Räumlich getrennt und doch zusammen?

Hallo,
ich suche verzweifelt nach einer Lösung mit der alle Seiten glücklich sein könnten. Wir sind verheiratet und haben eine einjährige Tochter. Wir wollten Beide ein ganz normales Familienleben, unsere Wunschvorstellung grenzte schon an leichte Spießigkeit. Leider hat uns jetzt die Realität eingeholt
Ich für meinen Teil liebe diese klassische Rollenverteilung. Er hingegen pickt sich aus allem irgendwie nur die Rosinen raus. Er kommt wie er will (zB sagt er am Tel er wäre in einer Stunde da und taucht dann 4 Stunden später auf), er kümmert sich um nichts außer nach 20facher Aufforderung. Er fängt alles an und bringt nichts zuende. Überall läßt er seinen Kram liegen. Eigentlich verhält er sich wie ein 20jähriger, davon sind wir Beide aber schon extremst entfernt. Früher war er nicht so, bzw nicht so extrem. Vielleicht ist es mir auch nur nie so aufgefallen, da ich ja auch noch ein ganz anderes Leben geführt habe. Für mich hat sich das Leben radikal seit der Geburt geändert und ich habe das Gefühl er hat den Absprung leider nicht geschafft. Es gab schon so viel Streit und genauso viele Lippenbekenntnisse seinerseits. Mir ist klar das er sich nicht ändern wird und es auch garnicht will oder kann. Klar kann man jetzt einfach sagen Trennung und gut ist. Nur mit einem Kind packt man nicht einfach seine Sachen und geht. Besonders wenn der Mann ein wirklich liebevoller Vater ist, ich würde sie ihm jederzeit blind anvertrauen( nur mich gibt es ja auch noch). Auch bei festen Terminen (wie Arzt usw) hat er mich noch nie hängen gelassen. Er sagt er liebt uns und will uns nicht verlieren. Und ich weiß das es stimmt. Nur er ist leider nicht bereit dafür etwas zu tun. Eine Ehe mit Kind ist nun mal kein Selbstläufer.

So und jetzt komme ich zu meiner Frage: Hat jemand schon mal versucht seine Ehe zu retten in dem er sich räumlich getrennt hat?

Auf der Suche nach einer Lösung, bevor der große Knall kommt, bin ich jetzt auf diese Idee gekommen. Wir suchen uns jeder eine Wohnung und "verabreden" uns dann quasi. Somit wäre für mich dieser unerträgliche Druck weg und er könnte außerhalb dieser Verabredungen seinem spontanen Leben nachgehen. Ich stelle mir das sehr erleichternd für beide Seiten vor. Er könnte in seiner sein geliebtes Chaos regieren lassen und ich hätte meine Ordnung wieder. Wo ist bei meiner Idee der Denkfahler, den ich evtl nicht sehen kann? Ich weiß nur eins, versteht unsere Tochter den Satz:"Papa kommt gleich." und er geht dann lieber noch spontan nen Bierchen trinken, in diesem Moment werde ich die Scheidung einreichen. Das weiß er auch.
Ich denke nicht, das er ein Verhältnis hat (höchstens zu seinem Bierchen). Dummerweise hat kaum einer seiner Kumpels Kinder, da wartet niemand zu Hause.
Ach irgendwie alles blöd......
Danke fürs Lesen und für evtl Antworten.

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Ich würde es mit dieser Lösungsmöglichkeit mal versuchen. Er müsste dann aber so zuverlässig sein, dass er vorbei kommt, wenn er es sagt.
Die Alltagsprobleme wären somit nicht mehr gegeben.
Wenn Ihr es Euch finanziell leisten könnt, würde ich das unter den Umständen machen.

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Danke für deine Meinung. Das Finanzielle würde klappen. Wir leben in einer Gegend wo die Mieten noch nicht so widerlich hoch sind und auch genug Wohnungen frei sind. Wir haben Beide auch nicht so extreme Ansprüche was Platz oder Ausstattung angeht. Ich schränke mich auch gerne noch in anderen Dingen etwas ein.

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Der Denkfehler liegt darin das Du ihn machen läßt und nichts von ihm forderst. Jetzt wird sich räumlich getrennt damit er noch weniger merkt das es so irgendwie nicht funktioniert.

Aber wenn Du damit klar kommst Dich und euer gemeinsames Kind so in SEIN Leben zu integrieren das er damit zurecht kommt, bitte ...

Ich würde das nicht mitmachen. Veränderungen müssen auf beiden Seiten stattfinden.

Vielleicht denke ich da jetzt auch zu oberspießig, keine Ahnung. Mein Partner und ich führen derzeit eine Fernbeziehung, was uns beiden aber stinkt. Zusammenziehen möchten wir so schnell als Möglich.

Wenn ich schon getrennte Wohnungen brauche um mit einem Menschen zusammenzusein (irgendwie widersprüchlich), dann würde ich mir ernsthafte Gedanken über den Partner, mich und die Beziehung an sich machen.

LG, Lena

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Hallo Lena, ich habe unten geschrieben, dass ich genau in so einer Partnerschaft lebe, mit getrennten Wohnungen. Ich brauche eben keine gemeinsame Wohnung, um mit einem Menschen zusammenzusein. Zuerst lebe ich mein Leben und bin für meinen Sohn da, warum soll ich mich zusätzlichem Alltagsstress aussetzen? Unser Zusammenleben war nicht schön, schöne Momente, ja, durchaus, aber insgesamt war es ein großer Stressfaktor, dennoch lieben wir uns und fahren mit unserem Modell der getrennten Wohnungen ausgesprochen gut.

Ich glaube, das da jeder seinen ganz eigenen Weg finden muss. Hauptsache, man ist glücklich und das bin ich persönlich, wenn ich auch noch ein Stück weit über mich und mein eigenes Dasein bestimmen kann, ohne konstant meinen mit mir lebenden Partner zu involvieren und ihm geht es genauso.

Liebe Grüße

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Oh, glaub mir, ich fordere genug. Und weil ich darauf eben keine Lust mehr habe suche ich nach einer anderen Möglichkeit. Ich will Raus aus diesem Hamsterrad. Wir wissen beide das es SO nicht mehr funktioniert. Ich bin diejenige die sich verändert hat, der die Dinge die lange funktioniert haben nicht mehr reichen. Meine Tochter hat mich extremst verändert, aber er kann und möchte halt auf diese (MEINE neue) Weise nicht mithalten.

Noch sind genug Gefühle da, die uns verbinden.....wer weiß wie lange noch. Die Rolle des ewig zeternden Weibes steht mir wirklich nicht gut.
Ja, es ist widersprüchlich auf den ersten Blick. Nur es kommt halt auch auf die Menschen an, die daran beteiligt sind. Es gibt Paare, die alles zusammen machen (und wenn es Zähneputzen ist), so waren wir noch nie.

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Hallo, ich lebe in einer solchen Beziehung. Ich habe einen Sohn, mein Partner ist aber nicht der Vater. Wir sind seit knapp 6 Jahren zusammen, irgendwann haben wir beschlossen, zusammenzuziehen, gesagt, getan, gescheitert. Das Zusammenleben hat einfach nicht funktioniert. Die Gründe sind hier wenig relevant, auf jeden Fall sind mein Sohn und ich wieder ausgezogen und nach dieser Erfahrung muss ich klar sagen, ich würde nie wieder anders leben wollen. Ich lebe sehr autonom, brauche meinen Freiraum und nicht konstant jemanden um mich herum. Wir klammern die Alltagsprobleme aus und genießen die Zeit, die wir miteinander haben. Natürlich bringt auch das Probleme mit sich, wenn der eine mal mehr nähebedürftig ist als der andere, aber wir haben gelernt zu reden, Kompromisse zu schließen. Und was soll ich sagen? Es funktioniert.
Liebe Grüße

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Hallo,

das klingt super und macht mir wirklich Mut. Ich habe vorhin mit ihm geredet, er hat große Angst nicht mehr genug von seiner Tochter mitzubekommen. Was ja eigentlich Blödsinn ist. Denn so geht er morgens aus dem Haus bevor sie wach ist und regulär (wenn nicht das Bierchen ruft) hat er Abends ne Stunde mit ihr.

Ich würde es wirklich gerne ausprobieren, zum Scheidungsanwalt können wir immer noch rennen. Es wäre zumindest ne Chance. Besser als Stumpf weiterzumachen, bis wiklich nichts mehr geht und dann vielleicht noch mit nem Rosenkrieg.
Danke dir.

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Wollt Ihr es nicht mit einer Paartherapie versuchen, bevor Ihr einen so großen Schritt macht?

Irgendwie bist du inkonsequent...er macht was er will, du beschwerst dich zwar, aber sonst nichts.

Und nun willst du noch einmal nachgeben. Ihr trennt Euch, er hat sein Single-Leben zurück und du bist alleine mit Kind...

Denkt genau darüber nach...

#klee

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Hallo, im Prinzip ist eine Paartherapie eine gute Erfindung, zumindest bei Menschen die daran glauben. Wir halten Beide nicht soviel davon. Und mal ehrlich, Ordnung und Pünktlichkeit wird ein Therapeut ihm auch nicht beibringen können.
Genauso habe ich keinen Erziehungsauftrag für einen erwachsenen Menschen. Wie soll es denn laufen? Wenn er seinen Kram nicht wegräumt bekommt er keinen Nachtisch? Kommt er zu spät, darf er kein fersehen oder bekommt keinen Sex (dabei würde ich mich ja selber bestrafen).
Ich komme ja selber noch oft ins Trudeln mit meinem neuentwickelten Ordnungs- und Strukturwahn.

Die Wochenenden (also die Zeit, die auch andere Familien nur gemeinsam nutzen können) haben wir schon immer zusammen verbracht, auch jetzt. Warum sollte sich daran etwas ändern. Den Alltag bestreite ich ja auch so alleine, wie die meisten anderen Frauen auch.
LG

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.....ups, da habe ich mich doch glatt geoutet. Naja, so dramatisch war es ja nicht um unbedingt ins Schwarz zu schreiben.#rofl

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