In der Beziehung unabhängig bleiben

    • (1) 19.03.15 - 10:39

      Hallo,

      ich möchte heute mal ein für mich schwieriges Thema ansprechen und zwar Autonomie bzw. Unabhängigkeit in der Beziehung. Ich habe einige Paare in meinem Freundeskreis bei denen ich mir insgeheim denke, dass das eigentlich keine gesunde und gleichwertige Beziehung ist, weil sich immer ein Partner mehr nach dem anderen richtet. Ist vielleicht ein Klischee, aber meist sind es die Frauen die sich mehr anpassen, mehr Opfer bringen und viele Teile ihres Lebens danach ausrichten, selbst zu verzichten damit es der andere schön hat. Ich hab ein bisschen was über Abhängigkeit bzw. co-abhängige Beziehungen gelesen und habe das Gefühl, dass das oft über das normale Kompromisse eingehen hinausgeht.
      Kennt ihr solche Beziehungen auch? Wie schafft man es, vom Partner unabhängig zu bleiben und seine Liebe und "Bestätigung" zwar zu genießen, sie nicht aber unbedingt zu brauchen?

      Hallo

      solange man sich in einer Beziehung wohl fühlt, ist es doch völlig egal ob der eine oder der andere sich mehr einbringt. Tödlich für jede Beziehung finde ich das ständig gegeneinander aufrechnen, sich jeden Tag zu fragen, ob man auch wirklich glücklich ist und ob doch nicht irgend etwas fehlt und ob es der andere vl. besser hat.

      Sobald man eine Familie gründet ist man nicht mehr unabhängig und bei einer gesunden Partnerschaft habe ich Vertrauen zu meinem Partner.

    • Ist man in einer Beziehung, kann man meiner Meinung nach weder autonom noch unabhängig sein.
      Man kann sich seine Freiräume erhalten, in dem man seine Hobbies weiter pflegt, Zeit für sich allein beansprucht etc. Aber dennoch sind all diese Dinge eine Sache der Absprache, der Partner muss einverstanden sein, damit keine Schieflage entsteht.

      Meiner Erfahrung nach ist es eigentlich immer so, dass einer von beiden mehr gibt als der andere. Dennoch wird das in einer funktionierenden Beziehung nicht als Manko empfunden, denn der Nehmende ist sich ja durchaus bewusst, dass der andere gerade zu seinen Gunsten verzichtet und zeigt seine Anerkennung, weshalb der Gebende damit zufrieden ist.

      In gewisser Weise unabhängig bleibt man, wenn man nie zusammenzieht, jeder sein eigenes Geld verdient und jeder seinen eigenen Freundeskreis behält und für sich alleine pflegt. Ich denke aber, in einer gewollten Partnerschaft entsteht normalerweise irgendwann der Wunsch, diese Unabhängigkeit aufzugeben.

      Gruß Hezna #klee

      • (6) 19.03.15 - 11:09

        Im Grossen und Ganzen gebe ich dir Recht.

        Allerdings finde ich nicht, dass man seine eigene Unabhängigkeit komplett aufgeben sollte um eine "glückliche" Partnerschaft zu leben.

        Bzw glaube ich nicht, dass man plötzlich keinen Wunsch mehr nach Autonomie hegt.

        Natürlich möchte man in aller Regel nicht mehr so leben, wie vor der Beziehung. Aber ich finde es wichtig, auch noch ICH sein zu können. D.h. mich auch mal mit Menschen zu umgeben, womit mein Partner nichts zu tun hat oder mal auszugehen ohne Partner etcpp.

        Das belebt meiner Meinung nach mehr, als wenn man alles nur noch und ausschliesslich mit der Familie/Partner macht.

        • (7) 19.03.15 - 11:30

          Ich wollte damit auch nicht sagen,, dass man fortan nur noch alles gemeinsam macht.

          Dennoch besprichst du dich doch in einer Partnerschaft und entscheidest nicht mehr stumpf allein, wie du deine Abende verbringst.

          • (8) 19.03.15 - 11:32

            Natürlich wird das abgesprochen und auch gefragt, obs ok ist.

            Ich hatte deinen letzten Absatz nur so verstanden, als ob man per se keinen Wunsch mehr nach einem gewissen Maß an Unabhängigkeit hat, und dass kann ich halt nicht unterschreiben. Mag bei jedem anders sein.

            Ich kenne Paare, da gehen beide keinen Schritt ohne den anderen.

            • (9) 19.03.15 - 11:37

              Nee, das würde mich total annerven.

              Wobei ich das auch kenne. Aber eher am Anfang einer Beziehung, wenns erstmal nicht eng genug sein kann. Aber normalerweise relativiert sich das alles und es wird ein normales Maß an Nähe und Loslassen.

              Die, bei denen das Paar nur noch als eineiige Zwillinge empfunden wird, ist aber dann auch bei beiden so gewollt und akzeptiert.
              Es sei denn, das Normalmaß einer Bindung wird aufgebrochen und einer übt Macht über den anderen aus. Dann wird's eh ungesund.

      (10) 19.03.15 - 11:14

      Hallo,

      lebt man in einer Beziehung gibt es kein Ich mehr, sondern ein Wir.

      Eine Beziehung ist ein einziger Kompromiss.

      Dumm ist, wenn nur einer gibt und der andere nimmt, dann wird es problematisch.

      Sich selbst aufgeben sollte man nicht, Freiräume braucht man, manche mehr, manche weniger.

      Wenn man aber das Gefühl hat, es passt nicht, hilft nur ein Gespräch mit dem Partner, um auszuloten, wie es weitergehen kann, ohne dass einer leidet oder aber die Reißleine ziehen.

      GLG

      (11) 20.03.15 - 14:24

      Ja, du hast in meinen augen in fast allen Punkten recht, bis auf den Punkt "das eigene Geld verdienen" Den Wunsch DAS aufzugeben finde ICH sehr ungesund, egal ob in Partnerschaft oder ohne ;-)

      K

Ich glaube nicht das es an Geld liegt. Es ist sicher vorteilhafter, wenn man sein eigenes Geld verdient. Aber eine gute Freundin von mir hat eine hohe Position in einer Werbeagentur und verdient wesentlich mehr Geld als ihr Mann, der Sozialpädagoge ist. Bei ihr hab ich trotzdem immer den Eindruck, dass sie ihm "in den A*sch kriecht".#gruebel

Es ist viel mehr eine innere Einstellung. Wenn man sich selbst genug ist, um glücklich zu sein und sich nicht über den Partner, das Haus, das tolle Auto definiert, dann schafft man es unabhängig zu bleiben. Ich liebe meinen Mann sehr. Würde er mich verlassen, wäre ich sicher verletzt und traurig, aber es wäre für mich nicht das Ende der Welt. Das Leben geht weiter.

Kompromisse gehe ich aber schon ein. Er aber auch! Sonst funktioniert es nicht.

Wenn ich autonom bleiben will, dann bleibe ich Single.. nur dann kann ich nämlich ausschließlich für mich entscheiden und muss mich nicht absprechen.

ich denke ich weiß aber was Du meinst.... und denke ebenfalls, dass es die unterschiedlichsten Beziehungsmodelle gibt, die einen brauchen mehr "Unabhängigkeit", die anderen weniger, die einen richten sich mehr nach dem Partner, die anderen weniger.

wichtig ist, dass mir und meinem Partner die Beziehung in der wir leben gut tut und gefällt, ob andere dann denken, himmel, die putzt ihrem Partner aber den Arsch ab ist mir dann echt egal.

Ich kenne Beziehungen wo die Partner total auf sich fixiert sind und niemand anderen brauche und ich kenne Beziehungen, wo jeder viel seinen Dingen nachgeht - beides sind Paare wo es seit über 30 Jahren liebevoll funktioniert - das ist doch die Hauptsache oder?

Lichtchen

Autonomie und Unabhängigkeit wiedersprechen ja ein Stück weit dem Gedanken einer Beziehung. Und das Gegenteil von Autonomie und Unabhängigkeit ist nicht zwangsläufig eine Abhängigkeit, jedenfalls nicht im negativen Sinn.

Natürlich hängt man ab vom Partner, man teilt Gefühle, Wohnraum, Geld, Kinder, Zeit, eben all das, was eine Partnerschaft auch so schön macht. Deswegen geht man diese ja in der Regel ein. Das nennt sich dann nicht Abhängigkeit, sondern eben Zusammengehörigkeit, Verbindlichkeit und Gemeinsamkeit. Dazu gehören natürlich auch Kompromisse, man muss ein paar Dinge aufgeben und bekommt dafür andere zurück. Das Geben und Nehmen schwankt erfahrungsgemäß je nach Situation zwischen den Partnern. Meistens gleicht sich das "Konto" mit den Tagen, Monaten und Jahren aus. Zumindest in einer "gesunden" Beziehung.

Aber natürlich gibt es die ungesunden Beziehungen, in denen es eine Schieflage gibt. Meine Erfahrung ist aber, dass man dies oftmals so von Außen bewertet, das Paar selber damit aber ganz gut klar kommt. Es ist nicht die Aufgabe, von Außenstehenden, das Modell und die Art der Beziehung von anderen als "ungesund" zu benennen, wenn die Betroffenen dies nicht so empfinden.

Es gibt also die Abhängigkeit einer Beziehung in ökonomischer, emotionaler und von mir aus auch gesellschaftlicher Hinsicht. Wo man als Paar zusammengehört, Kinder groß zieht, ein Haus abzahlt, eben all das. Du meinst mit Abhängigkeit aber die Bestätigung, die man aus einer Beziehung für das Selbstwertgefühl heraus zieht. Und hier kommt der Satz, den ich in den Zusammenhang so mag: Liebe dich selbst und es ist egal wen du heiratest. Ein sehr weiser Satz. Ich kann von meinem Partner nicht erwarten, dass er mein Ego konstant puscht.
Bestätigung muss man aus sich selbst heraus ziehen können (setzt ein gesundes Selbstbewusstsein voraus). Sich selber etwas wert sein, mit sich selber klarkommen, sich selber mögen, wissen, was man wert ist. Dann macht man den Partner auch nicht für sein Glück verantwortlich und schiebt auf die Beziehung viel weniger Balast drauf. Das ist dann die wahre Unabhängigkeit.

Hallo

einige Voraussetzungen um in einer Beziehung unabhängig zu bleiben wurden schon genannt. Auch ich halte die wirtschaftliche Unabhängigkeit für sehr wichtig.
Es gibt Liebesbekenntnisse und Verschmelzungen wie z.B. "ich kann ohne dich nicht leben" die wären nichts für mich.Große emotionale Abhängigkeiten halt.
Auch sind meine Diplomatie und Anpassungsfähigkeit durchaus begrenzt.
Man bleibt im besten Fall zwei eigenständige Persönlichkeiten, die gerne und freiwillig zusammenleben, auch noch nach vielen Jahren.Natürlich nicht immer und ständig. Jede Partnerschaft / Ehe hat so ihre Macken.
Ich lebe z.B. sehr gerne mit Partner,aber nicht um jeden Preis.Bei meinem Mann verhält es sich ähnlich.
"Eigentlich" fühle ich mich von Nichts und Niemanden abhängig ,seit vergangenem Jahr noch nicht mal mehr von Zigaretten.;-)
In meinem Umfeld passen sich nicht überwiegend die Frauen mehr an.Das hält sich eher die Waage.

L.G.

Top Diskussionen anzeigen