Warum ist Vertrauen für eine Beziehung unabdingbar?

    • (1) 02.12.13 - 13:24

      Viele User hier haben das Problem, ihrem Partner nicht ganz vertrauen zu können. Man liest immer wieder, dass eine Beziehung ohne Vertrauen in den Partner keinen Sinn macht und man sie dann gleich beenden kann.

      Ich stimme dem zu - frage mich aber, aber aus welchen Gründen genau das Vertrauen eigentlich Voraussetzung ist? Warum kann ohne Vertrauen keine Partnerschaft funktionieren?

      Meine These dazu ist, dass man ohne Vertrauen in einem Klima der ständigen Angst lebt, was irgendwann nicht mehr auszuhalten ist.

      Was meint ihr? Her mit Euren Thesen!

      • Hallo,

        interessante Frage :-)

        Meine Ergänzung:
        Wenn ich jemandem mein Vertrauen schenke, dann auch, weil ich mich sicher bei ihm / ihr fühle.

        Sicherheit, damit ich mich öffnen kann, nicht nur stark sein muss etc.

        Grüße

        Naja, es kommt drauf an. Was meinst du mit Vertrauen? Ganz allgemein oder in Bezug auf Fremdgehen?

        Ich meine wenn ich darauf vertraue, dass meine Frau bestimmte Überweisungen vornimmt, weil sie es zugesagt hat und es dann vergisst, und es passiert mehr als ein mal, dann vertraue ich ihr in dieser Hinsicht nicht mehr und mache die Überweisungen lieber selbst.
        Deswegen ist für mich die Beziehung noch nicht im Eimer.

        VG
        Mateo

        (4) 02.12.13 - 13:57

        Ich sehe es auch wie ulmerspatz, in einer festen Partnerschaft möchte man sich anlehnen und fallen lassen können, das geht aber nur, wenn man sicher ist, dass der Andere auch ein verlässlicher Partner ist, der einen dann auch auffängt. Der zu einem hält in guten wie in schlechten Zeiten. Bei dem ihm von mir Anvertrautes sicher verwahrt wird. Ohne Vertrauen kann man sich nie wirklich fallen lassen. Das gilt nicht nur für eine Partnerschaft sondern auch für jede normale gute Freundschaft und auch in der Familie. Was ist ein Freund wert, dem man nicht vertrauen kann?

        Dabei geht es für mich nicht (nur) um Treue sondern auch einfach darum, dass ich darauf vertrauen kann, dass derjenige für mich DA ist, wenn ich ihn brauche. Und dass er mir nicht in den Rücken fällt bei/vor anderen. Was bei echter gegenseitiger Liebe ein selbstverständliches mit eingebautes Extra ist. Wem kann man vertrauen? Jedem, der einen aufrichtig liebt. Also ist der Kernpunkt ja eigentlich die Liebe, das Vertrauen kommt dabei dann von selbst mit dazu.

      • Ich sehe es etwas differenzierter.

        Ich finde, es ist abhängig davon, wie sehr das Misstrauen das Zusammenleben beeinflusst. Ständige Kontrollsucht etc. machen einen irgendwann fertig. Es lebt sich eben ruhiger, wenn man dem Partner vertraut oder evtl. Misstrauen ganz weit weg schieben kann. Deshalb ist es aber trotzdem latent manchmal vorhanden. So ganz frei davon ist vermutlich niemand.

        Ich bin aber inzwischen der Ansicht, dass es völlig egal ist, ob man zu 100 % oder 50 % vertraut. Es ändert nichts am Verhalten des Partners. Auch diejenigen, die für sich oder den Partner bisher die Hand ins Feuer legen konnten, wurden manchmal eines besseren belehrt. Kaum jemand verzichtet auf Heimlichkeiten, fremdgehen oder was auch immer, weil der oder die Partnerin zuhause sitzt und Vertrauen in einen setzt. Das Gewissen nagt vielleicht bisweilen an einem (das täte es auch, wenn der Partner weniger vertrauensselig wäre), aber die Entscheidung für oder gegen Heimlichkeiten wird davon vermutlich nicht beeinflusst. Will heißen: kaum jemand springt von der Bettkante eines anderen, weil ihm plötzlich einfällt, dass jemand zuhause vertrauensvoll auf einen wartet und völlig arglos ist. Das ist abhängig vom Charakter, den Umständen des Augenblicks, des Leidensdrucks..., das dazu führt und nicht die Tatsache, dass Partner vertrauen oder nicht.

        Ich denke, das Leben ist bunt und alles ist möglich und menschlich. Bei jedem von uns. Man muss sich nur nicht davon verrückt machen lassen. Was passieren soll, passiert und lässt sich durch Vertrauen weder aufhalten noch ändern. Es genügt, wenn man sich darüber den Kopf zerbricht, wenn es u. U. so weit ist, dass man hintergangen, belogen....etc. wurde. Ich vertraue nicht mehr, mache mich aber deswegen nicht verrückt. Wir sind alles nur Menschen, die Fehler machen und deshalb ist mir Vertrauen nicht so wichtig.

        • Guter Beitrag!

          Dieses "die Hand für den Anderen ins Feuer legen" ist apsolut naiv. Ich würde das für mich selbst nicht sagen können. Man weiß nicht was so alles im Leben passiert. Aber wenn man ein gewisses Selbstvertrauen hat sein Leben und sein Glück nicht unbedingt an einen einzigen Menschen hängt, dann macht man sich auch nicht verrückt.

          VG
          Mateo

        • Super, besonders der letzte Absatz.

          Einspruch: ich halte es für normal, dem Partner zu 100 Prozent zu vertrauen. Für mich bedeutet Vertrauen, dass ich fest davon ausgehe, dass der andere mir nichts böswillig tut. Und nur mit so jemandem kann ich auch zusammenleben.

          Ich vertraue aber nicht um den anderen zu binden oder zu beeinflussen (Dein Beispiel mit der Bettkante). Ich vertraue, weil es für mich die Voraussetzung ist mich in meiner Partnerschaft sicher und gut aufgehoben zu fühlen.

          • Für mich bedeutet Vertrauen, dass ich fest davon ausgehe, dass der andere mir nichts böswillig tut. Und nur mit so jemandem kann ich auch zusammenleben
            ---------
            Und ich gehe nicht davon aus, dass hinter jeder Art des Vertrauensmissbrauchs Böswilligkeit steckt. Die wenigsten gehen mit dem Vorsatz los, jetzt werde ich es dem Partner mal richtig zeigen und ihn hintergehen/verletzen. Das ist reines schwarz-weiß-Denken. Um mal bei einem simplen Beispiel zu bleiben, dass hier häufig vorkommt: der Partner konsumiert heimlich Pornos obwohl er weiß, dass es der Partnerin nicht gefällt und sie das Verhalten nicht toleriert. Daher tut er es heimlich, versteckt seine Filme, um sie nicht gegen sich aufzubringen. Ist das dann reine Böswilligkeit?

            Und mein Beispiel mit der Bettkante hat nicht auf Bindung oder Beeinflussung des Partners abgezielt. Mit Vertrauen kann man niemanden beeinflussen. Ich bin sicher, das unter bestimmten ungünstigen oder günstigen Umständen jeder fähig ist, Dinge zu tun, die das Vertrauen des anderen untergraben. Bei dem einen eher, bei dem anderen später. Ich denke nicht, dass alle, die hier posten zum Thema "fremdgehen, fremdverlieben, fremdschreiben, Pornos verstecken, Partner belügen usw. usf. aus Boshaftigkeit und schierer Berechnung handeln.

            • Dein Beispiel mit den Pornos ist keine Böswilligkeit und somit kein Vertrauensbruch.

              Aber wenn ich meinem Partner etwas Persönliches anvertraue und er gibt das einem Dritten zum besten, dann ist das ein Vertrauensbruch. Meinem Partner zeige ich auch meine Empfindlichkeiten und Schwachstellen, und Vertrauen bedeutet, dass ich keine Angst haben muss, dass er dieses Wissen missbraucht.

              Vielleicht meinst du mit Vertrauen etwas anderes als ich?

              • vielleicht meinst du mit Vertrauen etwas anderes als ich
                ------
                Ich denke schon :-)

                Deinem Beispiel folgend, gebe ich dir Recht. Das würde ich ausweiten auf alle Menschen, die mir etwas im Vertrauen mitteilen. Wenn ich trotzdem etwas weitererzähle - egal ob privat oder beruflich - ist das schäbig. Im Berufsleben wird Illoyalität meist schneller geahndet und hat weitreichende Folgen. Im Privaten dauert es oft länger bis Konsequenzen folgen.

      <<<Warum kann ohne Vertrauen keine Partnerschaft funktionieren>>>

      Wenn man sich selbst bei kleinen Dingen immer wieder fragen muss, wie der/die Partner/in etwas gemeint hat, bzw. wie ernsthaft eine Äusserung war, zweifelt man irgendwann an allem und auch an sich selbst.

      Wenn dann erst dauerhaft dieser Teufelskreis aus Zweifel, hinterfragen, grübeln etc. losgeht...wo soll dann noch Platz sein um in dieser Beziehung wirklich glücklich zu sein?

      Man kann sich doch gar nicht mehr fallen lassen, sondern vermutet selbst hinter harmlosen Dingen sofort etwas "übles"....bzw. kann doch dem/der Partner/in gar nichts mehr glauben.....egal um was es geht.

      Insofern liegst Du mit Deiner These mit der "andauernden Angst" meiner Meinung nach durchaus richtig.

      LG
      Tomm

      Interessante Fragestellung #pro. Vertrauen & Liebe sind für mich zwei Begriffe, die in einer Partnerschaft sehr stark miteinander verknüpft sind und gehören - zumindest für mich - zu den zwei Urbedürfnissen, die jeder von uns in sich trägt.

      Wenn wir aufrichtig lieben, dann wollen wir so geliebt werden, wie wir wirklich sind. Wir müssen uns nicht verstellen, dürfen sein wie wir sind und können über alles, auch das Intimste, tiefste Ängste und Sehnsüchte, mit dem Partner offen sprechen. Vertrauen beinhaltet für mich auch eine gewisse Art von Emphatie - ich habe eine Vorstellung davon, was in meinem Partner vorgeht, weiß, wie er/sie tickt und kann auf ihn entsprechend eingehen, was im Gegenzug auch meinem Partner durch sein Vertrauen möglich wird.

      Hieraus entwächst innerhalb einer Partnerschaft ein sehr besonderes Fundament und ist für mich einer der wichtigen Grundsteine für Liebe. Nur, wenn ich meinem Partner aus tiefstem Herzen vertraue, kann ich ihm die notwendige Freiheit geben, die jeder von uns braucht. Klingt abgedroschen, aber stimmt: Das, was ich liebe, lasse ich frei .... Beschränkungen, SMS-Pflichten oder Mailschnüfflereien gibt es bei uns nicht. Wir vertrauen einander blind. Würde auch gar nicht gehen, seitdem wir fast schon 5 Jahre Wochenendfamilienleben führen. Wenn hier einer von uns ständig eine/n "Rivalin/-en" befürchten müsste, wären wir längst geschieden.

      Das ist jedoch eine rein persönliche Ansicht und sicherlich kein "Stein-der-Weisen"-Rezept - aber unsere seit 20 Jahren bestehende Partnerschaft fußt auf diesem Prinzip :-).

      VLG von emestesi

      • (14) 02.12.13 - 18:38

        und was macht man, wenn man nicht mehr vertrauen kann? Es einfach nicht mehr geht?

        Ich hatte früher ein absolutes Vertrauen in meinen Mann.
        Da gab es keine Schnüffeleien. Kein Gedanke daran, daß er mich eines Tages eikalt austauscht, Mehrmals.
        Mich zum Schluß als Krönung über längere Zeit mit meiner allerbesten Freundin betrog.

        Erst ganz spät merkte ich das damals.

        Es war so schrecklich, was er alles gemacht hat.
        Jahre später kamen noch Affären raus, als ich schon längst von ihm geschieden war.

        Er hat alles in den wind geschossen, uns, seine Kinder, mich, Haus Autos.

        20 Jahre in den Müll geschmissen.

        Ich wollte ihn heute nicht mehr.

        Aber was bleibt, ist die absolute Verlustangst. Sie macht mich bald narrisch.

        Bin wieder verheiratet. Lieber Mann. Sieht gut aus, ist offen und kontaktfreudig.
        Und seit dem seh ich alles mit anderen Augen. Es wird viel an ihm rumgebaggert.
        Ich komme damit nicht zurecht.
        Bin in Therapie deshalb und es geht nicht mehr weg.

        Möchte nicht noch einmal erleben, durch eine jüngere, blondere. bessere? (eben nicht) ersetzt zu werden.
        Albtraum.

        Und das mir, die immer so gutgläubig war.

        • Schmerzhaft ist es, was du durchmachen musstest. Was man tun kann, wenn man nicht mehr vertrauen kann, kann ich dir nicht sagen. Wie ich schrieb habe ich weder den Stein der Weisen, noch glaube ich, dass ich bzw. wir durch unser Denken vor derartigem Schmerz gefeit sind. Auch mir kann jeden Tag das Gleiche widerfahren wie dir. Auch ihm könnte es geschehen, dass ich mich Knall auf Fall in jemand Anderen vergucke - davor ist NIEMAND gefeit. Die Sache ist nur die, wie man damit umgeht. Mein Mann und ich wissen, dass wenn so etwas geschieht, die offenen Karten die Besten sind, denn nur dann kann jeder von uns entscheiden, wie es bzw. ob es weitergehen sollte.

          Wenn mein Vertrauen derartig missbraucht werden würde, ich monate- oder jahrelang von ihm belogen worden würde, dann gäbe es kein Zurück mehr. Wie ich schon schrieb: Vertrauen ist für mich eine der Grundsäulen der Liebe. Wenn dieses missbraucht werden würde, wäre es sehr, sehr schwierig, auf den Scherben etwas Neues aufzubauen.

          Ich möchte dir aber dringend anraten, jeder neuen Liebe eine Chance zu geben. Jeder Mensch ist individuell und fühlt individuell. Dein Ex-Mann hat dich belogen, betrogen und dein Vertrauen missbraucht. Dies impliziert aber nicht, dass der nächste Partner ebenso tickt.

          Alles Liebe für dich
          emestesi

Top Diskussionen anzeigen