hab.

      Was sagt ihr? Wie empfindet ihr diese „Beziehung“, wenn ihr das lest?

      Tut mir Leid, für manche scheint das völlig belanglos, aber irgendwie zerbreche ich mir den Kopf darüber.

      Liebe Grüße!

      • Klingt ähnlich, wie die Geschichte meiner einen besten Freundin.
        Ich würde "Freundschaft oder mehr" hinein interpretieren, allerdings basierend auf Deiner subjektiven Schilderung.
        Bist Du verliebt in sie?

        • (3) 30.09.13 - 19:41

          Nein! Ich schätze sie nur sehr als Person und bewunder sie auch ein wenig, weil sie so viel geschafft hat. Vielleicht auch, weil ich später eine ähnliche berufliche Richtung einschlagen möchte. Es ist wirklich so, dass ich sie sehr sehr mag, aber da sind keine "tieferen" Gefühle.

          (4) 30.09.13 - 19:42

          Was hat sich bei deiner Freundin denn ergeben?

      Bist du männlich oder weiblich? So ganz klar ist es nicht oder ich habe was überlesen:-)

      • (7) 30.09.13 - 20:02

        Oh,ich bin weiblich :)
        Und ich würde tatsächlich auch behaupten, dass sie auf Frauen stehen könnte. Das haben mir auch schon viele Kommilitonen bestätigt ;)

        Und deswegen bin ich auch so verunsichert. Hätte ich vielleicht dazuschreiben sollen, damit es deutlich wird! Sorry!

    Hallo!

    Ich finde, die Beziehung zwischen Dozentin und Studentin ist etwas anderes als zwischen Lehrerin und Schülerin. Du bist erwachsen und Ihr könnt Euch auf den meisten Gebieten auf Augenhöhe begegnen. Wärst Du 15 und sie 25 würde man den Altersunterschied viel stärker merken. Daher finde ich so eine Freundschaft nicht ungewöhnlich und würde sie an Deiner Stelle weiter pflegen wenn Du daran interessiert bist.

    Du hast angedeutet sie könnte lesbisch sein. Weiß sie dass Du es nicht bist? Wenn nicht erzähl doch mal von Deinem Freund / Exfreund o. ä.. Dann weiß sie woran sie bei Dir ist. Wenn sie sich trotzdem Hoffnungen machen sollte würde ich so reagieren wie Du es bei einem Mann tun würdest. Also wahrscheinlich ein klares "Nein" und dann auf der Freundschaftsebene bleiben und schauen ob sie damit umgehen kann.

    Vielleicht interpretierst Du da auch viel zu viel hinein. Denke nicht ständig über ihre Beweggründe nach. Wir Frauen machen einander doch mal Komplimente, oder? Ich würde das ganz entspannt sehen. Oder hast Du Angst dass Du nach einer Abfuhr Nachteile im Studium hast?

    • (9) 30.09.13 - 21:11

      Danke für deine ausführliche Antwort!

      Wahrscheinlich hast du Recht, ich interpretier viel zu viel. Ich finde halt diese Ebene, die wir haben, sehr gut und machte mir nur Gedanken, dass es vielleicht mehr ist. Aber, wenn ich deine Zeilen lese, hast du absolut Recht. Natürlich machen wir uns Komplimente und die tun auch gut. :) Ich bin eben einfach nur unsicher, weil ich das unter dieser eigentlichen Hierarchie, die nun mal in der Uni herrscht, nicht gewohnt bin, dass aus dieser anonymen Masse etwas persönliches, freundschaftliches entstehen kann. Womöglich rührt da auch meine Unsicherheit her...

      Naja, ich habe einen Freund seit 4,5 Jahren, von dem sie weiß; ich wäre aber Frauen auch absolut nicht abgeneigt. Also ich habe mich auch schon in eine Frau verliebt. Aber das hat nichts mit ihr zu tun.

      Ne, vor Nachteile im Studium habe ich absolut keine Angst. Sie ist sehr professionell und ich bin mir sicher, dass sie niemals persönliche Neigung einfließen lassen würde. Ich bekomme ja auch in den restlichen Kursen von ihr die angemessene Note meiner Leistung. Und so soll das auch sein.

      • #pro für deine Dozentin. So eine Professionalität findet man leider nur zu selten.

        Es ist natürlich schwierig, einerseits Freundin zu sein und andererseits Schülerin. Vielleicht könntest Du versuchen, private Gespräche eher auf die Freizeit zu schieben? Siezt Du sie wenn Ihr in der Uni seid?

Mein Mann ist Dozent und hat mehrere solcher Beziehungen zu Studenten bzw. Absolventen.
Er ist wirklich froh, wenn sich jemand reinhängt und unterstützt dann auch massiv und lobt ausgiebig. Privat trifft er sich auch öfter: mal zu 2. oder in kleiner Gesellschaft oder auf größeren Studentenpartys. Als er letzten einen seiner Ehemaligen in seiner Heimatstadt besuchte, hat er in seiner WG geschlafen.

Mit einigen seiner ehemaligen Dozenten ist er auch sehr gut befreundet, trifft sich auch nach Jahren noch mit ihnen bzw. wir + Kinder. Als wir kinderlos waren, bin ich auch öfters mit zu den Treffen/Partys gegangen.

Ich würde also einfach sagen, dass ihr Freundinnen seid und du möglicherweise etwas zu viel Wert auf eure "geschäftlichen" Beziehungen legst. Wenn sich eine Frau, die du magst, mit der du aber nicht zusammenarbeiten sollst so verhalten würde, würdest du dann auch hier schreiben?

So wie du das hier darstellst, sehe ich nicht, dass da unbedingt mehr dahinter steckt.

Hallo

Viele Mitarbeiter an den Unis schätzen den unkomplizierten, wenig-hierarchischen Umgang miteinander. Freu Dich, dass Du als Studentin schon so ernst genommen wirst!
Ich könnte Dir zig Beispiele aus dem akademischen Umfeld aufschreiben, die man befremdlich finden kann, aber nicht muss. Wenn man sich nämlich darauf einlässt, können einfach schöne Freundschaften entstehen! Die Hierarchie zwischen Euch wird in den kommenden Jahren bestimmt auch immer kleiner, dann wirst Du kaum noch einen Unterschied merken.
LG Paula

(16) 03.10.13 - 15:07
..könnte auch mehr sein..

es könnte durchaus auch mehr dahinterstecken.
ich kenne viele solche verhältnisse hier aus der hochschullandschaft, die zu intensiveren und intimeren beziehungen geführt haben.
von affären (kurz bis langjährigen) bis zur familiengründung alles dabei.

viel glück!

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