Komme nicht damit klar, nicht studiert zu haben

    • (1) 14.10.14 - 11:51
      esistmalegal

      Hallo,

      ich möchte gern anonym schreiben.

      In letzter Zeit merke ich immer mehr, dass ich nciht damit klar komme, nicht studiert zu haben. Ich habe das Gymnasium 2 Jahre vor dem Abitur abgebrochen. Meine Noten waren, bis auf Mathe, durchschnittlich. In Mathe war ich schon seit der 8. Klasse sehr schlecht. Ich wäre aber nicht sitzen geblieben und hätte das mit anderen Fächern ausgleichen können.

      Damals war ich 17 und dachte mir: mache ich halt eine Ausbildung. Das Geld lockte auch und ein eigenes Auto. In der Berufsschule war ich dann richtig gut. Habe nach einem Jahr nochmal abbrechen wollen und hatte auch eine neue Ausbildungsstelle bei einer Bundesbehörde gefunden. Übernahme recht sicher. Aber die habe ich schnell wieder abgebrochen und meine Ausbildung fortgesetzt. Ich kam da einfach nicht klar. Langer Fahrtweg, Berufsschule weit weg, ich kannte niemanden usw.

      Dann lief erstmal alles super. Ausbildung, Job. Leider war ich zwischendrin mal arbeitslos. Aber auch das habe ich überwunden und dann war ich einige Jahre beim gleichen Chef. Verhältnismäßig gutes Geld verdient, wohnte zu Hause, hatte ein großes Auto, ging jeden Samstag in die Stadt bummeln.

      Dann kam das erste Kind, ich ging halbtags arbeiten. Dann schnell das zweite Kind und dann konnte ich aus gesundheitlichen Gründen zunächst nach der Elternzeit nicht wieder arbeiten. Nun bin ich seit 3.5 Jahren zu Hause. Bekomme zwar noch ALG I. Aber das läuft ja auch irgendwann aus.

      Ich komme mir schlecht vor. Ich lerne immer mehr Leute kennen, auch im Kindergarten, die studiert haben. Oder sogar promoviert. Ich könnte heulen. Ich sehe mich inzwischen total am Abgrund. Ich habe inzwischen auch einige Bewerbungen geschrieben. Aber (sicher auch wegen der kleinen Kinder - die Lücke im Lebenslauf habe ich mit Elternzeit kaschiert) nur Absagen bisher bekommen.

      Ich habe Angst, dass ich nie wieder im Büro was finde. Und nur noch putzen gehen kann. Dabei habe ich fünf Jahre Ausbildung hinter mir.

      Aber Bürostellen halbtags vormittags (anders geht es nicht), gibt es quasi nicht. Und wenn, kommen darauf sicher hunderte von Bewerbungen.

      Inzwischen denke ich über Umschulung nach. Altenpflege. Da würde man immer einen Job finden. Evtl. auch kombinierbar mit Kindern/Schichtdienst beim Mann. Aber ich bin nicht so belastbar, habe es jetzt schon mit dem Rücken und dem Nacken oft ganz schlimm. Und reich wird man damit auch nicht. Ich mag sehr gerne alte Leute und komme gut mit ihnen klar. Aber mit schlechten Bedingungen in einem Heim würde ich auch nicht klar kommen.

      Wobei ich denke, dass ich die 1jährige Ausbildung neben den Kindern von der Theorie hier locker schaffen würde. Habe ja schon 5 Jahre Ausbildung hinter mir (im juristichen Bereich).

      Immer wenn ich Leute kennenlerene, speziell Frauen, die studiert haben, bin ich traurig. Ich könnte heulen, dass ich im Vergleich zu ihnen ein Nichts bin. Dabei weiß ich noch nicht mal, was ich gerne studiert hätten. Apothekerin wollte ich früher immer werden. Aber Naturwissenschaften lagen mir in der Schule ja gar nicht so sehr. Grundschullehramt vielleicht oder evtl. sogar Jura.

      Aber nun ist es zu spät. Abitur und studieren mit kleinen Kindern und ohne Betreuung für ist, ist reine Utopie.

      Ich komme nicht damit klar, immer eine "kleine Tippse" zu bleiben. Das geldliche ist natürlich auch Thema.

      Andere können sich schicke Dinge leisten. Häuser, Urlaube, neue Autos. Teure Klamotten usw. Eben weil sie studiert haben.

      Mein Mann ist Fabrikarbeiter. Da sind keine großen Sprünge drin. Wenngleich er noch einigermaßen verdient im Vergleich zu anderen Fabriken.

      Aber das war´s dann quasi mit Anfang 30. Ich habe einfach nur Zukunftsangst und ich schäme mich teilweise sogar. Wobei es schließlich andere Leute gibt, die mit Sicherheit gar nicht oder weniger ausgebildet sind als ich.

      Wenn andere Mütter mich im Kindergarten fragen, was ich arbeite, schäme ich mich zu sagen, dass ich Hausfrau bin zur Zeit. Wobei man sich ja eigentlich nicht dafür schämen braucht und ich im Gegensatz zu ihnen vom Zeitfaktor und vom Streßfaktor her ja Vorteile habe. Ich kann länger schlafen, morgens in Ruhe den Haushalt machen und kann am Nachmittag für die Kinder da sein.

      Aber das geldliche und die Anerkennung fehlen. Vielleicht kann mich ja hier jemand verstehen. Wenn ich bei meinem Mann damit anfange, wird er wütend und sagt, dass er nicht mehr als arbeiten kann und dass er eben nur ein Arbeiter ist. Dann hätte ich mir einen reichen Mann suchen sollen. :-(

      • Mache einen Termin bei der Arbeitsagentur zur Weiterbildungs -bzw. Studiumberatung.

        Die können dir Möglichkeiten aufzeigen und dich unterstützen.

        Wenn du Anfang 30 bist, hast du noch über 30 Jahre zu arbeiten. Und in dieser Zeit kannst du noch einiges machen..... auch mit Kindern.

        • Ich befürchte, dort wird sie nicht weiterkommen. Die Berufsberatung berät nur bis zum vollendeten 25. Lebensjahr.

          Möglicherweise kann im Rahmen der Arbeitsvermittlung eine bestimmte Fort- oder Weiterbildung empfohlen werden, aber ob die Möglichkeit einer Kostenübernahme besteht ist unklar. Das ist aus der Ferne nicht zu sagen.

          Kommt denn ein Studium noch immer in Frage? Abhängig von Wohnort und Studienrichtung ist nicht zwingend Abitur Voraussetzung. Ich würde mich vor Ort beraten lassen, wie es mit der Hochschulzugangsberechtigung ausschaut.

          Ich habe auch ohne Abitur studiert. Ich musste lediglich eine Prüfung ablegen.

          http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/

          Natürlich sollte man sich erstmal darüber klar werden, was man eigentlich machen will.

          VG, Goldie

          • Sie hat viele Möglichkeiten.

            Weiterbildungen, Abi nachholen, Studium ohne Abi, Fernstudium, Hochschulstudium etc. pp.

            Die Agentur für Arbeit kann ihr Adressen und Auskunft über Unterstützung, oder Bafög geben. Online kann sie natürlich auch Info`s einholen.

            Allerdings habe ich immer lieber einen persönlichen Ansprechpartner, an den ich mich wenden und Fragen stellen kann. Das kann sie machen, wie sie will.

            <<<Die Berufsberatung berät nur bis zum vollendeten 25. Lebensjahr.>>>

            Wie kommst du darauf?

      (9) 14.10.14 - 12:28

      Ich sehe bei dir nicht, das der zug schon abgefahren ist. Heutzutage gibt es viele hochschulen die fernstudium anbieten. Wenn du eh zuhause bist, dann hast du jetzt die gelegenheit zu studieren. der anspruch ist meist geringer als im präsensstudium, kannst dir deine lernzeiten einteilen und ab 30 bist du auch nicht zu alt. Oft brauchst du dafür kein abi, sofern du ausbildung hast und berufserfahrung.

      Also google mal gründlich und los gehts mit deinem studium!

      Hallo,

      Du bemitleidest dich ein wenig zu viel, nimm's mir nicht über das meine ich nicht böse, aber es tut dir nicht gut.

      Ja, manchmal geht es mir auch so weil ich vieles versaut habe in meinem Leben,aber es nützt nichts.
      Die Gedanken an "was hätte werden können" haben mich bloß schwer depressiv gemacht und habe ich hinter mir.
      Das was JETZT ist zählt und was ich daraus machen kann...
      Ich werde selbst auch nochmal umschulen müssen, mein Kleinster wird grad in der Kita eingewöhnt.
      Danach werde ich mir neue Möglichkeiten und Perspektiven überlegen was möglich ist,schwer arbeiten geht bei mir ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.

      Es ist nie zu spät was aus sich zu machen.
      Ich hab an der Abendschule damals viele kennengelernt zwischen 20 und 40 Jahren die von Hauptschule bis Abi alles nachgeholt haben und jetzt noch viel aus sich machen.
      Die Tagesmutter meiner Schwester damals hat mit Mitte 30 nochmal angefangen zu studieren, es ist alles nur eine Frage der Organisation.
      Nur eben vom jammern wird es nicht besser ;-)

      Achja...allerdings macht mich das "nur" Hausfrau sein auch mürbe im Kopf und ich muss regelmäßig aufpassen nicht im Selbstmitleid zu versumpfen.
      Ich bin zwar mit 3 Kindern und einen davon Autist völlig ausgelastet, aber es fordert eben geistig nicht und das schlägt sich absolut auf die Stimmung aus.
      Daher verstehe ich das schon... Nur such dir konkrete neue Ziele und verfolge diese.
      Ich schätze dein Mann empfindet derzeit dein Gerede einfach als Druck auf ihm, meinem geht es manchmal auch so, obwohl er recht gut verdient.

      LG

      Ich kann Dich verstehen, allerdings habe ich auch ein wenig den Verdacht, dass es nichts mit einem fehlenden Studienabschluss zu tun hat, dass Du ein geringes Selbstwertgefühl hast.

      Dir fehlt offensichtlich Anerkennung, Du schreibst es ja auch selbst. Engagiere Dich in einem Verein, arbeite ehrenamtlich, mach Kurse, vielleicht eine Weiterbildung, such Dir einen Minijob- egal was, aber komm unter Menschen und tue etwas dafür, dass es Dir besser geht.

      Lass Dich beraten wie es beruflich weitergehen kann. Denke intensiv darüber nach, was Dir Freude machen würde und prüfe dann, ob und wie dieses Ziel zu realisieren ist.

      Alles Gute!

      Also, ich kann dich in einem trösten. Ich habe studiert, und bin dennoch momentan nur ein Tipse, weil ich in meinem Bereich einfach nichts finde. Geisteswissenschaften sind nicht immer so einfach #augen

      Hallo,

      es ist nie zu spät für einen neuen Weg! *sing* ;-)

      Nein, im Ernst, lass Dich doch mal beraten.
      Eine Weiterbildung ist oft sinnvoll.

      Mein Mann hat zuerst "nur" einen handwerklichen Beruf gelernt, dann hat er seinen Gesellen gemacht, dann den Meister.
      Aber es hat ihm (mit Ende 20) auch nicht mehr wirklich genügt.

      Also hat er erst den Betriebswirt gemacht + Abi nachgeholt, und dann mit einer Fernakademie seinen Diplomkaufmann gemacht.

      Während dieser Zeit hat er im Rettungsdienst gearbeitet und dann noch einige Jahre in seinem erlernten Beruf, um finanziell unabhängig zu sein.

      Es war ein hartes Stück Arbeit, aber er bereut es heute keinen Millimeter.

      Du kannst Dich ja mal schlau machen, wie es steht in puncto "Abitur nachholen".
      Und dann vielleicht auch ein Fernstudium dranhängen?

      Und bitte: vergleiche Dich nicht zu viel mit anderen und ziehe Dich selber nicht so stark runter.

      LG

      Mein Mann hat auch "nur" einen 10. Klasse-Abschluss und eine Ausbildung. Da er sich aber schon immer für die EDV interessiert hat, hat er sich ständig selbst weitergebildet und irgendwann in seiner Firma diesen Bereich übernommen. Mit Anfang 30 hat er sich jedes Wochenende noch einmal auf die Schulbank gesetzt - neben einem Fulltime-Job, 4 Jahre lang. Hat neben dem zusätzlichen Berufsabschluss auch noch Fach-Abi gemacht.

      In dieser Schule gab es noch viele andere, die in der EDV oder auch im BWL-Bereich einen Abschluss nachgeholt haben - alles Leute Ende 20 bis Anfang 40.

      Sowas könnte es doch auch bei dir geben. Informiere dich in Berufsschulen oder beim Arbeitsamt. Manchmal gibt es sogar finanzielle Unterstützung.

      Was Altenpflege anbetrifft: Da solltest du dich richtig informieren. Es gibt den normalen Altenpfleger und Altenpflegehelfer. Da gibt es große Unterschiede im Berufsbild, entsprechend auch große Unterschiede bei Berufschancen und Geld. Meine Schwester hat in deinem Alter (als Alleinerziehende) auch noch einer weitere Schule absolviert, damit sie in der Pflegedienstleitung arbeiten kann. Das heißt nicht nur körperliche Arbeit, sondern vor allem auch eine leitende Position mit viel Büroarbeit. So kann also auch gehen.

      (15) 14.10.14 - 13:25

      Hallo,

      Ich habe studiert- aber die gleichen Probleme wie du. Ich bin mit meiner beruflichen Situation sehr unzufrieden, aber ich war froh Monate nach Ende des Studiums überhaupt eine Stelle gefunden zu haben. Eigentlich bin ich für die komplett überqualifiziert, aber eine andere Stelle zu finden ist nicht einfach. Ich habe hier Familie und bin mittlerweile auch Mutter- besonders flexibel bin ich daher nicht. #schwitz Oft hab ich Komplexe, weil ich trotz Studiums beruflich nicht viel erreicht habe. Mir ist dann vor anderen unangenehm was ich genau beruflich mache und ich antworte darauf ausweichend und wage. Ich habe auch ein schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber, weil die mein Studium finanziert haben.

      Ein Studium ist heute längst keine Garantie mehr für Erfolg ich bin kein Einzelfall. Du weißt nicht ob alle Akademiker die du beneidest wirklich ein besseres Leben führen. Oft ist das auch mehr Schein als Sein. Jura kann ich übrigens wirklich nicht empfehlen-bin Juristin

      Dir alles Gute#winke

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