Kann ein Mensch sich grundlegend ändern?

    • (1) 10.11.14 - 01:08
      schöne.neue.welt

      Hallo.

      Meine Frage steht ja eigentlich oben.

      Ich erläutere trotzdem kurz worum es geht, damit ihr einen Kontext habt:

      Mein Partner und ich sind bereits einige Jahre zusammen und haben eine kleine Tochter.

      Ich hätte noch vor ein paar Wochen ohne mit der Wimper zu zucken behauptet, ihn gut zu kennen. Denn im Laufe des zusammen-seins "gestand" er mir einige seiner "Jugendsünden".

      Die haben mich gelegentlich wirklich schockiert. Zum Beispiel jemanden mit einer Waffe bedroht, Einbruchdiebstahl usw. Da das allerdings 20 Jahre her war und ich ihn als komplett anderen Menschen kennen gelernt habe (damals war er den Drogen verfallen, jetzt ist er seit fast 10 Jahren clean und komplett abstinent), war es für mich doch kein Thema mehr.

      Heute hatte er mir wieder etwas erzählt. Das liegt allerdings NOCH weiter zurück, lt. seiner Aussage war er dort 11 oder 12 (er ist jetzt 36).

      Da hätten er und weitere, ältere Freunde ein gleichaltriges Mädchen gegen ihren Willen ausgezogen. Dabei blieb es aber.

      Versteht mich nicht falsch. Mein Partner ist der liebevollste Mensch den ich kenne und genau das mag ich so sehr an ihm. Er bringt mich zum lachen und ich fühlte mich vom ersten Tag an geborgen bei ihm.

      Natürlich habe ich ihm von meiner Verwirrung bzgl. Seiner Erzählungen erzählt, da es eben im totalen Gegensatz zu dem steht, wie ich ihn erlebe. Er meint, es ist einfach viel schief gelaufen und durch seine Abstinenz ist er ruhiger und überlegter geworden.

      Ich war immer der Überzeugung, ein Mensch könne sich nicht ändern.

      Allerdings wird mir hier grad das Gegenteil bewiesen, oder? Es stimmt mich einfach nachdenklich.

      Denkt ihr, ein Mensch kann sich wirklich nach Jahrzehnten grundsätzlich ändern, auch wenn er schlechte Dinge getan hat?

      Gruss

      • (2) 10.11.14 - 05:56

        Hallo,

        Ja das denke ich allerdings.
        Er war jung da macht man einigen mist mit, manche mehr manche weniger. Sei froh das er sich so zum positiven geändert hat.

        Ich habe auch viel mist gemacht, nicht so krasse Sachen, aber Drogen waren auch im Spiel. Bin von Zuhause abgehauen, habe nur Partys gefeiert und wusste teilweise nicht wo ich schlafen sollte, hatte viele falsche Freunde und habe mich um garnichts gekümmert.

        Bis ich dann unerwartet schwanger geworden bin. Heute wohne ich mit meiner Maus in einer kleinen Wohnung, mache eine neue Ausbildung und habe alles im Griff. Ich bin auch viel ruhiger geworden.

        Im Alter wird man sowieso meist ruhiger und überlegter. Wie gesagt sei froh das er den weg nicht weiter gegangen ist und ruhiger geworden ist. Ich glaube auch nicht das man sich zwingend ändert, sondern einfach nur erwachsen wird.

        Ja, ein Mensch kann sich ändern.

        Ich bin heute auch ganz anders als früher. Noch bis 20 war ich faul, schüchtern, hatte wenig Selbstbewusstsein. Heute ärgere ich mich über meine damalige Faulheit, schmunzel über mein Schüchternsein und frage mich noch heute, wo auf einmal mein Selbstbewusstsein hergekommen ist.

        Gerade in der Zeit von der Jugend zum Erwachsen werden, kann sich ein Mensch komplett ändern. Ich finde das ganz normal.

        Er war noch nicht mal strafmündig, aus gutem Grund. Da würde ich nicht von "sich grundlegend ändern" reden, sondern von "erwachsen werden".

      • Mein Mann hat auch so einiges auf dem Kerbholz. Auch in seiner Kindheit und Jugend ist einiges schiefgelaufen. Ich kenn all das auch nur aus Erzählungen und es passt so gar nicht zu dem Menschen, den ich heute kenne.

        Er sagt, dass all das zu ihm gehört und dass er deswegen heute der Mensch ist, der er ist. Und er ist ein wirklich toller Mensch.

        LG
        Sabine

        Ja, Menschen können sich ändern. Ich kenne einige Beispiele die das eindrucksvoll beweisen. Mein Freund war als Jugendlicher auch ziemlich schlimm drauf und inzwischen würde ich ihn als einen der friedvollsten Menschen beschreiben die ich kenne. Und bei ihm liegt das noch nichtmal so lange zurück. Trotzdem hat er sein Leben komplett geändert und er ist nicht mehr der Mensch der er noch vor 8 Jahren war. Und DAS zählt für mich. Nicht das was mal war.

      • Ich würde auch eine Trennung von Jugendalter und Erwachsensein vornehmen. Aber was
        wohl immer bleibt sind psychische Anlagen, die sich unter bestimmten Bedingungen aus-
        prägen bzw. ausbrechen.
        Die bestimmende Grundstruktur eines Menschen ändert sich nicht d.h ist Jemand zum größten
        Teil: Ängstlich, oder Penibel, oder Abenteuerlustig, oder Gewalttätig usw. dann bleibt er das.
        In deinem Fall ist dein Mann wohl einem Gruppenzwang unterlegen bzw. die Dinge die dich
        da alarmieren bestimmen NICHT! sein Grundwesen........alles gut.
        Womit du dich abfinden musst ist, daß wohl das fast Jeder einige dunkle Geschichten hat, aber
        nur Ganz Wenige lassen diese mal raus.

        Nein, Menschen ändern sich nicht. Zumindest nicht grundlegend. Die Basisanlagen sind da.

        Aber es geht ja hier nicht so sehr um Veränderung (im Sinne, dass jemand von einem Charakter zu einem anderen Charakter wechselt) als um Entwicklung. All die Dinge spielten sich ab, als Dein Partner noch Kind oder Jugendlicher war.

        Das sind bekanntermaßen noch einige Synapsen nicht geschlossen und komplette Hirnareale noch Baustellen. Das kann bis Ende 20 dauern, bis sich das Gehirn mit all seinen Funktionalitäten, inkl. Hormonausschüttung und -steuerung und emotionaler Entwicklung, in vollständiger Einsatzbereitschaft befindet.

        Vier 12-jährige, die ein Mädchen dazu nötigen, sich zu entkleiden, sind anders zu bewerten als vier 40-jährige, die das Gleiche machen.

        Gerade deswegen gibt es auch im deutschen Strafrecht das Jugendstrafrecht. Dort berücksichtigt man eben, dass man es mit Menschen in Entwicklung zu tun hat, geistig noch nicht reif, unfertig eben.

        Von daher kann man durchaus von Jugendsünden sprechen bei Deinen Aufzählungen.

        Ich frage mich, warum er Dir das alles erzählt/"gesteht"? Also wir haben ein wirklich offenes Verhältnis in unserer Partnerschaft, aber es gibt Dinge - und das wäre so eine Geschichte - die erzähl ich doch meiner Frau nicht, warum auch?
        Hat er keinen Kumpel/Friseur...?
        Du kennst ihn so wie er ist und das ist gut so, wer wärmt denn solche Geschichten auf? #zitter
        Ach und zu Deiner Frage... Menschen ändern Verhaltensweisen, weil sie daraus oder dazu lernen und entwickeln sich weiter, Gott sei Dank, es gibt auch welche, die das nicht tun, das ist dann weniger schön, aber Menschen sind vom Wesen her wie sie sind und so bleiben sie auch.

        Wenn man von der Kinder- und Jugendzeit ausgeht: ja, da wird der Mensch eben erwachsen und ändert sich nochmal.

        Wenn jemand schon jahrelang als Erwachsener in eingefahrenen Strukturen steckt, wird das deutlich schwiieriger und es setzt Einsicht und harte Arbeit voraus. Das nimmt kaum jemand auf sich.

        Ja, ein Mensch kann sich grundlegend ändern. Sogar mehrmals.

        Da fällt mir der Joschka Fischer ein.

        Oft sind es neue Lebensumstände, die eine Veränderung des Menschen bewirken. Dazu gehört eine beglückend Partnerschaft oder ein gutes Vorbild.

        Ein Mann wird, wenn überhaupt, erst mit 30 Jahren erwachsen.

        • Ich glaube nicht, dass sich Herr Fischer grundlegend geändert hat.

          Er war immer schon jemand, der seine Ziele durchsetzen wollte, er wollte Wortführer sein, hat sich in der Rolle des Alpha-Tiers gesehen. Nur die Methoden zur Umsetzung seiner Ziele haben sich geändert sowie der Zugewinn neuer Erkenntnisse und die Erweiterung der Erfahrungen. Früher hat er Steine geworfen, heute macht er das mit Worten. In der weisen Erkenntnis, dass das Wort mehr Gewicht hat als ein Pflasterstein.

          Die Grundlagen eines Charakters bleiben. Aus einem schüchternen oder introvertiert veranlagten Menschen wir nie eine Rampensau. Und selbst wenn dieser Mensch beruflich später Vorträge halten muss oder Präsentationen, er wird auch bei der x-ten Präsentation ein höllisches Lampenfieber verspüren. Aber dieser Mensch hat gelernt, sein Verhalten anzupassen und seine Scheu zu verbergen, hat Methoden und Strategien entwickelt, Situationen zu meistern, die eigentlich seinem Wesen nicht entsprechen.

          Da es bei der TE und ihrem Mann aber um Verhalten geht und nicht um sein Wesen und seinen Charakter, gebe ich Dir recht, das sich das ändert im Laufe der Jahre und der unterschiedlichen Lebensabschnitte .....und das sogar mehrfach.

          (13) 10.11.14 - 14:56

          "Oft sind es neue Lebensumstände, die eine Veränderung des Menschen bewirken. Dazu gehört eine beglückend Partnerschaft oder ein gutes Vorbild."

          Das hat der gute Herr Fischer mindestens fünf mal geschafft. Wobei seine aktuelle Beglückung 2 beeindruckende Persönlichkeiten hat.

          http://img.welt.de/img/lifestyle/crop100299739/2370712852-ci3x2l-w580-aoriginal-h386-l0/minu-dekollete-DW-Lifestyle-Berlin.jpg

      Nein! Ein Mensch kann sich nicht grundlegend ändern.

      Aber er kann aus erlebten Erfahrungen sammeln, die Konsequenzen daraus abwägen, dem ganzen einen moralischen Wert geben und für sich entscheiden "Find ich gut, mach ich weiter" oder "war ne Scheißidee, das lass ich bleiben". Das wird viel von der anerzogenen, beigebrachten und gesehenen Moral beeinflusst. Zu unterscheiden was "Richtig" und was "Falsch" ist. Das Moralempfinden kann sich im Laufe der Jahre ändern....
      Beispiel:

      früher war Saufen und Weiber angrabschen geil, die Konsequenzen waren es wert. Heute macht das Saufen Kopfschmerzen und die Frauen würden einen Anzeigen - blöd!

      Trotzdem würde man den Gedanken daran noch haben.... ihn nur nicht mehr umsetzen.

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