Einseitiger Kinderwunsch

    • (1) 28.03.15 - 13:51
      M.

      Hallo,

      ich habe ein riesiges Problem und finde einfach keine Lösung, mit der ich mich wirklich anfreunden kann.
      Das Problem: ich wünsche mir noch ein Kind, mein Mann will keins mehr.
      Das sind beides Tatsachen, die sich nicht weg diskutieren lassen.

      Die Möglichkeiten die ich sehe, sind folgende: ich verlasse meinen Mann, suche mir anderen mit dem ich noch ein Kind bekommen kann.
      Oder: ich versuche weiterhin mich damit abzufinden kein weiteres Kind mehr zu haben.

      Möglichkeit eins scheidet aus, wir haben ein gemeinsames Kind, ich kann und will nicht die bestehende Familie zerstören um mir meinen Wunsch zu erfüllen.

      Damit bleibt mir also nicht wirklich eine Möglichkeit zu entscheiden. Ich habe mich damit abzufinden, friss oder stirb.
      Das versuche ich seit einem Jahr, werde dabei immer unglücklicher. Ich versuche mich anderen Dingen zuzuwenden, Job, Freunde, Hobbies. Es erfüllt mich nicht, der Kinderwunsch wird immer stärker.
      Mit meinem Mann kann ich darüber nicht reden. Wenn ich es versuche, kommt nur, ER will nicht. Punkt.

      Es nagt an mir, frisst beharrlich an mir herum. Ich liebe meinen Mann, weiß aber nicht, ob ich es schaffe, die Gefühle zu erhalten. Ich befürchte, wenn es zu spät ist für ein weiteres Kind, wird das immer zwischen uns stehen.

      Er wusste von Anfang an, ich will mehr Kinder. Nach der Geburt wollte er davon nichts mehr wissen. Zu dem Zeitpunkt habe ich schon versucht mich damit abzufinden, es ging so einigermaßen. Im Nachhinein glaube ich, ich habe zu der Zeit gehofft, er würde seine Meinung noch ändern. Ich hatte ja Zeit.
      Dann wurde ich ungeplant schwanger, der Schock und meine Angst vor seiner Reaktion waren groß. Wider Erwarten freute er sich sehr auf dieses Baby!

      Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich komplett.

      Leider nahm diese Schwangerschaft kein glückliches Ende, wir verloren unsere Tochter in der 26. Schwangerschaftswoche.

      Die Trauer darüber ist auch nach über einem Jahr groß, ich vermisse sie unendlich! Dazu kommt aber noch, ich vermisse all das, was hätte sein können, sein sollen!
      Es ist, als hätte mir diese Schwangerschaft gezeigt, wie "perfekt" mein Leben sein könnte. Nur, um es mir direkt wieder zu nehmen.

      Seitdem weiß ich nicht mehr wie es weiter gehen soll. Wie werde ich den Kinderwunsch los? Mir Versuchen immer alle mit der logischen Seite zu kommen. Kinder brauchen Platz, Zeit, kosten Geld, kosten Nerven. Ich soll genießen was ich habe und glücklich sein.
      Weiß ich alles. Bin ich aber nicht. Und nun?

      Es gibt keine logischen Gründe für ein weiteres Kind. Ich will es einfach, es ist ein Herzenswunsch.
      Allerdings gibt es auch keinen logischen Grund GEGEN ein weiteres Kind. Wir haben mehr als genug Platz, haben beide sichere Jobs mit gutem Einkommen. Mit meinen Nerven war alles ok, bis wir unsere Tochter verloren haben. Und auch da konnte ich irgendwie mit umgehen, bis mein Mann sein "Nein" unwiederruflich ausgesprochen hat.

      Jetzt werde ich als psychisch labil abgestempelt ( bin ich zur Zeit auch) und jeder hat Verständnis für meinen Mann. Dass mein Unglücklichsein in erster Linie daher stammt, dass ich mich mit meinen Wünschen nicht ernst genommen fühle, spielt dabei keine Rolle.

      Oh man, so viel Text, eigentlich wollte ich mich kurz fassen. Vielleicht hat jemand trotzdem einen Rat für mich.

      Liebe Grüße, M.

      • (2) 28.03.15 - 14:41

        Huhu. Du schreibst leider wenig dazu warum genau dein mann kein zweites Kind möchte. Ist es ihm zu anstrengend ? Hat er angst das es wieder so endet wie die letzte ss ? Gibt es Dinge die er vllt . Noch tun möchte bevor kind nr. 2 ein Thema ist ?

        Ich kann verstehen wie sehr ein unerfüllter kinderwunsch belastet. ..auch wenn viele sagen du hast doch schon eins. Kinderwunsch ist kinderwunsch .
        Wenn du Weisst warum er keins möchte könntet ihr vielleicht gemeinsam die bedenken ausräumen.

        Ansonsten weiss ich auch keinen Rat . Verlassen und nen anderen suchen der dir diesen Wunsch erfüllt halte ich für eine ganz schlechte Idee .
        Ebenso wie der Gedanke es drauf ankommen zu lassen....stand aber auch glaub ich nicht im raum.

        Vielleicht findet ihr einen guten Kompromiss ? Zweites Kind in einem Jahr .....statt zweitem kind einen hund ( hab ich schon als Kompromiss gehört ;)).....vielleicht gibt es keine Lösung wo jeder 100 % glücklich mit ist...aber vielleicht jeder zu 80 % das wäre doch schon was.

        Einfach Nein sagen ist blöd...genauso blöd wie einfach doch sagen ;)

        • (3) 28.03.15 - 15:05

          Einfach "doch" sagen funktioniert nicht. Ich kann nicht mehr ohne medizinische Hilfe schwanger werden. Schon unser zweites Kind war quasi ein Wunder.

          Warum er kein Kind mehr will, hat er einmal im Gespräch mit mir begründet, seitdem blockt er jedes Gespräch ab.
          Seine Gründe waren: zu wenig Geld, zu wenig Platz und mein angeschlagenes Nervenkostüm.
          Wie bereits erwähnt, Gründe, die ich für vorgeschoben halte.

          Als unser Sohn ihn mal nach einem weiteren Geschwisterchen gefragt hat, hat er ihm erklärt, dass er sich zu viele Sorgen machen würde, dass das Baby wieder stirbt. Ob das so ist, kann ich schlecht einschätzen, mein Mann ist eigentlich ein sehr rationaler Mensch, hat aber natürlich auch sehr gelitten.

          Zeit als Kompromiss, da hätte ich keine Probleme mit. Wenn mein Mann sagen würde, wir reden in einem Jahr noch mal drüber, das wäre für mich absolut ok. Klar hätte ich Angst, dass mir die Zeit davon läuft, aber wenn es dann aufgrund des Alters nicht mehr klappt, das wäre dann halt so.
          Dann wäre mein Mann nicht der "Schuldige". Oh Hilfe, das liest sich irgendwie blöd, fühlt sich aber grad richtig an :-(

          Einen wirklichen Kompromiss gibt es beim Thema Kind halt nicht, nur Hü oder Hott, ja oder nein.
          Einen Hund haben wir, ja ich liebe ihn, aber es ist kein Ersatz für ein Kind. Das wäre auch ein weiterer Hund nicht.

          Es ist alles so verfahren. Eben kam er rein und fragte mich, was los wäre. Er will es doch gar nicht hören. Wenn ich es ihm sage, wird er sauer und geht weg. Sage ich nichts, ist es auch nicht richtig.

          Ich verstehe ihn ja auch irgendwie. Er möchte halt kein weiteres Kind. Das heißt aber nicht, dass er möchte dass ich unglücklich bin. Mit meinen Tränen fühlt er sich in die Enge getrieben, fühlt sich schuldig. Auch für ihn ist es eine Zwickmühle.

          • (4) 28.03.15 - 15:16

            Ich kann mir gut vorstellen das die Begründung die er seinem Sohn gab wirklich der ausschlaggebende Punkt ist....ich kann das auch verstehen.
            Ist er denn null Gesprächsbereit?
            Vllt. Kannst du ihm einen Brief schreiben. ..ich glaub nur es ist wichtig das ganze ohne Vorwürfe zu machen.

            Vielleicht wäre ein Kompromiss es ohne medizinische Hilfe drauf ankommen zu lassen ?!

            Oder ist das komplett aussichtslos ....ich kenn mich da nicht so aus.

            Ich glaube wenn ich Du wäre würde ich meinem mann einen langen Brief schreiben und hoffen das wir im Anschluss daran ein gutes Gespräch führen .

            • (5) 28.03.15 - 15:24

              Ohne medizinische Hilfe ist es komplett aussichtslos, das war vor unserer Tochter noch anders.

              • (6) 28.03.15 - 18:33

                Hallo

                wäre das nicht nicht eventuell eine Entscheidungshilfe für dich? Ein Abschied von einem Kinderwunsch ,der sich nur durch ärztliche Behandlungen eventuell ermöglichen lässt?
                Ich verstehe deinen Kinderwunsch, genau wie die vorstellbaren Vorbehalte /Verweigerungsgründe deines Mannes.
                Wie hilft dir dein Therapeut?

                L.G.

                • (7) 28.03.15 - 23:07

                  Leider hilft mir auch die Tatsache auf künstliche Befruchtung angewiesen zu sein nicht beim Abschied von dem Thema.
                  Meine Therapeutin hat mir in erster Linie geholfen, meinen Fokus wieder auf die vorhandene Familie zu richten, nicht in der Trauer unter zu gehen.
                  Beim Thema Kinderwunsch hat sie mir geholfen heraus zu finden, inwieweit der Wunsch zu der Trauer gehört und diese beiden Themen etwas voneinander zu differenzieren.
                  Die Therapeutin meinte, dass sie meinen Kinderwunsch nachvollziehen kann und ich letzten Endes selbst die Entscheidung treffen muss, ob ich auf diesen Herzenswunsch verzichten will.
                  Klar geworden ist mir, dass es dumm und egoistisch von mir wäre, das was ich hab weg zu werfen, zumal ich meinen Mann liebe!

      (8) 28.03.15 - 14:43

      Schwierig. Allerdings ist mir eine sache aus deinem text nicht ganz klar. Du willst ihn nicht verlassen, um die familie nicht zu zerstören. Klingt nobel, aber was ist mit deinen gefühlen? Liebst du ihn noch oder nicht? Eine glückliche kindheit hat euer kind auch nicht, wenn es merkt, da stimmt was nicht, die mama ist immer nur traurig. Dann wäre es für alle besser, die sache zu beenden. Anderen "scheidungskindern" geht es auch erst seit der trennung besser, weil das hin und her, der stress und die streitereien endlich vorbei sind. Meine meinung.

      • (9) 28.03.15 - 14:49

        Ja, ich liebe meinen Mann noch. Ich merke aber, dass mein Wunsch auch meine Gefühle beeinflusst.
        Würde ich ihn nicht lieben, würde ich gehen.

        • (10) 28.03.15 - 15:04

          Ich kann wirklich verstehen wie gross so ein wunsch sein kann....aber Weisst du , auch dein mann hat wünsche ....und die sind nicht weniger wichtig. Was bringt es dir ihn zu verlassen und vielleicht ein zweites Kind mit einem anderen zu haben ? Das ist doch auch nicht das was du dir eigentlich wünschst nehm ich an. Oder geht es nur um das kind an sich und ist nicht daran gebunden von wem es ist ?

          Einen Kompromiss beim Thema kinderwunsch zu finden ist sicher das schwierigste überhaupt...aber rede mit deinem Mann und suche Lösungen als paar.

          Er kann dir nicht vorwerfen einen kinderwunsch zu haben...und du kannst ihm nicht vorwerfen keinen zu haben.. ..gibt es etwas was dich genauso oder ähnlich erfüllen könnte ..gibt es etwas das ihm die bedenken nimmt ?

          Wenn sonst alles in Ordnung ist halte ich verlassen wirklich für das schlechteste .

          • (11) 28.03.15 - 15:22

            Ich habe dir grad auf deinen anderen Beitrag geantwortet, ich glaube, da hab ich viele Fragen beantwortet.

            Mein Kinderwunsch ist tatsächlich nicht an meinen Mann gebunden, er war schon immer da, praktisch mit in die Wiege gelegt.
            Trotzdem kommt es nicht in Frage für mich, meine bestehende Familie aus Egoismus zu zerstören.

            Was ich ihm vorwerfe ist nicht, dass er keinen Kinderwunsch hat. Aber ich habe ein großes Problem damit, keine Wahlmöglichkeit zu haben. Er hat die Wahl, ich nicht.

            Und wenn ich einen Schalter bei mir umlegen könnte, der den Kinderwunsch auslöscht, ich würde es sofort tun. Ich kann es aber nicht.
            Ich bin unglücklich. Und je unglücklicher ich werde, um so irrationaler erscheint anderen mein Kinderwunsch.
            Und je mehr ich das Gefühl habe, alleine mit meinem Wunsch da zu stehen, umso mehr verfestigt er sich.

            Hört sich wirr an? Ja, so fühlt es sich auch an.

            Ich habe auch therapeutische Hilfe deshalb gesucht, wirklich weiter geholfen hat es nicht. Gut war es trotzdem, weil ich mich verstanden gefühlt habe.

            Geplant ist jetzt eine Eheberatung. Ob es hilft weiß ich nicht, aber ich bin bereit, so ziemlich alles zu versuchen um meine Familie zu erhalten.

            • (12) 28.03.15 - 15:33

              Ich finde es gut das ihr eine Eheberatung angehen wollt .
              Ich hoffe das hilft dir oder euch ein Stückchen weiter.
              Ich find du bist sehr reflektiert und merkst was der kinderwunsch mit dir macht. Ich würde das genau so meinem mann sagen.

              Wirklich keine leichte Situation. Ich wünsche dir das ihr einen weg findet...wie auch immer der aussieht.

              Spontan fällt mir kurzeitpflege ein ( man nimmt kurzfristig ein sehe kleines Kind bei sich auf, unklar wie lange genau bis abgeklärt wird was passiert ). Wäre das etwas ?

              Nur eine idee.

              • (13) 28.03.15 - 15:40

                Da würde mein Mann sich noch viel weniger drauf einlassen. Ich glaube auch, dass es mir nicht reichen würde.

                Ich arbeite mit Kindern, hab diese auch echt lieb, aber es ist meilenweit davon entfernt, was ich mir wünsche.

                Aber danke, dass du dir die Mühe machst, auf mich einzugehen und dich mit mir auszutauschen, alleine das hilft mir, mich nicht mehr ganz so verloren zu fühlen.

    (14) 28.03.15 - 15:18

    Hallo,

    wenn dein Mann nach dem ersten Kind schon gemerkt hat, dass es reicht und ihr dann auch noch ein ungeplantes Kind verloren habt, glaube ich kaum, dass er seine Meinung ändert. Grundsätzlich finde ich kann man die Anzahl der Kinder schwer vor dem 1. Kind verbindlich festlegen. Man merkt doch erst durch das Kind, wie gut man sich als Elternteil fühlt und wie es sich mit den Vorstellungen vom Leben vereinbaren lässt.

    Dir wird nur dir Wahl bleiben dich an dem zu erfreuen was du hast oder einen anderen Partner zu suchen.

    Ein Kind zu bekommen sollte nie der Kompromiss einem Partner gegenüber sein. Das sollte jeder der Partner wirklich wollen.

    Hast du denn psychologische Hilfe den Verlust des 2. Kindes zu verarbeiten? Hat denn dein Mann Recht, dass.du auch unabhängig von dem Verlust eurer Tochter labil bist?

    LG

    • (15) 28.03.15 - 15:33

      Ich versuche meinem Mann keinen Vorwurf zu machen, dass er kein weitere Kind will. Ich sehe es wie du, es ist sein gutes Recht.
      Trotzdem leidet unsere Beziehung.

      Ich hatte psychologische Hilfe nach dem Tod unserer Tochter, im Rahmen dieser Therapie haben wir auch an dem Thema " Kinderwunsch" gearbeitet. Das vermischt sich ja zwangsläufig.

      Ob ich labil bin, ist schwer zu beantworten. Ich habe zeitlebens immer depressive Phasen gehabt, bin aber über die Jahre immer in Therapie gewesen und gut mit Medikamenten eingestellt.
      Es ging mir gut.

      Bis mich der Tod unseres Kindes aus der Bahn geworfen hat.

      Eine wirkliche Wahl habe ich nicht. Mir bleibt "nur", mich an dem zu erfreuen, was ich habe.
      Aber ich weiß nicht, wie ich den Wunsch nach einem weiteren Kind aus dem Kopf und vor allem aus dem Herzen bekomme.
      Mein Mann wird seine Meinung nicht ändern, da bin ich mir auch sehr sicher.

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