Schweigen und gefühltes Desinteresse

    • (1) 05.11.13 - 14:32
      Traurig und wütend

      Ich hoffe, dass ich mein Problem verständlich machen kann, nichts wesentliches vergesse und mir vielleicht sogar ein paar Leute etwas raten können, die derzeit einen klareren Kopf haben als ich.

      Ich bin mit meinem Mann seit 2 Jahren zusammen, wir sind beide Mitte 30, Arbeitstiere, stehen mit beiden Beinen im Leben, haben ein altes Haus zusammen renoviert, sind (waren) die besten Freunde, Vertraute und Liebespaar.
      Wenn wir uns gestritten haben wurde es gerne auch mal laut und heftig, am Ende haben wir dann meist lachen müssen weil es (wie bei den meisten Streits) um Lappalien ging.
      Am Anfang kannte mein Mann es gar nicht, groß über seine Probleme oder Gefühle zu reden, hatte sich eine solche Beziehung wo das möglich ist aber immer gewünscht.

      Ich selber bin da seit Jahren sehr offen und habe ihm sozusagen "beigebracht", dass etwas Gutes nicht schlechter wird, wenn man darüber redet. Egal was es war, wir haben geredet wenn notwendig, er war mir super dankbar, dass ich es ihm so einfach gemacht habe und das auch total oft gesagt.
      Ebenso oft, hat er mir gesagt, dass er super glücklich ist mit mir, dass ich die Mutter seiner Kinder werden soll, dass er sich sowas immer gewünscht hat aber nie dachte, dass es real funktionieren könnte.

      Wir haben uns vor anderthalb Jahren etwa auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Ich habe ein paar gesundheitliche Einschränkungen und musste sozusagen Vorarbeit leisten. Beruflich bin ich daher, weil es stressfreier ist und weil er es auch gerne wollte kürzer getreten.

      Zuerst war das ein großer Schritt für mich weil ich mich nie abhängig machen wollte, dann aber gefiel es mir sehr gut weil hier am Hof genug zu tun ist, um das ich mich besser kümmern konnte ich ich mich ausserdem als Hausfrau austoben konnte (stundenlange Kocharien etc)

      Nun bin ich Ende 9. Monat schwanger, er hat sich fast noch mehr auf das Kind gefreut als ich, ist superstolz gewesen und hätte mich wohl am liebsten auf Händen getragen. Als klar wurde, dass ich auch während der SS meine gesundheitlichen Probleme nicht los werde bzw noch welche dazu bekam, war er zunächst gereizt, nach ein paar Wochen hat er aber zugesehen, dass er mir etwas unter die Arme zu greifen versucht.

      Mittlerweile kann ich ihm abends sagen, was ich nicht geschafft habe und er packt dann mit an. So weit so gut. Ich bin ihm wirklich dankbar dafür, auch, dass er mir nicht das Gefühl gibt unzulänglich zu sein. Ich bin stolz auf ihn und lobe ihn.

      Nur leider ist in den vergangenen Wochen die Kommunikation auf der Strecke geblieben und wir machen nichts mehr zusammen. Dinge, die besprochen werden müssen werden im Vorbeigehen kurz zugebellt oder tagsüber während der Arbeit in 1-Minuten-Gesprächen am Telefon "geklärt".
      Abends geht's darum, was es zu essen gibt, während des Essens liest er und schmeisst parallel einen Film an. Wenn ich ein Gespräch anfange, sieht er mich nichtmal an, stattdessen gähnt er ausgiebig und grunzt als Antwort ein paar Mal bis ich das Reden von alleine einstelle weil klar ist, dass er schon lange nicht mehr zuhört.

      Wenn andere ihn anrufen oder er mit anderen zusammen ist, redet er wie ein Wasserfall, macht den Alleinunterhalter, ist amüsant, braucht kein Buch oder Film zum ablenken und bindet mich in Gespräche mit ein als wäre alles total normal.

      Ich bin stinksauer, habe es ihm schon vor Wochen gesagt, dass ich den Eindruck habe, dass ich komplett uninteressant für ihn geworden bin, alle anderen scheinen wichtiger zu sein, denen erzählt er mitunter auch Dinge, von denen ich noch gar nichts weiss, die ich aber wissen sollte.

      Zuhause ist schweigen im Walde, maximal Gegrunze. Anstatt, dass wir die letzten paar Wochen alleine ohne Baby noch gemeinsam geniessen (ausgeschlafen unterhalten, Kino, essen gehen, schwimmen ...), fährt er nach der Arbeit lieber alleine los (zur Jagd). Danach ist dann hohe Zeit zu essen (lesen, Film) und ab ins Bett (lesen, schweigen).

      Neulich erzählte er (oh Wunder) dass die Zeit abends, wo er alleine unterwegs ist, wie Urlaub für ihn ist.

      Ich schnall es nicht, er war immer so anhänglich und fürsorglich, hat mich umarmt, geknutscht, gekuschelt ... Sex hatten wir seit bestimmt 6 Wochen nicht mehr und ausser einem Begrüssungsküsschen mit Umarmung gibt es auch wenig Nähe derzeit.
      An meinem schwangeren Walkörper wird es eher nicht liegen, zumindest vor der schweigsamen und enthaltsamen Zeit war er noch ein Riesenfan von meinem neuen Körper (Fruchtbarkeitsgöttin :D )

      Ich versuche täglich aufs neue es ihm so leicht wie möglich zu machen, schlucke meine Schmerzen runter, bekoche ihn, wälze so wenig Probleme wie möglich ...

      Ich blicke da wirklich nicht mehr durch obwohl ich normalerweise ein Händchen für sowas habe, also bitte: sieht irgendjemand klarer als ich und kann mir sagen, was mit meinem Kerl los ist?

      Ich will meine Unbeschwertheit zurück und seine auch, ich will meine glückliche Ehe zurück und demnächst das Familienleben zu dritt geniessen anstatt jeden Tag zu heulen und zu grübeln!

      Ich danke Euch tausendfach für sachdienliche Hinweise!

      • Die Jäger sind ein stilles Volk oder werden es mit der Zeit, habe auch einen hier, und mir geht es gleich wie dir, nur das er mich noch oftmals anraunzt....

        • (3) 05.11.13 - 16:41
          Traurig und wütend

          Das tut mir leid für Dich. ich finde es so schade, wenn man in der Partnerschaft alles mit sich selbst ausmacht. Anderen gegenüber kann ich es verstehen, die sollen nur genau soviel Anteil an meinem Gefühlsleben haben, wie ich Ihnen zugestehe, aber der der Partner sollte in meinem Universum der Vertraute sein.

          Ist deiner denn immer so still oder lebt er in (Jagd)gesellschaften auch auf und redet wie ein Wasserfall?

      Hi!
      Weisst Du, was ich glaube? Er hat Angst...vor den Veränderungen, die ja nun anstehen, vor der Geburt, Dich leiden zu sehen dabei, dass etwas schief geht mit dem Baby oder/und Dir, dass er kein guter Vater sein wird, dass er vielleicht umfällt im Kreißsaal, dass er Euch nicht ernähren kann usw usf.

      Ich kenne das von mir selbst. Wenn irgendwas ganz Großes ansteht, vor dem ich richtig Muffensausen habe, bin ich vorher unausstehlich. Je näher dieser Moment rückt, desto mehr entwickele ich mich zum A...loch, das rummotzt, gemein wird, gereizt, hektisch...ich schaff es dann nicht, ehrlich zuzugeben, dass ich Angst habe, auf den Arm will und einfach ein paar Kopfstreichler.

      Und ich bin eine Frau, die ja schwach sein "darf", mal überspitzt gesagt. Der sieht man es ja nach, wenn sie Angst hat und unsicher ist, von wegen "das schwache Geschlecht" *ironie*

      Aber er als Mann, als werdener Vater, er muss stark sein, für das Kind, für Dich (seine Frau, hochschwanger und gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe - also doppelt schutzbedürftig).
      Da soll er sagen, dass er die hose voll hat angesichts der Veränderungen, die unwiderruflich sind, wo es kein Weg zurück gibt?

      Nee, dann wird er so, wie er ist.

      Okay, Du kennst ihn besser, aber das ist MEINE Theorie.

      Ich würde sagen, so blöd das jetzt ist, Geduld! Die Geburt musst Du eh alleine meistern, auch wenn er daneben sitzt, Du schaffst das, Du bist eine Frau :-), und dann gewöhnt Euch an das Leben zu dritt!!
      Nicht die Flinte ins Korn werfen, das erste Jahr mit Baby ist eh stressig und ungewohnt, da geht es drunter und drüber, das muss sich erst finden. Und Ihr seid doch ein gutes Team!

      Liebe Grüße und alles Gute Euch Dreien!

      • (5) 05.11.13 - 16:38
        Traurig und wütend

        Hm, es könnte sein, dass Du da einen Volltreffer gelandet hast mit Deiner Theorie.

        Dass er Angst hat, "dem Ganzen" nicht gerecht zu werden sagte er sogar mal. Das halbe Haus ist hier z.B. noch Baustelle und an sich wollten wir bis zur Geburt sehr viel mehr fertiggestellt haben als wir schaffen werden. Er sagte auch, dass er ganz deutlich meine Arbeitskraft vermisst, dass ich gearbeitet hätte wie ein Pferd und der zweite mann nun fehlt.

        Auch erwähnte er mal, dass er Respekt hat davor, wie ich das alles verkrafte, die Schmerzen, Krankheit und dass ich kaum noch was von meinem alten Pensum schaffe. Er weiss, dass mir das zusetzt und ich nicht gerne um Hilfe frage. Also vielleicht spielt da in der Tat die typisch männliche Hilflosigkeit rein, mich leiden zu sehen und nichts machen zu können.

        Jetzt Geduld zu haben ist echt schwierig für mich. Ich hab immer alles mit mir selbst ausgemacht wenn es mir nicht gut ging und jetzt während der SS habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass es mein recht ist Ansprüche zu stellen, dass er DA IST FÜR MICH.
        Ich mag auch nicht Familie, Freunde, Nachbarn volljammern, es kam schon vor, dass es im Gespräch plötzlich aus mir rausgebrochen ist, aber prinzipiell soll ER mein Ansprechpartner sein. Verd**** ;-) ... und nicht gähnend sich hinter seinem Buch verstecken.

        Die Flinte will ich nicht ins Korn werfen, der Gedanke überkommt mich zwar ungefähr täglich, aber das meine ich nicht ernst. das ist wohl eher dem Ärger und Trotz geschuldet - denn Du hast recht: wir sind ein gutes Team und tief in mir weiss ich das auch.

        Bestimmt kommen die schönen, entspannten Zeiten wieder und hoffentlich wird es nicht schlimmer wenn das Kind da ist.

        Ich danke Dir von Herzen für Deine Mühe und die ausführliche Antwort!

        • Naja, gerade WEIL Du die Macherin, die Starke warst (und ja auch noch bist!), kann er damit wohl noch schwerer umgehen, nun auch zu sehen, dass auch Deine Belastbarkeit Grenzen hat. Wenn Du da seine Stütze warst, dass er sein Arbeitspensum meistern kann, und Du da nun wegfällst, ist es wohl noch schwerer für ihn.

          Klar flieht er dann am WE in alleinige Unternehmungen, da Du ja quasi dann wie eine stumme (oder nicht so stumme) Anklage, dass er das alles nicht schafft evtl., vor ihm stehst. Klar kann er sich nicht wirklich in den Stunden erholen, auch wenn er sagt, sie wären wie Urlaub, denn er hat bestimmt ein schlechtes Gewissen, sich aus dem Staub zu machen.

          Es ist für beide Seiten nicht leicht, Du sehnst Dich nach mehr Unterstützung und dem Bedürfnis, mal fünfe gerade sein zu lassen und mal bemuttert zu werden, aber das ist er nicht, oder? Er war doch nie der "Bemutterer", sondern eher Du, oder?

          Klar hast Du das Bedürfnis, den Frust auch rauszulassen, aber da eignet sich eine gute Freundin oder Mutter besser :-).

          Oder hier! Hier kannst Du das auch niederschreiben!
          Aber das hast Du ja schon!
          Liebe Grüße!

      :-) Es zeigt auch, wie sensibel er ist, eben kein Klotz, der wie eine Maschine funktioniert. Das ist doch positiv!

      Du wirst doch angesichts der Veränderungen auch Ängste haben, es wäre doch schön, wenn Ihr Euch auch darüber austauschen könnt...das entlastet schon ungemein, wenn man mal rauslassen kann, was einen bedrückt.
      Wenn man davor wegläuft, wird die Angst nicht kleiner. Stehenbleiben, sie anschauen und zulassen, das ist schon "die halbe Miete"...

      #winke

      • (8) 05.11.13 - 16:50
        Traurig und wütend

        Klar hab ich Ängste, ich und wie!
        ich komme mir mitunter schon vor wie ein Bundesbedenkenträger.

        Angst vor Geburtsschmerzen, Angst vor Dammriss, Angst, dass ich keine gute Mutter sein werde, Angst, dass ich wegen Erkrankung Nr.1 während der Geburt schlapp mache, Angst, dass ich wegen Erkrankung Nr.2 wieder starke Medikamente nehmen muss und nicht stillen darf ... ich könnte eine lange Liste aufschreiben.

        Am Ende pack' ich das wahrscheinlich eh, aber erstmal bin ich heimlicher Schisser. Mit IHM teile ich die Ängste, nicht so, dass ich ihn ständig damit zumülle, ich will ihn auch nicht zu sehr belasten. Ich mache das eher so, dass ich scheinbar unbedarft darüber "plappere".

        Vielleicht kann er in diesem speziellen Fall seine eigenen Ängste und Befürchtungen nicht teilen, weil er mir nicht noch mehr aufladen will. Dabei wäre es mir so wichtig, nicht das Gefühl zu haben, dass er desinteressiert ist.

        Wahrscheinlich tue ich ihm unrecht und er ist wirklich total besorgt und steckt selber mehr weg als ihm gut tut. Nur werde ich das nie erfahren, wenn er nicht mal seinen Mund aufmacht. :-[

        Solange glaube ich jetzt aber an deine Theorie, die tut mir gut und macht mich weniger wütend. Danke dafür #liebdrueck

Unterschätze bitte auch nicht die Hormone, die dich in den letzten Schwangerschaftswochen so plagen! Der Nestbautrieb ist voll ausgeprägt, und wenn man dann selbst nichts mehr machen kann, weil man sich schonen muss, dann kann schon ein Haar auf dem Badezimmerboden einen Heulkrampf verursachen (glaubst du nicht? ist mir passiert im 9. Monat! :-D ) Auch der eigene Mann wird in dieser Zeit noch mal einer eingehenden emotionalen Checklistenprüfung unterzogen und es fällt einem alles negative an ihm auf, jede kleine Kleinigkeit. Das ist evolutionär so auch richtig, denn die Höhlenfrauen waren schließlich nach der Geburt eines Kindes am verletzlichsten und angreifbarsten, und sowas ließ sich nur mit dem richtigen Partner an der Seite überleben, der notfalls während einer Schwangerschaft noch schnell gewechselt wurde, wenn er gewissen Anforderungen nicht genügte.

Warte einfach ab. Die Schwangerschaft und bevorstehende Geburt ist auch für IHN eine Herausforderung und da ist er auch gerade nicht derselbe Mann, der er sonst ist. Und wenn das Kind da ist, seid Ihr noch mal Beide andere Menschen, und wenn sich das Elternsein dann eingespielt hat, WIEDER völlig andere. So wie du ihn beschreibst, scheint er doch bis auf Kleinigkeiten ganz in Ordnung zu sein und voll hinter und zu dir zu stehen. Das ist das Wichtigste in den nächsten Wochen und Monaten. Ich denke, das wird schon alles gut gehen und du machst dir jetzt einen Kopf um Dinge, die bald gar keine Rolle mehr spielen.

Übrigens haben viele Männer Probleme, Sex zu haben, wenn das Kind im Bauch eine gewisse Größe erreicht hat, weil ihnen das Kind eben dabei immer bewusster ist und das entsprechend einfach das sexuelle Verlangen hemmt. Auch das geht vorbei! :-)

  • (10) 06.11.13 - 07:08
    Traurig und wütend

    Auch Dir vielen Dank für Deine Einschätzung.
    Ich habe zwar gerade nicht das Gefühl, dass ich ungerecht bin ihm gegenüber aber das mag durchaus der hormonellen Vernebelung geschuldet sein.
    Man weiss es nicht, vielleicht sind wir beide ob der neuen Situation etwas angespannt. Nur schade, dass wir nicht richtig reden können darüber. Aber gut, vielleicht bewerte ich auch das über im Moment.

    Sicher hat es was damit zu tun, dass ich im Moment wenig machen kann, nicht so sehr auf andere Gedanken komme wie sonst, harmoniebedürftiger bin und vielleicht auch unzufrieden mit meinem Pensum. Ich muss noch besser in mich hineinspüren, ob ich das auf ihn projiziere.

    Und abgesehen davon sollte ich jetzt an das Baby und mich denken und nicht mit einem superharten Bauch jeden Tag heulen. Alles wird gut hoffe ich.

(11) 05.11.13 - 22:30

Ich, ich, ich, ich.....

Da wäre ich auch irgendwann schweigsam bei einer solchen Egozentrikerin an der Seite.

  • (12) 06.11.13 - 07:16
    Traurig und wütend

    Vielen Dank für Deine Meinung.

    Es ist leichter von sich selbst, seiner Erwartungshaltung und seinen Gefühlen zu schreiben weil man die eben besser einschätzen kann als die vom schweigenden Gegenüber.

    Wenn man das Eingangspostimg aufmerksam liest, steht da aber durchaus auch ganz ganz viel WIR und ER. ;-)

    Genau darum ging es ja hier, dass der Herr des Hauses mich momentan wenig an sich heranlässt und ich mich frage, was mit IHM ist. ;-)

    Und da kamen für mein Empfinden sehr qualifizierte Antworten wo die Verfasserinnen sich viel Mühe gemacht haben.

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