hat mein Mann Asperger?

    • (1) 08.04.15 - 08:57
      Vöglein

      Hallo,

      ich bin seit über 20 Jahren verheiratet. Von Anfang an hat mein Mann, wenn er etwas erzählte, so weit ausgeschweift, dass man als Zuhörer gar nicht mehr wußte um was es eigentlich ging. Als Zuhörer wird man auf eine harte Probe gestellt.

      Ihr könnt euch vorstellen wie das in einer Runde ist, wenn mein Mann nicht zum Punkt kommt und alle Beteiligten gefühltermaßen mit den Augen rollen und den Füssen scharren und man nur noch aus Höflichkeit zuhört.
      Ich habe meinem Mann immer wieder gesagt, er solle sich doch mal kurz fassen, weil es manchmal echt nicht mehr zu ertragen war.

      Ich stellte ihm eine Frage die man mit Ja oder Nein beantworten könnte.
      z.Bsp. ober er noch ein Brot mitbringen könnte, wenn er in der Stadt ist? er: ich muss mal sehen, wenn ich das zeitlich noch schaffe, ich hab ja um halb vier den Arzt-Termin, wenn es schnell geht, und nicht so viele Leute im Wartezimmer sind...und und und er hört einfach nicht auf zu reden.

      Durch Zufall bin ich auf Asperger gestossen und habe in so vielen Symptomen meinen Mann wiedererkannt: hier mal aus Wikipedia kopiert

      Weitere Charakteristika sind eine sehr detailorientierte Erzählweise mit Schwierigkeiten, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden,[1] abrupte und für den Zuhörer nicht nachvollziehbare Themenwechsel, das Wörtlichnehmen von Redewendungen, das Antworten auf rhetorische Fragen, die Verwendung von Metaphern und Wortschöpfungen, die nur dem Sprecher geläufig sind, das Festhaften an Formulierungen, die wie auswendig gelernt oder wie aus einem Buch vorgetragen klingen,[37] Selbstgespräche,[38] das Nichterfassen von Nuancen (zum Beispiel Ironie, Necken) und ungenaues Zuhören.[39]

      das ist mein Mann wie er leibt und lebt...kennt das noch jemand, vor allem bei Erwachsenen?

      • Die entscheidende Frage ist, was es dir bringt, wenn das, was du an ihm beobachtest, einen Namen bekommt?

        Asperger ist ein Sammelbegriff für ein schwer greifbares, und kausal gar nicht therapierbares Krankheitsbild.

        Er ist, wie er ist, er kann lernen, damit umzugehen, du kannst lernen, damit umzugehen.

        Das tut ihr seid längerem, ob nun mit oder ohne "Asperger".

        Ganz allgemein scheint es so zu sein, dass Verschiedenartigkeit immer weniger einfach hingenommen wird, sondern immer mit Kategorien und am besten Krankheitsbildern in Schubladen gesteckt werden muss.

        • (3) 08.04.15 - 11:24

          es ändert nichts an meiner Ehe oder an der Liebe zu meinem Mann.
          Ich war nur irgendwie "erschrocken", dass es einen Namen für genau das gibt, wie ich meinen Mann seit Jahren erlebe. Es ist alles gut.

          Ich dachte nur, es wäre einfach so eine Angewohnheit oder Marotte mit dem Reden u.ä. und plötzlich lese ich im Internet darüber, das wie die Faust auf's Auge passt

          • Letztlich sind in dem Bereich ja die Grenzen zwischen "Marotte" und "psychischer Krankheit" fließend.

            Mal ein Beispiel aus einem anderen Bereich: Ab wie viel Mal Hände waschen am Tag ist das zwanghaftes Verhalten? Maßgeblich ist da ja das Vorhandenseins von Leid beim Betroffenen, und dessen Ausmaß.

            Ich bin der festen Überzeugung, dass niemand von uns zu 100% "seelisch gesund" ist, ebensowenig wie wir in unserem Leben zu 100% "körperlich gesund" sind.

            Schwierig fänd ich in deinem Fall, wie ich mit diesem "Wissen" umginge. Einerseits kann es nützlich sein, ihn und sein Verhalten auch gegenüber anderen zu erklären, wenn die mal wieder genervt von seiner Art die Augen verdrehen, andererseits besteht bei mit Namen versehenen Krankheitsbildern die ständige Gefahr der Stigmatisierung.

      Natürlich wäre es möglich, dass dein Mann tatsächlich Asperger ist. Nur anhand deiner Schilderung, zudem virtuell in einem Forum und von Laien, lässt sich natürlich unter keinen Umständen eine Diagnose stellen. Zudem gehören noch unzählige weitere Merkmale dazu, nicht nur die Art und Weise wie jemand kommuniziert.

      ABER: deine Schilderung ist so wunderschön anschaulich, mir so wohlbekannt, dass ich die Situationskomik welche sich ergibt mit breitem Grinsen genossen habe beim Lesen. Ich weiss, in der Situation selber nicht immer ganz so lustig, oft peinlich, samt Fremdschämeffekt, als Anekdote oder Sketch jedoch einfach nur zum Brüllen komisch.

    (10) 08.04.15 - 10:56

    Also wenn es jetzt vor allem um das drum herum reden geht, da kenne ich viele Menschen, die so sind.

    Wenn man die Mutter einer Freundin fragt, ob sie Toilettenpapier gekauft hat, kann es schon mal sein, dass ihre Antwort mit: "Also vor 12 Jahren, da hat bei uns in der Firma ein Mann gearbeitet... " anfängt.

    Oder eine ehemalige Arbeitskollegin hat mir gerne 15 Minuten lang irgendeine Begebenheit erzählt, obwohl sie eigentlich eine ganz einfache Frage stellen wollte. Man musste dann schon sehr genau aufpassen, um die Frage nicht zu verpassen.

    Aber wie hier schon jemand schrieb: bringt es dir wirklich etwas, wenn du weißt, ob das bloß eine Macke bei deinem Mann ist oder ob man es mit Asperger betiteln kann? Man kann und muss es nicht therapieren, er ist eben so.

    • (11) 08.04.15 - 11:30

      das ist und war auch nie meine Absicht, das zu therapieren. Im Gegenteil, ich habe es sogar sofort meinem Mann erzählt, was ich gelesen habe und dass dies doch voll auf ihn zutreffen würde.

      Da er "leider" schon mit mehr oder weniger chronischen Wehwehchen zu kämpfen hat, sagte er nur, darauf käme es jetzt auch nicht mehr an.

      Wir sehen das beide locker, nur jetzt habe ich mal einen wagen Ansatz, warum mein Mann manche Dinge eben so macht der wie er redet. Er selbst kann darüber nur lachen.

<<<kennt das noch jemand, vor allem bei Erwachsenen?>>>

Bei etwa geschätzten 60% der Urbiauser.....wobei ich das mit dem "Erwachsen" manchmal anzweifle. ;-)

Ernsthaft: Ich halte nicht sonderlich viel von medizinischen "Ferndiagnosen" von Leuten mit Halbwissen, welches bei solchen Fällen sogar gefährlich sein kann, wenn Leute sich dann gegenseitig hochschaukeln, und letztendlich aus einer laufenden Nase ein akuter Befall der schwarzen Pest wird.

  • Oh ja, diese Beiträge, die schon mit "Achtung lang" beginnen.

    Dann wird aufgezählt, wie lange man verheiratet ist, welchen Film man beim ersten Date gesehen hat und natürlich die Einkommenssituation erläutert (normalerweise "nicht reich, aber auch nicht gerade arm. Für Eigenheim, zwei Autos, drei Urlaube im Jahr und das ein oder andere teure Hobby reicht es".) Im Anschluss muss noch das Verhältnis zur Schwiegermutter (schon immer schwierig, aber seit die Kinder da sind eine Katastrophe) erörtert werden.

    Erst wenn all diese wichtigen Fakten geklärt sind, kann man fragen, ob man sich Sorgen machen muss, weil der Nachwuchs heute eine Oktave höher gepupst hat als sonst.

    Ich mag Urbia. ;-)

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