Co-Parenting/Co-Elternschaft - wie finde Ihr das?

    • (1) 01.07.14 - 22:41
      Coparenting

      Hallo Ihr Lieben,

      gibt es hier Menschen, die in Co Elternschaft leben bzw auf diesem Weg Kinder bekommen haben?

      Ich hab schon sehr viel darüber gelesen, wohl sehr gängig bei Homosexuellen Paaren, aber auch bei heterosexuellen Singles mit Kinderwunsch immer interessanter.

      Ich finde den Ansatz gar nicht so dumm, es geht beiden Menschen nur um das Kind, der klassische Beziehungsstress entfällt.

      Natürlich müssen sich beide Menschen im Bezug auf Erziehung und Wertvorstellungen einig sein und die Chemie muss stimmen.
      Ist ja quasi wie wenn sich ein Paar mit Kind getrennt hat, aber freundschaftlichen Umgang pflegt.

      Könntet Ihr Euch soetwas vorstellen? Findet ihr es eher unnormal?

      Bin sehr gespannt!

      • Da es immer mehr ungewollte Singles gibt, die einfach keinen passenden Partner finden, bin ich mir schon länger relativ sicher, dass das eines der zukünftigen Elternmodelle ist. Genauso wie die Patchwork-Familie früher ein Unding war und verurteilt wurde, jetzt aber gängige Praxis ist wird da irgendwann keiner mehr aufschreien. Immerhin gibt es ja auch schon Frauen, die sich Spendersperma entweder privat oder über eine Samenbank beschaffen.

        Das traditionelle Familienmodell finde ich für mich persönlich zwar schöner, musste mich aber ja auch von diesem Gedanken schon verabschieden. Und wer wäre ich da wenn ich die Lebensweise von Dritten be- oder gar verurteilen würde?

        Fazit: Co-Parenting ist für mich als Familienmodell okay.

        Hallo Coparenting

        Wie man meiner VK entnehmen kann, wünsche ich mir in Zukunft auch Nachwuchs, wenngleich ich mich jetzt noch nicht bereit fühle.

        Für mich kommt eher eine Adoption in Frage, aber ein Freund und ich haben bereits über die Möglichkeit gesprochen zusammen ein Kind zu haben. Die Idee hört sich verlockend an, trotzdem muss man die Umstände sehr genau beleuchten und eine gute, erprobte Kommunikationskultur haben, falls sich Wünsche und Prioritäten nach der Geburt ändern.

        Ich denke, die Hauptschwierigkeit liegt einerseits bei den zwischenmenschlichen Gefühlen, bei denen Emotionen, die nicht auf die Elternebene gehören, miteinfliessen, die unvorhersehbaren Veränderungen, die die Hormone bei der Frau bewirken und womöglich Abmachungen gefährden und natürlich das Baby selbst. Ich denke, man kann vorher noch so viel regeln, das Baby stellt so oder so die Welt Kopf. Organisatorisch, hormonell, emotional... Die Eltern müssen in der Lage sein mit gesunder Kommunikation auf Änderungen zu reagieren und am besten schon Erfahrung mit kritischen oder problematischen Zeiten miteinander haben, so dass sie wissen, es ist möglich eine Lösung zu finden. Und das ist sehr schwierig und braucht viel Disziplin und Selbstkenntnis und -beherrschung.

        Wir haben damals bei der Idee keine Entscheidung getroffen, sondern schauen unsere Lebenssituationen dann nochmals an, wenn der Kinderwunsch auf meiner Seite in die Realität umgesetzt werden möchte.

        Freundliche Grüsse

        leuchttuermchen

        • (4) 02.07.14 - 11:36

          Als Single bekommst Du in Deutschland keine Adoption durch bzw wüßte ich davon nichts.

          Ich stimme Dir zu, dass man viel Regeln kann, aber nicht alles. Dazu gehören Vertrauen, gleiche Wertevorstellungen etc, natürlich wird es auch mal einen Streit geben, mit der besten Freundin/Freund streitet man ja auch mal...aber wenn sich 2 Menschen sehr bewußt für soetwas entscheiden, ist das ja keine Schnellschußaktion und man lernt sich davor entsprechend kennen.

          • Hallo Coparenting

            Ich bin von meiner Nationalität her nicht Deutsche, Deutsch ist auch nicht meine Muttersprache und ich bin vor kurzem wieder in mein Heimatland gezogen. Meine VK ist dahingehend nicht up to date.

            Dementsprechend trifft die deutsche Gesetzeslage nicht auf mich zu, zumal es auch Auslandsadoptionen gibt.

            Ich denke übrigens auch gar nicht an schlichten Streit, sondern an gravierende Änderungen der Abmachungen (Wohnsitz des Kindes, finanzielle Angelegenheiten, Zeit mit den Eltern), weil die eigenen Bedürfnisse oder die Umstände nicht mehr dem früheren Zustand entsprechen. Man muss sich darauf verlassen können, dass der andere Elternteil sich nicht seiner Verantwortung entzieht und konstruktiv mit dieser Situation umgeht. Idealerweise haben die möglichen, zukünftigen Eltern schon einen Konflikt miteinander erlebt, so dass sie eine gewisse Sicherheit haben, dass sie es überwinden können und dass sie auch in einer solchen Situation anständig miteinander umgehen können.

            Über all der Konzentration auf das Wohl des Kindes darf man nicht vergessen, dass es auch um das Glück von zwei erwachsenen Menschen geht, die miteinander arbeiten sollten.

            Freundliche Grüsse

            leuchttuermchen

      Bei homosexuellen Paaren, die keine andere Wahl haben, wenn sie Kinder haben möchten, finde ich es ok. Aber bei heterosexuellen Menschen finde ich das Modell nicht so prickelnd, weil dadurch dem Kind eine wirkliche Familie vorenthalten bleibt. Ich finde es besser, ganz altmodisch auf den richtigen Partner zu warten, anstelle so eine "Alternative" bewusst zu planen.

      • Ja, aber es kommt auch darauf an wie alt man/Frau ist. Wenn man ander 40 kratzt und der geeignete Partner ist nicht in Sicht?

        Ich finde es ist eine Alternative. Besser als wenn Frau dem erstbesten Mann ein Kind anhängt, dass er gar nicht haben will.

        So wird ist das Kind wenigstens von Mutter und Vater gewollt.

        LG
        Sabine

        • In dieser Konstellation ist es sicher eine Alternative. Ich finde es nur nicht gut, wenn man beispielsweise Anfang 20 oder 30 direkt dieses Modell wählt, da das herkömmliche Familienmodell zumindest angestrebt werden soll, da es dem Kind eine zusammenlebende Familie ermöglicht. Klappt das nicht, kann man über Alternativen nachdenken.

      (9) 02.07.14 - 11:32

      Wieso meinst Du wird dem Kind eine richtige Familie vorenthalten? Auch richtige Paare trennen sich und leben dann quasi in der gleichen Situation. Wo ist der Unterschied?

      Und wenn der richtige Partner nicht kommt und die biologische Uhr tickt? Sollte man dann auf ein Kind verzichten?

      Wenn Frau zum Eisprung loszieht und hofft vom ONS schwanger zu werden, gibt es gar keinen Vater...bei dem Co-Elterschaft hat das Kind einen Vater.
      Es gibt auch Modelle wo die Co-Eltern zum Beispiel zusammen in einem Haus wohnen/Wohnungen nebeneinander haben, dass das Kind Mama und Papa jeden Tag hat.

      • Der Unterschied, wenn sich richtige Paare trennen und dann in der gleichen Situation leben, ist der, dass man zumindest versucht hat, dem Kind eine zusammenlebende Familie zu geben. Was sicherlich vorzuziehen ist.

        Wenn der richtige Partner nicht kommt und die biologische Uhr tickt, kommt diese Alternative richtigerweise in Betracht. Man sollte nur nicht von Anfang an die für da Kind bessere Variante, nämlich eine zusammenlebende Familie ausschließen, sondern zuerst versuchen.

        Das aus einem One-Night-Stand geborene Kind hat keine gute Situation, da keine Familie. Das heisst aber doch nicht, dass das Co-Parenting einer herkömmlichen Familie vorzuziehen ist.

        • (11) 04.07.14 - 12:53

          Ich denke, Du siehst das mit der Familie sehr rosarot, also die perfekte Vorzeigefamilie.
          Es gibt genügend Kinder, die zwar in einer Familie leben, aber keine Liebe und Zuwendung bekommen, da nütz ihnen die Familie auch nicht.

          Und das ein Kind, was vielleicht aus einem ONS oder kurzen Affaire entstanden ist eine schlechtere Situation hat, als Familenkinder sehe ich nicht. Das wichtigste ist, dass ein Kind mit Liebe und Geborgenheit aufwächst und ihm Werte vermittelt werden...das kann eine Alleinerziehende/r genauso wie eine Famile.

          Familie heißt nicht automatisch das eitel Sonnenschein herrscht. Das klassische (Werbungs) Familienmodell möchte natürlich jeder gerne haben.

          Ich hab mit dem Thread auch nicht sagen wollen, dass sich ne 20 Jährige ein Kind zulegt, weil gerade kein Kerl da ist, sondern Homosexuelle und auch Singles, die schon an der 40 kratzen und auf das Kinderglück nicht verzichten wollen.

    "Aber bei heterosexuellen Menschen finde ich das Modell nicht so prickelnd, weil dadurch dem Kind eine wirkliche Familie vorenthalten bleibt. "

    wann ist denn eine familie eine "richtige familie"? mama und papa die sich lieben mit den dazugehörigen kindern? in dem falle hätte das nur noch ein sehr kleiner teil der kinder heutzutage.

    grüsse, ks

    • Ja, mit "richtiger" Familie meine ich, dass Vater, Mutter und Kinder zusammenleben und sich lieben. Das ist für Kinder mit Sicherheit das beste Modell. Daher sollte man zumindest versuchen, seinem (noch ungeborenem) Kind dieses Modell zu bieten, bevor man sich für eine andere Alternative, wie etwa das Co-Parenting, entscheidet.

      • "Das ist für Kinder mit Sicherheit das beste Modell." > ist es das? diese modell ist sehr jung. vor dem 2. weltkrieg war das die ausnahme. ehe wurden weniger aus lieben sondern aufgrund ökonomischer überlegungen geschlossen und kinder wurden in der regel von der grossfamilie (geschwistern, onkel, tanten, grosseltern…) grossgezogen.

        von daher: ein sehr junges modell, welches hochstilisiert/idealisiert wird, ist meiner meinung nach mit vorsicht zu geniessen und nicht als einzig mögliches darzustellen.

        zumal viele paare sich am anfang lieben und sich ein paar jahre später bekriegen. heutzutage muss ein partner alle können: er muss freund, liebhaber, familien-projektpartner etc. sein. die ansprüche, die man bei dieser form von familie an einen partner hat, kann kaum ein mensch erfüllen. und das auch noch unausgesprochen. vor diesem hintergrund erachte ich modelle, bei denen einige dieser ansprüche wegfallen und man sich vor der familiengründung mit den ansprüchen und wünschen detailliert auseinandersetzt, als nicht weniger erfolgsversprechend als die von dir soenannte "richtige familie". zumal es den kindern vermutlich schnurzegal ist, ob die eltern sex haben oder nicht. ;-)
        grüsse, ks

(17) 02.07.14 - 11:39

Soweit ich informiert bin (was tatsächlich nicht bis ins Detail zu nennen ist), haben verheiratete Väter schlichtweg im Trennungsfalle wesentlich mehr Einfluss und Rechte am weiteren Entwicklungsverlauf ihrer Sprößlinge. Sicherlich nicht wesentlich - aber immerhin.

Solange das Rechtsystem, Vätern nicht wenigstens ähnliche Rechte einräumt wie der Gebährenden, würde ich mich als Mann auf ein solches Modell wahrscheinlich weniger einlassen.

Ansonsten finde ich diese Alternative weder "unnormal" noch könnte ich mir das nicht vorstellen. Denke aber, diese Version setzt eine gewisse Kommunikationsbereitschaft und sehr viel Toleranz voraus.

  • (18) 02.07.14 - 11:47

    ich dachte mittlerweile sind verheirateter Vater und unverheirateter Vater gleich gestellt.

    Wo sollte der Unterschied liegen? Bin allerdings bei dem Thema eher unwissend.

(20) 02.07.14 - 15:21

Wieso sprichst du von "Vater", aber von "Gebärender" statt "Mutter"?
Die Geburt eines Kindes ist ein einmaliger und kein permanenter Vorgang.

Du sprichst ja auch nicht von "dem Ejakulierenden" oder "dem bei der Geburt Zusehenden".

Frieda ist ein merkwürdiger Männername.

(22) 02.07.14 - 13:07

"Ist ja quasi wie wenn sich ein Paar mit Kind getrennt hat, aber freundschaftlichen Umgang pflegt."

Genau. Leider hört man jedoch aus dem Bekannten-/ Verwandtenkreis nicht häufig von Fällen, bei denen das alles sehr harmonisch abläuft. "Parenting" ist ja nicht viel anders als das gewöhnliche Patchwork. Gut vielleicht entschärfen sich manche Situationen, weil man mit dem anderen Elternteil nie eine echte Beziehung geführt hat.

Ich kann mir jedoch schwer vorstellen, dass ein einvernehmliches Parenting automatisch harmonischer abläuft, als wenn man in einer Partnerschaft steckt. Man kann vor der Geburt eines Kindes 1000 gemeinsame Vorsätze machen und alles theoretisch durchkauen und Abmachungen treffen. Wenn ein Kind geboren ist, ändern und entwickeln sich Dinge meist in einer anderen Richtung. Warum sollte dieser Prozess weniger konfliktreich sein, nur weil man nicht zusammen wohnt? Auch wenn man noch so eine harmonische Freundschaft führt, kann es damit auch schnell wieder vorbei sein, wenn man das Wohl seines Kindes in Gefahr sieht. Noch schwieriger wird es da, wenn ein "Parenting-Partner" einen "echten" Partner findet und eine Familie gründet. Da sind wir dann doch wieder bei der klassischen Patchworkfamilie.

Ich denke, dass "Parenting" gleichviel konfliktpotential bergen kann, wie ein Kind in einer normalen Partnerschaft großzuziehen.

Grüße
Luka

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