Er haut einfach ab

    • (1) 30.06.14 - 20:51
      ImStichgelassen

      Hallo!

      Ich brauche mal ein wenig Rat.

      Ausgangssituation: wir sind um die 30, seit 5 Jahren ein Paar, seit 1,5 Jahren Eltern, er ist selbstständig und hat grade noch mal expandiert.

      Mein Freund ist momentan sehr überfordert mit seinem Unternehmen, er arbeitet viel und hat selten den Kopf frei. Es geht eigentlich immer um seine Firma. In einem gewissen Rahmen habe ich durchaus Verständnis für ihn.

      Nun ist es aber auch so, dass ich mich neben Kind und Haushalt auch in fast jeder dann noch übrigen Minute um sein Büro kümmere.

      Dadurch das inzwischen alles so viel geworden ist, haben wir seit Wochen nichts mehr zu dritt, als Familie unternommen. Sein Kind sieht er nur am Wochenende und auch dann ist er meistens eher lustlos und versucht sich mit möglichst wenig Aufwand da durch zu Ringen. Finde ich für unser Kind mehr als schade.

      Nun war es so, dass ich am Samstag bis spät in die Nacht im Büro (zuhause) saß um alles zu schaffen, damit wir am Sonntag alle zusammen frei haben und etwas schönes unternehmen können. War auch so mit meinem Freund besprochen!

      Sonntag ist er dann jedoch nicht aufgestanden. Ich habe ihn mehrfach gebeten aufzustehen, er sagte jedes Mal ja, ist dann aber doch liegen geblieben. Das Ende vom Lied war dann, dass ich mir nachmittags das Kind geschnappt habe und allein was unternommen habe.
      Als ich nach Hause kam, war mein Freund nicht mehr da. Und bis heute habe ich nichts von ihm gehört.

      Da es nicht dass erste Mal ist, dass das so passiert gehe ich davon aus, dass er bei seinen Eltern ist und dort auf der Couch pennt.

      Ich verstehe nicht was das soll und fühle mich ausgenutzt und sitzen gelassen. Ich weiß, dass er wirklich unter Strom steht, versuche ihm abzunehmen was geht. Im Gegenzug bekomme ich von ihm Null Unterstützung und um unser Kind kümmert er sich auch nicht. Er ist im Prinzip nur mit sich und der Arbeit beschäftigt und ich muss ganzen Rest inkl. seiner Büroarbeit wuppen.

      Ich weiß gar nicht so recht, was ich jetzt hören will. Die momentane Situation ist einfach nicht tragbar - er kann hier nicht einfach rein und raus spazieren wie es ihm passt. Es ist auch sein Kind. Und über kurz oder lang braucht dieses Kind eine richtige Familie. Aber was kann ich ändern? Dass ich auch einfach mal Pause haben will finde ich legitim, das findet allerdings auch nicht mehr statt.

      So. Hm. Da stehe ich jetzt.
      Soll ich ihn anketten? Ihm einen Sender einpflanzen und ihn Elektroschocken wenn er zu seinen Eltern abhaut? Wann lernt er Verantwortung für seine Familie zu übernehmen?

      Danke schon mal!

      Ich kann verstehen, dass du sauer bist.
      Was ich nicht wirklich verstehe, ist deine momentane Sorglosigkeit. Dein Mann hat sich vor nicht all zu langer Zeit selbständig gemacht. Er hat das sicherlich nicht für sich gemacht sondern auch um euch als Familie eine sichere Zukunft zu bieten. Und so eine Selbständigkeit ist gerade am Anfang, sehr, sehr viel Arbeit und ein nicht unbedeutendes Risikot.
      Jetzt weißt du, dass er momentan auf den Zahnfleisch daher kommt , du weißt, dass er am Limit und überfordert ist, du hast seit über 24 Stunden nichts von ihm gehört und du machst dir noch nicht mal Gedanken? Du bist einfach nur beleidigt?

      Als erstes würde ich mal abchecken, ob dein Mann wirklich bei seinen Eltern ist, nicht dass sonst was passiert ist. Gesund hört sich sein Verhalten ja nicht unbedingt an.
      Und dann müsst ihr in einem ruhigen Moment mal miteinander reden. Und zwar ohne gegenseitige Vorwürfe.

      Dein Mann ist am Limit, das was er am wenigsten braucht, ist eine Frau, die ihm in der Freizeit auch noch Stress macht und ironisch mit Elekroschocks droht.
      Vielleicht schaffst du es ja ihn davon zu überzeugen, dass er in seinem eigenen Interesse kürzer treten muss, vielleicht ist ja auch mal ein Urlaub zu dritt oder zumindest ein Verlängertes Wochenende drin? Am besten buchst du dann gleich etwas fix, dann kommt er nicht mehr aus. Die Zeit, die er jetzt nicht mit dem Kind verbringt, ist für immer verloren. Das wird ihm sicherlich ewig leidtun. Außerdem kann niemand ewig 130% geben.
      Im Gegenzug dazu lässt du ihn das nächste Mal einfach schlafen. Manchmal muss das einfach sein. Ist doch schlimm, wenn dein Mann zum Ausschlafen zu seinen Eltern flüchten muss.

      • (10) 30.06.14 - 21:52
        ImStichgelassen

        Danke für deine Antwort, aber du hast da ein bisschen was falsch vorausgesetzt und interpretiert.

        Er ist seit 8 Jahren selbstständig und bekommt von mir jegliche Art von Unterstützung -angefangen bei Lunchpaketen über die Unterstützung im Büro bis zu Massagen nach besonders schlimmen Tagen.
        Er hat bereits die letzten Wochenenden ausgedehnte Mittagschläfe gehalten, muss abends zu Hause nichts mehr machen, und wir hatten besprochen, dass wir Sonntag was zusammen machen!

        Wie du schon sagst, die Zeit mit unserem Kind kommt nicht wieder! Und ich möchte ihm das spätere bereuen einfach ersparen.

        Bei seinen Eltern schläft er nicht aus. Er muss ja trotzdem arbeiten. Er schaut mit ihnen fern bis er auf dem Sofa einschläft und sie werfen ihm dann eine Decke über. Sie kommen auch nicht auf die Idee, dass er in (s)einem Bett besser aufgehoben wäre als auf einer unbequemen Couch.

        Und was meine Sorglosigkeit angeht, ist es einfach so, dass ich ihn kenne. Wäre etwas passiert hätte er / seine Eltern sich gemeldet.

        Und beleidigt ist offenbar er. Auch wenn mir die Gründe dafür schleierhaft sind.

        Urlaub haben wir seit 2 Jahren nicht mehr gemacht. Wir wollten über Pfingsten wegfahren, hat er dann abgesagt, weil es ihm nicht in die Arbeit gepasst hat. Kürzer treten, nachts schlafen statt fernsehen, am Wochenende mal Freunde treffen (er seine, gerne auch ohne mich) habe ich ihm alles schon ans Herz gelegt.
        Ohne Erfolg.

        Im ruhigen Moment sieht er auch immer, dass abhauen blöd ist und er lieber den Mund aufgemacht hätte, aber wenn es dann wieder so weit ist, dann haut er einfach ab.

        Dass ich mit Vorwürfen nicht weiter komme weiß ich, darum versuche ich ihm meinen Standpunkt anders klar zu machen.

        • "Er ist seit 8 Jahren selbstständig und bekommt von mir jegliche Art von Unterstützung "

          Lunchpakete und Massagen sind ja lieb, auch dass du dich um Kind und Haus kümmerst ist toll, aber mit Unterstützung meinte ich etwas anderes. Wieviel finanzieller Druck lastet auf deinen Mann und wieviel trägst du zum Familieneinkommen bei?

          Denk mal drüber nach, müsst ihr ein Haus abzahlen, evtl Leasingraten, irgendwelche anderen Kredite?

          Wenn ihm wirklich etwas passiert wäre, würdest du das weder von seinen Eltern noch von ihm selbst erfahrern. Seine Eltern wüssten wahrscheinlich nichts davon, er könnte dir nicht mehr Bescheid geben...
          Und so wie du deinen Mann beschreibst, hört sich das für mich nach einer eindeutigen Überforderung an, evtl Burnout o.ä., auf jeden Fall aber nicht mehr gesund an. Du sagst ja selbst, er wäre absolut am Limit. Dieses dauernde Arbeiten, das Weglaufen, das es eigentlich allen recht machen zu wollen, es aber einfach nicht mehr zu schaffen, das letztendlich von Kleinigkeiten überfordert sein. Jemand der in dieser Spirale einmal drin ist, kommt da auch nicht so einfach wieder raus.

          Hier jetzt beleidigt mit Koffer vor die Türe stellen zudrohen löst sein Problem bestimmt nicht und eurer gemeinsames somit auch nicht.

          Stell doch bei euren Gesprächen mal nicht dich und deine Bedürfnisse in den Mittelpunkt sondern ihn. Sage ihm, dass du dir Sorgen machst, dass du dir Gedanken über seine Gesundheit machst. Sprich vielleicht mit seinen Eltern. Fordere nicht noch mehr, versuche Druck raus zu nehmen, ihn zu entlasten, wenn es geht eben auch finaziell. Nichts belastet mehr als das Gefühl für alle sorgen zu müssen, gerade wenn man selbständig ist.

          • (12) 01.07.14 - 09:04
            ImStichgelassen

            Auf ihm lastet zumindest privat kein finanzieller Druck. Kein Haus, keine Kredite, alles hübsch.
            Nur die Personalkosten und Firmenanschaffungen. Aber finanziell kann ich ihn nicht unterstützen. Würde ich wieder arbeiten gehen bräuchte er jemanden fürs Büro und das will er ja nicht. Zum Familieneinkommen kann ich somit nichts beitragen. Selbst wenn ich arbeiten ginge würde das Geld dann fast komplett für die Kitastelle und den Angestellten für ihn drauf gehen. Somit ist das keine Hilfe. Jedoch weiß er, dass ich ihm jederzeit mit meinen Ersparnissen aushelfen würde wenn es nötig ist.

            Ihm ist nichts passiert - zumindest weiß ich, dass er arbeitet.

            Zu seinen Eltern habe ich kein besonders gutes Verhältnis.

            Ich will ihm ja auch seine Koffer nicht vor die Tür stellen! Dann könnte ich mir ja das Gegrübel auch sparen und ihn einfach rausschmeißen. Das ist aber nicht meine Vorstellung von Partnerschaft.

            "Gespräche" gibt es bei uns momentan kaum. Er erzählt mir zwar abends von seinem Tag und wie schlimm er es hat, ich versuche ihm Lösungen anzubieten oder mache ihm einfach Mut und schimpfe mit ihm über die ganzen furchtbaren Menschen, aber am Ende entscheidet er sich immer lieber fürs Jammern anstatt zum Probleme lösen. Um mich bzw. Uns geht es eigentlich so gut wie nie! Alles dreht sich um ihn.

            Und wie soll ich ihm da dann raus helfen? Was ändern will er offenbar nicht. Er will nichts aus der Hand geben, alles selbst zu machen schafft er nicht. Wenn dann soll ich alles machen, aber das kann ich auch beim allerbesten Willen nicht auch noch nebenher machen.
            Er muss endlich merken, dass es so nicht geht, aber immer wenn er nicht mehr kann, lässt er es an uns aus. Es hilft ihm ja auch nicht, dass er jetzt nicht zu Hause ist und dieses Theater veranstaltet hat. Er läuft weg vor seinen Problemen, aber die kommen ihm ja hinterher.

            Ich bin ratlos.

            (13) 01.07.14 - 19:48

            "Stell doch bei euren Gesprächen mal nicht dich und deine Bedürfnisse in den Mittelpunkt sondern ihn."

            Aber das hat sie doch #kratz

            -Urlaub haben wir seit 2 Jahren nicht mehr gemacht. Wir wollten über Pfingsten wegfahren, hat er dann abgesagt, weil es ihm nicht in die Arbeit gepasst hat. Kürzer treten, nachts schlafen statt fernsehen, am Wochenende mal Freunde treffen (er seine, gerne auch ohne mich) habe ich ihm alles schon ans Herz gelegt.
            Ohne Erfolg.-

        (14) 01.07.14 - 10:02

        "Sie kommen auch nicht auf die Idee, dass er in (s)einem Bett besser aufgehoben wäre als auf einer unbequemen Couch."

        Er ist erwachsen und entscheidet sich in diesem Fall selbst für die unbequeme Couch. Wenn ihn Mama an die Hand nehmen und ins Bett bringen würde, wäre er sicher nicht so oft bei seinen Eltern. Sie lassen ihn in Ruhe. Dort darf er so sein, wie er nun mal ist.

        Auch wenn Eure Situation sehr unschön ist, kann es sein, daß Du ihn zu sehr drangsalierst, nervst, bemutterst? Denk daran, er ist Dein Mann und nicht Dein Kind.

        Verschwinden ohne Meldung seinerseits geht natürlich gar nicht. Da gehört sich nicht wenn man zusammenlebt. Da ist eine Klärung fällig.

        • (15) 01.07.14 - 12:05
          ImStichgelassen

          Ja, da könntest du recht haben, dass ich ihn ab und an bemuttere. Aber ich arbeite daran, ihn einfach seinem Schicksal zu überlassen.

          Ist für mich aber nicht so einfach, wenn er die ganze Nacht fernsieht und dann den ganzen Tag schläft.
          Hat ja dann auch für uns die Konsequenz, dass er nicht für uns da ist.

          • (16) 01.07.14 - 12:57

            Was liebst Du dann an diesem Mann, der sich nicht um Dich und Euer Kind kümmert, sondern lieber nächtelang TV schaut, tagsüber schläft. Apropo tagsüber schläft: Wann arbeitet er, wenn er den Tag zur Nacht macht?

    (17) 30.06.14 - 21:53
    ImStichgelassen

    Und die Ironie spare ich mir übrigens in solchen Situationen ihm gegenüber auch! ;-)

    (18) 01.07.14 - 20:05

    Ich kann deine Antwort zu weiten Teilen nachvollziehen. Aber dass SIE hier ebenfalls keine freie Minute hat - das wenige an Freizeit steckt sie ja ebenfalls ins Unternehmen - scheint da unterzugehen. Trotzdem soll sie Rücksicht nehmen, ihn entlasten und schön dazu anhalten sich - nur zu seinem eigenen Besten, er könnte es ja mal bereuen (also weder um den Kindes willen, noch um IHRETWILLEN) - auch mal um sein Kind zu kümmern.

    Das finde ich etwas einseitig betrachtet.

    • (19) 01.07.14 - 21:14

      Sie arbeitet neben Kind und Haus zwei Stunden am Tag im Büro.

      Das finde ich jetzt nicht soo wahnsinnig viel. Ich denke ehrlich gesagt, dass die meisten hier weit mehr arbeiten und oft nicht nur ein Kind haben.

      Und da finanziell offensichtlich alles rund läuft, könnte sie sich sicherlich hin und wieder für zwei Std einen Babysitter leisten um etwas Zeit für sich zu haben.

      Und natürlich weiß ich, dass mein Post einseitig ist. Das soll es auch sein, es ist nämlich die Antwort auf ihren auch sehr einseitige Sichtweise. ich hab mir gedacht, ein etwas anderer Blickwinkel kann nicht schaden;-).
      Und davon mal abgesehen, finde ich das Verhalten ihres Mannes durchaus besorgniserregend.

(20) 30.06.14 - 23:23

Tu es ihm gleich....Koffer packen und mal paar Tage weg mit dem Kind....villeicht fällt ihm dann auf, was er an Dir hat.

  • (21) 30.06.14 - 23:42

    Du bist jetzt schon die zweite, die das vorschlägt.
    Je mehr ich drüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Idee.
    Wobei ich das nicht unter dem Aspekt "sieh zu wie du ohne mich klar kommst" sehe, sondern als Auszeit für uns alle drei.
    Das Kind und ich kommen mal raus, Freund hat seine Ruhe und ich kann auch mal abschalten und wuschel nicht nebenbei noch überall rum.

Du solltest diesem Freak mal eine Lehrstunde in Verantwortlichkeit erteilen. Seine Art von Realitätsflucht geht gar nicht, wenn man Familie hat, Verantwortung für ein Kind.

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