Bildungsunterschiede in einer Beziehung

    • (1) 14.07.14 - 12:24
      bildungundco

      Hallo allerseits!

      Ich komme mir im Moment so oberflächlich vor, denn ich mache mir zur Zeit sehr viele Gedanken über jemanden...
      Ich habe eigentlich ganz frisch einen sehr lieben Mann kennengelernt, er trägt mich auf Händen, und ist eigentlich sonst so, wie man sich einen lieben, netten, sorgsamen Partner vorstellt.
      Das Ganze hat nur ein Manko: ich habe ein Studium und eine Ausbildung absolviert, und bin gerade dabei mein Medizinstudium endlich anzufangen. Außerdem lege ich viel Wert auf Weiterbildung und natürlich auf Intelligenz.

      Er hat leider nur die Hauptschule besucht und irgendwo ist natürlich der Bildungsunterschied bemerkbar (schon allein bei der Kommunikation untereinander....). Er möchte zwar seinen Realschulabschluss nachholen und danach eine Ausbildung anfangen (das finde ich persönlich wirklich sehr bemerkenswert und dabei hat er meine volle Unterstützung!!! ).
      Dennoch könnte ich manchmal die Decke hochgehen, wenn er mir schreibt, und in dem Satz viele Rechtschreibfehler sind (er ist kein Legastheniker) und der Satzbau nicht gerade korrekt ist... (ich habe übrigens Germanistik studiert, deswegen achte ich automatisch auf solche Sachen...ich bin zwar selbst Ausländerin, und mache demzufolge auch mal Fehler....).
      Ich komme mir so mies vor, vor allem scheine ich endlich einen sehr netten Mann kennengelernt zu haben, trotzdem mache ich mir Sorgen, dass das nicht klappen könnte, weil wir vom Bildungsstand her zu unterschiedlich sind.

      Gibt es hier irgendjemanden ,der schon dasselbe schon durchmachen musste? Oder Paare, bei denen es genauso ist ? Kann das alles gut gehen?

      liebe Grüße

      • Ob das gut gehen kann liegt allein an Dir.

        Meine Frau hatte auch nicht das Glueck und die Umstaende alles ausbildungsmaessig so anzugehen, wie ich es tat.
        Na und?
        Sie ist nicht bloed und wenn ihr eben mal Fehler unterlaufen, dann uebersieht der liebende Partner dies.

        Die Staerke der Beziehung oder Deiner Zuneigung kannst Du genau daran fest machen, wie sehr Du den anderen auf sein "Defizit" stoesst.
        Wenn ich den anderen spueren lasse, dass er offensichtlich weniger in der Birne hat, dann entstehen dadurch natuerlich Probleme. Die Qualitaet, die Dich als Menschen auszeichnet ist es, den anderen so zu nehmen, wie er ist.

        Beim Lesen Deines Beitrags, meine ich, dass Du von so etwas meilenweit entfernt bist.
        Das ist aber kein Problem der Person, die einen niedrigeren Bildungsstand hat, sondern eines, dass in Deiner eigenen Wahrnehmung der Dinge begruendet liegt.

        Ohne all die Handwerker, die am Bau beteiligt sind, liessen sich meine architektonischen Entwuerfe nicht in die Realitaet umsetzen. Jeder wird da gebraucht, jeder fuellt eine bestimmte Rolle aus. Warum also die Unterschiede ueberhaupt werten?

        Man koennte doch auch andersrum fragen, warum muss jemand studieren, eine Ausbildung machen, um dann nochmal zu studieren? Steckt dahinter die Angst in der Arbeitswelt nicht bestehen zu koennen?
        Warum muss man Menschen danach werten, was sie gelernt haben?

        Fuer das Zwischenmenschliche in einer Beziehung ist allein entscheidend, wieviel DU bereit bist zu geben. Und zwar unabhaengig davon, ob jemand einen Realschulabschluss nachholen will oder sich beruflich weiterbilden moechte.
        Auch Intelligenz wird total ueberbewertet. Die emotionale Intelligenz ist viel wichtiger, gerade, wenn es ums Zusammenleben geht.

        Viel wichtiger in einer Beziehung als ein Karriereplan oder Weiterbildungen und/oder Doktortitel sind meines Erachtens, dass man ungefaehr den gleichen Level an Neugier hat und dass man seinen Horizont im taeglichen Leben auf ein ungefaehr gleiches Level bringt...

      Hallo,

      Ich finde nicht, dass du oberflächlich klingst. Du machst dir Gedanken, das ist nicht verkehrt. Allerdings denke ich nicht, dass die Allgemeinbildung eines Menschen mit dem Schulabschluss zusammenhängt. Ich kenne durch mein Studium leider einige Menschen die eine sehr eingeschränkte Sicht der Dinge haben, mit denen kann man sich über einige Themen nicht unterhalten, weil man nach einiger Zeit frustriert feststellen muss, es bringt nichts. Genauso ist einer meiner besten Freund ein Handwerker der einen eigenen kleinen Betrieb leitet und er hat ein so großes Allgemeinwissen, er kennt sich wirklich mit fast allem aus und er kann überall etwas interessantes beitragen.

      Deswegen meine ich, es kommt auf den einzelnen Menschen an, nicht nur auf seinen Schulabschluss.
      In einer Beziehung ist mir wichtig, dass man die gleichen Interessen hat, dass man sich darüber auch austauschen kann und nicht das Gefühl hat, die andere versteht nicht im Geringsten wovon ich spreche. #schwitz
      Das ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich und muss im Einzelfall herausgefunden werden. Meine Freundin spricht 5 Fremdsprachen fließend, da stehe ich jedesmal staunend daneben wenn sie mit fremden Menschen in deren Muttersprache kommuniziert. Darüberhinaus spielt sie 3 Instrumente perfekt und ist auch künstlerisch sehr begabt.

      Dafür hat sie absolut keine Ahnung von Medizin, Fußball und Politik. #schwitz

      Man muss nicht überall mitsprechen können, das erwarte ich auch nicht von meiner Partnerin. Aber im Allgemeinen sollte ich schon das Gefühl haben sie sei vielseitig interessiert und liest nicht nur die Bild als Abendlektüre.
      Wenn du sagst er ist ein toller Mensch, dann gibt ihm eine Chance und finde heraus wie ihr zusammenpasst. Wegen einiger Rechtschreibfehler würde ich niemals einen Menschen aus meinem Leben werfen.

      FG
      Tom

Hallo, vorab ich schreibe vom Handy und entschuldige mich schonmal für Fehler.Mein Mann ist Hochintelligent und Akademiker(mit Auszeichnung) ein richtiger Nerd und ich habe kein Abitur und auch auch kein Studium aber andere Themenbereiche wo ich erfolgreich bin.Ich habe meinen Mann vor seinem Studium kennengelernt und auch unser Bekannten Kreis besteht zum Großteil aus Leuten mit Uniabschluss verschiedenster Bereiche.Klar gab es phasen wo ich dachte "wie soll ich ungebildete da reinpassen oder die denken bestimmt ich wäre doof".Ich habe das auch öfters (vor der Geburt unserer 1.Tochter und der Heirat) mit meinem Mann besprochen das ich so fühle und er war verwundert wie ich darauf komme da er mich für intelligent , gebildet und belesen hält.Auch unsere Bekannten fragen mich nach meiner Meinung oder Rat in meinem Fachgebiet und da bin ich auch bißchen stolz drauf und haben mir nie das Gefühl gegeben ich wäre nicht auf ihrere Ebene.Was ich wichtig finde ist das wir als Paar die gleichen privaten Interessen haben ( und nein nicht nur das sexuelle:p) und wir uns über alles auf der Welt unterhalten können und er mich nie belehrt oder verbessert ungefragt, und wenn ich was Nachfrage er mir das dann toll erklärt ohne das ich mir doof vorkomme.Ich finde es kommt doch auch auf den Menschen an und nicht nur seinen Bildungsgrad bzw Zeugniss oder Abschluss.Ich kenne auch Menschen zb mit Abitur die so "dumm"sind da ist man überrascht. Wie empfindet er es denn ?

(16) 14.07.14 - 13:15

vielen Dank für die bisherigen Antworten!

Ich erwarte auch nicht von meinem Partner, dass er Akademiker sein soll.. es ist auch nicht wirklich das Problem seines Abschlusses. Ich respektiere um ehrlich zu sein Menschen um einen Hauch mehr, die eine Ausbildung gemacht haben. Denn natürlich brauchen wir Handwerker, Bauarbeiter, Reinigungskräfte etc.

Es ist nur einfach so, wenn wir uns unterhalten, z.B. ein ernsthafteres Thema, wie der Konflikt in der Ukraine oder die jetzige Situation in Israel kommt von seiner Seite her eher eine mangelhafte Argumentation seiner Ansicht und das Hintergrundwissen fehlt. Versteht ihr, was ich meine ? Ich kenne mich natürlich auch nicht in allen Themengebieten glänzend aus! Aber ich lerne für mein Leben gerne, und lese dann nach, was der Hintergrund des Ganzen ist, oder frage nach, falls der mir gegenüber mehr weiß.

Natürlich weiß ich ,dass das alles an mir liegt und ich hoffe, dass sich meine Einstellung ändern wird, da er wie gesagt ein prima Kerl ist ! :)

  • da hätte ich auch keinen plan von und es interessiert mich auch nicht ;) mein freund hingegen könnte da sofort mitreden. dafür weiß ich sachen die er nicht weiß ;)

    hab aber fachabi und bin examinierte krankenschwester ;)

    (18) 14.07.14 - 13:30

    Ich finde, das klingt so, als ob du auf ihn herabsiehst, ihn nicht geistig-mental für voll nimmst, und das ist für mich der Knackpunkt, denn dadurch hast du keinen Respekt vor ihm.

    Das hat nichts mit der Ausbildung und dem Schulabschluss zu tun, es gibt auch Menschen, die haben "nur" die Hauptschule besucht, sind aber trotzdem so interessiert an allem, dass sie eine hervorragende Allgemeinbildung haben und ÜBERALL mitreden können, während so mancher Professor der reinste Fachidiot ist und sich nur über EINE Sache im Leben unterhalten kann, nämlich das, was er studiert hat (und was in den seltensten Fällen ein Thema ist, das andere Menschen auch interessiert). Dein Freund ist aber scheinbar einer, der sich auch nicht groß politisch oder sonstwie interessiert für allgemeine Themen, und wenn er dann trotzdem versucht, mit dir drüber zu reden, weil es DICH interessiert, dann kann er da natürlich auch intellektuell nichts reißen.

    Was interessiert IHN den, was kann er denn, was bewunderst du an ihm? Ich finde, man muss am Partner Dinge finden und haben, zu denen man auch in gewisser Weise aufschauen kann, dass er irgendwas hat oder kann, irgendwelche Stärken, die man einfach an ihm bewundert, Dinge, wo man selbst vielleicht sogar schwach drin ist. Dann macht es auch nichts, dass er dies und das SCHLECHTER kann als man selbst, man achtet und respektiert ihn trotzdem für das, WAS er kann - und weiß, kein Mensch kann ALLES!

    Wenn du allerdings erwartest, dass dein Partner alles kann und weiß, was du kannst und weißt, dann wird es schwer. Dann gebe ich dir einen gut gemeinten Rat: Beende das Ganze, du wirst diesen Mann sonst sehr unglücklich machen!

    Hat er denn sonst gar nichts "zu sagen"? Oder bewegt er sich argumentativ meistens auf Stammtischniveau?
    Das würde mich wohl auch stören.

    Hat er denn wenigstens "Fachthemen", wo er bescheid weiss?

    • (20) 14.07.14 - 13:37

      ja, genau das ist das Problem.

      Also nicht sonderlich... und das ist glaube ich der Knackpunkt.

      • Dann kann ich das schon verstehen, damit kann ich auch nicht umgehen.
        Und - ich bin bestimmt nicht der hellste Stern am Himmel.
        Aber wenn sich Gespräche ausschliesslich auf ..Eckkneipenlevel bewegen und derjenige sonst nichts zu sagen hat, ne. Das geht nicht.

        Es muss sicher nicht jeder alles wissen oder stets intelligente Reden schwingen. Ist auch nicht jeder dazu gemacht. Aber dann sollte derjenige wenigstens irgendwas "können"..irgendeinen Bereich haben, wo er "gut" ist, an dem man sieht, er ist interessiert und ehrgeizig.

        Aber so gar nix? Ne.

        Das hört sich bald nach dem Freund meiner Schwester an. Er ist wirklich lieb und nett, kann rackern bis zum Umfallen. Aber wirklich reden kann man mit ihm nicht. Sie ist normal intelligent und redet für ihr Leben gern. Was die beiden für eine Basis haben, ist für mich immer noch nicht richtig klar.

        Wenn ihm nur Bildung fehlt, finde ich das Problem nicht so schlimm, da man daran arbeiten kann, vorausgesetzt, dein Partner ist vielschichtig interessiert.

        Mangelt es ihm aber grundsätzlich an Intelligenz und hat er desweiteren auch keine Ambitionen, sich zu bilden, dann finde ich, ist es durchaus berechtigt, sich aus diesen Gründen zu trennen, falls einem solche Sachen wichtig sind.

        Die anderen können meinetwegen schreiben, was sie wollen. Ich bleibe dabei, gleich und gleich gesellt sich gern und das betrifft auch das Bildungsniveau etc.. Es muß nicht deckungsgleich sein, aber zumindest so, dass man selbst das Gefühl hat, sich anständig unterhalten zu können, über Themen, die einem wichtig sind.

        Und auch bei Themen, die einem nicht wichtig sind, sollte zumindest die Möglichkeit gegeben sein, dass man den anderen zumindest inhaltlich versteht....

        okay...

        Die Stammtischparolen und die Empfaenglichkeit fuer populistischen Muell, der moeglicherweise einfach nachgeplappert wird, sind aber weniger ein Bildungsproblem, sondern eher eins des Umfelds...

        DA kann man Leute tatsaechlich rausholen, indem man sie in ein anderes Umfeld steckt. Das ist anstrengend und der Andere muss es auf eine bestimmte Art auch wollen...

        Ich habe Freunde, die so auf diesem Level agieren. Menschen, die vermutlich alles tun wuerden, wenn ich sie um Hilfe bitten wuerde, die aber gleichzeitig auf einem Niveau teilweise argumentieren, wenn es um alltagspolitische Dinge geht, dass einem schlecht wird. Also klammere ich diesen aspekt aus unserer Freundschaft aus. Solange sie nicht mit irgendeinem braunen Gedankengut kommen, ist das eine Strategie, die fuer mich gut funktioniert.

        Meine Frau sagt zB sie interessiert sich nicht sonderlich fuer Politik, findet es aber schlimm, wie Menschen ueberall auf der Welt derzeit wieder wegen diverser Konflikte leiden muessen. Leider ist es just diese Charakteristik, die von Populisten gerne bedient wird. Ich versuche also meist den Populisten zuvorzukommen und ihr die Hintergruende zu vermitteln, wie ich sie verstehe. Allerdings weniger als Belehrender (dazu weiss ich meist selbst zuwenig darueber), als vielmehr unter dem Gesichtpunkt der Menschlichkeit. Denn das ist der Aspekt, der ihr am wichtigsten ist in solchen Konflikten...

        Und so wird sicher jeder seine Punkte haben, an denen man einhaken kann, wenn einem die Person wichtig genug ist...

        • Ich finde es immer sehr bewundernswert, wenn du über das Zwischenmenschliche mit deiner Frau sprichst und halte dich, wenn ich deine Worte hier beurteile, für einen sehr loyalen, liebevollen Partner.

          Aber:

          Mich gruselt es, wenn ich lese, wie sehr du die intellektuellen Unterschiede zwischen euch wahrnimmst. Du urteilst darüber nicht, beziehungsweise siehst das mit deinem liebevollen Blick, so wie ich deine Worte interpretiere. Für euch passt das, ihr seid damit glücklich, für mich persönlich wäre ein solcher Unterschied nichts. Wenn mein Partner in der Art und Weise über meine Kritikfähigkeit urteilen würde beziehungsweise könnte, wäre das für mich schlicht keine Beziehung auf intellektueller Augenhöhe.

          Deswegen ist dein Standpunkt zu "Mann" der TE natürlich auch so wohlwollend, aber es gibt jede Menge Menschen, die sich eine solche Beziehung eben absolut nicht vorstellen können, mich eingeschlossen.

          VG
          Kate

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