Partner hat Burnout, will es sich aber nicht eingestehen

    • (1) 18.11.14 - 07:39
      wiesollsnurweitergehen

      Hallo alle zusammen.

      Ich mache mir unheimliche Sorgen um meinen Mann.

      In den letzten Jahren arbeitete er immer mehr, immer länger. Er arbeitet im Nachtdienst und körperlich sehr anstrengend. Ich habe ihn immer unterstützt und ihm den Rücken frei gehalten, aber langsam bin auch ich am ende meiner Kräfte und meines Lateins. Wir haben ein Kind und erwarten das zweite, stehen kurz vorm Umzug. Natürlich ist das stressig, für uns beide, aber mein Mann kann oder will sich einfach nicht eingestehen, dass er völlig ausgelaugt ist.

      Mal ein kurzer Einblick:

      Er ist total gereizt. Ein vernünftiges Gespräch ist nicht mehr möglich, völlig egal, welches Thema, zu welcher Zeit.

      In seiner Freizeit kann er sich zu nichts mehr aufraffen. Wenn er sich eine anständige Hose anzieht, kann ich schon froh sein.
      Alles ist ihm egal. Ob Schwangerschaftsvorsorge, Probleme oder sonstiges, er winkt nur ab.

      Ich habe schon oft versucht mit ihm zu sprechen, aber er ist so uneinsichtig. Sagt, dass er nicht weniger arbeiten kann und er hätte keine Probleme, nur ein bisschen Stress. Ich habe solche Angst um ihn! Er will sich einfach nicht helfen lassen.

      Langsam weiß ich nicht, ob wir wirklich umziehen sollten, oder ob ich mir mit den Kindern lieber erst mal etwas eigenes suchen soll. Ich will ihn doch nicht hängen lassen, aber im Moment weiß ich einfach nicht, was ich noch tun soll.

      Hat jemand von euch Erfahrungen in der Hinsicht?

      Traurige Grüße..

      • Wurde bei deinem Mann denn schon Burnout diagnostiziert oder ist das eine Selbsteinschätzung deinerseits? Viel arbeiten plus gereizt sein und Desinteresse an familiären Belangen muss nicht immer zwangsläufig ein Burnout sein. Es kann tatsächlich "einfach nur Stress" dahinter stecken, aber auch depressive Erkrankungen - der Übergang ist oft fließend.

        Bei einem echten Burnout bekommt die Umwelt sogar oftmals bis zum Zusammenbruch der Person gar nichts mit oder merkt es erst, wenn die Person nicht mehr "funktioniert".

        Ich würde an deiner Stelle vielleicht nicht gleich den Trennungsgedanken in den Raum stellen, es sei denn, du beabsichtigst tatsächlich eine Trennung. Vielleicht hast du die Möglichkeit, euer Kind mal in Betreuung zu geben und mit einer weiteren Vertrauensperson deines Mannes das Gespräch mit ihm zu suchen? Eventuell kann es ihm helfen, wenn er merkt, dass sein Verhalten auch anderen Menschen auffällt, die ihm wichtig sind.

        Leider kannst du ihn nicht zwingen, weniger zu arbeiten oder zu einem Arzt zu gehen. Das Gespräch zu suchen wird der einzig sinnvolle Weg sein. Hinsichtlich der Mehrarbeit, die dein Mann leistet, könnten Gewerkschaft oder Betriebsrat gute Ansprechpartner sein. Aber selbst dort muss dein Mann tätig werden und nicht du.

        Hallo!

        Auch von mir die Frage: wurde bei Deinem Partner bereits ein BurnOut diagnostiziert oder nennst Du seine Verfassung nur selbst so?

        So wie ich Deinen Text lese, steht Dein Mann sehr unter Druck, was bei seinem Pensum (Job, bevorstehender Umzug, zweites Kind) kein Wunder ist.

        Dein Mann ist gereizt, antriebslos in seiner Freizeit, lässt sich hängen, wenn er nicht funktionieren muss - das ist anstrengend als Partnerin, man kann es aber auch als eine Art Selbstschutz sehen, eben NICHT in die Depression abzurutschen, sondern sich die Probleme und Anforderungen vom Hals zu halten, die gerade nicht absolut notwendig sind. Denn - wie meine Vorschreiberin schon schrieb - beim klassischen BurnOut funktioniert man oftmals bis zum Schluss und genau deswegen kommt es dann zum Zusammenbruch. Das ist bei Deinem Mann nicht der Fall - er funktioniert eben nur selektiv, was ein Vorteil für seine Gesundheit sein kann.

        Das hilft Dir jetzt konkret nicht weiter, weiß ich wohl, aber vielleicht dient es Dir als Anstoß, als Trost und als Motivation, diese Phase durchzuhalten.

        Frag ihn, wo er Entlastung braucht. Was er in seiner Freizeit tun möchte. Sag ihm, was DU tun möchtest und dann verabredet Euch. Wenn er sagt, an einem freien Tag möchte er ungeduscht mit Jogginghose auf der Couch sitzen, dann lass ihn und mach in der Zeit etwas anderes. Es ist sein freier Tag, da darf er das. So in etwa. Ich glaube, vorerst braucht der Mann keinen Experten, sondern einfach etwas Ruhe.

        Und ja, ich habe Erfahrungen mit solchen Situationen. Ich stecke gerade mitten drin. Wenn auch ohne Schwangerschaft und Umzug, aber den Rest kenne ich.

        Viele Grüße!

        Viel Arbeiten und ein bevorstehender Umzug sind für jeden Stress.
        Da ist es doch kein Wunder, dass er keinen Kopf hat, sich gedanklich mit den Schwangerschaftsvorsorgen zu befassen. Wozu auch, wenn da nichts problematisches Auftritt? Oder auch sonstige Alltagsproblemchen....er blendet halt aus und konzentriert sich auf das für ihn zur Zeit wichtige.

        Und seine Freizeit nutzt er dann halt auch einfach als solche, in dem er nichts tut.

        Wie würdest Du ihm denn helfen wollen?
        Sein Pensum auf der Arbeit kannst Du nicht für ihn runterschrauben und mit weiterem Zuwachs wird das Geld vermutlich auch nicht ganz unwichtig sein.
        Seht halt zu, dass der Umzug schnell über die Bühne ist und er wieder einen Gang runter schrauben kann.

        Hat er dann immernoch zu nichts Lust und ist weiter gereizt, könnt ihr immernoch weiter sehen.

        Das letzte, was ich in stressigen Situationen gebrauchen könnte, wer jemand, der ständig hinter mit herrennnt und mit mir reden will.

        Dein Mann weiß sicher, dass er augelaugt ist. Nützt aber auch nichts, irgendwie müßt ihr ja jetzt da durch kommen und es wird ja auch wieder ruhigere Phasen geben.

      • Ihr seid momentan in einer besonders stressigen Situation. Ihr habt ein kleines Kind, ein zweites kommt bald dazu, ein Umzug steht mit all dem Stress und den vermutlich wachsenden finanzielen Belastungen an.

        Dein Mann hat sicher das Gefühl, das alles nicht bewältigen zu können. Oft hängt ein großer Teil der finanziellen Verantwortung am Vater, besonders wenn du wieder schwanger bist und sicher zumindest teilweise ausfällst. Das kann schon so belastend sein, das es einen lähmt. Und ich glaube, in eurer Situation kann manschnell mal gestresst und ausgelaugt sein, das ist irgendwo durchaus normal und muss noch lange kein Burn out sein.

        Völlig falsch wäre es meiner Meinung nach jetzt alles hinzuschmeißen und alleine auszuziehen. Eine Ehe sollte eigentlich auch schwierige Phasen überdauern können, ohne das einer gleich aufgibt und das Weite sucht.

        Dein Mann braucht offensichtlich Zeit um sich auszuruhen. Dann gib ihm die auch. Nimm euer Kind und unternimm am Wochenende alleine etwas mit ihm, und wenn ihr nur Freunde besucht oder auf den Spielplatz geht.

        Belaste ihn nicht zuzätzlich mit Dingen wie Schwangerschaftsvorsorge, da brauchst du ihn nun wirklich nicht.
        Versuche den Umzug, so gut es geht, ohne ihn zu organisieren, wenigsten den Kleinkram
        Und habe Verständnis, dass er gerade jetzt ganz sicher nicht seine Arbeit reduzieren wird. Mach ihm das nicht zum Vorwurf. Dein Mann sieht sich als Hauptversorger der Familie. Bald muss er zusätzlich für ein weiteres Kind sorgen und die neue Wohnung wird doch wohl kaum preiswerter sein als die jetzige. Er macht sich da sicherlich Sorgen und würde es vermutlich schon aus Existenzangst nicht wagen, weniger zu arbeiten. Und er macht das ja vorallem für euch.

        Wenn das Kind erstmal da ist, der Umzug geschafft ist und euer Leben wieder halbwegs geregelt läuft, wird sich sicherlich einiges bessern. Dann könnt ihr auch in Ruhe überlegen, was ihr an eurem Leben ändern könnt, wie ihr den Stress reduzieren könnt.
        Aber jetzt müsst ihr beide da erstmal durch.

        .

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