Nachbarschaft, Gerücht - wie verhalten?

    • (1) 21.12.13 - 12:11

      Hallo,

      Das hat jetzt nichts mit direkter Partnerschaft zu tun, jedenfalls nicht mit meiner eigenen. Es geht um ein Paar in der Nachbarschaft, beinahe unsere direkten Nachbarn. Bisher hatten wir ein gutes Verhältnis, aber eher ein flüchtiges - jeder lebt in Ruhe sein Leben.

      Nun bin ich heute morgen mit meinem Hund im Feld spazieren gewesen, traf einen anderen Hundebesitzer, aus dem gleichen Ort. Wir unterhielten uns, sehr netter Mann, aber er weiß immer die neusten "Klatschnachrichten", während ich meist nie was dazu beitragen kann/will. Leben und Leben lassen, mein Motto...
      Vorhin erzählt er mir aber etwas, was sich, vor ca. 2 Wochen, bei oben besagtem Paar abgespielt haben soll.

      Seine Aussage:
      "Hast du eigentl von dem Vorfall gehört, dem Streit zwischen beiden, der auch in der Zeitung gestanden haben soll?"
      Ich so: "hä?!"
      Er: "ja, er soll, vollgesoffen, mit ca 3,5 oder 3,8 Promille, auf seine Frau mit der Axt los sein und sie auch vergewaltigt haben. Hab ich schon vor einer Woche von ... erzählt bekommen."
      Ich: "???????"

      Ehrlich Leute, meist stimmt das, was mir der Mann erzählt. Aber diesmal kann ich das einfach nicht glauben. Ich googlte nach unserer Unterhaltung erstmal in der hiesigen Presse, erfolglos. Was meine Mutmaßung angeht, dass es nichts weiter als ein übles Gerücht ist. Sehr übel sogar!!! -.-
      Aber, wie soll ich mich verhalten? Einfach rüber gehen, klopfen, und sagen: " Hallo! Sagt mal, ich hab gehört....?!"
      Das kommt mir irgendwie unpassend vor.

      Von der anderen Seite:
      1. wenn was an der Geschichte dran ist, dann könnte ich der Frau meine Hilfe anbieten. Die Gefahr besteht, dass es ihr peinlich ist... aber hat es nicht auch was mit Zivilcourage / Nachbarschaftspflicht zu tun, wenn man nicht einfach die Augen verschließt, sich doch mal "unbequem" ungefragt einmischt?! Ich weiß nicht.

      2. wäre es, im Sinne der Nachbarschaft, nicht auch wichtig, denen beiden zu sagen, was im Ort über die erzählt wird? Ich glaube wirklich, dass an der Sache nichts dran ist. Und, das jemand so etwas über die beiden in die Welt setzt, finde ich erschütternd. Das ist übler Rufmord und ich krieg die Krise wenn ich mir vorstelle, jemand würde derartiges über mich erzählen - alle wüssten bescheid, doch keiner hätte den Mut, mir davon zu sagen...

      Ich hab gerade echt gelitten: mag mich nicht falsch verhalten, bin hin und her gerissen. Wenn ich mich einmische, kann's in die Hose gehen. Am Ende bin ich der Depp und das Nachbarschaftsverhältnis ist für immer dahin. Vorbei mit "Leben und Leben lassen".
      Von der anderen Seite könnte es ja iwann sein, dass tatsächlich mal was nachkommt - in irgendeiner Art und Weise. Und das es dann heißt: "Die Nachbarin wusste davon, hat aber den Mund gehalten, so getan als wäre nichts ... ect."
      Mein Mann meint, er versteht mich. Und weiß, das es schwierig ist weil die Sachlage sehr ernst ist - egal ob das Gerücht stimmt oder nicht. Aber, damit wie keine Schwierigkeiten bekommen, sollten wir besser ruhig sein und so tun, als wüssten wir von nichts.

      Wenn ich die mir erzählten Fakten von heute morgen überdenke und an den Mann denke, der wirklich ein ganz ruhiger bisher war, eine angenehme Person, passt das alles nicht für mich zusammen. Ich würde es gerne, wie mein Mann sagt, einfach ruhen lassen.

      Andererseits, wenn ich nun Monate oder Jahre weiterdenke, will ich mir später - im Fall der Fälle - auch keine Vorwürfe machen müssen, weil ich nicht reagiert habe...
      Blöde Sache. Ich wünschte tatsächlich, ich hätte heute morgen nichts davon erfahren. :/

      Helft mir... Was würdet ihr tun?

      LG Bonnie

      • Wenn das, was du da gehört hast, stimmt, kannst du eigentlich nicht wirklich etwas Positives beitragen. Wenn es tatsächlich in der Zeitung stand, war garantiert auch die Polizei da und alles geht auch ohne dein Zutun seinen Weg. Ich wüsste nicht, wie du da noch zusätzlich helfen könntest.

        Wenn es aber hauptsächlich Klatsch ist, würde ich mich da raushalten, es weder weitererzählen noch die Nachbarn daraufhin weisen. Klatsch legt man am besten durch Schweigen lahm. Die Nachbarn haben auch nichts davon, wenn du ihnen erzählst, was getratscht wird (außer schlaflose Nächte und und Wut im Bauch).

        Ich persönlich glaube, dass solche Geschichten meist einen wahren Kern haben, dann aber durch andere aufgebauscht und weitergesponnen werden.
        Vielleicht ist der Mann einfach nur betrunken heimgekommen, die Frau hat sich geärgert, es kam zum Streit, evtl sogar zum Handgreiflichkeiten. Aus Wut oder Angst ist die Frau dann zur Polizei... Das wäre so natürlich auch nicht okay, aber nur halb so dramatisch wie das, was dir erzählt wurde. Und das kann, behaupte ich jetzt mal, auch in völlig intakten Familien passieren.

        • Hi,
          Danke für deine Antwort.

          Grundsätzlich, von der Vernunft her, bin ich ebenso der Meinung: Ball flach halten, aussitzen.

          Da ist nur dieses kleine, unangenehm stichelnde Stimmchen in mir, das keine Ruhe gibt - oder noch nicht jedenfalls.

          Das mag an meiner eigenen, von häuslicher Gewalt geprägten Kindheit herrühren, weswegen ich evtl empfindlich auf dieses Thema reagiere.

          Weißt: früher war bei uns ständig die Polizei da. Das hatte effektiv aber gar nichts zu sagen. Meine Mutter hat ihn auch mal angezeigt... nur, um diese Anzeige zurück zuziehen und um wieder im Krankenhaus zu landen. Ok, das war für uns Kids schlimm genug. Noch schlimmer war aber, dass sie es zuließ, dass er auch uns prügelte. Andere Geschichte. Was ich aber mir damals wirklich gewünscht hätte, wäre gewesen, dass jemand einschreitet. Mut hat uns zu helfen, obwohl es denjenigen nichts anging. Als ich, mittlerweile eine junge Erwachsene, der Kontakt zu meiner Mutter längst abgebrochen, einmal meine Tante wieder traf (sie hat den Kontakt zu mir gesucht), kam natürlich auch das Thema der Vergangenheit auf. Und, da wollte sie mir tatsächlich weiß machen, von nichts gewusst zu haben. Tat entrüstet und schimpfte über damaliges, empörte sich darüber, was man uns Kindern angetan hat. ... Für mich war's ein Hohn. Ich fand ihre Vorstellung einfach nur peinlich. Sie hatte uns oft genug besucht und wir sie. Sie hat zwar nie live gesehen wenn wir geschlagen wurden, aber, sie sah unsere Wunden, wusste auch um die Anzeigen und die Notrufe bei der Polizei...

          Für mich war es ein Grund, es bei diesem einen Treffen zu belassen. Meinetwegen hätte sie sich besser gar nicht zu dem Thema geäußert, wenn sie schon nicht aussprechen konnte, dass es ein Fehler war, die Augen davor zu verschließen. Aber dann noch auf entrüstet zu tun, war für mich zuviel...
          Und heute morgen fühlte ich mich ein wenig in diese Rolle gedrängt: die der Mitwisserin. Wenn auch nur die leiseste Vermutung oder Verdacht besteht, dass bei den Nachbarn so ein Fall von Gewalt in der Familie besteht, bin ich dann nicht im Zugzwang, wenigstens der Frau meine Hilfe zuzuflüstern, sofern sie sie irgendwann benötigen sollte? Auch, wenn's sie es nicht tun würde, aber oft ist alleine der Gedanke, dass man nicht alleine dasteht unglaublich Trost spendend....
          Ja, von der anderen Seite, wie bereits beschrieben, frage ich mich, was ich mir einbilde, wer ich wohl bin, dass ich mich in die Privatsphäre anderer Leute einmischen wollte?!
          Ich, persönlich, wäre dankbar, würde mich jemand darüber aufklären, was im Ort so über mich und meine Familie erzählt wird. Besonders in diesem Fall. Ich lass mich nicht gern zum Opfer machen, bzw möchte schon gern wissen, warum mich vielleicht die Bürger auf der Strasse mitleidig anlächeln!

          Da gehe ich lieber in die Offensive, bevor Mist über mich erzählt wird und/oder Halbwahrheiten verbreitet werden. Dieses Jahr war ein schweres für mich, lag auch daran, dass ich wusste, dass bald über eine sehr intime Sache von mir erzählt werden würde. Das war nicht aufzuhalten. Doch bevor Waschweiber alles mögliche erzählen und / oder Märchen erfunden werden, habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und viele Leute meiner Umgebung in Kenntnis gesetzt über die wahren Begebenheiten. Natürlich war's auch ein gefundenes Fressen, wurde viel getratscht und das war nicht leicht auszuhalten. Aber, es blieb zum Glück immer bei der Wahrheit, die ich erzählt hatte und nichts wurde dazu gedichtet. Insgesamt empfand ich das besser auszuhalten für mich, weil ich wusste, was vor sich ging wenn ich durch die Strassen lief und mich Leute verlegen anguckten. Überraschend war auch, dass mir einige ihren Respekt für meinem Mut aussprachen, hatte mit allem gerechnet, nur damit nicht. Aber, das ist auch eine andere Geschichte.

          Wenn meine Nachbarn wüssten, was über sie erzählt wird, könnten sie zumindest, nach abflauen der Wut darüber, auch überlegen in die Offensive zu gehen und eine Gegendarstellung bringen. Das hier ist ein kleines Neubauviertel, in dem Jeder-Jeden zumindest vom sehen kennt. Jeder weiß, in welchem Haus "der Andere" wohnt. Wenn sie mit diesen miesen Gerüchten nicht aufräumen - sofern es welche sind - wird die Mär möglicherweise noch jahrelang erzählt - "Guck mal in dem Haus wohnt der Mann, der seine Frau vergewaltigt..." ect.

          Wirklich, am liebsten wäre mir: "nichts hören, nichts sehen, nichts sagen".... Vergessen.

          Ich bin niemand, der in "Else-Kling-Manier" das Leben der Anderen stalkt und sich damit profiliert.

          Idiotischer Weise wünsche ich mir gerade einfach nur meinem Gewissen sagen zu können: "halt die Fresse, das interessiert uns nicht!"

          Naja. Heut mache ich erstmal gar nichts mehr diesbezüglich. Vielleicht fällt ja in ein paar Tagen in mir von selbst der Stein des Weisen. ;)

          Gruß Bonnie

      Ich verstehe deinen Gewissenskonflikt.

      Hast du selbst etwas von dem Vorfall mitbekommen?

      Sind Kinder davon betroffen?

      Wenn nicht, halte dich heraus und beobachte eure Umgebung. Keinesfalls sollst du etwas weiter tratschen.

      Wenn die Polizei da war, ist die Frau im Stande, sich Hilfe zu holen.

    • Hallo,

      das ist echt schwierig, aber ich glaube nicht das ich einfach so was sagen würde. Kannst du nicht mehr in Erfahrung bringen? Die Zeitungen haben oft eine Homepage mit Archiv. Der Artikel muss doch rauszufinden sein (falls es einen gibt)

      Aber wenn es doch wahr ist?
      Was willst du dann machen? Vielleicht will die Frau nur ihre Ruhe haben, vielleicht haben sie schon in irgendeine Art Hilfe angenommen. Wenn ich in so einer Situation wäre, würde ich nicht von den Nachbarn Hilfe annehmen wollen. Dafür hat man Freunde und Familie.

      Weiß nicht - ich würde mich nicht einmischen.

      Haben die Kinder?

      "2. wäre es, im Sinne der Nachbarschaft, nicht auch wichtig, denen beiden zu sagen, was im Ort über die erzählt wird?"

      Du beschreibst euer Verhältnis als eher flüchtig...und unter diesen Umständen würde ich mich NICHT einmischen. Wären es gute Freunde (in deren Beziehung du Einblick hast), wäre das wieder ne andere Sache...

      Sollte die Frau tatsächlich von ihrem Mann angegriffen und vergewaltigt worden sein, weiß sie hoffentlich selber, was sie zu tun hat. Handelt es sich lediglich um ein Gerücht, wird derjenige, der es in die Welt gesetzt hat, vermutlich nicht mehr ausfindig gemacht werden können.

      Apropos...du hältst nix von Klatsch, warum hörst du ihn dir dann an?

    • Hallo Bonnie,

      ich denke es ist ein übles Gerücht. Ich würde zu erst einmal bei der örtlichen Polizei nachfragen, ob es in deiner Nachbarschaft einen Vorfall gab. Die wird das mit Sicherheit verneinen. Danach würde ich meinen Nachbarn stecken, dass im Ort ein übles Gerücht im Umlauf ist.

      Wenn Dir das zu blöd ist, dann lass es ganz sein. Glaub mir, wenn in deiner Nachbarschaft so etwas passiert wären, hättest du schon lange davon gewusst. Das überhört man nicht.

      LG

      Carola

      HI,

      bei uns passiert auch viel in der Nachbarschaft.#augen.
      Die Leute die tratschen - die man in der Regel kennt- versuche ich zu meiden. ( andere Gassirunde).
      Bekomme ich dann doch was mit, erzähle ich es nicht weiter. Den größten Tratschen fahre ich knallhart übern Mund.
      Sollte ich dann mit der betroffenen Person ins Gespräch kommen, muss es sich durch das Gespräch ergeben ob man auf dieses Thema kommt.
      Es gibt Leute die machen aus nichts ein Geheimissen #schein und andere wollen nicht drauf angesprochen werden, weil es mega peinlich ist, dass alle es wissen.

      lisa

      Hallo,

      ich kann nachvollziehen das du hin und her gerissen bist.Aber ich würde sie darauf ansprechen.So ein Gerücht entsteht nicht einfach so.Vllt ist er nicht mit der Axt auf sie losgegangen,aber irgendwas ist bestimmt vorgefallen.Vllt kannst du sie ja mal auf der Strasse abfangen und sie direkt drauf ansprechen.Es sollte aber nicht so rüber kommen das du sie über den Tratsch informieren willst,sondern "ich habe gehört von dem Vorfall".Selbst wenn sie es verneinen sollte,würde ich ihr trotzdem Hilfe anbieten,das deine Tür offen ist wenn was sein sollte. Erzähl ihr was du erleben musstest bzw das du Erfahrung mit häuslicher Gewalt hast,das könnte ihr helfen sich dir zu öffnen.

      Leider habe ich auch Erfahrung mit häuslicher Gewalt und das aufs übelste.Bei einer Attacke habe ich mal so laut geschrien,viel mehr ein kreischen war das,in der Hoffnung jemand würde mich hören.Ja die Nachbarn haben mich gehört,sind jedoch meine Strasse auf und ab gelaufen anstatt die Polizei zu rufen...

      LG

      (10) 22.12.13 - 15:07

      Mach einfach gar nichts!!! Das ist Klatsch und Tratsch...unabhängig ist ein normaler Mensch mit 3,..Promille nicht mehr handlungsfähig. Hätte er dies tatsächlich getan, hätte ihn die Polizei in Gewahrsam genommen.

      Ich habt eine nicht tiefer gehende Nachbarschaft mit Guten Tag sagen und fertig...also lass es dabei und betrachte die beiden weiterhin als Nachbarn.

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