Monogamie, die grosse Lüge

    • (1) 31.03.14 - 14:55

      Das Ding mit der Treue ist chancenlos, meint die Zeit:

      http://www.zeit.de/2012/13/CH-Monogamie/komplettansicht

      Nimmt mich wunder, was ihr dazu meint. :-D

      • (2) 31.03.14 - 15:16

        Hallo!

        Ich verstehe den Artikel nicht so, dass die Treue per se chancenlos ist. Ich verstehe das so, dass die romantische Liebe nebst Treue nicht naturgegeben ist sondern eher ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert und eine Verfestigung christlicher Werte und wirtschaftlicher Zwänge. Diese Tradition hat uns weitgehend geprägt, so dass nun am Ideal der ewigen Liebe und Treue festgehalten wird, vollkommen egal, was die Evolutionstheoretiker sagen.

        Ich finde es dennoch überzeugend, dass das übertriebene Klammern an sexueller Treue ein Problem für Beziehungen darstellen kann, in denen die Interessen weit auseinander gehen. Als ob körperliche Liebe alles wäre, worauf die Beziehung gründet. "Egal, wenn wir uns nichts mehr zu sagen haben, aber wehe, er/sie geht mit wem anders in die Kiste". #augen

        Natürlich kommt man aus der Nummer mit der Treue als Ideal nicht raus, da sind die meisten von uns einfach Kinder dieser Zeit. Aber klar, wenn man sich die Allgegenwart von Sex und Erotik mal anguckt, spricht das für sich.

        Das nur so meine ganz spontanen Gedanken dazu. Bin gespannt auf die Diskussion!

        • (3) 31.03.14 - 15:18

          Ich glaube eher, dass der Wunsch nach Treue ebenso tief in den Menschen verwurzelt ist wie die Polygamie. Nur ist man heutzutage nicht mehr auf Gedeih und Verderb an die Ehe gekettet.

          • (4) 31.03.14 - 15:22

            Das kann schon sein. Ich lese gerade ein Buch (in dem es eigentlich um etwas völlig anderes geht) und darin wird der Wunsch nach tragfähigen sozialen und partnerschaftlichen Beziehungen als ein menschliches Grundbedürfnis beschrieben. Das beinhaltet in gewisser Weise auch Treue, oder?

            Und Du hast Recht - man ist nicht mehr auf Gedeih und Verderb seiner Ehe ausgeliefert, aber irgendwie erlebt die romantische Liebe auch immer mal wieder eine Renaissance, zumindest ist das mein Eindruck.

              • (7) 31.03.14 - 15:39

                Ja, kann schon sein. Ich glaube, die romantische Liebe ist so ein Sehnsuchtsort, oder? Oder zerschellt dann gerne mal aufgrund von überhöhten Erwartungen am Alltag...

                Spannendes Thema jedenfalls, über das ich immer mal nachdenke.

                Ich bin übrigens sehr zufrieden in meiner langjährigen Beziehung ohne Seitensprünge aber auch ohne allzu viel Romantik. Große Liebe ja, aber kein Kitsch. Und wenn ich so drüber nachdenke, kann ich mir Schlimmeres vorstellen als einen Seitensprung meines Mannes.

                Aber nochmal zum Artikel: soll man tatsächlich die Errungenschaften der Erotikindustrie (Porno, Spielzeug,....) als Linderung der Qualen verstehen, die durch das falsch verstandene Treueideal hervorgerufen werden? Dem würde ich nämlich nicht zustimmen. #gruebel

                • wenn eine Frau beklagt, dass ihr Mann Pornos schaut und sich dabei selbst befriedigt, dann erfolgt sehr oft der Hinweis, dass sie doch froh sein soll, dass er nicht fremd geht. So gesehen scheint was dran zu sein

                  • Ja, den Hinweis habe ich auch schon öfter gelesen. Kann ich aber nicht ernstnehmen, sorry.

                    Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun, zumindest bei mir nicht. Ich kann durchaus das Verlangen nach anderen Sexualpartnern haben und ein Porno ersetzt das nicht im geringsten. Umgekehrt bedeutet Pornokonsum nicht zwingend, dass jemand das Verlangen hat, das auch zu tun, was er da sieht.

                    Die Aussage impliziert für mich, dass Pornos und andere erotische Erzeugnisse ein Ersatz sein sollen für etwas, das man nicht haben kann oder darf. Und diesen Stellenwert hat es bei mir nicht und auch bei meinem Mann nicht, wenn ich ihn richtig verstehe.

                    Das eine hat in meiner Beziehung nichts mit dem anderen zu tun, sind ja auch völlig unterschiedliche Bedürfnisse, die da angesprochen werden.

                    Ich glaube auch nicht, das Pornokonsum jemandem vom Fremdgehen abhält.

          (12) 31.03.14 - 17:37

          Treue ist aber nicht alleine auf die Sexualität bezogen. Vertrauen bzw. auch Loyalität denke ich, ist schon gewollt... Ich denke, sie ist auch Bedingung für langfristige, soziale Konstrukte, Partnerschaft... aber auch Freundschaft und Familie.

          In einer Monogamie ist Treue klar an die Sexualität gekoppelt, weil man sich einigt, diese nur zusammen auszuleben. Ich denke aber, das die wichtigere Treue mehr auf Loyalität von zum Beispiel "in guten wie in schlechten Zeiten" basiert ist, ein Schutz gegen die Einsamkeit oder Trennung.

          Das muss nicht Sex sein...

          Aber wie heisst es so schön? Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

          • >>Ich denke aber, das die wichtigere Treue mehr auf Loyalität von zum Beispiel "in guten wie in schlechten Zeiten" basiert ist, ein Schutz gegen die Einsamkeit oder Trennung.<<
            korrekt, sehe ich auch so. Wenn aber aus einer Beziehung "die Luft" raus ist, dann ist es schwer, diesen Schutz gegen die Einsamkeit od. Trennung dem anderen gegen über auf recht zu erhalten. Loyalität und Hilfe ja, immer, natürlich. Aber jemanden, der nicht vor die Tür geht, durch pures Dableiben, Ausharren und keine Trennung zu voll ziehen, vor der Einsamkeit zu bewahren, das geht an die eigene Substanz. Dann kommt der Punkt, wo man an sich selbst denken muss, weil man sonst unter geht

    (14) 31.03.14 - 18:32

    <<<Auszug aus dem verlinkten Artikel: "Wir sind zusammen, weil wir uns viel bedeuten. Treue ist dafür keine Bedingung".>>>

    Wenn der Satz nicht alles aussagt was es dazu zu sagen gibt, dann weiss ich auch nicht !!

    • (15) 31.03.14 - 20:15

      In der Praxis hats dann aber doch nicht funktioniert.

      • (16) 01.04.14 - 11:38

        Was aber nicht an "treu" oder "untreu" lag, sondern daran, dass einer der Beteiligten plötzlich eine andere Erwartungshaltung hatte.

        Das Problem liegt im wesentlichen an "Nebeneffekten" wie Eifersucht, Verlustangst (wobei das miteinander verknüpft ist), Besitzdenken oder daran, dass man nicht ehrlich zu sich selbst war.

        • Ich kenne jetzt deine Beziehungsgeschichte nicht, aber genau das ist doch das Problem bei der Untreue.

          Ich bezeichne doch etwas nur als Untreue, wenn ich es als Vertrauensbruch sehe. Partnertausch im Swingerclub würde ich eher nicht als Untreue bezeichnen.

          Der Sex an sich ist ja nicht das Problem, sondern dass die Exklusivität der Beziehung in Frage gestellt wird. Natürlich werden solche Gefühle nicht nur durch Sex mit einem anderen Menschen erzeugt, aber körperliche Intimität erzeugt eben oft auch eine geistige Intimität, die ich nicht ertragen könnte bei meinem Partner und einer anderen Frau.

          Idealerweise fühle ich eine ganz tiefe Verbindung zu meinem Partner, weil er einfach der auserwählte Mensch für mich ist. Doch die Unversehrtheit dieses Gefühls ist eben in Gefahr, wenn ich mit meinem anderen Menschen Dinge teile, die ich nur mit einem Menschen teile, der mir ganz ganz nahe steht. Von daher halte ich Treue für sehr wichtig in einer Beziehung. Wie die letztlich definiert ist, müssen die beteiligten Personen für sich klären. Aber eine gewisse Form der Treue, wobei die gar nicht so sehr körperlich festgelegt sein muss, halte ich für unverzichtbar in Beziehungen.

          Ich weiß jetzt gar nicht, worauf ich hinaus wollte mit meinem Beitrag.:-) Einfach ein paar Gedanken zum Thema offene Beziehung äußern, schätze ich.

          LG

          • Grundsätzlich sehen wir das wohl sehr ähnlich

            <<<Von daher halte ich Treue für sehr wichtig in einer Beziehung. Wie die letztlich definiert ist, müssen die beteiligten Personen für sich klären.>>>

            Hier liegt wohl ebenfalls ein Kernproblem, da ich mal die Behauptung in den Raum werfe, dass ein Großteil den Begriff "Treue" als eine rein körperliche Geschichte ansieht.

            Quasi: "Wer fremdvögelt ist untreu, wer nur Mutti an der Wade kratzt, ist eine treue Seele."

            • "Hier liegt wohl ebenfalls ein Kernproblem, da ich mal die Behauptung in den Raum werfe, dass ein Großteil den Begriff "Treue" als eine rein körperliche Geschichte ansieht."

              Da hast du wohl Recht. Ich persönlich würde es als ganz schrecklich ansehen, wenn unsere Exklusivität als Lebenspartner, als Vertraute beschädigt werden würde.

              Der körperliche Aspekt ist da nur ein Teil davon, wenn auch ein sehr wichtiger. Denn richtig toller Sex geht für mich immer einher mit einer geistigen Verbindung.

              (Ich hatte natürlich auch schon körperlich sehr befriedigenden Sex ohne geistige Verbindung, ja sogar ohne dass ich den Mann mochte, aber es ist eine schönere Begegnung, wenn der geistige Kontakt auch hergestellt ist)

              Wenn mein Mann mit einer Frau Sex hätte, zu der keinerlei geistige Verbindung hätte, würde mich das nicht so sehr verletzten wie eine Begegnung voller Intimität.

              Wobei der Sex natürlich nur das letzte Symptom einer kranken Beziehung wäre. Denn Untreue, fehlende Loyalität beginnt im Kopf und nicht beim Sex.

        (21) 01.04.14 - 13:56

        "Das Problem liegt im wesentlichen an "Nebeneffekten" wie Eifersucht, Verlustangst (wobei das miteinander verknüpft ist), Besitzdenken oder daran, dass man nicht ehrlich zu sich selbst war. "

        Ja, eben. Der Mensch ist nicht so einfach gestrickt. Die meisten können glaub ich nicht auf Dauer miteinander ins Bett, ohne diese Gefühle zu entwickeln, unabhängig davon, wie die Abmachung war. Früher oder später ändern sich die Beziehungen und einer bleibt auf der Strecke.

(22) 31.03.14 - 20:54

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(23) 03.04.14 - 11:01

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