Ist mein 4-jähriger Sohn hochbegabt in Verbindung mit Asperger?

    • (1) 08.10.14 - 22:45
      Bin-verunsichert

      Guten Abend.

      Es tut mir leid, dass ich hier in schwarz schreibe,
      Aber ich weiß, wie ihr hier alle auf das Wort "Hochbegabt" reagiert :(

      Mein Sohn wurde im Dezember 4 Jahre alt.

      Ich habe schon lange den Verdacht, dass er eine autistische Störung hat, weil er zu Zwangshandlungen neigt.

      Vorweg: Beim Kinderpsychologen war ich jetzt dreimal, dazu schreibe ich gleich noch etwas.

      Als er die Flasche bekam, durfte man ihn nicht ansehen, da hat er angefangen zu schreien.
      Orte, die laut sind, findet er schlimm.

      Er war als Baby ein Schreikind, mit 14 Monaten wurde das erst besser.
      Damals hiess es Regulationsstörung, nachdem alles, wirklich alles andere im Krankenhaus ausgeschlossen wurde.

      Seit er mit Spielzeug hantieren kann, sortiert er.

      Nach Farben, nach Formen, immer und immer wieder.
      Oder er reiht alles auf, ganz genau. Wenn man dagegen stösst, bekommt er einen Schreianfall.
      Neue Situationen muss er erst ca 1/2 Std beobachten.
      Alles, was neu ist, ist schwierig für ihn, oft schreit er dann, früher bis zu 2 Stunden am Stück, inzwischen hat sich das gebessert.
      Er hat für bestimmte Orte bestimmte Handlungen, die er IMMER durchführen muss. Hindert man ihn, schreit er.
      Zum Beispiel beim Kinderarzt muss er erst alle Teddys zählen, die auf der Anmeldung sitzen. Bei meinen Eltern geht er immer zuerst ins Wohnzimmer, ob da noch alles so ist wie immer.
      Wenn auch nur ein Teil anders ist, bemerkt er das sofort.
      Bei meiner Nachbarin im Sandkasten werden alle Förmchen einmal aufgereiht und durchgezählt (hat er im Sommer jedes mal gemacht, wenn wir da waren), wer vorher ein Förmchen genommen hat, bekam eins mit der Schippe #schock
      Bei meiner Oma sortiert er alle Flaschen, so dass die passenden Marken nebeneinander stehen
      usw .....

      Er merkt sich sehr viel.
      Weiß noch Dinge, die knapp 2 Jahre zurück liegen. Erzählt von dem Doppelhaus, in welchem wir bis vor 2 Jahren gelebt haben, wo welche Lampe stand, wo welche Gardine hing usw.
      Er ist unglaublich orentlich. Er räumt seine Wäsche selber in den Schrank, es sieht immer aus wie vom Erwachsenen eingeräumt. Alles genau sortiert, alles genau hinein gelegt.
      Er räumt viel auf, hasst Unordnung. Auf einem Spielplatz, auf welchem Müll lag, hat er sich geweigert zu spielen, wir mussten erst den Müll wegräumen.

      Wir waren im Juli für 1 Woche auf Norderney. Meine 6-jährige Tochter hat nach 3 Tagen gefragt, wie lange wir noch bleiben. Er antwortet genervt: Marie, 7 Tage bleiben wir, 3 sind schon vorbei, also noch 4, ist doch logisch!
      Meine Tochter wurde jetzt eingeschult, er möchte immer ihre Hausaufgaben machen.

      Weil ich es genau wissen wollte, habe ich ihm Additionsaufgaben aufgeschrieben bis 20, habe sie ihm hingelegt, einen Stift in die Hand gedrückt und gesagt, er dürfe jetzt auch Hausaufgaben machen. Er hat sie alle gelöst, allerdings ab und an mal eine Zahl spiegelverkehrt aufgeschrieben. #schock

      Er liest und schreibt seinen Namen, den Namen seiner Schwester, dann halt einfache Dinge wie Mama, Oma, Opa, Papa usw.

      Die Buchstaben kennt er alle, auf deutsch und auf englisch.

      Er redet sehr komplex, ich habe das bei meiner Tochter damals nicht so wahrgenommen in dem Alter.

      Jetzt unser Problem: Er weigert sich, in den Kindergarten zu gehen, er heult jeden Morgen, dass es da so langweilig ist und laut.

      Nun bekam er von den Erzieherinnen Rätsenzettel und Sowas, zum Beispiel diese Bilder mit Zahlen verbinden oder kleine Rechenaufgaben, das macht er dann auch, aber den Rest der Zeit ist er unzufrieden und passt sich irgendwie an.
      Das Problem ist, dass er dann öfters seine Schreianfälle bekommt.

      Im letzten Kindergarten kamen die damit garnicht klar, also haben wir schon den Kindergarten gewechselt, es ist schon etwas besser in dem neuen, aber hingehen will er nicht und wenn irgendetwas anders ist als sonst, bekommt er dort Schreianfälle.

      Zu Hause befolge ich die Tipps vom Kinderpschologen und wir haben das relativ gut im Griff.

      Der Kinderpsychologe sagt, man könne da noch garnichts testen (Weder auf Asperger noch auf Frühbegabung) weil er noch keine 5 ist und ich soll mit ihm meditieren und ihm jeden Tag den gleichen Tagesablauf bieten. .....

      Aber das ist für mich unbefriedigend, denn mein Sohn will nicht in den KiGa, es ist jeden Morgen Theater, Diskussion.

      Ausserdem ist er im kommenden Schuljahr ein Kann-Kind und ich bekam bereits ein Schreiben, ob ich ihn einschulen lassen soll, er wäre dann aber erst 5,5 Jahre alt .... :(

      Aber mit seinem Schreianfall-Verhalten ist er wiederum absolut nicht schulreif, vom rechnen und Buchstaben kennen her schon ....

      Ich bin ganz durcheinander :(

      Tut mir leid, wenn ich wirr geschrieben habe.

      Was würdet ihr jetzt machen? Wir wohnen in Niedersachsen, sehr ländlich, hier gibt es kaum Kinderpsychologen und ich war froh, dass unser Sohn zu ihm Vertrauen hat.

      Der KiGa-Wechsel war schon schwierig für ihn, aber inzwischen hat er sich einigermaßen eingelebt (oder angepasst....)

      • also so wie du das schilderst würde ich mehr zum asperger trendieren

        und das mit den schreianfällen im kiga kommt denke ich wenn der Tagesablauf

        geändert wird ( was in nomalen Kitas einfach tagtäglich stattfindet weil man sich

        auf neue Gegebenheiten einstellen muß ( persomangel, neue Kinder usw )

        evtl noch mal einen ganz kleinen übersichtlichen kiga suchen

        das er mehr ruhe und geregelte Abläufe hat

        und wegen nächstem Jahr überlegen ob er nicht doch mit der schule probieren kann

        denn wenn er nochmal einen Schub in der geistigen Entwicklung macht dann

        wird es ihm im kiga erst recht zu langweilig sein denn die Erzieher können

        ja nicht nach seinem Entwicklungsstand gehen sondern nach dem gr ganzen

        evtl auch nach einer kleinen Grundschule schauen wo man besser damit zurecht kommt

        wo er in der zeit wo die anderen arbeitsblätter uw machen er selbständig arbeiten kann

        Absolut kein Grund schwarz zu schreiben.

        Dein Sohn klingt sehr nach Asperger-Autismus und einer hohen Intelligenz. So etwas kann jedoch nur in einer aufwendigen Abklärung bei entsprechenden Fachpersonen festgestellt werden. Ein Psychologe ist dazu in 99% der Fälle nicht qualifiziert. Mit vier Jahren ist dein Sohn locker alt genug für eine entsprechende Abklärung und Diagnose. Die Aussage des Psychologen untermalt nur sein mangelndes Fachwissen bei der Fragestellung.

        Nun ist es so, dass man vorerst abwarten könnte, wenn ohne entsprechende Abklärung und Diagnose die im Alltag auftretenden Schwierigkeiten geringfügig wären.
        Es scheint jedoch, als sei dem nicht so, unter Umständen kommt es sobald er in der Schule ist zur Eskalation, egal ob du ihn ein Jahr früher oder ein Jahr später einschulst.

        Spätestens in der Schule wird der Fokus auf seine vermeintlichen Defizite gerichtet sein, viel kontraproduktiver kann man jedoch mit einem Autisten nicht umgehen, an ihm ist nichts falsch, nur vieles ganz anders. Insofern bin ich überzeugt, dass ihr ihm mit der "Therapie" beim Psychologen wesentlich mehr Schaden zufügt als Nutzen. Leider sieht das die Lehrmeinung der "neurotypischen" Menschen etwas anders.
        Da ich in einem fast komplett autistischen Haushalt lebe liegt mein Fokus auf den unterschiedlichen Perspektiven, den unterschiedlichen Wahrnehmungen und Bedürfnissen, nie darin welche Wahrnehmung richtig ist, welches Bedürfnis "normal" ist.

        Mein Rat an dich: informiere dich sehr genau, such dir "Fachleute" sehr, sehr kritisch aus, halte deinen Sohn raus aus der Suche, er ist kein Objekt mit dem jeder mal eben seine Doktorspiele machen darf oder seine Theorien ausleben kann. Erst wenn du felsenfest überzeugt bist die richten Anlaufstellen gefunden zu haben, erst dann kommt dein Sohn mit. Keine Ersttermine mit dem Sohn im Schlepptau. Du musst in der Hinsicht der Anwalt deines Sohnes werden. Jede ungeeignete Therapie, Untersuchung usw. wird viel grösseren Schaden anrichten, als "nichts zu tun".

        Im Hinblick auf die baldige Einschulung wirst du geeignete Anlaufstellen finden müssen, auf Autismusfragen spezialisierte Stellen, aber bloss nichts überstürzen und dich auf Kompromisse einlassen, ländlich oder nicht. Lies dich in Ruhe ein in die Materie, zb. mit den Büchern von Tony Attwood. Mach dich fit indem du in Autismus-Foren tummelst, dort erfährst du auch welche Anlaufstellen Sinn ergeben und welche nicht, lieber würde ich einmal quer durch Deutschland fahren als mir mein Kind an ungeeigneten Orten verpfuschen zu lassen.

        Höre auf Bambuswald und suche dir professionelle Hilfe - egal wo du die in Deutschland findest.

        Alles kann, muss aber nicht sein. Wahrscheinlich ist dein Kind um einiges intelligenter als andere. Dann sollte es auch gefördert und durch seine Schreianfälle psychologisch betreut werden.

        Ob er nun Asperger hat, können nur Spezialisten beurteilen. Irgendwie erinnert mich dein Sohn an mich. Ich habe auch schon als kleines Kind gerne geordnet und habe Ordnung geliebt. Diese - wie du es nennst - Zwangshandlungen habe ich heute noch. Aber ich hatte nie Schreianfälle, sondern war eher ein ruhiges und schüchternes Kind. Daher meine ich, dass nur ein Spezialist wirklich abschätzen kann, was nur Ticks sind (so wie bei mir) oder wirklich Asperger/Autismus.

      • Der Kinderpsychologe scheint menschlich ein "feiner Kerl" zu sein, allerdings hat er nicht die nötige Qualifikation, da eine Diagnose zu stellen.

        Mit vier Jahren ist es mittlerweile ohne Probleme möglich, eine evtl. vorhandene Hochbegabung festzustellen.

        Evtl. findest Du hier ein paar hilfreiche Infos:

        http://www.fachportal-hochbegabung.de/bundeslaender/laenderdaten/ni/

        LG
        Tomm

        Tatsächlich testet man Autismus erst in der Grundschule! Klingt aber schon nach Autismus wie du es schilderst.

        Ich persönlich würde den KiGa wechseln! Unsere Maus hat nicht nur Verdacht auf Autismus, sondern ist stark entwicklungsverzögert und würde in normalen KiGas unglücklich werden! Sie ist nun bei Montessori angekommen und ist ausgeglichen wie nie. Konzept "Hilf es mir selbst zu tun". Kinder dürfen aus einer vorbereiteten Umgebung wählen, was sie machen wollen. Von Rechnen, Flaggen der Länder wählen, Logik usw bis mit Tüchern spielen, malen usw. Da ist für alle was dabei! Habe gesehen wie Autisten gefördert werden und dort spielen. Das ist kein Vergleich zu städtischen KiGas...

        Zur Einschulung kann ich dir leider nichts raten. Gehe dafür mal auf www.rehakids.de!

        Liebe Grüße

      • (7) 09.10.14 - 11:53

        Hallo,

        mein Vater hat das Asperger Syndrom- er arbeitet als Professor. Diagnostiziert wurde es erst vor ein paar Jahren- davor dachten wir eigentlich alle er wäre bloß etwas verschroben, halt zerstreut, interessiert sich bloss für Technik Kram und kann nicht soviel mit seinen Mitmenschen anfangen. Ist denn die Sprache deines Sohnes auffälig? Komisch und oft unpassend? Mein Vater drückt sich übertrieben gewählt aus und neigt dazu Monologe zu halten- er merkt auch nicht das er andere damit nervt.

        Habt ihr schon mal über eine integrative Kindergarteneinrichtung nachgedacht? Dort sind die Gruppen kleiner, ist vielleicht angenehmer für deinen Sohn. Falls er Kiga gar nicht möche würde ich ihn früh einschulen lassen. Er scheint ja relativ wissbegierig, da ist es ihm vielleicht nicht so langweilig. Mein Vater kommt auch nicht gut mit Unruhe zurecht- in der Schule geht es aber etwas gesitteter zu, als im Kiga.

        #winke

        • (8) 09.10.14 - 12:20

          Mein Vater war auch Asperger. Er dachte immer alle andern seien etwas verschroben ;-)

          • (9) 09.10.14 - 12:40

            #rofl Ja, alles abhängig von der Sichtweise.

            Mir hat das ziemlich geholfen, als ich von der Diagnose erfahren habe. Im Nachhinein hätte man da schon vorher drauf kommen können.

      (10) 09.10.14 - 20:48

      Danke für eure Antworten.

      Ich werde mich bemühen, einen neuen Psychologen bzw Therapeuten oder Spezialisten zu finden.

      #danke

      Hallo, bei uns in nrw gibt es autismusambulanzen. Vllt habt ihr solche in nds auch.

      Ansonsten koenntest du weitere infos und anlaufstellen ueber den schulpsychologischen beratungsdienst bekommen.

      Vg

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