Bin ich wirklich so ein schlechter Mensch

    • (1) 03.08.14 - 19:02
      Gewissensbisse?!?

      Hallo zusammen,

      Es geht bei meinem Problem eher um die Beziehung Mutter Tochter.

      Meine Mutter und ich haben schon immer ein ziemlich kühles Verhalten zueinander. Sie hat sich zwar finanziell und auch sonst gekümmert, doch liebe in der Form von kuscheln, liebe Worte, Vertrauen wurde nie aufgebaut.

      Ich wurde mit 3 Wo zur Tagesmutter gegeben, bis ich 9 war. Immer von 6 Uhr bis 14-16 Uhr. Finanziell wäre es nicht nötig gewesen, aber es hieß immer Papa will das so. Sobald ich ca 10/11 Jahre alt war, wurde ich von der Straße geholt, soll heißen ich durfte nur noch in Begleitung meiner Mutter nach der Schule raus. Zur Schule durfte ich allein, da waren die Eltern ja arbeiten.

      Mir wurde ständig hinterherspioniert: Vater zwischendurch in der Pause an der Schule gestanden, Liebesbriefe gesucht etc. Freund durfte ich keinen haben. Mit 16 Jahren hatte ich einen, meine Mutter erzählte es direkt meinem Vater der Zwang mich Schluss zu machen, genauso wie bei meinem Freund den ich mit 13/14 hatte. Gedroht wurde mir immer, das sie mich in ihre Heimat verschleppten: Süditalien.

      Jedenfalls bin ich mit 18 abgehauen, zur Heirat gezwungen und dann war es gut. Ehe war eine Flucht und eine reine Katastrophe wir kannten uns kaum, wie denn auch wenn ich nie rauskam. Naja jedenfalls, selbst als ich die erste Ohrfeige von meinem Ex- Mann gekam sagte meine Mutter ich solle mal zurück, das wäre so in einer ehe. Ahhhja.

      Ich kämpfte mich da alleine durch als ich 20 war reichte ich die Scheidung heimlich ein. Eltern waren erstmal zurück in die Heimat.

      Was nach der Scheidung los war brauch ich nicht sagen : Du bist nicht mehr unsere Tochter hab ich in meinem 43 Jährigen Leben alle naslang gehört. Die Scheidung wurde in der Heimat vertuscht. Peinlich war das meinen Eltern.

      Ich hab versucht nur mein Leben zu Leben. Bis heute. Mehr nicht.

      Schuld wurde mir auch zugeteilt als mein Vater an Leukämie mit 79 Jahren Starb von Mutter und der Familie meines Vaters . Da ich ja in Sünde Leben würde und sich mein Vater ja immer um mich gesorgt und geärgert hat .

      Naja.

      Meine Mutter kam nach dem Tod meines Vaters wieder her und bequasselte mich so lange bis ist mit meiner Familie zu ihr zog: die Kinder könnten ja im Garten und wir brauchten keine Miete zahlen und unsere Hunde hätten Auslauf und und und. Ich fiel drauf rein.

      Das Ende vom Lied war:

      Sie hing ewig unangemeldet bei uns, die Kinder duften im Garten weder toben noch Freunde mitbringen wegen ihrem Hund und meine Hunde wegen demselben Hund auch nicht.
      Irgendwann hab ich es dann satt gehabt und hab mir einen großen Balkon gebaut und hab den Garten auch selbst höchst selten betreten.

      Die Situation war immer angespannt und als ich mit den meinen ausziehen wollte, täuschte sie einen Zusammenbruch vor, ich gab wieder klein bei und blieb.

      Irgendwann erkrankte sie ganz böse an Krebs und es ging ihr sehr schlecht: plötzlich war sie ein anderer Mensch, freundlich ohne Ende. Ich kümmerte mich so gut ich konnte.

      Krebs überstanden fing das Verhalten wieder an so zu werden wie vorher, ok dachte ich Chemotherapie - hab Geduld. Sie zahlte mir zwischenzeitlich praktisch mein fast halbes Erbe aus, sie wolle das so, ich legte es zur Seite für ein Eigenheim. Das ist in Planung.

      Nun ist sie wieder erneut erkrankt wieder dasselbe Spiel. Ich kümmerte mich, usw.

      Als sie wieder selbstständiger wurde keifte sie schon wieder meine Kinder an, das nicht zu tun oder jenes. Wir reden hier von Fußballspielen etc.

      Sie sagt immer sie habe es immer sehr schwer gehabt im Leben und sie hätte nie liebe erfahren und kann deshalb auch keine geben.

      Ich bin es aber ehrlich gesagt so satt. Ich gehe seit Jahren gegen mich und helfe und mache und dann kommen von ihr sämtliche Bosheiten zum tragen. Setzt Unwahrheiten in die Welt, damit zb meine liebste Freundin und ich uns streiten ( wir haben es bzw sie zum Glück durchschaut), tratscht mein komplettes Privatleben weiter so das ich ihr seit mind 2 Jahren schon nichts mehr erzähle. Usw.

      Will den Rahmen auch nicht sprengen.

      Jedenfalls kann sie nun wieder gut laufen, zwar mit Rollator, geht auch zum Friseur und einkaufen alleine. Nun hab ich einfach momentan wieder mal das Gefühl als brauche ich abstand. Ich bastle weiter an meinem Leben und versuche klarzukommen, vor allem seelisch habe ich durch diesen ganzen Mist einfach Bedürfnis nach Abstand. Nachdem sie letzte Woche wieder meinen kleinen angeschrien hat, wegen seinem geliebten Fußball sie hat weder geschlafen noch ist es so das er täglich spielt, ist mir wieder mal bewusst geworden, das sie meint mit Geld alles wieder gutzumachen, aber das geht nicht.

      Nun habe ich mich geweigert sie zum Arzt zu begleiten da ich es nicht möchte. Ihre Anwesenheit stört mich. Ich kann dann nicht schauspielern und mein Freund sagt auch: bleib nett wer weiß wie lange Du sie noch hast. ( er hatte zu seiner Mutter immer ein ganz liebes Verhältnis ) aber in mir sträubt sich alles.

      War in Therapie 2 x um diese ganze blöde Kindheit aufzuarbeiten, möchte auch keine sein die sagt: oh schwere Kindheit alles soll mir jetzt vom Leib bleiben, nicht das das nun falsch rüberkommt.

      Wir wohnen NOCH im selben Haus. Ich hoffe bald nicht mehr. Sie sagt heute morgen ich wäre für sie verantwortlich. Sehe ich so nicht. Habe ihr schon hunderte Male gesagt: wie man in den Wald ruft ... Naja sie betont das vorbezahlte Erbe etc.

      Bin ich eine miese Tochter, wenn ich das Geld annehme und trotzdem für mich entscheide nicht alles zu machen was sie sagt? Ich bin Einzelkind.

      Danke schonmal für eure Antworten.

      • ich denke, es ist an der zeit, dass du dich von deiner mutter emanzipierst. das hört sich für mich alles sehr schlimm an und nach empfinden hast du deinen teil mehr als getan. man muss nicht radikal den kontakt abbrechen, aber ich würde da eine deutliche distanz schaffen, sowohl räumlich, als auch emotional.

        das erbe würde ich deswegen keinesfalls ablehnen, warum auch? das ist schließlich kein honorar dafür, dass du dich weiterhin klaglos so behandeln lassen musst.

        Hallo,
        Also ich finde das auch alles ziemlich übel. Lässt nicht mal de Enkelkinder draußen Fußball spielen. Ich würde ihr die Meinung sagen. Natürlich im Rahmen und in Ruhe, vorallem sachlich. Naja oder du sagst du musst soviel arbeiten und hast dein getue mit dem Kindern usw. Wäre besser du gehst in ein Altersheim oder betreutes wohnen, natürlich ihrer Klasse entsprechend. Zeigst wie toll das ist und das Tag und Nacht jemand da ist, falls sie mal stürzt. Du kannst ja nachts auch nicht für sie da sein, wegen Arbeit usw. Informiere dich auf Seiten von Altenheime und schau was sie anbieten und mach es ihr schmackhaft. Da brauch sie auch nicht mehr zum Arzt, da kommt der Arzt zu ihr.... Sicherlich kann sie auch euch mal besuchen kommen für ein paar Stunden, indem ihr sie abholt. Oder du holst sie ab und geht shoppen. usw
        Naja und ihr habt nen gesunden Abstand von einander.

        LG

        Hallo,

        ihr habt schon viel zu lange aufeinander gehockt.

        Sieh zu, dass du dir eine Wohnung suchst und räumlichen Abstand von deiner Mutter bekommst. Du kannst dich bei Bedarf trotzdem um sie kümmern.

        Die monatliche Wohnungsmiete wäre mir mein Seelenheil auf jeden Fall wert. Und nein, ich würde das Geld nicht annehmen und damit in der Verpflichtung stehen, ihr persönlicher Dienstbote zu sein.
        Sie soll das Geld nehmen und sich ggf. benötigte Dienstleistungen wie Reinigungskraft, Pflegedienst o. ä. kaufen.
        Wie gesagt, die räumliche Nähe schließt nicht aus, dass du dich trotzdem in dem von dir als gut befundenen Rahmen um sie kümmerst.
        Und nein, du bist nicht für sie verantwortlich.

        LG

        Nici

      • Hallo,

        das "Erbe" vorzeitig auszahlen ist ähnlich einer Schenkung, wird jedoch meist im Testament eingetragen und als Vorleistung vermerkt, so dass du im Todesfall - im Falle, dass du noch Geschwister hast (klingt hier nicht so?) - eben ein Erbe gemindert um diesen Betrag bekommst. An eine Bedingung koppeln könnte man es natürlich ("kümmer dich um mich"), aber solange du nichts unterschrieben hast, musst du dich natürlich an nichts halten. Wobei ich mich fragen würde, ob so ein Vertrag irgendwie gültig wäre....

        Insofern kannst und solltest du das Geld - als Schmerzensgeld - ganz unbekümmert nehmen und gehen. Deinen Kindern zuliebe.

        Es ist sicherlich richtig, dass deine Mutter selbst keine Liebe erfahren hat und daher keine Liebe geben kann, wenn dein Vater über 70 war, wird deine Mutter in einem ähnlichen Alter sein. Noch dazu aus dem recht katholischen und traditionellen Süditalien.... sie hat sicherlich wenig Spaß in der Kindheit gehabt. Vielleicht meinten deine Eltern es sogar gut mit dir. Aber gut gemeint ist eben nicht gut gemacht.

        Ich bin sehr dafür, Verständnis für die eigenen Eltern aufzubringen, aber alles hat seine Grenzen und bei meinen Kindern wäre meine Grenze überschritten. Wieso sollte man die der Lieblosigkeit der eigenen Mutter auch noch aussetzen, wenn man selbst darunter schon gelitten hat?

        Geh, ohne Reue. Bis zu einem gewissen Grad bist du tatsächlich für die "Pflege" deiner Mutter verantwortlich. Zumindest finanziell. Persönlich musst du da gar nichts reinlegen. Und es täte dir gut, dich endlich zu lösen von dem Verantwortungsgefühl.

        Allerdings kann ich dir auch dringend raten, ihr zu vergeben. Du musst dich deswegen nicht schlecht behandeln lassen, aber nehme wahr, dass sie ein ganz armer Mensch ist, weil sie so ist, wie sie ist. Sicherlich wollte sie dir nichts schlechtes, aber ihre Dimensionen sind einfach zu klein für eine liebevolle Beziehung (die sich weder selbst erfahren hat noch jemals aufbauen konnte). Wie viel reicher bist du heute dagegen.

        LG

        • (6) 04.08.14 - 08:45
          Gewissensbisse!?!

          Danke für diesen gefühlvollen Beitrag. Du hast recht. Ich bin reich. Ich weiß nicht wie ich das geschafft habe, aber ich bin trotzdem ein voller positiver Emotionen geladener Mensch und bin froh Liebe geben zu können und dadurch zu erhalten - das alleine schon macht mich zum reichsten Menschen.

          Vergeben habe ich schon länger. Ich diskutiere auch nicht mehr wie früher. Sagt sie so etwas lasse ich es so stehen und gehe dezent in meine Wohnung. Es entsetzt mich dennoch. Erinnere mich noch als ihr Krebs wiederkam da hieß es letztes Jahr oder Anfang diesen Jahres das ich es Schuld sein müsste, weil ja durch die Leber der ganze Groll abgebaut wird und sie ja traurig ist weil ich sie ja zum Teil nicht beachte wie sie es braucht.

          Ich hab ihr damals gesagt das es in meinen Augen schon schlimm genug ist so etwas überhaupt zu denken, aber es auszusprechen doch wirklich absolut schlimm wäre.

          Schuldzuweisung.

          Naja irgendwann komme ich mir dann mies vor, weißt Du weil ich denke SIE hat den Krebs und ich mache hier einen auf "verletzt" ... Nicht so einfach.

      (7) 04.08.14 - 08:36

      also, du bist jetzt 43 Jahre alt und lässt dir von deiner Mutter dein Leben diktieren.

      Du gibst immer wieder klein bei, bist sehr leicht zu beeinflussen.

      Bis du denn ein Einzelkind, dass du dich einzig um deine kranke Mutter kümmern mußt?
      Gibt es keine Geschwister oder Verwandte die Hilfe anbieten könnten?

      Mein Rat: nimm das Geld, das dir zusteht (ein Erbe ist ja nicht an eine Bedingung geknüpft) und such dir weit weg eine neue Bleibe für dich und dein/e Kind/Kinder.

      Wenn ich mich als Mutter so benehme, muss ich mich nicht wundern, wenn ich am Ende alleine dastehe. Schon alleine dir den Tod des Vaters anzuhängen, hätte für mich unweigerlich den Kontakt zur Familie beendet.

      Du hast nur 2 Möglichkeiten: bleiben oder gehen.....

      • (8) 04.08.14 - 08:49
        Gewissensbisse !?!

        Danke für die Antwort.
        Ja das war schon nicht einfach als sie das sagte. Ach und wenn ich mal erzählen würde was sonst noch so war könnte ich ein Buch darüber schreiben.

        Ja wir suchen aktuell eine Wohnung in der Nachbarstadt

    Schnell ausziehen, Kontakt abbrechen bzw. minimieren, und darauf warten, dass sie hoffentlich bald stirbt.

    Man möge mir den harschen "Tonfall" bitte nachsehen, aber warum um den heissen Brei herumreden, nur weil es evtl. schicklicher wäre? Und nein...ich wünsche niemandem etwas böses, oder den Tod !

    Eine Bekannte von mir hat ähnliches hinter sich......und für sie war es eine regelrechte Befreiung, als ihr Vater endlich gestorben ist....und ihr Leben hat zu dem Zeitpunkt eigentlich erst wirklich begonnen.

    <<<Bin ich eine miese Tochter, wenn .....>>>

    Ein Geschenk sollte keine Auflagen haben...genauso wenig wie man dabei das Gefühl haben sollte, dass man sich hat "kaufen lassen".

    Soll die alte Dame mit ihrem Geld doch alleine glücklich werden.....ich würde mich da an Deiner Stelle kein schlechtes Gewissen einreden lassen, sondern endlich anfangen zu leben ..... am besten ausserhalb des Dunstkreises Deiner Mutter !

    Hallo,
    nein Du bist keine miese Tochter, es ist wirklich extrem schwer in einer solchen Situation zu leben und zu überleben.

    Deine Mutter ist nicht fähig Liebe zu geben und das wird sich auch nicht mehr ändern.

    Sie will aber, dass Du für sie alleine da bist und sie will, dass Du alles für sie tust, also sie ist unselbständlig und fordernd. Da Du aber selbst auch Dein leben und Deine Familie hast, geht das so nicht weiter.

    Gib ihr ein sympolisches Geschenk mit den Worten:

    Hiermit übergebe ich Dir die Verantwortung für Dein Leben zurück.
    Das heisst nicht, dass ich nicht für Dich da sein werde, sondern das auch ich mein leben leben will.

    Dann solltest Du solange Du da wohnst, auch Dein leben leben und Dich nicht rund um die Uhr mit ihr befassen.

    Alles Gute!

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