Angehöriger hat vermutlich Depressionen - was kann man tun?

    • (1) 16.01.14 - 09:31
      Hilfe für den Neffen

      Hallo, sorry, dass ich hier in der Rubrik Partnerschaft schreibe, aber ich möchte schwarz mein Anliegen an euch schreiben.

      Und zwar geht es um meinen Neffen. Mittlerweile ist er 20 Jahre alt. Mein Bruder und seine Frau sind hilflos und wissen nicht wie sie mit ihm umgehen sollen. Er zeigt sämtliche Züge einer Depression bis hin in den manischen Bereich. Es gibt in der Familie meiner Schwägerin diese Erkrankung (ihr Bruder und der Onkel) und die Symptome sind gekannt. Das ist natürlich nur eine Vermutung.

      So krass wie es klingt: alle (die Verwandtschaft) sehen wie es dem Jungen geht, er selber sieht das allerdings nicht so! Er ist doch normal, alles supertoll, ihm geht´s bestens!
      Fakt ist: er kifft, säuft, möchte seine Ausbildung schmeißen, schmeißt sein Geld zum Fenster raus und ist ständig pleite, überzieht sein Konto, möchte sich von seinem Lehrlingsgehalt eine 3 Zimmer Wohnung mieten (GsD macht das kein Vermieter mit - davon abgesehen möchte er ja die Lehre schmeißen, hat somit bald gar kein Geld), ist verbal aggressiv (Noch verbal - aber was kommt als nächstes?), meckert, motzt den ganzen Tag, lässt sich krankschreiben und macht nur blau (3 Wochen geht er arbeiten, dann wieder eine Woche krank - der Arzt rafft´s nicht)...

      So läuft das nun schon seit Jahren! Der Kinderpsychologe damals sagte (er war schon mit 9 auffällig), er hätte ADS. Erst Verhaltens- und Ergotherapien, dann hat er 4 Jahre Ritalin genommen, aber dieses mit 15 selbst abgesetzt. Die Hauptschule hat er nur mit ach und krach geschafft, keine Motivation für nichts.

      Das alles schreibe ich nicht, weil ich ihn anprangern möchte, sondern ich erhoffe mir Hilfe und Möglichkeiten wie wir IHN helfen können!! Er will ja keine Unterstützung, was können wir denn überhaupt tun? Gibt es überhaupt Möglichkeiten einen Volljährigen zu helfen der das nicht will? Ein Psychologe, den mein Bruder anrief, hat klar gesagt: sie sind Angehöriger, dann haben sie Pech, so lange der Betroffene hier nicht anruft, passiert nichts...

      • (2) 16.01.14 - 09:52

        Der Psychologe hat recht gehabt, solange Dein Neffe nicht erkennt, dass er Hilfe braucht, könnt ihr nichts machen, so traurig das klingen mag.

        Er ist volljährig.

        Allerdings zeigt er nicht die typischen anzeigen einer klassischen Depression.

        • (3) 16.01.14 - 10:01
          Hilfe für den Neffen

          Vielen Dank für deine Antwort.

          Ja, auch wenn er keine klassische Depression hat - mag sein Problem einen anderen Namen tragen - irgendwie ist bei ihm doch was "faul".

          Hoffentlich hat er bald die Selbsterkenntnis, dass er sich Hilfe holt.

          Ich habe meinen Bruder schon gesagt, signalisiert ihm, dass er Unterstützung von euch bekommt, wenn er bereit ist, den Weg zu gehen.

          • Hallo

            Naja die Frage wäre für mich nicht, ob er depressiv ist. Die Frage für mich ist, inwieweit er schon abhängig ist (Kiffen, Alkohol). Ich dneke, dass das einen Menschen ziemlich verändern kann und er auch unberechenbare Züge etc. an den Tag legen kann.

            Wenn man indie Vergangenheit des Jungen schaut - ob Ritalin so spuirlos an ihm vorbei gegangen ist? (gewagt gefragt - aber ich habe darüber nichts Gutes gehört).

            Er ist - so viel ist klar - auf besten Weg sich die nächste Jahre zu versauen. Ehe er selber keinen Leidensdruck hat, wird er sich diesbezüglich auch nicht ändern.

            Grüße

          • Hallo,
            vielleicht liegt das Problem auch im Kiffen(je nachdem wie viel er konsumiert)und dann hilft nur eine Drogentherapie...Ich habe das mit meinem Mann vor länger Zeit mitgemacht.Er hatte Schulden, keinen Antrieb,war sehr vergesslich und konnte sich nicht konzentrieren.Irgendwann hat er dann eingesehen,dass auch "weiche" Drogen abhängig machen und er süchtig ist. Nach der Therapie ging's dann rapide bergauf. Er ist einmal wöchentlich zur Drogenberatungsstelle gegangen.
            Die Erkenntnis muss natürlich hauptsächlich von alleine kommen und die Hemmschwelle müsste er ebenfalls überwinden dorthin zu gehen...gibt es denn eine Freundin,die da ggf. etwas Druck machen könnte?

      Ist er selbstmordgefährdet? Dann könnte man ihn in die Psychiatrie einweisen lassen. Sonst kannst du wahrscheinlich gar nichts tun.

      • Nein - es reicht nicht aus, dass er selbstmordgefährdet ist, sondern um eine zwangsweise Unterbringung vornehmen zu können, muss er konkrete Selbstmordankündigungen aussprechen oder bereits der den Versuch unternommen haben.

    So wie die Vorschreiber bereits anmerkten, kann er durchaus abhängig sein von Alkohol oder Drogen. Damit geht oft eine Wesensänderung einher. Für ihn und seine Denke ist die Welt normal und in Ordnung. Die Betroffenen lassen sich auch nichts anderes einreden.

    Ihr könnt nichts anderes tun als ihn machen zu lassen. Er ist volljährig und für sich selbst verantwortlich. Viele finden erst aus dem Sumpf heraus, wenn sie ganz unten angekommen sind, manche auch nie. Aber dafür geht es ihm noch zu gut. Er hat ein Einkommen, ein Dach über dem Kopf und alle sonstigen Annehmlichkeiten. Warum also etwas ändern.

    In jeder Stadt gibt es Drogenberatungsstellen. Dort können sich auch Angehörige beraten lassen, wie man am besten vorgehen kann.

    (9) 16.01.14 - 20:00

    ADSler "therapieren" sich häufig ab der Pubertät/im Erwachsenenalter mit Alkohol und Drogen selbst*, von daher denke ich, dass es eine Mischung aus ADS, Sucht und dadurch entstandenen Depressionen sind.

    *Manche ADSler werden z.B. unter Alkohol nicht einfach lustig, sondern interessanterweise erst mal konzentrierter und ruhiger.

    Nur ist er volljährig und man wird ihn im Moment zu nichts zwingen können. Nur immer mal ohne erhobenen Zeigefinger ansprechen oder ihm Artikel zu Thema zu lesen geben.

    Viell. muss er erst ganz unten sein, um wach zu werden. Evtl. rebelliert er auch nur gegen die ständigen Versuche seiner Eltern, ihn zum besseren Mensch werden zu lassen. Mag ja sein, dass er sich damit unterdrückt fühlt. Mit 20 ist er einer Generation angehörend, die einerseits die Technisierung in voller Härte mitbekommen hat und gleichzeitig den Verfall der Werte und wirtschaftlichen Abstieg. Ent - sozialisierung.
    Mit kiffen und Alk betäubt er sich, um sich zu zentrieren und das alles auszublenden.
    Ihm Medikamente zu geben, war eigentlich das schlimmste. Ich hätte ihn ins Ausland geschickt wenn möglich. Statt Druck lieber Entfaltung. Ich bin mir nämlich sicher, dass er sensibel und sprachbegabt ist.

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