Kontakt zum leiblichen Vater aufnehmen?!

    • (1) 27.01.14 - 23:21
      Heimatlos...

      Hallo Ihr Lieben,

      ich vermute mal fast das es hier das falsche Unterforum ist, aber da ich hier anonym bleiben kann bitte ich mal ein Auge zuzudrücken.

      Nur als kleine Warnung vorweg, es könnte etwas länger werden#blume

      Und zwar geht es um folgendes:

      Ich bin fast 30 Jahre alt, verheiratet und habe eine einjährige Tochter, studiert, finanziell sind wir sehr gut gestellt, eigenes Haus usw soweit könnte alles toll sein, gäbe es da nicht eine Sache die mich belastet.

      Es geht um meinen Vater!

      Meinen Vater habe ich nie kennen gelernt, meine leibliche Mutter hat ihn verlassen als ich zwei Jahre alt war. Beide waren damals noch ziemlich Jung, Anfang 20 und mit der Situation anscheinend total überfordert. Beide waren sie nicht miteinander verheiratet.

      Kurz vor meinem siebten Geburstag kam ich in eine Pflegefamilie, was mir vermutlich das Leben gerettet hat. Und obwohl ich dort auch nicht wirklich willkommen war, bin ich heute darüber noch dankbar. Zu meiner Pflegefamilie besteht seit meinem 16 Lebensjahr kein Kontakt mehr.

      Meine leibliche Mutter hab ich das letzte mal mit ca acht Jahren gesehen, seitdem herrscht absolute Funkstille und wie gesagt meinen leiblichen Vater noch nie.

      Er wusste das ich bei Pflegeeltern aufwuchs, zahlte auch Unterhalt ans Jugendamt und war informiert über meine "Lebenssituation". Gemeldet hat er sich nie.

      Ich muss dazu sagen das es mit irgendwann einfach auch egal war, wie sollte ich auch jemanden vermissen denn ich sowieso nicht kannte!? An meinem 18 Geburstag habe ich erfahren wo mein Vater lebt, das er verheiratet ist und mittlerweile drei weitere Kinder hat.

      Hat mich bis dahin alles eigentlich nicht sonderlich interessiert, im Gegenteil es war mir egal. Klar habe ich öfters mal geweint, weil ich "Familie" eben nicht kenne. Dadurch das ich "Familie" eben nicht kenne gibt es auch des öfteren Streit mit meinem Mann, da er eben eine sehr grosse Familie hat und mir das sehr schnell alles zuviel wird. Obwohl das ja eigentlich immer mein Wunsch war, komisch oder?

      Nun da ich selber Mutter bin, stelle ich mir immer öfters die Frage ob ich meinem Vater nicht einfach mal Schreiben soll, ob ich ihm nicht einfach mal zeigen soll was aus seiner Tochter geworden ist, ihm auch seine Enkelin eventuell zeigen soll?

      Nur wie fang ich an, es würde schon bei der Ansprache fehlen, "Vater" ist ja wohl etwas fehl am Platz.

      Oder ist meine Idee vielleicht im allgemeinen nicht klug. Ich bin total hin und her gerissen, auf der einen Seite denke ich mir, er hätte sich melden müssen. Auf der anderen Seite denke ich, was ist wenn auch er Angst hatte?!

      Was ist wenn ich mich melde und enttäuscht werde? "Brauche" ich meinen Vater jetzt überhaupt noch? Alles was ich bin, was ich kann, was ich besitze etc habe/musste ich mir alles selbst und ohne Hilfe erarbeiten, ich hatte keine schöne Kindheit, wofür ich ihn auch mitverantwortlich mache.

      Ich weiss einfach nicht was ich tun soll.

      Bereue ich es eventuell später mal wenn ich mich nicht bei ihm melde und ihn somit niemals kennen lerne?!

      Fragen über Fragen #zitter

      Puh, ganz schön lang geworden, ich Danke allen die bis hierhin durchgehalten haben.

      Was würdet Ihr an meiner Stelle tun?
      Ich bin gespannt auf eure Antworten.

      Liebe Grüsse

      • Huhu #winke

        Hast du denn die Adresse von ihm ?
        Dann würde ich ihm vielleicht einen Brief schreiben. Vielleicht erzählst du ihm darin, was du gefühlt hast (mal Wut, mal Trauer, ....), welche Gedanken du die gemacht hast und jetzt auch machst und du ihn kennenlernen möchtest. Du kannst ihn darin auch Fragen, ob er das möchte und ihm mitteilen, dass er Opa ist. Ihm einfach um ein Gespräch bitten, mehr muss es vielleicht nicht. Oder ihr schreibt euch erstmal Briefe, so lange, bis ihr euch treffen möchtet oder oder oder..
        Eine andere Idee hätte ich leider nicht, ausser vielleicht direkt hinfahren oder so, aber das wäre dann sehr mutig denke ich und auch sehr überfordernd.

        Ich finde schon, dass du es versuchen solltest. Immerhin machst du dir Gedanken, auch wenn erst jetzt. Das zeigt schon, dass dir das nicht egal ist. Man wird nicht jünger und du könntest es sehr bereuen, wenn es zu spät ist.

        Ich wünsche dir in deinem Vorhaben - wie auch immer das ausfallen wird - viel Glück #klee

        (3) 28.01.14 - 01:59

        Wenn du das Bedürfnis hast, dich bei deinem Vater zu melden, tu das.
        Aber nur, wenn du innerlich gewappnet bist, falls du Ablehnung erfährst.
        Er hat sich fast 30 Jahre nicht für dich interessiert, hat eine Frau und drei Kinder, erhoffe dir nicht zu viel.

        Ich denke auch, Du solltest ihn vielleicht einmal anschreiben.

        Oft schon habe ich mich gefragt, warum z. B. adoptierte Kinder im Erwachsenenalter ihre leiblichen Eltern aufspüren möchten, auch wenn sie eine schöne Kindheit hatte. Ich glaube, daß der Mensch immer nach Begründungen und Wurzeln sucht. Man möchte sich alles erklären können. Du willst vielleicht unterbewusst den Mann kennenlernen, der Dich im Stich ließ und vor allem wissen, warum er dies tat. Gerade daß er nun eine Familie hat, macht es für Dich wahrscheinlich noch schwerer zu verstehen, warum er Dich damals verließ und sich so lange nicht meldete. Man kommt sich zurückgesetzt vor. Warum bekommen seine anderen Kinder, was Dir nicht vergönnt war, nämlich einen Vater.

        Dazu kommt, daß Dein Mann eine große intakte Familie hat. Möchtest Du vielleicht auch etwas an (eigener) Familie präsentieren dürfen?

        einen Versuch ist es wert, allerdings solltest Du Dich darauf einstellen, daß das Ding auch komplett nach hinten losgehen kann und nicht zwingend ein "Kai-Pflaume-Ende" nehmen muß.

        Viel Glück

        GzG
        irmi

      • In meiner Verwandtschaft haben wir diesen Fall, es ist unglaublich gut ausgegangen für alle Beteiligten. Familienzuwuchs der besonderen Art.
        Das muss nicht so sein, aber die Möglichkeit besteht doch, dass ein zaghafter Kontakt zustande kommt, der vielleicht viele verschüttete Fragen lösen kann.

        Ich denke, ich würde den Kontakt aufnehmen.

        Er hat sich vielleicht deswegen nicht gemeldet, um dir dein Leben zu lassen, kein Durcheinander hineinzubringen etc.
        Eltern, die ihre Kinder weggeben, haben oftmals ein grosses schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber. Und Angst davor, dass sie verurteilt werden.
        Wie gesagt, die Kontaktaufnahme kann einen grossen Knoten aufbrechen. Das kann gut sein.
        KANN.
        Aber versuchen würde ich es an deiner Stelle.

        Alles Liebe,

        White

        Moin!

        Nur ganz kurz von mir:

        ich bin adoptiert und kannte weder leibliche Mutter noch Vater. Die Mutter fand ich dann, sie wollte aber keinen persönlichen Kontakt.

        Aber mein Vater war ein großes Fragezeichen, nicht mal ein Bild hatte ich von ihm. Und wie Du auch merkst, es läßt einem nie Ruhe und ich suchte ihn, fand ihn und traf mich mit ihm, da war ich 29 J.

        Danach stellte ich den Kontakt wieder ein, denn es reichte mir für mich persönlich, ihn wenigstens einmal getroffen zu haben. Wie er aussieht, wie er spricht, was ich von ihm geerbt habe (optisch).
        Mehr wollte ich nicht, denn ich habe meine Eltern, meine Adoptiveltern, das sind Mama und Papa und werden es immer bleiben.

        Daher mein ganz persönlicher Rat: treffe ihn. Was Du dann daraus machst, steht auf einem anderen Blatt.
        Aber es wird Dich sonst jeden Tag innerlich begleiten, wie ein roter Faden. Und das zermürbt auf Dauer.
        Nicht zu wissen, welche Wurzeln wir haben, ist sehr belastend.
        Und irgendwann ist es zu spät, denn unsere Eltern leben nicht ewig.

        Liebe Grüße!
        #winke

      • Versuche, Kontakt mit ihm aufzunehmen.

        Schreibe ihm einen Brief oder rufe ihn an. Einfach auch, damit du Gewissheit hast und dich nicht mehr quälen musst.

        Meine Schwester war auch schon in den 30igern als sie ihren leiblichen Vater kennen lernte. Sie wusste aber schon, wie er lebt und was er eigentlich für eine gescheiterte Persönlichkeit ist. Sie hatte keine großartigen Erwartungen. Sie hat ihn zwei Mal gesehen, einmal auch mit meinem damals fast erwachsenen Neffen zusammen. Danach wollte sie aus verschiedenen Gründen keinen weiteren großartigen Kontakt. Sie hat in meinem Vater einen Vater gefunden. Und das reicht ihr auch.

        Wenn du ihn kennen lernen willst, mache das erst einmal allein. Wenn sich etwas entwickeln sollte, dann beziehe auch deinen Mann und deine Kinder mit ein. Ich wünsche dir viel Glück!

        Hallo,

        ich habe meinen leiblichen Vater angerufen da war meine Tochter 8 Monate alt. Er hat sich nie für mich interessiert war nie da und könnte mir in der Stadt über den Weg laufen ich wüsste nichtmal wie er aussieht.

        Seine Antwort war Er wäre kein Familienmensch. Fand ich schade ich hatte nicht für mich gefragt sondern für seine Enkelin ob er denn vielleicht sie kennenlernen möchte wäre ja auch ein Start für einen Umgang zwischen Vater und Tochter gewesen aber da hatte er kein Interesse daran.

        Nun ja aber ich weiss seither woran ich bin und muss nichts hinterhertrauern. Von daher ruf an oder schreib ihm. Was dir lieber ist. Zur verlieren hast du nichts du kannst nur was dazugewinnen und wenn er kein Interesse hat kannst du die ganze Angelegenheit völlig abhaken.

        Liebe Grüße
        Corinna

        Ich würde es an Deiner Stelle probieren.
        Vielleicht freuen sich auch Deine 3 Halbgeschwister Dich kennen zu lernen? #liebdrueck

      (11) 28.01.14 - 10:25

      Guten Morgen,

      Vielen lieben Dank an euch alle für eure Meinungen und Ratschläge.

      Ich denke ihr habt Recht, zu verlieren habe ich ja nichts.

      Ich erwarte auch kein Happy End oder sonstiges, ich will einfach nur wissen "woher" ich komme. Vermutlich bin ich ihm schon tausend mal über den Weg gelaufen?! Wer weiss das schon.

      Ich denke ich werde ihm in einer ruhigen Minute einen Brief schreiben. Nur wie fange ich an? "Sehr geehrter Herr so und so?!" Siezen oder duzen? Hm...

      ...und der Inhalt? Ich sehe schon, das muss ich mir alles in Ruhe durch denn Kopf gehen lassen.

      Aber vermutlich werde ich es später einmal bereuen wenn ich ihn nicht kennen lerne, wir werden alle nicht jünger und ewig leben wir auch nicht.

      Ich danke euch.

      Liebe Grüße und einen schönen Tag euch allen

      • Ich würde ihn beim Vornamen und mit "Du" ansprechen.
        Vielleicht magst Du ein bißchen was von Dir erzählen und dann schreibst Du, dass Du ihn und seine Familie mal gern treffen oder kennen lernen würdest?!

        Viel Glück #klee

        (13) 28.01.14 - 19:10
        macht viel kaputt

        Ich denke es kann sehr viel kaputt machen. Nicht nur deine Erwartungen sondern vor allem seine Familie. Was wenn seine Frau nichts weiss und sich deswegen trennt? Du bist ohne Vater aufgewachsen möchtest du schuld sein wenn drei weitere ohne ihn aufwachsen?
        Lass es auf sich beruhen.

        PS. Ich habe meinen Vater ebenfalls nie kennengelernt und auch nie Interesse gehabt und o.g. moralische Bedenken gehabt

        • (14) 29.01.14 - 08:38

          Warum sollte die Themenstarterin denn bitte nur Rücksicht auf die Befindlichkeiten der anderen nehmen? Das verstehe ich nicht.

          "Du bist ohne Vater aufgewachsen möchtest du schuld sein wenn drei weitere ohne ihn aufwachsen?"

          Aber sie hat doch wohl am wenigsten Schuld daran ohne Vater aufgewachsen zu sein, oder? Auf ihre Befindlichkeiten hat doch auch niemand Rücksicht genommen.

          Für mich klingt das bei Dir zu sehr nach eigener Verbitterung. Denn es geht doch nicht um moralische Bedenken. Zu mindestens muss sich die Themenstarterin deswegen keine Gedanken machen. Sie sucht nach ihren Wurzeln und das steht ihr auch zu.

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