Mann kurz vor Burn -out .....ich kann nicht mehr

    • (1) 06.03.15 - 17:01
      Burn-out Frau

      Hallo an Alle,

      Ich hoffe , dass der ein oder andere mir helfen kann . Das Thema steht bereits oben. Mein Mann ist selbstständig und führt einen kleinen Betrieb. Seit einigen Monaten spitzt sich die Lage immer mehr zu . Er arbeitet von teilweise 4 Uhr morgens!!!!!!! bis 19 Uhr abends , nimmt sich teils nichtmal Zeit für eine Mittagspause . Samstag /Sonntag ist er meist auch für einige Stunden im Betrieb .Urlaub ist schon lange her . Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass er bei diesem Arbeitspensum körperlich wie auch psychisch komplett am Ende ist .

      Mein großes Problem ist , dass ich mittlerweile zum Blitzableiter geworden bin . Es ging von plötzlichen extremsten Eifersuchtsanfällen bis zu Aussagen er will eine eigene Wohnung um endlich schlafen zu können als meine 7 jährige Tochter nachts als sie einen Alptraum hatte die Kassette eingeschaltet hat( 1x in zig Monaten ) Er will das etwas so und so erledigt haben weil es ihn stört . Es wird so und so erledigt. Zwei Tage später will er es wieder anders haben.

      Ich bin mittlerweile selbst sowas von fertig weil ich nicht mehr weiß was ich machen soll. Er ist meist sehr liebevoll zu mir und wir sind auch grundsätzlich sehr sehr glücklich aber diese Sache nagt an uns . Ich gebe wirklich mein bestes um ihm andere Probleme vom Hals zu halten aber ich oder die Kinder sind halt nunmal keine Maschienen manchmal ist halt etwas und er dramatisiert jedes Problemchen ins unermessliche .

      Das Problem ist er nimmt gar nicht war was die Arbeit ihm momentan antut und will es auch absolut nicht wahrnehmen. Ich bin so verständnisvoll wie irgendwie möglich aber irgendwann geht bei mir auch nix mehr . Professionelle Hilfe würd er niemals annehmen. Also kann ich eigentlich nur warten bis er komplett zusammenbricht . Was das für den Betrieb bedeutet mag ich gar nicht ausmalen.

      Vielleicht gibt es hier ein paar Angehörige oder Betroffene die Rat wissen .

      Lg

      • (2) 06.03.15 - 17:17

        Hast Du einen Einblick, warum er so viel arbeitet? Hat er Angestellte? Tun die, was sie sollen oder tanzen sie ihm auf der Nase herum? Kann er nicht delegieren, weil er glaubt, alles selbst machen zu müssen, sonst wird es falsch gemacht? Wirft der Betrieb überhaupt genug Geld ab? Wie lange hat er den Betrieb schon und warum das nicht schon immer so? Was hat sich verändert?

        • (3) 06.03.15 - 17:23

          Er hat großartige Angestellte ! Ab und an gabs mal Problemchen aber wirklich jetzt nichts weltbewegendes .Er meint halt ohne ihn geht gar nichts . Er hat den Betrieb jetzt seit 4 Jahren und musste natürlich Schulden aufnehmen um das alles aufzubauen. Es läuft aber gut . Das einzige Problem ist eine dicke Steuernachzahlung da ist es finanziell etwas eng aber er steht jetzt noch lang nicht vor dem Ruin .

          • (4) 06.03.15 - 18:05

            Frag ihn, warum er immer mehr arbeitet. Frag ihn, was er daran ändern könnte, wenn er es wollen würde. Und frag ihn dann, was ihm generell wichtiger ist: Die Firma oder seine Gesundheit und die Familie. Könntest Du auch mal alleine in den Urlaub fahren, mit Kind und Kegel? Damit er merkt, wie es ist, ganz alleine zu sein und nur noch die Arbeit zu haben?

      • Dieses Problem ist mir sehr wohl bekannt.

        Mein großer Irrtum war, ich war der einzige der alles richtig machte.
        Ergo, ich habe nicht delegieren können/wollen.
        Erschwerend war, eine Baustelle in Teheran, eine im Libanon und noch eine in Ankara.
        Und PC/Handy/WA und ähnliches gab es damals noch nicht.
        Auch die Wortfindung: BURN-OUT war unbekannt.
        Wir nannten es: ich brauche mal Urlaub.

        Und alles wollte ich alleine machen. Ging natürlich nicht.

        Und als ich immer nervöser wurde, immer hektischer und auch unleidlicher wurde mir klar das ich am Tiefpunkt angekommen bin und ich die Einsicht gewann, so geht es nicht mehr weiter. Das haben mir die Ärzte auch schriftlich gegeben.
        4 Wochen Kur und zur totalen Ruhe gekommen habe ich Hilfe gesucht und auch gefunden.
        Diese Hilfe war in der Form dass ich einen Kursus besucht habe in dem ich "wach" wurde. Ich lernte zu delegieren, Vertrauen zu meinen Mitarbeitern zu haben und meine Zeit besser/effektiver einzuteilen.
        War ein relativ langer Weg. Ab und an fiel ich in alte Verhaltensmuster zurück.
        Was aber normal war.

        Ich habe auch gelernt immer öfter NEIN zu sagen.

        Auch habe ich verinnerlicht, ich komme noch früh genug zu spät.

        Und dieses Schema habe ich bis heute beibehalten.

        Tipp an Deinen Mann: sollten die ersten Herzbeschwerden auftreten, dann ist es oft genug zu spät.

        Er sollte lieber heute als morgen "runterfahren", sich für die eigentliche Arbeit eine Hilfe anstellen und ab und zu mal sich völlig "ausklinken", ein WE mit Dir wegfahren.

        Glaube mir, es gibt auch ein Leben parallel zu der Arbeit.

        Ein schönes WE wünscht ich Dir.

    Dein Mann nimmt seine Selbständigkeit sehr wörtlich - Selbst und Ständig!!!!

    War er schon immer so getrieben oder erst seit er den eigenen Betrieb hat? Bei einem echten Worcaholic, machst du nichts, sprich: du kannst ihn nicht ändern sondern nur lernen, dich abzugrenzen und nicht den Blitzableiter für ihn zu spielen. Ich kenne 2, 3 solche Männer, die es erst gemerkt haben als sie älter wurden und merkten, dass das Pensum auf Dauer nicht mehr durchzuhalten ist, denn mit 50 geht alles nicht mehr so leicht von der Hand wie mit 30. Ein anderer verschleppte eine Grippe und bekam eine chronische Herzerkrankung, in deren Anschluss er eine neue Herzklappe eingesetzt bekam. Das hat ihn wieder geerdet und richtig Todesangst gemacht, weil es plötzlich nicht mehr mit Tabletten und 5 Std. Schlaf wegzutherapieren war. Und zudem haben 2 ihre Familien für die Arbeit aufs Spiel gesetzt. Die Frauen und Kinder wollten irgendwann nicht mehr hintan stehen. Eine Ehefrau hat es ausgesessen bis die Kinder groß waren und wollte dann nicht allein im großen Haus sitzen und während ihr Mann schuftet. Sie lernte jemanden kennen, mit dem sie seither viel reist, Kultur erlebt und alles, wozu ihr Exmann nie Zeit hatte.

    Ich denke,du solltest mit ihm in Ruhe Klartext reden. Dass Selbständigkeit einen 24 Std. umtreiben kann und man immer das Risiko vor Augen hat, ist verständlich. Aber zu welchem Preis? Das scheint deinem Mann nicht bewusst zu sein. Sag' ihm, dass du dir Sorgen machst und zudem so keine Ehe leben möchtest. Vielleicht findet ihr gemeinsam einen Kompromiss. Die Einsicht muss aber von ihm kommen.......sonst hast du Dauerstreit durch Vorwürfe und noch mehr Stress...

    Hallo,

    manche merken erst sehr spät, dass sie zu viel arbeiten.

    Ich kenne das von meinem Mann. Erst als er zusammengeklappt ist, hat er eingesehen, dass er mit diesem Arbeitspensum nicht alt werden würde.

    Selbst und ständig, wie schon geschrieben wurde, stimmt absolut.

    Ein paar Punkte, die mir spontan einfallen:
    * Delegieren - niemand kann alles alleine wuppen

    * Kompetenzen der Mitarbeiter erweitern (wer führt die Kundengespräche und die Korrespondenz, wer die Buchhaltung? usw.)
    -> gegebenenfalls weitere Mitarbeiter einstellen, wenn es die finanzielle Lage zulässt
    * Hat Dein Mann einen guten Steuerberater (Reißleine bzgl. zu erwartender Steuern/Investitionen)?
    * Hat er Verbindungen zu branchengleichen Unternehmen? Wie machen die alles?
    * Hat er Freunde, die auch selbständig sind? Trifft er die? Austausch unter Leidensgenossen ist enorm wichtig, finde ich.
    * Urlaube planen - es reichen schon ein paar Tage
    * Gespräche, Gespräche, Gespräche

    Im Prinzip muss er es aber selbst wollen...

    LG
    Karin

    (9) 06.03.15 - 19:16

    Ich hatte vor ein paar Tagen ähnliches gepostet.

    Auch mein Mann arbeitet SEHR viel. Im Schnitt 15 Stunden am Tag.

    Im Gegensatz zu deinem Mann ist er trotz alledem meist recht ausgeglichen, sowohl mir als auch unserem Kind gegenüber. Er hat "nur" einfach keine Zeit für uns. Eben dann am Wochenende, wenn er sich mal ausgeschlafen hat.

    Im Prinzip macht er das seit fast 3 Jahren und seit 1 Jahr ist es richtig extrem. D.h. vorher hat er nicht jeden Tag soviel gearbeitet, nun schon.

    Ich denke auch, dass er erst zusammenklappen muss, bevor er etwas ändert. Wir haben schon sooo viel geredet, ändern tut sich nichts.

    Also habe ich nicht wirklich einen Rat für dich. Das ist wie bei vielen Dingen, man denkt nicht, dass es einem passiert (Rauchen->Krebs; Übergewicht->Diabetes usw.) bis es einen erwischt und dann aufwacht.

    Vielleicht kannst du einen guten Freund dazu bringen, mit ihm zu reden. Das klappt oft besser, als wenn es der eigene Partner tut. Grundsätzlich wäre eine Therapie sicher sinnvoll für ihn. Vielleicht könnt ihr ihn zusammen überzeugen!

    Hallo,

    wir haben so ein Problem zwar selbst nicht, aber ich kenne ein Buch, was vielleicht deinem Mann helfen könnte. Der Mann der es geschrieben hat, hat selbst auch immer soviel gearbeitet, bis er einige wenige Prinzipien kennengelernt hat: ("Die 4 Stunden Woche")

    http://www.amazon.de/Die-4-Stunden-Woche-Mehr-Zeit-Leben/dp/3430200512

    Hallo,

    das hört sich echt schlimm an. Mein Mann ist kurz vor einer Burnout Spirale und wir kämpfen seit einem halben Jahr. Mein Mann konnte anfangs nicht benennen was mit ihm los war, er zog sich komplett in sich selbst zurück, ist sogar für 2 Monate zu einem Freund gezogen. Ich habe mich viel mit den Symptomen meines Mannes beschäftigt, habe auch mit einem Freund gesprochen, der im Burnout drin ist. Irgendwann nach ca. 4 Monaten hatte ich meinen Mann soweit, dass er zu einem Experten geht. Das war nicht leicht, ihn dazu zu bringen. Ich habe es nur geschafft, weil die Kinder auch sehr gelitten haben und das war sehr schlimm für ihn. Er hat jetzt ein mehrtägiges Mentaltraining mitgemacht, geht auch weiterhin zu Einzelstunden hin. Es gibt immer wieder Tage, an denen es gut läuft und Tage, an denen es schlecht läuft. Aber mittlerweile kann er es kommunizieren, wenn es ihm schlecht geht. Mein Mann ist auch sehr strukturiert und ihn wirft manchmal das Chaos mit 2 Kindern komplett aus der Bahn. Er hat aber immer noch nicht eingesehen, weniger zu arbeiten. Es hilft auch nicht ihm zu sagen, er muss weniger arbeiten, dann ist es wieder gut. Es sind Strukturen in einem selber, er definiert sich sehr über den Erfolg etc. Man kann ihm das nicht einfach wegnehmen. Er muss das selber erkennen. Die Arbeit ist nur das Werkzeug, der Antrieb, die Ursache ist in ihm selber.

    Es ist ein sehr langer Prozess.

    Ich kann Dir nur empfehlen, dich von einem Experten (Psychotherapeute) selbst beraten zu lassen. Mir hat auch immer das Burnout - Forum für Angehörige sehr geholfen. Aber ich denke, Du kannst nichts machen, er muss den ersten Schritt tun.

    Bei meinem Mann war der Zeitraum von der Einsicht bis er zu dem Therapeuten ging, ca. 2 Monate.

    Ich wünsche Dir alles Gute.

    Leah

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