Grausame Situation. Ich zerbreche mir den Kopf.

    • (1) 28.10.13 - 12:03
      lieber anonym bleiben

      Hallo,

      es ist vielleicht nicht ganz das richtige Forum für meine Sorgen, jedoch möchte ich unbedingt anonym bleiben, da es mir ehrlich gesagt unangenehm ist und ich ansonsten sehr viel hier in urbia unterwegs bin. Aber denoch MUSS ich mir den Kram mal vom Leib schreiben in der Hoffnung anders mit der Sache umgehen zu können. Vielleicht weiß jemand von euch Rat.

      Es geht im Großen und ganzen um meine Mutter (49J.). vor 11 Jahren ließen sich meine Eltern scheiden. Mein Vater blieb im gekauften Haus wohnen, ich anfangs (mit 10 Jahren) bei ihm, später zog ich ganz zu meiner Mutter. Sie war schon immer mein Ein und Alles. Meinen Vater liebe ich auch, aber meine Mutter ist halt noch mal gleichzeitig eine ganz andere Bezugsperson für mich. Mein Vater führte seit dem immer ein ordentliches Leben. Ging immer Vollzeit arbeiten und hatte sein Leben richtig gut im Griff. Bis heute. Bei meiner Mutter ist es ganz das gegenteil. Insgesamt ist sie seit dem 17 mal umgezogen, hat sich niemals irgendwo wohl gefühlt. Hat ihre Männer gewechselt (#augen) und sich aufgeführt als sei sie wieder 20. Ging in Kneipen, spielte Dart, ging tanzen und was nicht alles...Damals habe ich das als Kind ja noch nicht wirklich begriffen. Nun gut, dann hat sie wieder geheiratet. Bis heute versteht kein Mensch wieso. Der Typ ist der größte Schmarotzer der auf Erden rumläuft. Er hat es bald geschafft meine Mutter zur Selbstständigkeit zu überreden. Da haben sie zusammen die erste Kneipe aufgemacht. Dort war er selbst sein bester Gast (...) und wirklich Umsatz wurde sowieso nicht gemacht. Bald darauf folgte die zweite Kneipe (UNFASSBAR!). Da war es nicht besser. Regelmäßig hatten wir die Polizei da, weil er unter Alkoholkonsum aggressiv wurde. Hat meine Mutter des öfteren geschlagen. Sie hat sich nie getrennt. Immer wenn sie kurz davor war, wickelte er sie wieder um den Finger und sie hat ihm alles verziehen. Nach kurzen 3 Jahren Selbstständigkeit, einem Haufen unbezahlter Rechnungen und Schulden folgte die Insolvenz und Hartz 4. Ich war bereits in der Ausbildung (1 Lehrjahr). Plötzlich wurde von mir verlangt 200 Euro zu Hause abzugeben (Bedarfsgemeinschaft usw.). Verdient hatte ich allerdings gerade mal 350 Euro, und meine Busfahrkarte kostete auch schon 60 Euro. Ich hatte es ehrlich gesagt nicht eingesehen jetzt für den Scheiß gerade zu stehen den die beiden verzapft hatten und setze mich mit meinem Vater n Verbindung zecks Auszug. Er hat mir zugestimmt und mich mit der eigenen Wohnung sehr unterstützt. Ich kam endlich zur Ruhe. Ihr könnt euch ja vorstellen was ich all die Jahre mitgemacht hatte.

      Während auch ich mein Leben voll im Griff hatte, ging es mit meiner Mutter immer weiter bergab. Alle paar Monate umgezogen, kein Geld mehr in der Tasche, kaputte zusammengewürfelte Möbel und dann fing sie an sich noch nicht mal mehr um den haushalt zu kümmern. Sie sagt : "Was soll ich denn machen, sobald ich etwas sauber habe kommt ER und macht es eh wieder dreckig". Dr Typ liegt von morgens bis abends auch nur auf dem Sofa rum und tut schlicht NICHTS. Meine Mutter wurde seither immer mehr krank (Psyche, Rheuma, Hüftprobleme, Hautallergien etc.) Als was neues. Klar wird man krank wenn man mit seinem Leben total unzufrieden ist. Und nun ist sie an einem Punkt wo sie ihn "angeblich" sofort verlassen würde, aber sie kann nicht, da sie durch die Schulden und Insolvenz (dank ihm) einfach nirgendwo eine Wohnung bekommt. Der Man hat meine Mutter einfach komplett systematisch runter gezogen.
      Ich bin mittlerweile verheiratet und mit unserem ersten Kind im 9. Monat schwanger. Ich liebe mein Leben und kann mich nicht beklagen. Aber diese Sache macht mich traurig. Auf der einen Seite würde ich gerne meiner Mutter irgendwie helfen, auf der andere Sache denke ich "selber Schuld warum warst du all die Jahre so dumm". Und natürlich bin ich die leidtragende die sich Tag für Tag das Geheule anhören muss. Ich höre es mir auch an, weil ich meine Mutter einfach nicht enttäuschen will. Und sie freut sich wahnsinnig auf ihre Enkelin. Jedoch bin ich nicht mehr bereit sie zu besuchen. Zu mir kann sie gerne immer kommen, aber dort gehe ich nicht mehr hin. Traurig aber wahr. Warum? Mittlerweile ist sie in einem runtergekommenen Haus gelandet in dem die Miete spottbillig ist, weil in der Wohnung nicht mal Heizungen sondern nur alte rostige Kohleöfen vorhanden sind. Sie leben zu 2. auf 45 qm. Alles ist eng. Dazu 2 Katzen. Überall Haare und DRECK. Ich finde es einfach nur ekelhaft. Zumal ich das genaue Gegenteil davon bin. Ich ertrage nicht mal den kleinsten Krümel auf dem Fußboden da hole ich schon den Staubsauger heraus. Und dort kann ich auch meine Tochter nicht hinbringen #zitter das zerreist mir mein Herz sowas sagen zu müssen, aber diese Umstände gehen für mich einfach nicht in Ordnung. Selbst mein Mann war richtig geschockt. Er wollte sich ehrlich gesagt nicht mal hinsetzen oder gar die Toilette benutzen. Ich schäme mich :-(

      Ich will doch einfach nur dass meine Mutter wieder ein glücklicher, fröhlicher, ausgeglichener, sauberer Mensch sein kann.

      Achso, über eine Bürgschaft für eine Wohnung habe ich schon nachgedacht, aber das funktioniert nicht, wir werden demnächst selbst ein haus kaufen oder bauen. Da pack ich mir sowas nicht auf die Schultern. Außerdem weiß ich nicht ob ich das nötige Vertrauen dafür habe. Denn bisher hat sie dem Arsch ja immer verziehen.

      Sorry dass der Text etwas lang geworden ist. Ich hoffe ich bekomme ein paar hilfreiche Antworten, die mich eventuell etwas aufbauen. Ich weiß nicht so recht weiter, mich nimmt das alles sehr mit :-( Liebe Grüße an euch.

      • +Achso, über eine Bürgschaft für eine Wohnung habe ich schon nachgedacht, +

        Hallo,

        ich habe leider im Moment keine Zeit, ausführlich zu antworten, aber die Sache mit einer Bürgschaft lass bitte sein, denk nicht mal mehr drüber nach, ganz egal ob Ihr nun selber bauen wollt oder nicht.

        LG, Cinderella

      Du musst lernen, dich abzugrenzen und dich nicht verantwortlich zu fühlen. Du hast genug mitgemacht und es ist ein Wunder, dass du keinen Schaden psychischer Art davongetragen hast als du bei deiner Mutter gelebt hast.

      Du bist nicht für sie und ihr Leben verantwortlich. Du kannst ihr allenfalls anbieten, verschiedene Behörden aufzusuchen, um abzuklären welche Möglichkeiten sie hat. Zudem vielleicht eine Schuldnerberatung etc. Erstmal muss sie eine gesunde Basis schaffen, sich soweit möglich der Schulden entledigen etc. Und dann einen Neuanfang ohne ihn starten - dann mit deiner Hilfe. Allerdings nicht in finanzieller Form! Lass' dir bloß die Bürgschaft vom Hals! Du hast deine eigene Familie und musst dich nicht wegen deiner Mutter zugrunde richten. Denn deine Mutter scheint auf der ganzen Linie lebensuntüchtig zu sein und fällt vermutlich deshalb auf solche Typen herein, die sie unterdrücken. Das muss sie selbst mittels einer Therapie ändern wollen. Du wirst gar nichts bewirken mit gutem Zureden, denn sie wird wahrscheinlich immer wieder in alte Muster zurückfallen.

      Holt euch professionelle Hilfe, schöpft alle Möglichkeiten aus, die euch zur Verfügung stehen von Menschen, die sich mit dem Thema auskennen. Du bist allein damit überfordert.

      • (5) 29.10.13 - 23:31
        lieber anonym bleiben

        Vielen Dank für deine Antwort.

        Ich hatte es im Text vergessen zu erwähnen, sie ist mittlerweile seit einem Jahr in Therapie. Dort geht sie einmal pro Woche hin. Ich habe das Gefühl, es hat ihr Selbstwertgefühl schon gesteigert, jedoch liegt da noch ein ganz langer steiniger Weg vor ihr.

        Was haben wir sonst eventuell noch für Möglichkeiten?

        Ich habe halt immer das Gefühl, so lange sie aus dem Loch in dem sie nun wohnt nicht heraus kommt, kann es mit ihr auch kaum besser werden.
        Ein Beispiel: Letzte Woche waren wir in einem Schwimmbad zusammen. Ein sehr großes, helles, freundliches Schwimmbad mit kompletter Glaßfront rundherum. Sie hat sich so wohl dort gefühlt. Später am Abend rief sie mich an und weinte als sie zu Hause war. Sie fühle sich wie in einer "Depressionskammer". Alles dunkel und eng bei ihr. Sie möchte da raus aber wie. Das tat mir unendlich Leid.

    (6) 28.10.13 - 20:46

    Hallo,

    ihr könntet über eine Einliegerwohnung für Deine Mutter nachdenken, wenn ihr selber baut. Nur so als Idee. Ich weiß ja nicht wie nah Du Deine Mutter bei Dir haben magst. Falls es nicht klappt, könnte man die Wohnung auch anderweitig vermieten

    Alles Gute für Dich und Deine Familie

Hallo.

<<<Er wollte sich ehrlich gesagt nicht mal hinsetzen oder gar die Toilette benutzen. Ich schäme mich :-(>>>

Also ehrlich gesagt, kann ich deinen Mann verstehen. Ich würde mich da auch nicht wohl fühlen. Und ihr müsst doch dort nicht vorbei gehen. Macht es so, wie du geschrieben hast. Lade sie ein, aber nur sie und nicht ihr Mann. Vielleicht könnt ihr sie auch mit zu Spaziergängen mitnehmen, damit sie mal da raus kommt und die Schöne Seite vom Leben wieder erkennt. Zeigt ihr dann eben diesen schönen Weg. Wenn es euch nicht stört, dann ladet sie ein, wann immer ihr könnt. Und das mit der Einliegerwohnung hört sich auch nicht schlecht an. Du hast deinen Weg gefunden, also zeig ihr den, wie schön es auch mal für sie war.

Alles Gute.

LG Hermina

  • (10) 29.10.13 - 23:27
    lieber anonym bleiben

    Vielen Dank für deine Antwort :)

    Eine schöne Idee, der einzige Haken an der Sache ist leider, dass wir 25 km auseinander wohnen und das mit den Spritkosten ihrerseits nicht immer machbar ist. Ich gebe ab und zu mal was, aber immer kann ich das ja auch nicht. Momentan kommt sie 1 x die Woche zu mir. Wenn das Baby da ist hoffentlich öfter. Dann kommt sie sicher auf andere Gedanken.

    • Hallo.

      <<<<Eine schöne Idee, der einzige Haken an der Sache ist leider, dass wir 25 km auseinander wohnen und das mit den Spritkosten ihrerseits nicht immer machbar >>>

      Das meine ich ja, wenn ihr es zeitlich oder auch finanziell regeln könnt. Aber so müsst ihr euch nicht ein Kopf machen, wo setzt ihr euch dort hin oder geschweige denn, mal einen Kaffee trinken oder so. Und wichtig ist auch, viel reden und vielleicht in euer Leben mit integrieren. Vielleicht schafft sie es ja, sich von ihrem Mann zu lösen.

      Alles Gute.

      LG

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