Ich habe Angst vor dem Leben und bin einsam. Sehr langer Beitrag.

    • (1) 18.08.14 - 23:54
      Ich schäme mich so sehr.

      Hallo…

      Ich weiss nicht wo beginnen, aber ich habe Angst vor meiner Zukunft.

      Ich bin 25 Jahre alt und hatte noch nie eine Beziehung.

      Ich habe zwar studiert, aber arbeite nicht in meinem erlernten Beruf.

      Und ich schäme mich so sehr.

      Mein Studium mit Auswahlverfahren war nicht einfach, ich habe es mit Hilfe meiner Ersparnisse, kleineren Jobs/ Praktika und den Alimenten meiner Eltern finanziert. Aber ich bin dort nie wirklich angekommen, hatte nie die tolle Studienerfahrung, die anderen haben. Mein Abschluss war wirklich gut und ich habe einige Praktika vorweisen können und hatte nach dem Studium auch einen befristeten Job.

      Dort ergab sich die Situation, dass ich die Leitung einer Abteilung ersetzt habe, da sie vorübergehend einen anderen Fachbereich übernommen hat. Mein und Team und ich hatten eine sehr erfolgreiche erste Phase mit fantastischem Feedback, wir waren stolz… ich war auch stolz und war erleichtert, dass alles so gut geklappt hat.
      Die vorherige Leiterin hat das hautnah mitbekommen und nach der ersten Phase die Leitung wieder übernommen und ich war ihr unterstellt, dies war für mich auch kein Problem… aber für sie. Sie hat mich überhaupt nicht mehr informiert, sich regelmässig bei den Vorgesetzten beschwert, so dass ich jedes Mal ihre Lügen aus dem Weg räumen musste, mich bestohlen und gleichzeitig des Diebstahls bezichtigt, mich angeschrieen, um dann in Tränen vor dem Team und den Vorgesetzten aufzutauchen.

      Da die Arbeitsbedingungen nicht einfach waren (Kälte und Nässe, körperliche Arbeit), wurde ich krank. Ich habe es nicht bemerkt, bis ich einmal hohes Fieber hatte und in Begleitung der Vorgesetzten zum Arzt geschickt wurde, der mich zwei Tage krank schrieb, um einfach etwas Luft zu haben.

      Danach wurde es noch schlimmer. Da sie länger zugehörig war, hatte ich im Endeffekt halt doch nichts zu sagen.

      Ich bin dann gegangen.

      Und dann hat sich meine Depression, die sich gegen Ende des Studiums verfestigt hat, verschlimmert. Ich bin zurück nach Hause, weil ich dort einen Psychiater habe, da es nicht die erste war.
      Und da war ich dann arbeitslos, mit einem zwar guten Studium, mit Absagen über Absagen zurück in meinem Kinderzimmer und ich fühlte mich so als Versager.
      Selbst bei einfachen Jobs, einfach um Geld zu verdienen erhielt ich Absagen, ich liess meine Bewerbung mehrmals kontrollieren, aber niemand wollte mich erst sehen.

      Ich sah, wie meine Schwester darunter litt, weil ich einfach nur eine Belastung war und meine Mutter wollte auch nicht mehr. Ich verstand das auch. Nach ein paar Monaten, nachdem ich zurück bin, wollte ich mich umbringen.

      Wir haben die Psychiaterstunden intensiviert und ich habe aus der Depression wieder einen einfachen Tagesablauf (Nahrungsaufnahme, Hygiene) gefunden.

      Als bei meiner Mutter (Geschäftsleitung) eine Stelle frei wurde, hat sie sie mir angeboten. Ich bin zuerst Teilzeit eingestiegen, nach einem 3/4 Jahr Vollzeit dabei. Jetzt arbeite ich seit 1 1/4 Jahr dort. Ich habe die Arbeiten dort im Griff und konnte gewinnbringende Ideen umsetzen. Aber es ist nicht mein Beruf.

      Und ich kann nicht mein Leben lang dort arbeiten. Für das habe ich kein Studium gemacht. Aber ich weiss nicht wie ich von hier weiter soll. Ich bin so lange aus dem Beruf draussen, ohne Berufserfahrung… ich habe einfach Angst. Die Berufsberatung kann mit meinem Beruf nichts anfangen und ich fühle mich sehr verloren hier.

      Was mache ich, wenn ich nie mehr zurück komme? Ich könnte mich auch weiterbilden und die aktuelle Stelle ausbauen, da es in Frage steht, ob ich und eine Kollegin in zwei, drei Jahren die Geschäftsleitung meiner Mutter übernehmen wollen.

      Dazu lebe ich seit einigen Monaten in einer kleinen Wohnung. Ich mag diese Wohnung unglaublich, aber ich fühle mich hier nicht zu Hause. Ich habe, ausser in meinem Elternhaus, in den letzten vier Jahren nie irgendwo länger als drei oder vier Monate gelebt. Ich bin so erleichtert, so froh einfach überhaupt die Möglichkeit zu haben, anzukommen, aber ich habe gleichzeitig so Angst wieder raus zu müssen.

      Ich schäme mich so für mein Leben, dass ich mich nicht mehr bei meinen Freunden gemeldet habe. Nach einem Jahr habe ich mich jetzt bei einem meiner ältesten Freunde gemeldet und er hat angeknüpft, als wäre diese Pause nie gewesen und ich bin so froh, dass er mich noch mag, aber ich weiss nicht wo anfangen.

      Das zweite ist die Tatsache, dass ich nie eine Beziehung hatte.
      Mit 16 Jahren hatte ich über das Internet einen wesentlich älteren Mann kennengelernt, mit dem ich das erste Mal geschlafen habe. Über die Dauer habe ich mich in ihn verliebt. Unter Lügen hat er mich manipuliert, dass ich einem Dreier mit einer anderen Frau zugestimmt habe… und mich hat er gleich nach dem Orgasmus rausgeschmissen, in einer fremden Stadt Hunderte Kilometer von zu Hause entfernt. Ich war damals bereits reiseerprobt, habe mich aber so sehr vor meiner Mutter geschämt, dass ich kurzerhand auf einem fremdem Sofa geschlafen habe, damit ich zum eigentlich Zeitpunkt erst zu Hause war. Er hat eigentlich diese Frau geliebt und nicht mich. Ich habe seitdem nie wieder mit ihm gesprochen.

      Während meinem Studium habe ich nach jahrelanger Abstinenz wieder einen Mann kennengelernt. Auch wir haben miteinander geschlafen und wir waren befreundet… eigentlich sind wir es noch. Nach einem Jahr musste er umziehen und ging zurück in seine Heimatstadt, da er seine Arbeit verloren hat. Ich habe ihn vermisst und ich war wieder verliebt. Und er wieder nicht in mich… Er ist dann zurück zu seiner Ex-Freundin gegangen, sie leben in einer offenen Beziehung. Ich war wütend und verletzt und beschämt und ich mochte mich selber nicht mehr. Wir hatten 1 1/2 Jahre Kontakt, aber mit viel Streit. Ich habe darüber nachgedacht den Kontakt abzubrechen, aber er war mein Freund. Er war der einzige, bei dem ich mich nicht genug geschämt habe, um über mein berufliches Versagen zu sprechen, über meine Ängste. Im Februar konnte ich die Verletzung hinter mir lassen. Unsere Freundschaft hat sich gefestigt. Da ich mit meinem Vater seit Jahren keinen Kontakt habe, ist er für mich auch eine gewisse männliche Bezugsperson. Ich sehe ihn nicht als Vaterersatz, aber er füllt einfach diesen Ansprechpartner, denke ich.

      Jetzt hat er mich besucht und es war gut, es war schön. Ich habe mich in seiner Gegenwart auch weiterentwickelt, dass war positiv.

      Nur… damals… er hat gesagt, er wollte sich nicht in mich verlieben. Und auf rationaler Ebene verstehe ich das. Auch ich weiss, dass man Gefühle beeinflussen kann. Es macht auch Sinn, zu dem Zeitpunkt hätte ich niemals eine Beziehung auf Augenhöhe führen können, war viel zu impulsiv um ein anständiges Gespräch über Beziehungen führen zu können. Wir kommen aus zwei Welten und bei aller Romantik, es gibt Dinge. die wir nicht einfach aufgeben konnten und wollten. Und ich "kämpfe" nicht um einen Mann in einer Beziehung, ich respektiere dies.

      Ich kann es verstehen. Aber es schmerzt dennoch, dass ich scheinbar der Liebe nicht "würdig" war. Manchmal fehlt mir die Rationalität. So ungefähr ein- bis zweimal im Jahr.

      Aber jetzt ist er weg und mir fehlt seine Präsenz. Sein Geruch, seine Stimme und ich weiss nicht, ob es er ist, den ich vermisse. Oder einen Menschen, bei dem auch ein tiefes Vertrauen herrscht, einfach lieben zu dürfen und zu können. Einfach geliebt zu werden, nicht mehr alleine zu sein.

      Ich war immer gut damit alleine zu sein, ich hatte nie ein starkes Bedürfnis nach einem Freund, falls ich überhaupt eines hatte. Ich brauche auch viel Zeit für mich für meinen Freiraum. Aber seit gestern fühle ich mich einsam.

      Ich habe zwischendurch probiert Männer kennen zu lernen. Aber ich bin einfach nicht von Interesse. Für die einen bin ich die Freundin, bei der man sich Rat über die Liebe holen kann, aber nie das Objekt der Begierde. Für die anderen bin ich gut genug für Sex, aber meine Person spielt keine Rolle. Da ich kein Mensch bin, der gerne in den Ausgang geht, Clubs und Parties macht, fehlen mir schon einige Kontaktmöglichkeiten.

      Alle Versuche gingen in die Hose. Ich bin kein auffälliger Mensch in eine Richtung. Ich bin weder übermässig gefühlsduselig, noch eiskalt, ich trage meine Sexualität nicht zur Schau, schäme mich aber auch nicht das Wort "Penis" auszusprechen. Im Charakter, Aussehen, Styling bin ich, bis auf leichtes, weiblich proportioniertes Übergewicht, normal… Durchschnitt. Ich bin höflich, hilfsbereit und sozial, intelligent, manchmal auch lustig, tolerant, vielleicht teilweise etwas naiv… Ich verstehe nicht, was so falsch an mir ist. Und auch ehrliche Antworten aus dem Umfeld sagen, dass ich an sich liebenswürdig bin, aber bezüglich einem Mann fällt mir das schwer zu glauben. Meine privaten Probleme trage ich nicht auf der Zunge, ich bin an sich sehr ausgeglichener Mensch, wenn ich nicht gerade eine Stunde "The End of the Affair"-Soundtrack anhöre. Aber ich schreibe hier das Grundproblem, das mich blockiert. Deshalb scheint mir ein wenig Emotionalität nicht fehl am Platze.

      Und der Punkt ist, seitdem sich ein Mann, der mich länger kennt, der mich sehr gerne mag, absichtlich nicht in mich verlieben wollte, frage ich mich einfach, ob ich überhaupt ein Mensch bin, der geliebt werden kann oder darf?

      Im Prinzip kann ich mich glücklich schätzen, denn ich habe ein Dach über dem Kopf, Geld, ein eigenes Auto, eine kleine Familie, die mich liebt, aber Beruf und die Liebe… sie sind zwei grosse Fragezeichen und im Endeffekt für mich wie Mahnmale, dass ich ohne Vitamin B nichts davon hätte. Ohne Hilfe wäre ich schlichtweg ein Versager, der es zu nichts gebracht hätte.

      Und ich weiss nicht, wohin ich soll, von hier. Ich habe Angst, das zu verlieren, was ich jetzt habe, ich habe Angst, dass die Depressionen irgendwann wieder kommen, ich habe solche Angst vor jedem Schritt und ich schäme mich so, dass ich im Endeffekt nichts vorweisen kann, was ich geleistet habe. Weder eine Beziehung mit einem liebenden Menschen, eine Familienplanung, noch Erfolg in der Karriere.

      Wenn meine Familie nicht wäre, wenn ich mich meiner Mutter gegenüber nicht schuldig fühlen würde, sähe ich keinen Bezug zum Leben mehr.

      Ich weiss nicht wie weiter. Ich bin beim Psychiater, hauptsächlich wegen unserem Vater, denn meine Schwester kämpft auch mit Selbstwertproblemen und Verlassensängsten.

      Aber es muss sich doch endlich etwas tun, in eine Richtung. Aber wo fange ich an? Welche der Baustellen nehme ich zuerst in Angriff? Und wie überwinde ich die Angst einen Schritt vorwärts zu machen?
      Ich will nie wieder diese Depression haben, sie hat mir beinahe alles genommen… ich habe mir beinahe alles zerstört. Ich habe solche Angst vor dem Leben und ich fühle mich so einsam.

      Wer irgendeinen Rat hätte, ich wäre so dankbar für jede Hilfe.

      Einen schönen Abend noch. #herzlich

      • Hallo!

        Dein Leben ist nicht wirklich nach Plan verlaufen, aber ganz ehrlich: ich kenne kaum jemanden der das von sich behaupten kann.

        Du hast nach dem Studium ein wenig den Anschluss verloren, aber mit einigen Praktika in dem Beruf solltest Du da wieder rein finden können.

        Du bist an einige miese Kerle geraten und strahlst seit dem auch aus "ich bin es nicht wert", deswegen verliebt sich keiner in Dich, da musst Du einfach mehr an Dir arbeiten. Außerdem mehr raus gehen, mehr Freunde haben, wer immer nur daheim rum sitzt kann ja auch niemanden kennen lernen. Wenn Du Dich erst wieder entspannter in Gesellschaft bewegst wird der Rest auch besser klappen.

        Und Du hast alles Recht der Welt, nicht immer glücklich zu sein, das ist doch normal. Du darfst wütend auf die Männer sein, Du darfst Dich ärgern dass Du gemobbt wurdest und so deinen Beruf aufgeben musstest, Du darfst Angst haben, wie Du wieder rein kommst. Das ist total ok und normal so.

        Ich habe übrigens alle Wohnungen immer nur als Wohnung gesehen, ein Zuhause ist dagegen der Ort wo Menschen sind, die einen lieben. Und das fehlt Dir eben zur Zeit. Versuch echt erst mal einen Freundeskreis aufzubauen, dann ergibt sich vieles von selber.

        • (3) 19.08.14 - 00:26
          Ich schäme mich so sehr

          Vielen lieben Dank für deine Worte!

          Ich arbeite mein Leben lang an meinem Selbstbewusstsein, da ich lange Jahre in der Grundschule bis in die 10. Klasse gemobbt wurde, grösstenteils aufgrund Gruppendynamik. Ich fühle mich unwohl in grösseren Menschenmengen, ausser sie sind so gross, dass man wieder anonym ist. In den meisten Umständen geht es eigentlich… meine Mutter war selber überrascht, als sie mich letzthin gesehen hat, als ich mit fremden Menschen umgehen musste. Aber ich denke, das war erst der erste Schritt von sehr vielen… der bei anderen eigentlich schon lange normal ist.

          Mit den Freunden hast du Recht. Ich denke, es ist ein grosses Problem. Ich habe zwar Freunde, aber viele sind im Ausland. Hier habe ich Bekannte, ich kann Leute ansprechen und lockere Beziehungen aufbauen, aber ich weiss nicht, wie man sie vertieft.

          Ich wünsche mir auch irgendwann Kinder. Und da viele in meinem Alter beginnen zu heiraten, fühle ich mich etwas unter Druck gesetzt. :-(

          Aber dein Beitrag hilft, vielen Dank dafür! #blume

      Hallo,

      Ich kenne dich ja nicht persönlich, aber rein aus dem was du schreibst klingst du nicht so als wärest du jemals raus aus deinen Depressionen gekommen.
      Du klingst in etwa so wie ich zu meinen schlimmsten Zeiten.

      Bist du ausschließlich bei einem Psychiater in Behandlung? Ich würde hier eher zu einem Psychologen raten, ein Psychiater ist ja doch eher für die Medikamente zuständig,der Psychologe für das tiefer sitzende.

      Zunächst mal musst du aufhören dich selbst als Versager zu sehen.
      Worin hast du bis jetzt versagt? Du hast ein Studium abgeschlossen und stehst in Arbeit, auch wenn es nicht der erlernte Beruf ist, was macht das aus?
      Nicht wenige Menschen müssen sich neuorientieren, weil das gewünschte oder erlernte doch nicht so funktioniert, aus ganz verschiedenen Gründen.
      Aber das macht deinen jetzigen Job nicht schlechter, auch das verdient Anerkennung (auch von dir selbst).
      Auch wenn du zwischendurch arbeitslos warst...sowas passiert den meisten von uns mal.
      Wichtig ist doch nur das man nicht aufgibt und den Kopf in den Sand steckt.

      Ich denke das es mit dem anderen Geschlecht nicht so klappt liegt auch viel an deiner Abneigung dir selbst gegenüber.
      Selbst wenn du deine Probleme nicht jedem unter die Nase reibst, schleppst du diese vor dir her, man merkt sowas anderen sehr schnell an wenn jemand mit sich selbst nicht im reinen ist.
      Bevor einen andere lieben können, muss man sich erst selbst zu lieben lernen, an diesem Spruch ist definitiv etwas dran.

      Du bist noch jung und dir stehen noch alle Türen offen, halte dir das immer vor Augen.
      Aber arbeite an deinem Selbstwertgefühl, auch wenn nichts so läuft wie geplant, was spricht dagegen sich das Leben dennoch so schön wie möglich zu machen?
      Sachen zu tun dir dir Spaß machen und dir gut tun, der Rest kommt von allein.
      Hör auf dich zu schämen für Dinge die nicht in deiner Hand liegen.
      Und suche dir dringend Hilfe, damit das ganze nicht weiter überhand nimmt.
      Eventuell wäre eine Tagesklinik ein erster guter Schritt, um dort intensiv an dir zu arbeiten?
      Und ansonsten....lass das viele nachgrübeln über Dinge die einfach nicht sind und nimm die Dinge an wie sie sind, mache das beste draus.
      Wenn du eine positivere Haltung annehmen kannst wirst du merken das es sich auch in deinem Umfeld positiv bemerkbar macht.

      Ich schreibe das alles nicht nur so daher, ich kenne solche Gefühle nur zu gut und hatte auch schlimme Phasen in denen nicht mal das aufstehen am morgen einen Sinn gemacht hat.
      Ich habe mich so sehr mit mir selbst beschäftigt, um mich da rauszuholen und zu lernen wie ich damit umgehen muss und wie ich schlechte Dinge ins positive wenden kann.
      Depressionen sind nun mal eine psychische Erkrankung, weg geht die meist niemals und sie wird immer wieder irgendwo durchscheinen, aber man kann damit umgehen lernen und dennoch ein schönes und erfülltes Leben führen.

      LG

      • (5) 19.08.14 - 00:39
        Ich schäme mich so sehr

        Auch dir lieben Dank für deine Antwort.

        Du sagst viel, was auch meine Mama sagt. Es fällt mir einfach schwer dies anzunehmen. Ich denke immerzu, alles was ich erreichen kann, ist keine Leistung, weil es zu einfach war, da ich es ja konnte.

        Du hast sicher auch Recht, dass ich das ausstrahle, bis zu einem gewissen Grad. Ich bin auch eher der stille, nachdenkliche Typ, höre gerne und gut zu.

        Aber ganz ehrlich, auf der einen Seite habe ich Angst, dass ich es nie schaffe, mich selbst zu lieben… zumindest nicht so, dass mich jemand lieben könnte, auf der anderen Seite wünschte ich mir einfach Zuneigung… ein Zeichen, dass es eben anders sein kann. Ich kenne die andere Seite gar nicht.

        Allerdings finde ich deinen Typ mit dem Psychologen sehr hilfreich. Ich habe mit meinem Psychiater Gespräche, aber… ja. Er hat mal einen Psychoanalytiker vorgeschlagen. Ich denke, ich werde das mal anbringen.

        Im Alltag mache ich schon Sachen, die mir Spass machen. Ich bin viel mehr draussen, als früher, vergleichsweise. Ich gehe gerne mal schwimmen und ich wollte etwas neues lernen, mich selber fordern und Sport machen, also habe ich das Reiten angefangen, was mir auch wirklich gut tut. Ich muss da auch sehr viel an mir selber arbeiten und Ängste überwinden und der Kontakt mit Tieren hilft. Ansonsten gehe ich gerne schwimmen, koche auch mal und lade die Nachbarn ein oder werde eingeladen, gerade im Sommer. Ich fahre gerne spontan mal wohin, aber vieles davon mache ich alleine.

        Und manchmal denke ich, es ist einfach Ablenkung und ich darf das gar nicht machen, weil ich zuerst die Probleme lösen muss.

        Ich denke, das geht wieder auf das Selbstbewusstsein zurück, dass auch ich gute Momente verdient habe, dass du angesprochen hast?

        Danke, dass du deine Erfahrungen teilst. :-)

        • Das alles klingt doch gar nicht so schlecht, selbst wenn du dabei momentan allein bist bei manchen Dingen,solange sie Spaß machen sind sie völlig ok.
          Bei mir ist es eher umgekehrt,mich hätten gern mehr zeit nur für mich, aber das ist bei 3 noch eher kleinen Kindern weniger zeitlich drin :-)

          Ich weiß was du damit meinst das es Ablenkung für dich ist, so war es für mich auch eine zeit lang immer.
          Bis ich gelernt habe das ich auch Spaß haben darf, wer sollte mir verbieten mich gut zu fühlen außer mir selbst?
          Bei mir ist es so das ich schulisch nicht viel erreicht habe, wegen schwieriger Umstände in meiner Jugend, weswegen ich mich oft unnütz gefühlt habe.
          Ich habe einige dieser Dinge in den letzten Jahren nachgeholt, beruflich habe ich dennoch nicht allzuviel erreicht, weil wir uns auf unsere Familienplanung konzentriert haben.
          Manchmal stört mich das auch, aber dann muss ich mir wieder klar machen das ich nicht alles haben kann,ich hab mich für Familie entschieden und ich denke ich mache das ganz gut.
          Und genau so solltest du dich auch sehen, du arbeitest im Moment was anderes, aber auch das machst du sicherlich gut, du verdienst dein eigenes Geld und erfüllst damit auch deinen Teil in der Gesellschaft.

          Eine psychoanalytische Therapie klingt nicht verkehrt (ich kenne mich ein wenig damit aus, mein Sohn ist seit einiger zeit in solcher Therapie ), dort kannst du zum einen lernen mit dir selbst umzugehen und zum anderen zu ergründen woher das ganze rührt und wo die Auslöser liegen.

        • Ich würde eher keinen Psychoanalytiker wählen, wenn ich die Wahl hätte.

          Ich habe gute Erfahrungen mit Verhaltenstherapie gemacht, wo der Blick auf das Jetzt und nach vorne gerichtet ist.

          Natürlich muss man schauen, was einem eher liegt. Und mit welchem Therapeuten man gut klar kommt. Und überhaupt erstmal die Wahl haben.

    (8) 19.08.14 - 00:34

    Verbockt hast du noch gar nichts. Aber viel von dem was du schreibst.. nun ja mein leben. nur dass ich bis ich 25 war wirklich nichts auf die Reihe bekommen habe. Wobei, ich war gut darin mich selber kaputt zu machen. Ich war ein Profi. Einer der besten in der Klinik. Hey ich hatte es immerhin zweimal von der Krisenstation auf die geschlossene geschafft, und ich hatte Rasierklingen reinschmuggeln können.

    Also es gibt noch größere Versager wie dich. Falls du einer wärsst. Und du zählst dich darunter.

    Die frage ist doch, (ich bin nicht gut was das Berufliche angeht deswegen lass ich den Teil weg, wobei ich mit fast 30 das erste mal sagen kann, wehaa 9 Monate schon in einem Beruf, das hatte bis jetzt noch nicht geschafft)

    ach ja die Frage. Ich bin eher gut in Ich Beziehungen also die Frage: Glaubst du, du bist es wert geliebt zu werden? Glaubst du du bist ein liebenswerter Mensch?
    Ich glaube nicht, dass du das denkst. Du siehst nur was alles nicht läuft. Aber du siehst nicht was läuft. Angst dass die Depression zurück kommt haben wir alle, die mal damit zu tun hatten. Ich glaube unser Leben wird niemals so unbeschwert, so völlig frei sein, wie das leben eines Menschen der keine Ahnung davon hat, wie es ist 8 Tage sich nicht zu waschen,, einfach weil man sich nicht aufraffen kann.

    Aber du hast überlebt.
    Es ist nichts falsches daran, mit 25 noch keine Familie zu haben, noch nicht das große Glück gefunden zu haben. Und auch die Angst,du bist nicht alleine damit. Ich bin seit einigen Jahren "clean" und dennoch, manchmal hab ich immer noch Angstvor dem Leben. Angst vor der Verantwortung.Angst es zu verkacken. Ich ackere. Ich ackere wie ein Tier,weil ich nicht mehr alleine im Leben bin.Mein Kind zwingt mich Verantwortung zu übernehmen. Also stellen wir uns unserer Angst! immer wieder aufs neue.

    Ok nicht hilfreich. Aber alleine bist du damit nicht!

    • (9) 19.08.14 - 00:47
      Ich schäme mich so sehr

      Doch, sehr hilfreich. Weil ich nicht alleine bin. Weil du es auch geschafft hast und mir aus Erfahrung zeigen kannst, dass es noch andere Optionen gibt. Und da bin ich sehr dankbar für.

      Ich glaube, ich bin ein liebenswerter Mensch als Freund (mit wenigen), Familienmitglied oder Kollege, als Nachbar. Ich denke, ich bin wirklich ganz ok so. Kann immer besser sein, aber da habe ich mich wirklich verbessert und das ist für den Moment ok.

      Nur halt… die richtige Liebe. Da weiss ich nicht, ob ich das bin… Die Vergangenheit hat das Gegenteil bewiesen und ich habe auch Angst mich wieder zu verlieben, zumal ich es erst zweimal war. Ich brauche Zeit…

      Nochmals, Dankeschön! #herzlich

      • (10) 19.08.14 - 01:00

        und jetzt lies nochmal:

        ich glaube ich bin.... naja als Freund... ich denke... ok... kann besser sein... hab ich verbessert...

        genau das ist es. Du fühlst es nicht. Du fühlst dich nicht wertvoll. Aberdieses Gefühl kannst du dir nur selber geben.

        sonst rennst du immer der Bestätigung anderer Hinterher. Ich hab sie ganz langegesucht. Bestätigung... Hauptsächlich die meiner Eltern. Ich wollte gesehen werden.Wollte mich geliebt fühlen, angenommen fühlen. Meine Eltern aber konnten nicht mehr geben, als sie hatten. Sie taten es nicht weil sie nicht wollten,aber letzlich waren sie selberOpfer.. Opfer ihrer Erziehung... Das musste ich mir selber klar machen.

        Hey :) rede dir doch mal ein, dass du ein toller Mensch bist der wertvoll ist. Derso wie er ist genau richtig ist. rede es dir. ein Glaube daran. Du kannst ja auch daran glauben ein Versager zu sein.Obwohl du meilenweit davon entfernt bist!

>>>Ich sah, wie meine Schwester darunter litt, weil ich einfach nur eine Belastung war und meine Mutter wollte auch nicht mehr. <<<

Deine Schwester und Mutter empfinden dich als Last? Wieso? Oder glaubst du das nur?

Ich finde du hast schon ganz viele Schritte in die richtige Richtung gemacht.
Du hast eine Wohnung, du hast einen Job, du knöpfst wieder Kontakte zu alten Freunden. Das ist doch super.

Was deinen Job betrifft, mach dich nicht schlechter als du bist. Ich kenne ganz viele Leute, die nicht in ihrem erlernten Beruf arbeiten und viele bekommen ihren Job mit Hilfe von Vitamin B. ;-) Egal was du beruflich machst, was zählt ist, dass du dein bestes gibst. Du schreibst, du konntest schon einiges bewegen in dem was du tust. Das ist super. Klopf dir dafür ruhig auf die Schulter.:-)

Und hör in dich hinein. Wenn dich etwas glücklich macht, dann ist es egal was andere erwarten oder wie sie es werten. Wichtig ist nur, dass du damit glücklich bist.

Ich hab einen Bekannten, der war in der Finanzbranche tätig. Hat richtig viel Geld verdient. Dann kam der Burnout. Jetzt arbeitet er beim Deutschen Roten Kreuz als Krankenwagen- und Behindertenfahrer. Er ist glücklich damit und will das auch nicht mehr ändern. Und er hat damit vielen Leuten etwas voraus.

VG
Mateo

hallo, guten morgen,

ich weiß gar nicht so richtig wo ich anfangen soll, aber ich befürchte ebenfalls, dass du noch mitten in der depression steckst. der tipp mit dem psycholgen solltest du wirklich annehmen.

du hast so viele schritte in die richtige gemacht. du hast dein studium toll abgeschlossen, gute praktika gemacht, arbeit, wohnung und familie und freunde. weit mehr als manch anderer. sei stolz darauf!

"wenn ich mich meiner Mutter gegenüber nicht schuldig fühlen würde"
bitte nicht! ich hatte zig jahre angst, angst ohne ende. mein vati ist bauingenieur mit eigener firma und die sollte ich natürlich übernehmen. ich habe es nie geschafft ihm zu sagen, dass ich das eigentlich nicht will. war totunglücklich. hab das bauingenieur-studium angefangen, aber nicht geschafft, hab in einen anderen (aber ähnlichen) bereich gewechselt und es auch nicht gepackt, also 4 jahre umsonst studiert. dann kamen ausbildung und weil man nicht übernommen wurde arbeitslosigkeit. 7 jahre einfach nur verschenkt. in der zeit waren andere schon fest im berufsleben, waren schon verheirat, hatten kinder. ich kam mir so armseelig vor. ich konnte und wollte das für mich nicht akzeptieren und hab doch noch mal mit einem studium angefangen, wieder bau, ein letzter versuch. ich habe es mit viel arbeit geschafft, vati war stolz und ich? ich war traurig und konnte mich nicht darüber freuen. ein paar monate habe ich dann bei ihm gearbeitet, aber zu dem zeitpunkt lief es gerade auftragsmäßig schlecht, ich sollte mir lieber was anderes suchen. ich habe sofort arbeit gefunden und das war das beste, was mir passieren konnte! ich fühle mich wohl hier, tolle arbeit, prima kollegen. es war für mich wichtig und wenn du es dir nicht vorstellen kannst bei deiner mutti zu arbeiten, dann lass es auch. du würdest da nie glücklich werden.

von den männergeschichten fange ich gar nicht mal an. nur kurz, einer hat mich fast in den ruin getrieben. er saß dann 4 1/2 jahre im knast. ich bin in eine tiefe depression gerutscht. alles ganz schlimm und ich dachte wie du, dass ich mal nie einen mann finde. hab ich aber! mittlerweile bin ich seit 3 jahren verheiratet und wir haben einen kleinen sohn. auch du bist liebenswert!

nur mut, du bist auf einem guten weg! alles alles liebe! #klee

In deinem Leben gibt es nichts, wofür du dich schämen müsstest. Du hast ein Studium abgeschlossen. Du hast eine Zeit lang im Beruf großen Erfolg gehabt. Du hast jetzt wieder Arbeit mit Entwicklungsmöglichkeiten.

Ich wurde im Beruf auch von Vorgesetzten gemobbt. Bei meinen Kollegen genoss ich immer Anerkennung. Trotzdem habe ich in beiden Fällen meine Stellung aufgegeben. Es war gut so.

Ich hatte auch depressive Phasen, aber immer genug Kraft, mich davon zu befreien. Sehr geholfen hat mir die Anteilnahme an Problemen anderer Menschen und das Laufen als Ausdauersport.

Die große Liebe zu finden ist ein Glücksfall. Ich habe dieses Glück. Je mehr Kontakte du suchst, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch du einen lieben Partner findest. Dazu gehört auch, keine Zeit offensichtlich unpassenden Menschen zu vergeuden.

Ich wünsche dir Kraft und Glück #klee

Ich kann Depressionen nicht beurteilen.

Aber Du kommst bei mir so rüber, als ob Du Dich über das Maß wichtig nimmst.

Ich bin doppelt so alt, habe zwar keine Depressionen, aber mein Leben ist bisher weniger lustig verlaufen in manchen Jahren. Dennoch würde ich nur 20% Textlänge für mich benötigen. Du hast gut geschrieben, aber für mich extrem ICH orientiert.

Wenn Du den Job nicht weiter machen willst unbedingt (Du bekamst ihn mit guten Beziehungen, für manche wäre es ein Traum), unterstütze THW oder irgendeine andere Hilfsorganisation vor Ort. Ich glaube, dann bekommst Du eine andere Sicht auf die Dinge und das Leben. Vermutlich wirst Du dann auch eine gute Beziehung finden.

Wenn Du sehr ich-orientiert im RL rüber kommst, bist Du für Männer ggf zu anstrengend. (Mir sind Menschen, bei denen sich alles immer um sie drehen muss auch zu anstrengend)

Ich wünsche Dir alles Gute, denke mal darüber nach.

Na wo bitte bist du denn ein Versager? Nein! Nur weil du die Arbeit über Vitamin B bekommen hast und Schuldgefühle gegenüber deiner Mutti....? Ist es denn nicht so, dass man sich überall in der Welt hilft und Vitamin B ist nun mal auch eine Art hilfe? Man hilft seinen Lieben und das ist nur normal und gut! Fühl dich doch nicht schlecht dafür!

Dass du dein Studium durchgezogen hast! Prima. Versager? Nur weil du da jetzt nicht drin arbeitest? Tu ich auch nicht. Hab 6 Jahre studiert, mach jetzt doch etwas andres (aber noch nahe dem eigentlichen), auch über Vitamin B und bin glücklich damit! Sehr glücklich!

Dass deine Beziehungen bisher so liefen ist doch auch nicht weiter unnormal, nur weil alle anderen mit 25 schon verheiratet sind? Ich bin 36 und auch nicht verheiratet und auch ohne Kinder! Total unnormal und ich sollte mich schämen! ... Nein! Tu ich nicht, denn ich bin ich und ich bin glücklich damit! Das kannst du auch sein mit dem der du bist und nicht mit dem der du warst! Denk nicht zuviel über das, was war sondern sieh dein Glas halb voll nicht halb leer und geh vorwärts! Sieh deinen jetzigen Job als das was er ist: ein guter Job! Nichts ist fest wie ein STein und für immer, du wirst eine andere ARbeit finden, wenn die Zeit dazu da ist! Lebe jetzt und hier und geniesse deine Zeit die du mit dir verbringen kannst! Viele würden sich die Finger lecken, wenn sie Zeit für sich hätten! Das bekomme ich auch immer wieder zu hören! ... "Oh, ich sehe dich wie du Abends mit deinem Pferd stehst! Ohne Druck nach hause zu den Kindern zu müssen! Ich hab alles so satt dieses Kinder-hier-und-Mann-da! ich bin neidisch auf dein Leben!" Ja, sowas bekomme ich regelmässig zu hören!

Du hast alle Zeit der Welt noch! ich finde es prima, dass du dir so viele Gedanken machst und auch siehst, dass du was kannst, denn das kannst du! Nicht jeder macht sein Studium fertig, nicht jeder hat ne Arbeit,... du bist kein Versager auf keiner Seite!

Und bitte, versteif dich nicht in diese "ich-muss-einen-Parter-finden" Sache!!!! Ich hatte nicht gesucht, bin einfach ich gewesen mit meinen Hunden und meinem Pferd. Dann ist es einfach passiert, als ich garnicht darüber nachdachte: Hab meinen Traumprinzen gefunden ohne jemals gesucht zu haben!!!!!

Sieh alles etwas lockerer! Dein Leben wird sich noch soooo viele male ändern in jede nur erdenkliche Richtung. Nur weil es heute so aussieht, heisst es nicht, dass es immer so sein wird! Du wirst dich ändern! Doch sieh immer das Glas halb voll, nicht halb leer! Du bist wer! Geniesse es, geh reiten (ja, das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, ich weiss das..... :-) ) und sei einfach du! Schau dich an und sehe dich!!! Nicht den der du sein solltest weil du es dir einredest!!! Du bist du und das ist verdammt gut so!!! Denk daran und geh dein Leben!

lg #liebdrueck
Claudia

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