Nur noch genervt und gereizt, ich kann meine Kinder nicht mehr lieben

    • (1) 19.08.14 - 11:30
      SchlechteMutter

      Ich wende mich heute mit einem Problem an euch, das mich sehr beschäftigt.
      Ich bin seit 10 Monaten alleinerziehend und der Vater kümmert sich kaum bis gar nicht, da er lieber sein eigenes Leben lebt.
      Ich wurde also in die Rolle der Vollzeitmutter förmlich hineingepresst und was soll ich sagen? Ich hasse es.

      Ich gehe 50% arbeiten, davor die Kinder fertigmachen, wegbringen, danach abholen, kochen, Nachmittagsprogramm, abends ins Bett bringen. Am Wochenende Kinderbespaßungsprogramm, rund um die Uhr mit ihnen zusammen. Ich kann nicht mehr. Ich kann die Kinder absolut nicht mehr genießen, ich empfinde alles was sie tun oder ich tun muss als anstrengend, nervig, zu viel. Momentan würde ich sie am liebsten abgeben, einfach mein früheres Leben zurückhaben. Da das nicht geht finde ich wenigstens ein Wechselmodell sehr reizvoll. Dies ist aber völlig utopisch. Wie erwähnt, der Vater kümmert sich nicht und hätte auch gar nicht die Zeit dazu. Ich bin also gezwungen mich weiter um die Kinder zu kümmern.

      Die Situation ist völlig auswegslos und meine Kraft schwindet von Tag zu Tag.

      Ich überstehe den Tag kaum noch ohne Mittagschlaf (oft auch mehrere Stunden), währenddessen meine Kinder hier herumtoben oder fernschauen, was mich dann noch mehr nervt (meine Unfähigkeit). Wenn sie abends im Bett sind falle ich einfach nur ko auf die Couch und möchte nichts mehr sehen oder hören.

      Egal was sie tun (lachen, erzählen, weinen, schreien), ich reagiere auf alles gleich: Gleich gereizt. Ich habe die Fähigkeit verloren ruhig zu bleiben, gar freundlich oder empahtisch - es ist einfach WEG! #schock Wenn sie sich wehtun tun sie mir nicht einmal Leid, ich fühle nicht mit. Immer öfter erwische ich mich wie ich das nur kommentiere mit "heul nicht, selbst schuld". Auch wenn es oft stimmt, mal ehrlich, das GEHT nicht. Null Einfühlungsvermögen, null Mütterlichkeit. Oft, wenn sie schlafen bekomme ich ein schlechtes Gewissen und nehme mir vor morgen alles besser zu machen, aber sobald sie in aller Herrgottsfrühe aufstehen und wieder "loslegen" ist es vorbei mit meinen Vorsätzen: Ich reagiere wieder aggressiv. #schmoll
      Wenn ich darüber nachdenke tun mir die Kinder unglaublich Leid, das haben sie wirklich nicht verdient. Sie sind auf mich angewiesen und erleben im Endeffekt eine völlig lieblose Kindheit, eine Mutter, die sie nur versorgt, nicht umsorgt. #heul
      Manchmal frage ich mich, ob nicht sowieso schon alles zu spät ist, die Kinder längst gezeichnet für´s Leben..#heul

      Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich von hören will. Dass es falsch läuft weiß ich, dass ich Auszeiten brauche auch. Das Problem ist: Ich habe diese! Und das alle 4 Wochen in Form von einer Nacht bei der Oma (samstagabends bis sonntagfrüh). An diesem Abend gehe ich dann aus, bin einfach nur ich selbst und genieße das Leben. Ich lebe momentan quasi nur noch für diesen einen Abend, der natürlich viel zu schnell vorbei ist. Und es reicht mir nicht. Ich habe dann Schuldgefühle, weil ich denke, dass Andere diesen Luxus gar nicht haben und ich einfach mict nichts zufrieden sein kann.

      Wie soll das alles bloß weitergehen?

      SchlechteMutter

      • Wie alt sind deine Kinder??
        Wäre eine Übermittagsbetreuung eine option ind Kiga oder schule??
        Wäre eine Option das du dir ein Kindermädchen suchst das dir die zwei, ein oder zwei mal die woche "abnimmt" oder auch mal an nem Samstagabend?
        Treffen sich deine Kids nicht mit freunden nach schule/Kiga? Wenn doch einfach mal bei den Eltern der freunde "abladen" und in die stadt?
        Oder ein Eltern-Kind-Kur??

        • (3) 19.08.14 - 11:42

          Knapp 2 und 7 sind sie.

          Den Kleinen kann ich noch nicht zu Freunden geben, die Große ist schon ab und zu bei einer Freundin. Aber auf jeden Besuch einer Freundin folgt auch wieder ein Besuch bei uns, was mir teilweise (haha, okay, eigentlich immer) echt zu viel ist.

          Ein Kindermädchen/Babysitter habe ich mir auch schon überlegt, das würde sicherlich vieles erleichtern, aber ich bin alleinerziehend, der Vater zahlt nicht, schlichtweg: Ich kann mir das nicht leisten.
          Übermittagsbetreuung: Siehe Kindermädchen.
          Eine Kur wäre vielleicht eine Möglichkeit, aber mir steht der Sinn eher nach einer Kur ohne Kinder (wiederum utopisch). Davon abgesehen, arbeite noch nicht so lange wieder nach der Elternzeit, das kann ich meinem Arbeitgeber nicht antun schon wieder zu fehlen.

          • Ich weiß nicht, wieviel du verdienst, aber wenn du nur Teilzeit arbeitest, kann es nicht allzuviel sein.
            Von daher stünde dir die KiGa-Übernahme vom Jugendamt zu.

            Also wenn du deine Große nach der Schule in einen Hort gibst, würde dir das vom Jugendamt bezahlt werden. Teilweise auch das Mittagessen.

          • Wohnst du in einem Bundesland, wo die Betreuung in Hort und Kita nicht von der Stadt/dem Land übernommen wird, wenn man es sich finanziell nicht leisten kann?

            Lässt du über das Jugendamt den Vater wenigstens nach Unterhalt für die Kinder abklopfen?

            Haushaltshilfe bei der Krankenkasse beantragen. Burn Out. Noch dazu denke ich, dass du mit der Trennung (bzw. mit den Gefühlen des Sitzen-Gelassen-Werdens) noch zurecht kommen musst und das auch deine gereizten Gefühle bedingt.

            Such dir doch noch jemanden, bei dem du dich aussprechen kannst (professionell) es gibt so viele Möglichkeiten, z.B. Sozialdienste für Frauen.

            Alles Gute

      Hallo,

      Ich kann es nachvollziehen, weil mich das Muttersein manchmal genauso fertig macht und ich dann ähnlich drauf bin, wenn sich Kinder den halben Tag nur anzicken und es dauerlaut ist kein wunder, kaum jemand hat Nerven aus Stahl.
      Ich habe allerdings einen Partner der mich dann entlasten kann, damit ich raus komme und mit neuer Kraft dann wieder durchstarten kann.
      Genau das fehlt dir aber, vielleicht wendest du dich einfach mal an eine familienberatungsstelle in deiner Umgebung, es gibt bestimmt irgendwelche Hilfen für dich.

      Vielleicht würde dir auch eine Mutter-Kind Kur helfen, um die Bindung zu deinen Kindern wieder herzustellen, dahingehend vielleicht auch mal beraten lassen?
      Ich weiß nicht...aber ich denke das man ab einem bestimmten Punkt einfach schon zu weit drin steckt als das man da selbst wieder herausfinden kann.
      Lieben tust du deine Kinder ganz sicher, denn sonst würdest du dir den Kopf nicht darüber zerbrechen das es ihnen nicht gut gehen könnte bei dir, dann wäre es dir egal.
      Du hast erkannt das etwas nicht stimmt und das ist gut und mehr als viele andere schaffen.
      Du hast nur ganz einfach keine Kraft mehr und sowas passiert den besten Menschen von zeit zu zeit.

      Such dir Hilfe, es gibt sie bestimmt :-)

      LG

      • (8) 19.08.14 - 12:05

        Wie du es schon schreibst: Du hast einen Partner, der dich unterstützt. Du hast Recht, das fehlt mir. Dazu kommt noch die ohnmächtige Wut darüber, dass er sich einfach so ausklinkt und mich mit allem (finanziell, Betreuung, Sorgen, Alltag, Trauer der Kinder, usw.) sitzenlässt. Ich weiß das alles, kann es aber irgendwie nicht kompensieren. Ich bin momentan wirklich unfähig, so fühlt es sich an.

        Du bist nun schon die zweite, die eine Kur vorschlägt, vielleicht ist das wirklich eine Idee. Aber noch traue ich mich nicht wirklich, da ich ja dann bei der Arbeit fehle. Außerdem geht meine Große zur Schule, wie soll das gehen?

        • Kinder können für eine Kur von der Schule freigestellt werden, die bekommen den schulstoff für die Wochen einfach mit zum bearbeiten, Kureinrichtungen die auf Kinder ausgelegt sind haben wohl dafür auch extra schulische Betreuung (ich war noch nie auf Kur und kann nur das wiedergeben was mir andere erzählt haben).
          Das es mit deiner Arbeit Probleme macht kann ich mir aber vorstellen, du würdest für die zeit zwar krankgeschrieben werden, aber beim Chef kommt's sicher nicht gut an.

          Ihr könntet aber zunächst eine ambulante Familentherapie aufsuchen, dort bekommen dann auch deine Kinder die nötige Hilfe bei der Verarbeitung der Trennung, würde eventuell Sinn machen wenn sie auch merkbar darunter leiden.
          Es gibt dann sicher Einzelstunden für dich allein zum sprechen und auch mit den Kindern zusammen.
          Dennoch....wenn du merkst es geht gar nichts mehr dann Schlag den weg einer Kur ein, die Gesundheit geht über alles und wenn man erstmal raus muss, dann ist das eben so.

          Ich denke wenn du irgendwo erlernst die Trennung vernünftig zu verarbeiten wird es die auch grundsätzlich wieder besser gehen und somit auch wieder fähiger machen dich richtig um die Familie zu kümmern.
          Ich hatte auch schon schlimme depressive Phasen wo ich zu nichts mehr fähig war und manchmal ist es schwer aus so einen Sumpf wieder herauszufinden, aber es ist machbar wenn man will.

    Hast Du schonmal etwas von Leihomas/opas gehört? Vielleicht wäre das eine Option für Dich, um etwas mehr Zeit für dich zu haben.

    http://leihomas-leihopas.de/

    • (11) 19.08.14 - 11:56

      Gute Idee!
      Habe gleich mal auf der Homepage geschaut. Das gibt es sogar in unserer Nähe, allerdings steht da "einmal pro Woche für 1-3h". Da erscheint mir schon wieder der Aufwand zu groß für den Gewinn... #schmoll Ich bin einfach zu negativ...

      • 3h frei haben für sich und gar nicht frei haben? ;-)

        Denke positiv! Das sind doch nur grobe Zeitangaben...es kommt doch dann immer individuell auf den "Leih"mensch an...das kann doch auch mehr sein.
        Kenne einige, die dadurch richtig Oma/Opa bekommen haben.

        Versuch macht kluch.....;-)#winke

Hallo,

ja, du bist eine schlechte Mutter. Aber es gibt dafür leider auch gerade viele Gründe. Dennoch solltest Du begreifen, dass nicht deine Kinder, die sind, die alles falsch machen. Sie sind nur Kinder und bekommen im Moment deinen ganzen Frust und deine Wut zu spüren. Du lässt deine Gefühle an Ihnen aus, obwohl sie gerade in dieser Trennungsphase eine verlässliche Mutter bräuchten.

Ich kann Dir nicht sagen, wie es weitergehen soll aber Du musst unbedingt an deiner Einstellung arbeiten. Deine Kinder wirst Du nicht ewig haben und später werden sie es dir nachtragen, dann zerbricht im schlimmsten Fall auch die Beziehung zu deinen Kindern.

Auch wenn es Dir so vorkommt, als wenn Du sie nicht liebst, es stimmt nicht. Deine positiven Gefühle sind im Moment ganz unter deinen negativen begraben. Es wäre als gut, die positiven Lebensgefühle wieder zu entdecken. Dazu gehören auch andere Menschen. Gut, wäre es wenn Du dich mit deinen Kindern mit anderen triffst und dann auch eine schöne Zeit erlebst, wenn Du dich mit anderen z.B. Müttern austauschen kannst und deine Kinder mit anderen spielen. Wenn Du niemanden kennst, dann geh halt einfach raus auf den Spielplatz und verbringe dort den restlichen Tag. In der Öffentlichkeit werden sich deine Kinder sicher anders benehmen und du wirst sie wohl auch weniger maßregeln. Das wäre für Euch alle entspannend.

Ansonsten würde ich an deiner Stelle mir mal Bachblüten oder Baldrian besorgen. Etwas, was die Nerven beruhigt, denn deine liegen derzeit blank.

Wenn Du Familie und Freunde hast, dann verabrede dich sooft es geht. Besorge eine Dauerkarte für einen Tierpark oder ein Schwimmbad. Aber sitze nicht grübelnd Zuhause. Das macht alles viel schlimmer und die Situation eskaliert irgendwann.

Liebe Grüße

Carola

  • (14) 19.08.14 - 12:02
    SchlechteMutter

    Ich weiß, dass du Recht hast.

    Rausgehen ist auch so ziemlich das einzige, was uns allen momentan noch gut. Wie du schon schreibst: Unterwegs sind sie anders und ich habe mich auch besser im Griff. Nebenbei toben sie sich besser aus und sind dann nicht so anstrengend. Leider schaffe ich das bei weitem nicht so oft wie es nötig wäre. Oft liegt es an meiner mangelnden Motivation, oft aber auch am fehlenden Geld. Eigentlich wollte ich in unserem Urlaub so viel mit den beiden unternehmen, aber was machen wir im Endeffekt? Fast nichts. Es kamen unvorhergesehene finanzielle Belastungen und ich kann mir teure Ausflüge nicht leisten. Natürlich, Spielplätze, in den Wald, ein Picknick, ins Schwimmbad etc., das kostet alles fast nichts, aber das machen wir auch sonst.

    Aber ich habe mir gerade vorgenommen heute noch die Kinder zu schnappen und nachher etwas schönes zu unternehmen, egal wohin.

    Dass die Kinder nichts dafür können, mich sogar spiegeln weiß ich. Meine Große wird auch schon auffällig oft ungehalten gegenüber mir oder dem Kleinen ---> unser Umgangston zu Hause. Ich wollte so nie werden und habe immer den Kopf geschüttelt über solche Mütter und nun stecke ich selbst mittendrin. Es ist wirklich ein Albtraum, für uns alle.

    • Die Vorwürfe, die Du dir machst, nützen Dir und den Kindern auch nichts. Es ist wie es ist. Ich bin auch nicht perfekt und kenne selbst mit Partner genügend solcher Tage. Manchmal rauben einem die Kinder den letzten Nerv. Wir haben auch nicht soviel Geld und manchmal sind die Ferien wohl eher langweilig. Wir sind gerade in der letzten Woche sooft mit den Kindern die gleiche Strecke abgelaufen, haben an einem Tiergehege Halt gemacht und sind danach auf dem Spielplatz gelandet. Wir haben eine Saisonkarte für das Schwimmbad aber das Wetter spielt leider auch nicht mit.

      Viel wichtiger als eurer Geld ist im Moment, dass ihr rausgeht. Und am besten Kontakte zu anderen bekommt. Ein bisschen kreativ kann man auch sein. Wir haben auch schon mit den Kindern im Wald an einer Grillstelle Muffins gegrillt.

      Haben Deine Kinder fahrbare Gerätschaften wie Fahrräder, Roller oder Inline-Skates?Das ist auch toll. Oder Tischtennis, Federball, Volleyball etc.

      LG

      #winke
      Carola

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