Auslandseinsatz -> ein halbes Jahr getrennt

Hallo zusammen,

ich bin mit meinem Freund etwas über ein Jahr zusammen. Für mich ist das noch keine Zeit. - Ich hatte schon längere Beziehungen. Er ist bei der BW und muss nächstes Jahr im II. Quartal ins Ausland. Voraussichtlich sechs Monate. Ich versuche mich damit so gut wie möglich auseinader zu setzen. Da ich aber noch nie in einer solchen Situation war, weiß ich auch gar nicht was da so wirklich auf mich zukommt. Deshalb auch mein Thread. Ich suche "Leidensgenossinnen" bzw. auch Soldaten, die das schon hinter sich oder vielleicht sogar auch erst noch vor sich haben.

Ich möchte gern wissen wie es für euch war. Für die Freundin, die zuhause allein saß. Was habt ihr gemacht um euch abzulenken? Ging das überhaupt?

Die Soldaten, die im Einsatz waren. Wie habt ihr euch gefühlt so weit von der Freundin weg? Verdrängt man(n) das oder leidet man(n) genauso darunter?

Was kann ich machen, dass es ihm nicht so schwer fällt? Was sollte ich vermeiden?

Sind Beziehungen daran zerbrochen? Wenn ja, woran genau?

Wie war die Beziehung danach? Anders? Worauf muss ich danach achten?

Ich weiß, Fragen über Fragen. Aber ich würde mich über eine rege Teilnahme freuen.

LG Minnie #winke

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Ablenkung? Wovon?

6 Monate Auslandseinsatz sind zu verschmerzen. Dein Freund wusste worauf er sich eingelassen hat. Meine Beziehung ist damals nicht daran zerbrochen, .

Worauf sollte man achten? Es fällt einem nicht schwer zu gehen, wenn die Freundin kein Drama daraus macht. Danach war es nicht anders.

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Hi,

sicherlich ist die Umstellung nicht leicht ABER Du hast doch auch ein Leben ohne Freund oder seid ihr jede Minute zusammen?
Hast Du keine Freunde, Hobbies....?

lisa

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<<
Ich möchte gern wissen wie es für euch war. Für die Freundin, die zuhause allein saß. Was habt ihr gemacht um euch abzulenken? Ging das überhaupt?<<

Ich bin jetzt keine Freundin, aber eine Schwester. Mein Bruder hat schon öfter längere Auslandseinsätze in Krisengebieten gehabt. Für uns als Familie ist das schwer zu ertragen. Die Sorge begleitet einen täglich. Aber mit jedem Einsatz wird der Umgang mit dieser Situation routinierter.

<<Die Soldaten, die im Einsatz waren. Wie habt ihr euch gefühlt so weit von der Freundin weg? Verdrängt man(n) das oder leidet man(n) genauso darunter?<<

Aus den erzählungen meines Bruders kann ich dir versichern, dass die Soldaten genauso "leiden". Mit jedem Monat, den sie länger da sind, mehr.
<<Was kann ich machen, dass es ihm nicht so schwer fällt? Was sollte ich vermeiden?<<

Es gibt Skype zum Beispiel. Darüber könnt ihr kommunizieren - wenns mit der Leitung klappt. Dann sind auch Päckchen immer sehr beliebt. Mein Bruder hat sich immer wahnsinnig über Briefe und Pakete gefreut. Das ist - glaub ich - das Tollste für die Jungs da unten. Kleine Grüße aus der Heimat. :-)
Vermeiden solltest du am Telefon oder auch in Briefen negative Erzählungen. Sei immer positiv, erzähle nur lustiges und so. Die Belastung ist für die Soldaten da unten oft sehr hoch. Wenn dann noch Probleme aus der Heimat durchgenudelt werden am Telefon oder so - das ist nicht gut. Vermeide das am Besten.

<<Sind Beziehungen daran zerbrochen? Wenn ja, woran genau?<<

Bei meinem Bruder definitiv. Aber nicht von seiner Seite aus, sondern von der Seite der Mädels. Die meisten Frauen kommen mit seiner oft langen Abwesenheit nicht zurecht.

<<Wie war die Beziehung danach? Anders? Worauf muss ich danach achten?<<

Lass ihm nach seiner Rückkehr genügend Zeit, sich wieder "umzustellen", anzukommen. Das dauert schon mal paar Tage, bis derjenige wieder "da" ist. Meist sind die Jungs einfach nur froh, wieder heil angekommen zu sein.

Wo muss er denn hin?

Gruss
aggi

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Ich danke dir für deine Antwort. Auf so was hab ich gewartet. :-) du hast es dann aber auch nicht leicht. Warum geht er denn so oft? Muss er? Mein Freund muss als einer der hoffentlich Letzten nach Afghanistan. Wir sehen uns ja auch sonst nur am WE und manchmal sogar nur alle zwei. Mal schauen was das wird. Aber das meiste was du geschrieben hast, konnte ich mir schon denken. Hab auch schon schöne Ideen, die ihn aufmuntern werden. :-) ich hoffe in der Zwischenzeit, bis es los geht, noch eine zu finden, die in der selben Zeit alleine ist. Damit man auch mal darüber sprechen kann.

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Freut mich, wenn ich dir ein wenig helfen konnte:-)
Mein Bruder ist leidenschaftlicher Berufssoldat. Er meldet sich auch gerne mal freiwillig für Einsätze. Also von daher tröstet es schon ein Stückweit, dass er es gewissermaßen "gerne" macht. Aus Überzeugung - und nicht aus Zwang heraus.

Schöne Ideen sind extrem wichtig und hilfreich. Die Zeit dort ist schon recht trostlos über lange Strecken. Mein Bruder meinte mal, dass sie irgendwann schon vor lauter ödnis über die blöde NIVEA - Werbung im TV Tränen gelacht haben...also kannst du dir vorstellen, wie wenig Abwechslungsreich es dort ist.

Es gibt aber auch vom Bund eine Art Hotline, die extra für Angehörige eingerichtet wird. Dort kannst du jederzeit anrufen und wirst informiert, falls es brenzlige News gibt (in den Nachrichten oder so..da waren wir auch jedesmal ganz wuschig).

Wann gehts los bei ihm? Geht er nach Kunduz?

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Meine größte Angst wäre nicht, ob meine Beziehung daran zerbricht oder allein zu sein.

Viel mehr hätte ich Angst, wie es meinem Mann DANACH ergeht. Ein Auslandeinsatz ist (meist) mit Krieg verbunden. Das muss verarbeitet werden und braucht auch sicher Zeit.

C.

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Ja, Claudia, da hast du Recht. Davor hab ich auch viel Angst. Aber so weit sind wir noch nicht. Die Leute die ich kenne, haben keine Probleme danach gehabt. Und sollte er doch welche haben, stehen ihm ja ganz viele Möglichkeiten zur Verfügung. Das schaffen wir dann auch. Mein Problem ist erstmal die Zeit zu schaffen. Denn im Gegensatz zu manch anderen, geh ich damit nicht so locker um. Mir wird es sehr schwer fallen.#torte

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Ich für meinen Teil muss sagen: Ich könnte das nicht! Ich hätte die absolute Panik, dass etwas passiert, noch dazu Afghanistan. Ich könnte keine ruhige Sekunde verbringen. Außerdem könnte ich danach dem Mann nicht mehr in die Augen schauen. Ich MÜSSTE fragen: "Hast du getötet?" und wenn es auch nur den geringsten Verdacht gäbe, könnte ICH den Mann nicht mehr lieben. Ich kann aber mit BW und so sowieso NICHTS anfangen. Ich kann einfach nicht begreifen, wie sich Leute freiwillig in so eine Gefahr begeben, noch dazu wohlwissend, dass man das Gewehr, das einem da umgehängt wird, meist auch dazu benutzen wird, Menschen zu töten (und kommt mir nicht mit den Polizisten, das ist anders).

Außerdem hätte für mich so eine Beziehung keine Perspektive. Einmal so ein Auslandseinsatz, ja ok, das geht vielleicht, in so einem Stadium der Beziehung vielleicht noch mehr. Aber dann? Ich würde ihn vor die Wahl stellen: Bundeswehr oder ich. Nicht, um ihm Druck zu machen, aber weil es für mich undenkbar ist, mit einem Mann z.B. verheiratet zu sein und Kinder zu kriegen (und ab einem gewissen Alter ist das für mich bei jeder längerfristigen Beziehung die Perspektive), der sich dann wieder mal für mehrere Monate verabschiedet, sich in Lebensgefahr begibt, während ich daheim Kinder und Haus zusammenhalten muss. Das ist nicht meine Auffassung von verantwortungsbewusster Beziehung.

Jetzt werden gleich wieder Steine fliegen, aber ich find besser, man klärt das vorher. Ich zwing ja niemand, er hätte ja die freie Entscheidung. Wenn er nach Afghanistan ginge, würde ich fairerweise die Beziehung vorher beenden, dann kann man immer noch schauen, ob danach noch so viel da ist, dass es wieder für eine Beziehung reicht. Aber 6 Monate "durchhalten" und danach feststellen, dass es zu viel war? Nee, nicht für mich.

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Man du schon wieder.#augen

Er tötet nicht aus Spaß sondern um sein " eigenes leben" zu verteidigen. Und die seiner Kameraden.

Die Gefahr das man morgen überfahren wird liegt höher.

Sandra

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Wie unreflektiert. #augen Du hast aber echt keine Ahnung, oder?

Gruss
agggi

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ich bin mit einem Soldaten verheiratet und wir hatten die Situation letztes Jahr. er musste nach Afghanistan. zum Glück waren es nur vier Monate, aber es war sehr hart. die angst, die Ungewissheit, die unendliche Sehnsucht. und dann kann er wieder und es dauerte bestimmt einen Monat gedauert bis wir wieder wir waren. denn auch das wieder zusammenfinden ist nicht leicht. redet viel, seid ehrlich zueinander habt Geduld.

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Hatte er Probleme im Nachhinein? Habt ihr euch schwer getan bei der Zusammenfindung? Oder wart ihr euch dessen bewusst und habt es so hingenommen? - Die Sehnsucht wird mich bestimmt auch auffressen. #schwitz

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Die Sehnsucht war sehr sehr schlimm aber ich hatte Glück das ich leidensgenossinnen hatte und wir haben uns unterstützt. Das us Militär bietet so Kurse an für die Ehepaare wenn der Mann zurück ist die einem helfen sollen aber da hatte ich leider keine Zeit zu. Wir haben viel gesprochen und er und ich hatten unabhängig von einander Hilfe.

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Ich muss sagen, das ich echt Glück hatte (ich sage bewusst ICH, da mein Mann nix dagegen gehabt hätte, ins Ausland zu gehen :-(), das mein Mann nicht gehen musste.

Nicht, weil ich es nicht gekonnt hätte, sondern weil ich Schiss hätte #schein
Er ist jetzt nächstes Jahr mit seinen 12 Jahren durch. Wir haben dann 10 Jahre Fernbeziehung hinter uns....

Der Mann von einer meiner besten Freundinnen war 4 Monate weg, da war sie frisch schwanger. Wahrscheinlich nochmal doppelt so hart.

Wir haben sie oft beschäftigt. Sie hat regelmäßig Briefe oder Pakete geschickt.

Die zeit ging um.

Und er sind massig Beziehungen an der Trennung zerbrochen.
Die Freundin eines Kameraden hat, kurz nachdem er in afganistan war, mit ihm Schluss gemacht.

Es ist einfach grausam für einen Soldaten, der sich an die liebe zu seiner Freundin/Frau klammert, sowas erleben zu müssen. Es gibg nichts schlimmeres für Soldaten im Einsatz, wenn die Frau nicht auf den Mann (oder umgekehrt) wartet (laut den Erzählungen der Freunde. Kennen einige, die in afganistan waren).

Und alle unsere Freunde kamen erstmal verändert wieder. Schreckhafter....immer auf der Hut. Teilweise etwas ungeduldiger oder aggressiver.
Die sehen dort Dinge, die wir uns nicht vorstellen können.
Und gerade der Mann meiner Freundin ist einmal knapp einem Anschlag entkommen....wenn er nur mit dem Zug davor weggefahren wäre...ich mag garnicht dran denken....
Man muss ihnen zeit geben, alles zu verarbeiten....viel reden....

Ich habe vollsten Respekt vor solchen Frauen!

Einfach wird es garantiert nicht. Aber denke daran, dass es für deinen Freund auch nicht einfach ist und er dich auch vermissen wird!

Wir Soldatenfrauen sind stark und können einiges ab :-)

Lg Alex

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Oh man, ich danke dir wahnsinnig für diese Worte! #winke

Ich weiß, dass es sehr hart wird. Ich vermisse ihn schon sehr doll wenn er nur mal zwei oder drei Wochen nicht da ist. Ich sage aber auch, dass wenn wir DAS überstehen, dann kann uns nix auseinander bringen. Ich geh auch gar nicht davon aus, dass es scheitert. Wo kommen wir denn da hin? Ein Kumpel hat es erlebt. Er kam zurück nach Hause und sie hat Schluss gemacht. Das ist auch hart. Aber während des Einsatzes ist ja fast strafbar. So was macht man einfach nicht.

Ich danke dir. - Ich hab noch 5 Jahre WE-Beziehung vor mir. ;-)

LG Minnie #winke

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Schön, das dir das etwas geholfen hat :-)
Ja, für mich ist es auch eine Todsünde, unsere Männer, wenn sie uns am dringendsten brauchen, in Stich zu lassen.

Sie brauchen unsere Unterstützung, unsere Kraft, unsere Liebe und die Gewissheit, das wir immernoch da sind, wenn sie wiederkommen. Für sie ist es ja auch kein Zuckerschlecken...
Schreib ihm viel, erzähl ihm viel.....pack vielleicht auch ab und an Päckchen mit Sachen aus Deutschland...und sei es nur eure Regional-Zeitung ;-) zeig ihm "einfach", das du für ihn da sein wirst.

Denn, da hast du Recht: wenn man einen Einsatz übersteht, dann übersteht man das Meiste. Da habt ihr schon mehr geleistet, als manch "normale" Paare.

Ihr packt das!!
Und 5 Jahre sind absehbar :-) ich bin auch froh, wenn die letzten Monate überstanden sind...#schwitz

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