Beziehung mit psychisch Kranken?

    • (1) 22.03.14 - 17:41
      überfordert

      Hallo ihr...

      Hat hier jemand Erfahrungen in dem Bereich? Ich bin total überfordert. Entschuldigt bitte, dass ich so viel schreibe und es jetzt so lang geworden ist, ich wollte nichts wichtiges außen vor lassen.

      Hab einen sehr netten Mann kennengelernt und wir treffen uns seit ein paar Monaten. Ich möchte es langsam angehen, bin 31 Jahre alt, seit zwei Jahren geschieden und habe einen fünfjährigen Sohn. Der neue Mann in meinem Leben ist auf den ersten Blick perfekt...höflich, gebildet, reich (Unternehmerfamilie), lustig, einfühlsam, ich konnte mein Glück kaum fassen. Er hat meinen Sohn jetzt auch ein paar mal gesehen und direkt einen guten Draht zu ihm gehabt. Ach, alles wäre so perfekt, wenn...

      ...wenn da nicht dieses für mich große Problem wäre. Mir ist schon öfters aufgefallen, dass er teilweise komische Äußerungen macht. Sitzen im Cafe und er ist davon überzeugt, dass irgendwer in dem Raum ihn beobachten würde. Oder letztens meldete er sich drei Tage nicht und entschuldigte sich dann damit, dass er seine Geräte wie Handy und Laptop überprüfen musste, er vermutet Industriespionage. Hab mich da schon gewundert und mich gefragt, ob der nen kleinen Knall hat. Jetzt hab ich seine Eltern kennengelernt und seine Schwester, die sind auch supernett. Zwar auch sehr fein und wirken zuerst was arrogant, aber ich komme gut mit ihnen klar. Sie freuten sich sehr, dass ihr Sohn/Bruder jetzt so eine liebe Freundin hat, sagten sie. Ein paar Tage später rief seine Schwester mich an und bat um ein Treffen. Hab mich total gefreut! Aber dann kam es...sie und die Mutter fragten mich, ob ich wirklich bereit bin, mich darauf einzulassen. War erst total irritiert, aber "darauf" heißt: auf einen psychisch kranken Mann. Sie erzählten mir, dass er schon als Kind anders war und teilweise stationär in der psychiatrischen Klinik war, auch als Erwachsener noch, weil er immer wieder extreme Schübe hat. Er hat Verfolgungswahn, hört manchmal Stimmen, leidet unter Angststörungen, hatte auch mal einen Waschzwang, hat immer wieder gute Phasen und dann kommt wieder was neues. Er arbeitet mit im Familienbetrieb, auf dem freien Markt wäre er sicherlich nicht arbeitsfähig. Er sei total lieb und habe nie jemandem geschadet, aber es wäre natürlich oft anstrengend. Ich solle das bitte nicht weitererzählen, aber mir Gedanken machen, ob ich mich darauf einlassen kann und möchte.

      Das Gespräch war vor zwei Tagen, ich komme irgendwie nicht zurecht. Mein Freund ist momentan mit seinem Vater auf Geschäftsreise und kommt erst am Donnerstag wieder, er schreibt mir eMails und ich antworte ganz normal. Aber was mache ich, wenn er wieder da ist?! Ich habe ein Kind, darf ich da so jemanden in unser Leben lassen? Wie soll mein Sohn das verstehen? Vielleicht wird mir der Kleine dann auch weggenommen? Sein Vater würde das bestimmt nicht akzeptieren! Und was ist mit mir? Komme ich damit klar, dass mein Partner psychisch krank ist? Wie geht man damit um? Ganz offen? Aber wie reagieren die Leute dann auf einen? Wenden sich dann alle von mir ab, weil ich mit einem Bekloppten zusammen bin? Oder schweigt man besser? Nur mit wem (außer seiner Familie) rede ich dann über die Probleme? Wie kommt man im Alltag mit solchen Störungen klar? Ich bin einfach nur fix und fertig und habe Horrorszenen im Kopf.

      Mein Kleiner ist jetzt am Wochenende bei seinem Papa und ich denke seit gestern Abend intensiv nach und komme zu keinem Ergebnis. Könnte heulen, da lerne ich einen supertollen Mann kennen und dann sowas. Wie viel Pech kann man haben?
      Bin jetzt auf die Idee gekommen, mich an euch zu wenden. Hat hier jemand Erfahrungen mit solchen Situationen? Psychisch kranke Verwandte oder Freunde oder ist sogar mit einem zusammen/verheiratet? Wie geht man damit um? Ich weiß nicht, ob das für mich jetzt ein absolutes Ausschlusskriterium ist. Ist ja auch was anderes, wenn man schon jahrelang zusammen ist und sich dann so eine Krankheit zeigt, als wenn man es von vornerein weiß...ich bin absolut überfordert mit der Situation und brauche einfach Ratschläge.

      Danke schön schon mal und liebe Grüße von einer überforderten Mutter und Frau (!)

      • (2) 22.03.14 - 18:50

        Ich finde es gut, dass die Familie Dich informiert hat und ehrlich zu Dir war.

        Und ich würde mich nicht darauf einlassen, auch weil ein Kind im Spiel ist.

        • (3) 22.03.14 - 19:23

          Ich finde das einerseits ja auch nett, aber irgendwie kann ich das nicht glauben...ich habe ihn ja jetzt auch näher kennengelernt und er kam mir ja jetzt nicht völlig verrückt vor. Ach, ich weiß auch nicht.

          • (4) 23.03.14 - 07:05

            Du hast doch oben Dinge beschrieben, die Dir aufgefallen sind.

            Mich würde mal interessieren, ob er schon Beziehungen hatte. Und vor allem wie lange die gingen. Hat er schonmal mit einer Frau zusammengelebt und wenn ja, wie lange.

            Ich finde Du hast sehr große Verantwortung, weil Du ein Kind hast. Dein Kind hat das Recht unbeschwert aufwachsen zu können. Eine Beziehung unter diesen Umständen wird nie unbeschwert sein können und das wird auch Dein Kind tragen müssen.

            Wenn Du wirklich eine Beziehung mit solchen Problemen eingehen willst, trotz der Warnungen der Familie die ihn ja schon lange kennen, mit allen Phasen und Problemen seiner Krankheit....... dann solltest Du Dir überlegen, ob es nicht fair wäre, Dein Kind bei seinem Vater aufwachsen zu lassen.

          • "und er kam mir ja jetzt nicht völlig verrückt vor."

            Was bitte meinst du mit "nicht völlig verrückt"?

            Anzeichen einer psychischen Erkrankung sind dir doch bereits aufgefallen...das Ausmaß dieser Erkrankung lässt sich natürlich nicht von jetzt auf gleich einschätzen.

            Seine Familie wird schon wissen, was mit ihm los ist...und du bist ja ganz sicher nicht seine erste Freundin.

      Der Anfang, an dem Ihr steht, ist ja die Zeit des Kennenlernens. Es hat sich nun heraus gestellt, dass er starke psychische Probleme hat.
      Ich würde mich wahrscheinlich auch nicht ohne Kind auf ihn einlassen, mit Kind auf gar keinen Fall!

    • (7) 22.03.14 - 18:55

      Hallo,

      es klingt für mich ein wenig nach Schizophrenie - die Schübe, die akustischen Halluzinationen usw.

      Einer meiner Cousins war schizophren. War. Selbstmord mit Anfang 20. Es war furchtbar, die Erkrankung, alles, was damit zusammen hing.

      Ich habe auch einen Sohn. Ich würde
      mich aufgrund meiner Erfahrung dagegen entscheiden, denn du kannst entscheiden. Innerhalb der Familie ist es keine Frage, dass man zusammen gehört, man alles zusammen durchsteht. Aber mit einem Fremden, und noch ist er das, würde ich mich immer dagegen entscheiden. Und NIEMALS würde ich, wie gesagt, aufgrund der Erfahrung, ein Kind involvieren.

      Alles Gute.

      • (8) 22.03.14 - 19:40

        Ja, Schizophrenie haben sie auch gesagt. Ich hab mich darüber jetzt natürlich informiert und irgendwie kann ich es nicht glauben. Er kam mir eher etwas "kauzig" vor, aber doch nicht völlig irre.

        Ein fremder Mensch ist er für mich schon lange nicht mehr...ich mag ihn sehr, genieße seine Nähe, wir hatten auch schon mehrmals Sex und es war wunderschön. Kann einfach nicht glauben, dass er so krank sein soll. Ich will es wohl auch nicht glauben...habe mich verliebt und hatte mir die Zukunft mit ihm so schön vorgestellt. Und das soll jetzt nicht möglich sein?

    Hallo,

    da Du Verantwortung für Dein Kind und auch für Dich hast, rate ich Dir dringend von einer Beziehung zu diesem Mann ab.

    Paranoide Schizophrenie ist eine chronische Erkrankung, die gerade bei Absetzen der Medikamente zu starken Schüben führen kann und meist auch führt. Scheinbar hatte er schon mehrere Schübe. Wie er medikamentös eingestellt ist, weiss man nicht, nimmt er überhaupt welche, wenn er immer noch so starke Symptome hat?

    Ich habe einige dieser Erkrankten bei Psychiatrieaufenthalten kennengelernt und mir wäre das Risiko in Hinblick auf Dein Kind viel zu groß. Das meine ich wirklich ernst aus meinen Erfahrungen heraus.

    Dass Dich Mutter und Tochter schon warnen, sollte bei Dir die Alarmglocken klingeln lassen.

    Liebe Grüße!

Hallo

Hättest du nicht geschrieben, dass er eine Schwester hat, hätte ich gedacht du hast meinen ex kennengelernt.
Ich war 8 jahre in einer Freundschaft und fast 3 Jahre in einer Beziehung mit einem mann der extreme Zwänge hatte.

Wenn du magst, dann kannst mich gerne privat anschreiben.

Grüße
Titina

(12) 22.03.14 - 19:36
lieber nicht offen

Ich bin mit einem psychisch kranken Mann seid 6 Jahren verheiratet. Wir haben 3 Kinder.

Vor ca einem halben Jahr wurden starke depressionen mit selbstverletzung, angstzuständen, verfolgungswahn, usw festgestellt.

Es waren vorher so einige Dinge schon da aber jetzt ist das extrem erreicht.

Ich kann dir sagen, ich kann nicht mehr.

Es kam schleichend. Man merke es kaum. Wunderte sich immer mehr und seid 6 Monaten ist es weder für mich noch die Kinder auszuhalten.

Aber da wir seid geraumer Zeit nicht mehr zusammen Wohnen (andere Gründe) ist es noch machbar, da es für die Kinder noch "normale" Zeiten gibt.

da wir nun nicht erst seid gestern zusammen sind, lässt man seinen Partner ja nicht einfach hängen (bin aber drauf und drannmich zu trennen da sich wenn er da ist alles nur noch nach der krankheit richtet, er aber keine terapie machen will).

Ich kann oder wenn nicht sogar muss dir raten: keine Beziehung mit diesem Mann. Es wird sich irgendwann alles nur noch nach der Krankheit richten. Dein Sohn leidet und wird es nicht verstehen und du, du muss aufpassen das du nicht mit rein rutscht.

  • (13) 22.03.14 - 19:51

    Danke für deine Antwort...
    Ich schwanke da zwischen Herz und Kopf. Mein Herz will ihn, ganz klar, aber mein Kopf sperrt sich. Ich denke aber auch die ganze Zeit: wenn es wirklich so schlimm ist, hätte ich doch was merken müssen? Und hat nicht jeder irgendwelche Macken? Und er hat so viele positive Eigenschaften, zählen die nicht mehr? Und wenn er krank ist, dann kann er ja nix dafür! Bei Krebs oder Diabetes überdenkt ja auch keiner die Beziehung, ich komme mir so unfair vor.

    • Sorry, aber eine paranoide Schizophrenie, scheinbar noch gepaart mit Zwängen ist keine Macke! So wie jemand, der nur mit Teddy im Arm einschlafen kann.

      Das ist eine schwere Erkrankung, die auch gefährlich für andere und einen selbst werden kann.

      Abgesehen davon sollte man einem Kind nicht zumuten, mit einem so kranken Menschen groß zuwerden (er ist ja nicht der Vater, d.h. da muss man keine Kompromisse finden).

      Gibt es zu Deinem Kind denn auch einen Vater, der sich kümmert? Wenn ja, solltest Du ihn darüber auch in Kenntnis setzen, mit wem sein Kind dann Kontakt hat.

      >>>Der neue Mann in meinem Leben ist auf den ersten Blick perfekt...höflich, gebildet, reich (Unternehmerfamilie), lustig, einfühlsam, ich konnte mein Glück kaum fassen.<<<

      Jetzt weißt du ja, warum er noch nicht vergeben ist.

      >>>Ich schwanke da zwischen Herz und Kopf.<<<

      Du solltest auf deinen Kopf hören, es geht nicht nur um dich, sondern auch um dein Kind.

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