Neue Liebe "Quartalstrinker" in Therapie

    • (1) 12.12.14 - 22:17

      Guten Abend,
      ich habe einen Mann kennengelernt, es sind erst ein paar Wochen, wir sind uns vom Herzen her ziemlich nahe gekommen.

      Heute habe ich erfahren, dass er Quartalstrinker ist und gerade eine Therapie macht.

      Ist eine "neue Liebe" während einer solchen Therapie überhaupt gut, oder sollte er lieber allein sein? Liebe bringt ja auch Herzschmerz, von daher Rückfall eher... andererseits auch Grund nach vorn zu blicken.

      Ich überlege ihm zu sagen, dass für mich nur eine Freundschaft in Frage kommt und wir nach längerer Zeit schauen können ob daraus eine Beziehung wird.

      Wir haben uns Hals über Kopf verliebt, das heißt ich müsste harte Grenzen ziehen, meine Gefühle ausklammern.
      Am Liebsten würd ich ihn in die Arme nehmen und sagen komm wir schaffen dass... nur weiß ich dass es damit nicht getan ist und ich ihm ein Versprechen gebe, was ich vielleicht nicht halten kann, ich weiß nicht ob ich zu ihm stehen kann, denn ich weiß nicht was es bedeutet, es könnte Rückfälle geben etc. und ob ich ihm überhaupt damit einen Gefallen tue. Also ob es nicht besser wäre zu sagen, wenn du das hinbekommst, dann können wir eine Beziehung haben.
      Nur wann hat er "es hinbekommen", welche Zeit setzt man dafür. Und was wenn ich mich in ein paar Wochen/Monaten aus anderen Gründen gegen eine Beziehung entscheide, ich kann es ja nicht als "Belohnung" versprechen, treib ich ihn in den nächsten Rückfall aus Kummer?

      Er ist ein starker Mann, der wirklich Schlimmes durch gemacht hat, wo viele andere aufgegeben hätten. Er war ein leidenschaftlicher Sportler, sitzt jetzt im Rollstuhl, hat aber nicht aufgegeben und sein Leben in den Griff bekommen. Er hält seine Wohnung top in Schuß, hat sein eigenes Geschäft wo er auch körperlich arbeitet trotz allem und vor allem hat er eine ansteckende Lebensfreude, läßt sich einfach nicht unterkriegen. Zumindest glaubte ich das bisher und bewundere das an ihm.
      Das er eine Therapie macht zeigt dass er kämpfen will.

      Bevor ihr mich warnt was die Zukunft betreffen könnte - zusammen ziehen kommt nicht in Frage aus anderen Gründen, es wäre eine Art Fernbeziehung, womit wir beide leben können. Also mein Kind läuft nicht Gefahr mit einem Alkoholiker aufzuwachsen.

      Ich weiß nicht was ich machen soll. Habe Gefühle für ihn. Habe das heute erfahren und überlege wie es weitergeht.

      Danke fürs Lesen und Antworten.#winke

      • (2) 12.12.14 - 23:04

        Hallo,

        ich glaube, dass eine Beziehung nicht abträglich für seine Therapie ist. Herzschmerz tritt immer erst in unsicheren Phasen auf. Z.B. wenn jemand in der Nähe ist, der nicht abschließend "ja" sagen kann. (Das was du vor hast.)

        Ich kann deine Bedenken jedoch verstehen! So aus so aus der Ferne betrachtet: Jeder hat so sein Päckchen dabei. Und er hat ein schweres. Jedoch arbeitet er dran.

        Ich würde die Fernbeziehung ergebnisoffen beginnen!

        LG

        • (3) 13.12.14 - 20:15

          Was du schreibst hat mich zum nachdenken gebraucht. Ja wenn ich ihn freundschaftlich quasi "warm halte" ist das ja ne Qual auf Raten, wenn er sich wirklich verliebt hat... und bestimmt nicht gut für die Therapie.
          Habe das selbst mal erlebt in einer vorherigen Beziehung, diese Hoffen, konnte mir da nicht das Rauchen abgewöhnen und das ist sicher leichter...

          Es wird das beste sein, alles zu beenden, den Kontakt.
          Auch wenns schwer fällt. War endlich mal einer mit dem ich auf einer Wellenlänge war, aber nun das.
          Ich möcht so gerne für ihn da sein, aber es geht nicht, es würde über meine Kräfte gehen und ihm eher schaden.

          Danke für deine Gedanken dazu.

      (4) 12.12.14 - 23:04

      Ich schlage vor: er/oder du meldet sich NACH der Therapie wieder. Alles andere - riecht nach - Problem - und ich sehe da mehrere - Suchtproblematik, körperl. Behinderung. Auch wenn sich das jetzt vielleicht gemein anhört - Helfersyndrom hast du nicht zufällig?

      • (5) 13.12.14 - 20:38

        Ja das klingt vernünftig. Könnte ihm vorschlagen, dass er sich in einem Jahr bei mir meldet, wenn er bis dahin trocken bleibt und die Therapie durchzieht. Und dann kann man ja weitersehen.

        Meint ihr ein Jahr ist ne vernünftige Zeit? Garantie natürlich nicht, ist mir klar.

        Das er mir nichts vormacht könnte ich über seine Schwester erfahren dann, zur Sicherheit.

        Zum Helfersyndrom, tja vielleicht.#kratz
        Hab das ja bis gestern gar nicht gewußt und man merkt es ihm absolut nicht an.
        Und zur Behinderung, nein in seinem Fall ist das kein Problem für mich, aber das würde jetzt zu weit führen wieso. Nicht jeder Behinderte ist ein Pflegefall und braucht "Hilfe".

        Ich kenn einige Junggessellen die weit mehr "Pflege" brauchen obwohl sie nicht behindert sind ;-)

        Danke für deine Gedanken.

    Ich finde es schon ziemlich unfair, dass er Dir das so lange verschwiegen hat, bis Du kaum noch aus der Sache herauskommst, ohne auf die eine oder die andere Art Schaden zu nehmen.

  • Mir hat vor langer Zeit mal ein ( mit mir befreundeter ) Therapeut gesagt, das es zwei Phasen im Leben gibt, in denen Menschen nicht therapierbar sind:

    Wenn Sie in Trauer sind oder wenn sie verliebt sind.

    Von daher ist wirklich das einzig richtige, gerade wenn der Mann dir wichtig ist, geht auf Distanz bis die Therapie beendet ist. Und Distanz meint wirklich absolute Kontaksperre.

    Wenn dieser Mann für Dich bestimmt ist, dann werdet ihr gestärkt weitermachen, wenn Du für ihn nur ein Mittel bist, damit er sich seiner Therapie nicht voll und ganz stellen muß, dann ist es besser für Dich wenn Du es jetzt schon begreifst, und nicht erst wenn es Dir das Herz richtig bricht.

    Pina

    • Liebe Pina,
      finde deinen Beitrag sehr hilfreich. Hab heute viel darüber nachgedacht, ich denke so werde ich es machen. Auch wenns hart ist jetzt, auf lange Sicht das beste auch für mich.

      Würde ihm vorschlagen dass er sich in nem Jahr melden soll, wenn er trocken geblieben ist. Ist das ne sinnvolle Zeit? Kann mir jemand aus Erfahrung was dazu sagen?

      Dann ist auch die Verliebtheit abgeklungen und man sieht klarer.

      Liebe Grüße

      • Ich denke, das ein Jahr ein guter Zeitabschnitt ist, aber über Erfahrungswerte verfüge ich nicht.

        Alle Alkohliker denen ich je begegnet bin, haben es nie Geschäft - aber das ist jetzt nicht sonderlich Representativ. Viel Glück.

        Pina

        • (10) 14.12.14 - 22:04

          Danke Pina.
          Dazu wird es wohl auch nicht kommen (Jahr...), auf Grund neuerlicher unerfreulicher Ereignisse :-( und Auskunft seiner Schwester, das es Jahre so geht und die Familie nicht weiter weiß, sie keine große Hofnung haben.
          Sie hat mir auch die Augen geöffnet, es spielt keine Rolle wie ich reagiere oder nicht reagiere, er wird weiter trinken oder wenn er sehr stark ist nicht, aber es ist allein sein Ding.

      (11) 15.12.14 - 18:00

      hier müsstest du vor allem erstmal wissen, wie seine quartalssauferei abläuft. es gibt quartalstrinker, die trinken jeden monat und welche die trinken einmal im jahr volle kanne. und natürlich alles dazwischen. im letzteren fall wäre es total sinnlos bis ins neue jahr zu warten, da müsstest du schon 1 jahr und länger warten. quatsch.

      und, da du dir pinas beitrag so annimmst: ihrer meinung nach sind verliebte und trauernde nicht therapierbar. der mann ist beides, wenn du den kotakt abbrichst.#aha

      v.

(12) 13.12.14 - 06:17

Was hast du zu verlieren? Das meine ich nicht rhetorisch. Du musst dich um dich und dein Kind kümmern. Ihn zu beschützen ist in erster Linie seine Sache. Das Ganze auf eine freundschaftliche Ebene reduzieren, damit er evtl. besser therapierbar ist, würde ich nicht über seinen Kopf entscheiden, sondern ihm allerhöchstens anbieten.

Was hast du selbst für Risiken, wenn du dich auf ihn einlässt? Möchtest du weitere Kinder haben und bist auf der Suche nach einem Partner dafür? Dann ist er vielleicht nicht der Richtige. Wenn es nur darum geht, jemand Nettes an deiner Seite zu haben, sehe ich nicht, warum er keine Chance verdient.

Ich wünsche euch das Beste!

(13) 13.12.14 - 08:57

Hallo, sowohl mein Vater als auch auch mein Ex Mann waren Alkoholiker. Es gab lange Phasen der Trockenheit und Rückfälle waren an der Tagesordnung. Ich habe als Kind und Erwachsene dadurch schwere psychische Schäden davongetragen und halte heute großen Abstand zu allen, die gerne mal mehr als ein Bier trinken.

Ich weiß nicht, ob du eine Ahnung hast, was diese Krankheit überhaupt bedeutet, die Lügen, die Angst, die Gewalt, die Manipulation, Geldsorgen, Unzuverlässigkeit...

Dazu kommt noch die Behinderung. Es gibt so viele andere Männer .

(14) 13.12.14 - 11:45

Eine Therapie ist keine Garantie dafür, dass er nicht rückfällig wird. Alkoholismus würde mir einfach nicht ins Haus kommen. Eine tickende Zeitbombe ist das

(15) 13.12.14 - 16:50

Ich komme auch aus einer Familie, in der alle Männer Alkoholiker waren. Ich kann dir nur raten, es zu beenden und dir einen anderen Mann zu suchen. Du wirst deines Lebens nicht mehr froh mit einem Alkoholiker an deiner Seite, auch wenn er quartalsweise trocken ist. Bei jedem Streit, bei jedem Ärger, jedem Schicksalsschlag wird er wieder anfangen zu trinken und dich mit in den Abgrund ziehen aus Leid, Vorwürfen, emotionalen Ausbrüchen, Mitleid, Wut, Trauer, Hilflosigkeit etc. pp.!

NOCH hast du die Gelegenheit zu gehen und die würde ich wirklich auch nutzen! Ich weiß wovon ich spreche, es macht die ganze Familie krank, vor allem den Partner und die Kinder. Sowas ist nichts für die Zukunft!

(16) 13.12.14 - 19:24

Die eine Sache ist eine Beziehung mit einem über viele Jahre trockenen Alkoholiker, wobei auch hier immer die Gefahr des Rückfalls besteht, das andere ist eine Beziehung mit einem Alkoholiker, der nass ist oder sich gerade in Therapie befindet.

Ich, als Kind einer alkoholkranken Mutter, hätte schon bei ersterem Bedenken.

Wenn Du zumindest eine "Freundschaft" in Betracht ziehen kannst, weil Dir das alles ja irgendwo bewußt ist, dann kannst Du es theoretisch auch ganz beenden.

Dazu möchte ich Dir, zu Deinem eigenen Seelenheil, wirklich raten.

Es gibt auch andere Männer, mit denen es leicht und schön ist und nicht schon gleich am Anfang so problembeladen.

(17) 13.12.14 - 21:38

Danke an Euch alle die ihr von Euren eigenen Erfahrungen mit Süchtigen berichtet habt. Ich denke auch dass es das beste ist den Kontakt abzubrechen.

(18) 14.12.14 - 17:15

Hallo!

Ich selbst habe seit meinem 12. Lebensjahr "Probleme" mit selbstverletzendem Verhalten und die Diagnose Borderline. Das ist zwar etwas komplett anderes als Alkoholismus, es lassen sich aber doch ein paar Parallelen ziehen.
Mal als Überlegung: Man ist in Therapie, weiß selbst, dass sich etwas ändern muss. Sich überhaupt in Therapie zu begeben ist schon ein großer Schritt, den viele von vornherein verweigern. Man hat Menschen durch sein Handeln verloren- Sei es nun Alkohol oder SVV oder anderes. Man weiß- wenn man weiter macht, wird es schlimmer. Hört es auf, wird es besser. Wenn es dann Menschen gibt, die einem während der Therapie wichtig sind oder erst da wichtig werden und diese Personen sich abwenden stellt man sich unweigerlich die Frage, wozu man dann das alles macht. Schließlich hat man dadurch Menschen verloren - aber wenn man es lassen möchte, sich helfen lässt und dennoch Menschen verliert, hat man das Gefühl, es sei doch sowieso alles zwecklos - und bricht im schlimmsten Fall die Therapie ab und es wird eventuell schlimmer als vorher, weil der Süchtige resigniert hat.

Natürlich, es kann bei ihm ganz anders sein - ich konnte dir hier nur von meiner Erfahrung berichten.

Was ich sagen möchte, kurz und knapp: Brich den Kontakt zu ihm nicht ab! Schildere deine Situation, eventuell auch deine Angst. Sofern das möglich ist und er das zulässt, unterstütze ihn - vorerst auf freundschaftlicher Basis. Lass es dir noch mal in Ruhe durch den Kopf gehen.

Liebe Grüße

  • (19) 14.12.14 - 22:06

    Danke, ja diese Seite seh ich eben auch. Es kommt sicher eben immer auf den Fall an und in wieweit wirkliche Bereitschaft zu einer Therapie/Veränderung besteht. Ist schwer! Dir alles Gute.

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