Neuanfang auch alleine?

    • (1) 30.12.14 - 15:28

      Hallo!

      Ich stehe vor der dringenden Entscheidung, einen Neuanfang zu wagen - oder nicht.

      Kurz zur Vorgeschichte: im Sommer bin ich mit Mann und Kindern umgezogen, um näher an meiner Arbeitsstelle zu sein. Ich bin Alleinverdienerin. Mein Mann und mein Ältester hat es hier schon nach kurzer Zeit nicht gefallen. Der Umzug war aber nötig, da ich das pendeln nicht mehr ausgehalten habe. Ein Arbeitsplatzwechsel schien aussichtslos, da mein Beruf sehr selten ist und es nur ganz wenige potentielle Arbeitgeber in Deutschland gibt.

      Vor kurzem kam dann aber ganz überraschend ein Angebot! Der Job ist etwas besser bezahlt als mein jetziger (ca. 600 € brutto, also wäre das allein noch kein Kriterium zum wechseln) und in einem der schönsten Flecken Deutschlands. Mein Mann war aus dem Häuschen und hat mich gedrängt, das Angebot anzunehmen. Ich war mir sicher, die richtige Entscheidung zu treffen.

      Seit einer Woche sind die Karten jetzt wieder neu gemischt: mein Mann hat mich verlassen. Er sagt, er möchte nicht wie ein Spielzeug von mir von A nach B verpflanzt werden und zurückstecken für meine Selbstverwirklichung. Ha ha...

      Jetzt muss ich bis spätestens morgen die Wohnung kündigen, wenn ich den neuen Job antreten will. Aber will ich das denn noch? Auch ohne Mann an meiner Seite? Nur mit den Kindern? (Es sind nicht seine Kinder)

      Was ratet ihr mir? Neuanfang oder vertraute Sicherheit? Langfristig sind meine verdienst- und Aufstiegschancen im neuen Job sicher besser, im alten fühle ich mich aber auch pudelwohl...Kind 1 ist für, Kind 2 gegen den Umzug.

      Vielen herzlichen dank für eure Denkanstöße!

      Und viele Grüße

      Julia

      • Schwere Entscheidung! Ich glaube, mir wäre es vom Timing her mies, ich würde wahrscheinlich an deiner Stelle nicht kündigen und wechseln zu DIESEM Zeitpunkt, allein schon wegen der Kinder. Auch wenn er nicht ihr Vater ist, so war er ja die letzten Jahre ihre erste männliche Bezugsperson, vielleicht sogar DIE Bezugsperson Zuhause, weil du ja Alleinverdienerin bist.

        Deine Kinder müssen jetzt also die Trennung erst Mal verkraften, dazu wohnt ihr noch nicht sooo lange in der neuen Umgebung, ich würde ihnen in dieser Situation keinen nochmaligen Ortswechsel zumuten PLUS dass DU dann einen neuen Job hast, in den du dich auch wieder einfinden musst, wo du dich wieder beweisen musst, und wo du nicht weißt, ob du dich dort auch so pudelwohl fühlen wirst wie du es aktuell tust. Diese Sicherheit, dass du in deinem jetzigen Job Fuß gefasst hast und dich wohl fühlst, würde ich an deiner Stelle in der momentanen Situation nicht aufgeben wollen, das kann kein schöner Flecken Erde und keine 600€ Brutto aufwiegen, wenn das im anderen Job nicht mehr so sein sollte. Dein Job ist momentan die einzige verlässliche Konstante, die du noch hast neben deinen Kids, ich würde ihn daher in der JETZIGEN Situation nicht wechseln und dazu noch erneuten einen Ortswechsel machen mit den Kids.

        Investiere lieber deine Kraft, die dich so ein Wechsel kosten würde, momentan in deine Kids, die werden an der Trennung schon genug zu knabbern haben. Vielleicht kriegt Ihr es ja auch noch irgendwie wieder hin, dass Ihr Euch wieder vertragt, du und dein Mann... ein Wegziehen wäre da jetzt auch das falsche Signal an IHN, falls du diese Hoffnung noch hast, dass es noch mal was wird.

        Mit Probezeit beim neuen Arbeitgeber, dem Risiko, dass die Wohnungssuche schwierig wird oder sich erst hinterher heraus stellt, dass sie neuen nachbarn jeden Tag Trompete spielen üben, neue Schule für die Kinder von der man auch nicht weiß wie sie ist, und alleine im Winter einen Umzug wuppen?

        Nein, ich würde bleiben. Du weißt, was Du hast, einen guten Arbeitgeber, eine Wohnung in der man leben kann, die Kids kommen in der Schule klar, auch wenn sie noch nicht so viele neue Freunde gefunden haben.

        Auch wenn eine Gegend total schön ist und andere Leute da Urlaub machen, das genießt man nicht so wenn man da wohnt. Man sieht es ja jeden Tag, und oft haben Touristen die Nebenwirkung, dass vieles an Freizeit noch teurer ist. Oder total überlaufen. Was meinst Du oft Leute die in und um Nürnberg wohnen auf den Christkindlesmarkt gehen? Also ich so etwa alle 5 Jahre mal, das ist mir viel zu voll ;-)

        Auf deinen Partner brauchst du jetzt keine Rücksicht mehr nehmen.
        Bei deinen Kindern...mmh.....sie wissen, was ein Umzug bedeutet, aber an genaueren Vorstellungen mangelt es.Kannst du mit den Kids nicht mal einen Kurztripp dorthin machen??Noch halte ich unter den Gegebenheiten einen Umzug (ist ja eure wirtschaftliche Verbesserung)für machbar, die Wurzeln der Kinder sind ja erst frisch verpflanzt.
        So oder so wünsche ich dir die für euch richtige Entscheidung zu treffen!!

      • Warum ist dein Mann arbeitslos und du Alleinverdienerin? Damit hätte ICH meine Schwierigkeiten....
        Wie sieht es mit Kinderbetreuung und was sagen sie zu dem Umzug?

        Ich wurde es riskieren, da wo du wohnst, bist du nicht lange, wird dich also nix halten. Ein guter Job ist heute Goldwert!

        Zu deinem Mann sage ich nix, da musst du selber wissen was du mit machst...

        K

        Ps. Bist du verheiratet? Da steht ihm evtl. Trennungsunterhalt zu....

        Dir gefällt Dein jetziger Job, was normalerweise seine Ursachen in einer Kombination aus interessantem Aufgabengebiet und tollen Kollegen hat.

        Mag sein, dass das neue Aufgabengebiet im anderen Job ebenso schön ist....aber gute Kollegen kann Dir niemand garantieren.

        Zudem sind 600 Euro Brutto mehr nun wirklich kein Grund, mit Sack und Pack wieder woanders hin zu ziehen. (Zumindest wäre das für mich nun kein Anreiz)

        Auch dass man Freunde und Bekannte dann nicht mehr so oft sehen kann wäre für mich ein Grund, das neue Jobangebot sausen zu lassen.

        Gut....Deine Aufstiegschancen wären laut Deiner Aussage im neuen Job besser. Ist Dir das denn auch wirklich wichtig? Je höher der Posten, desto weniger Zeit, seine Arbeit RICHTIG zu machen....mehr Stress......mehr Verantwortung......weniger Kollegen.....mehr Untergebene.

        Ich an Deiner Stelle würde wohl eher nicht wechseln......ich bin solchen Veränderungen gegenüber aber auch nicht sehr aufgeschlossen......um nicht zu sagen, ich würde es hassen ! :-)

      • Hallo,

        also ich würde den Neuanfang wagen. Meine Letzte Gehaltssteigerung lag bei 120 Euro, das nur so nebenbei.

        Dazu würde für mich noch das plus mit der schönen Umgebung kommen. Ich bin vor 4 Jahren aus der Großstadt in eine landschaftlich reizvolle Umgebung gezogen und hab es noch keinen Tag bereut.

        Dazu kommt noch die Trennung, die Du sehr wahrscheinlich mit einem Umzug besser wirst bewältigen können, aus dem einfachen Grund, dass Du dann nicht so viel Zeit haben wirst zum Hinterhertrauern

        Ein weiterer Grund für den Umzug wäre für mich auch die Unzufriedenheit Deines größeren Sohnes.

        Also alles in Allem ich bin jür : JA.

        Versuche, den Zeitdruck loszuwerden und Zeit zu gewinnen.

        Morgen die Wohnung zu kündigen für den neuen Job würde ich auf keinen Fall machen, auch mit Rücksicht auf die Kinder und das Verhältnis zu ihrem Vater.

        Erstmal vielen dank für die Antworten, die allesamt sehr klug und hilfreich sind, und die verschiedenen Aspekte gründlich beleuchten. Das hilft mir sehr, auch wenn von bisher 6 antwortenden 3 zu "Ja" und 3 zu "Nein" tendieren...

        Kinderbetreuung ist an beiden Orten kein Problem, Ganztagsbetreuung sind sie seit 8 Jahren gewohnt.
        Freunde habe ich am aktuellen Wohnort noch nicht gefunden, dafür habe ich hier ganz tolle Kollegen. Mein jüngerer Sohn fängt langsam an, Kontakte zu knüpfen.

        Ach Mensch, es ist wirklich nicht einfach!

        Zu meinem Mann: er hätte am neuen Wohnort sicher bessere Berufschancen gehabt, da die Region wirtschaftlich sehr gut aufgestellt ist. Mich hat das nicht wirklich gestört, alleine für das Familieneinkommen zuständig zu sein, ich arbeite gern und brauche keine Reichtümer.

        Aber jetzt fühle ich mich ziemlich veräppelt. Er will in seine Heimatstadt zurück gehen und dort selbstbestimmt sein eigenes Leben leben. Als sei er ein Entführungsopfer...oder Opfer einer Zwangsheirat...

        • Ich hab's mir gerade nochmal durchgelesen: Du *hattest* das Jobangebot schon zugesagt und dich auf einen Wechsel eingestellt, und dann ist die Trennung von deinem Mann dazwischen gekommen. Das war mir beim ersten Lesen nicht so ganz bewusst.

          Mit dem Hintergrund und den Infos über Kinder und Mann oben bekommst du von mir auch ein "Ja". :-)

          • Dann steht es jetzt 4:3 für "Ja" ;)

            Danke!

            • (12) 30.12.14 - 18:07

              Was sagt denn dein Bauchgefühl dazu? Dem solltest du auf jede Fall eher trauen im Zweifelsfall als der Urbia-Statistik! ;-)

              • (13) 30.12.14 - 18:24

                Ach, wenn das Bauchgefühl sich doch nur eindeutig äußern würde!

                Leider ist da gerade kein Verlass - ich habe Lust auf einen Neustart und gleichzeitig die Hosen voll.

                Ich bin aber auch ein eher ängstlicher Mensch.

                • (14) 30.12.14 - 18:30

                  "ich habe Lust auf einen Neustart und gleichzeitig die Hosen voll."

                  Oh Mann, das kann ich allerdings echt gut nachvollziehen. Versuch trotzdem mal in dich zu gehen und zu ergründen, WOVOR du Angst hast. Ist es einfach nur Bammel vor dem Neuanfang oder ist es ein ungutes Gefühl, dass das die falsche Entscheidung sein könnte. Wie fühlt sich der Job an innerlich, wenn du dir vorstellst, dort zu arbeiten? Gut oder eher ohje ohje? Ich würde es einfach insgesamt davon abhängig machen, was für ein Vorgefühl ich habe, ob das gut gehen wird oder eher warnende innere Stimmen sagen: Neee, lass es lieber bleiben! Mit den so getroffenen Entscheidungen bin ich meist richtig gefahren, während ein schlechtes ignoriertes Bauchgefühl sich meist auch bewahrheitet hat.

            ...aber "alle Angaben ohne Gewähr", gelle? #cool

            Viel Glück mit deiner Entscheidung, wie immer sie am Ende ausfällt.

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