Ehe - Seitensprung - Und nu?

    • (1) 12.05.15 - 11:31
      wasmacheichbloß

      Hallo,
      ich muss hier mal meine Geschichte erzählen, ich habe niemandem mit dem ich reden kann und hoffe auf ein paar neutrale Blickwinkel.
      Mein Mann und ich sind seit zwölf Jahren zusammen, seit acht verheiratet. Wir haben zwei Kinder (7+5).
      Letztes Jahr ging es mir gesundheitlich sehr schlecht. Ich bin Ende des Jahres für fünf Wochen alleine auf Kur gefahren. Es war eine harte, aber auch sehr wichtige Zeit für mich. Seitdem leide ich unter einer mittelschweren Depression. Jetzt im nachhinein weiß ich, dass ich diese wohl schon länger habe, erkannt und akzeptiert habe ich es erst nach der Kur.
      Auf dieser Kur habe ich einen zehn Jahr jüngeren Mann kennen gelernt, später dazu mehr.
      Ich habe meinen gutbezahlten langjährigen Job nach der Kur gekündigt, die Situation mit meinen Vorgesetzten war für mich einfach nicht mehr auszuhalten. Seitdem bin ich krank geschrieben und danach dann wohl erstmal arbeitslos bis ich wieder gesund bin.

      Die Ehe ist durchwachsen. Ich denke wir haben zum Teil ganz normale Probleme, die man eben hat als Familie mit zwei kleinen Kindern. Wir sind uns in wichtigen Dingen einig und verfolgen die gleichen Ziele was unsere kleine Familie angeht. Sexuell passt es leider nicht so wie ich es mir wünsche und auch viele zwischenmenschliche Dinge (nur zwischen uns) funktionieren einfach nicht. Früher konnte ich das kompensieren bzw. darüber hinweg sehen, seit meiner Erkrankung schaffe ich das einfach nicht mehr.

      Kurz gesagt: Meine größte Baustelle ist mein Selbstbewusstsein. Das hat viele verschiedene Gründe und führt dazu, dass ich mich sehr ungeliebt fühle, vor allem von meinem Mann. Er hat kaum sexuelles Interesse an mir, was mir wirklich sehr fehlt. Es gibt nie Komplimente und das, obwohl ich in den letzten sechs Monaten über 30kg abgenommen habe. Er freut sich sehr wenn andere ihn darauf ansprechen, also schätze ich mal es gefällt ihm, aber es kommt nicht ein Funken davon bei mir an. Auch sonst hat er nur Erwartungen an mich, kritisiert, nörgelt und stellt sich und jedes Wehwehchen gnadenlos in den Mittelpunkt.
      Ich bin kein stilles Mäuschen was alles über sich ergehen lässt. Ich rede schon seit mind. 1,5 Jahren und habe alles bereits mehrmals angesprochen. Mal haben wir gestritten, mal vernünftig gesprochen - Das Ergebnis ist immer gleich: Er kann das verstehen und reißt sich eine Zeit zusammen. Das hält dann ein bisschen und dann platzt seine teilweise abfällige Art wieder raus. Ohne das böse meinen zu wollen glaube ich, er versteht es nicht und hätte am liebsten eine Anweisung wann er was sagen soll damit es keinen Stress gibt.

      Wie gesagt, auf Kur habe ich einen Mann kennen gelernt. Ich habe mir wirklich nichts dabei gedacht. Er ist 10 Jahr jünger und in einer festen Beziehung, ich verheiratet und zwei Kinder. Wir haben uns einfach gut verstanden und es ist auch nix passiert bis dahin. Als ich abgereist bin haben wir den Kontakt per WA gehalten. Es ging immer mehr von ihm als von mir aus. Wir leben ca 350km getrennt.
      Zwei Monate später kam er mich besuchen, wir haben ein Ereignis hier in meiner Stadt zusammen angesehen und hatten danach einen netten Abend. An diesem Abend hat er versucht mich zu küssen, was ich abgeblockt habe.
      Der WA Kontakt ging danach weiter, es wurde allerdings eindeutiger. Letztes Wochenende habe ich mich dann quasi davongestohlen, er hatte sturmfrei. Es war ein nettes Wochenende und es ist mehr gelaufen, Sex gab es keinen.
      Ich muss dazu sagen, dass ich zwischenzeitig unter anderem sexuell so frustiert bin, dass es mir tatsächlich egal war. Ich weiß, das ist sehr egoistisch, aber ich habe noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen.

      Und nun sitze ich hier und frage mich wie es weitergehen soll. Ich bin in den anderen Mann nicht verliebt, aber ob ich meinen Mann noch aufrichtig liebe kann ich auch nicht sagen.
      Das Wochenende hat mir einfach klar gemacht wie sehr ich es vermisse begehrt zu werden. Einfach jemanden zu haben dem man wichtig ist und der einen respektiert und gerne um sich hat. Es fühlt sich an wie Liebeskummer. Nicht nach dem anderen Mann, sondern einfach nach Liebe. Ich fühle mich richtig bedürftig.

      Ich hoffe einfach, dass jemand hier vielleicht schon so eine Erfahrung gemacht hat und mir den ein oder anderen Tipp geben kann?
      Ich weiß wirklich nicht wie es weitergehen soll, ich weiß nur so geht es nicht.

      Danke.

      (4) 12.05.15 - 11:44

      Hallo,

      Deine Geschichte ist m.E. ein Klassiker.

      Wir träumen von einem lieben Partner mit dem wir glücklich bis zum Lebensende leben. So erwartet das ja unsere Gesellschaft. Tatsächlich ist das jedoch in den wenigsten Ehen/Beziehungen so.

      Die Kinder runden dann die Familie ab. Alles ist nach außen toll, aber mit den Kindern beginnen die Probleme. Frau kümmert sich naturgemäß mehr um die Kinder, Mann fühlt sich zurück versetzt und sucht die Aufmerksamkeit in dem er nörgelt. Das gefällt der Frau nicht, sie fühlt sich ungeliebt... Der Teufelskreis nach unten hat begonnen bzw. ihr steckt mittendrinn. Wer ist "Schuld". Keiner oder Beide...

      Irgend wann kommt dann ein anderer Mensch ins Leben, der dann erst mal den Sonnenschein verbreitet.

      Frage einfach an Dich zurück. Wen willst Du denn? Deinen Mann, den Mann aus der Kur oder Beide?

      • (5) 12.05.15 - 15:37

        Vielen Dank für deine Antwort.

        Ich finde mit dem Klassiker hast du wohl den Nagel auf den Kopf getroffen.

        Jetzt würde ich sagen, dass ich meinen Mann will, aber eben nicht unter diesen Voraussetzungen. Vielleicht reden wir aneinander vorbei, ich weiß es nicht.

        • Siehst du das geht 3/4 der Paaren so. Einer springt dann aus und hat einen
          neuen Partner, aber er nimmt seine Probleme mit.
          Wenn du Depressionen hast kommt das auch bei einem neuen Mann

          irgendwann zu Problemen.......meist nach dem Honeymoon (1- 2Jahre).
          Aus deinen Schilderungen müsste dein Mann auf dich zu gehen und dich
          stabilisieren.
          Das macht er aber nur wenn seine Liebe dafür ausreicht ? Es wäre auch sehr
          wichtig daß du und er genau formulieren was ihr vom Anderen erwartet.
          Da du aber schon mimd. 50% weg bist sieht es eher schwierig aus .

    Deine ganze Erkrankung und die Folgen macht ja nicht nur was mit Dir, sondern auch mit den Menschen die mit Dir leben, mit Deiner Familie. Waren die jemals therapeutisch mit einbezogen?

    Lichtchen

    • (8) 12.05.15 - 15:40

      Vielen Dank für deine Antwort.

      Den Aspekt hatte ich noch nicht betrachtet. Derzeit bin ich noch immer auf der Suche nach einem Psychologen, das zieht sich leider sehr. Wahrscheinlich geht es mir einfach noch nicht schlecht genug dafür
      Ich möchte erstmal selber anfangen und habe auch schon an eine Paartherapie gedacht.

Du machst einen großen Fehler, indem du dein Glück von deinem Mann abhängig machst.

Wenn du mit deinem Leben im Allgemeinen glücklich wärst, hättest du keine Despression. Somit liegt es nicht "nur" an deinem Mann.

Hast du Hobbys, Freunde? Machst du etwas nur für dich?

Du musst erst lernen, dich selbst zu lieben und mit dir im Reinen zu sein, bevor du die Sache mit deinem Mann angehst.

Zu dem anderen solltest du den Kontakt abbrechen. Der bringt dich nicht weiter.

  • > Wenn du mit deinem Leben im Allgemeinen glücklich wärst, hättest du keine Despression.

    Bitte? #kratz

    Umgekehrt ist's richtiger: Sie wäre sicher glücklicher, wenn sie keine Depression hätte. Depression ist eine Krankheit, keine Stimmung.

    • Und woher denkst du, kommt eine Depression?

      <<<Umgekehrt ist's richtiger: Sie wäre sicher glücklicher, wenn sie keine Depression hätte. >>>

      Natürlich ist es das. Um es bis dahin zu schaffen, muss man aber hart an sich selbst arbeiten.

      • Wenn ich das wüsste, hätte ich wahrscheinlich den Medizin-Nobelpreis.

        Die Zusammenhänge sind sehr komplex und nur teilweise verstanden, es gibt aber sicher genetische und physiologische Faktoren.

        Psychosozialer Stress kann eventuell ein Auslöser sein, aber bei dir liest es sich so als wäre ihre Depression eine natürliche Folge ihres Unglücklichseins, sie also quasi selber schuld daran, weil sie ihr Glück von ihrem Mann abhängig macht.

        • Das ist doch Quatsch.

          Es geht mir überhaupt nicht um ihren Mann, oder darum, dass sie ihr Glück vom Mann abhängig macht.

          Es spielen viele Faktoren eine Rolle. Mag sein, dass es auch genetisch bedingt sein kann. Aber eine Depression ist eine psychische Krankheit. Und die eigene Psyche kann man steuern, wenn man will.

          Deshalb habe ich auch dazu geschrieben, dass sie dazu Hobbys und Freunde braucht. Sie muss vor allem daran arbeiten, mit sich selbst im Reinen zu sein. Und dies erreicht sie nur, wenn sie zuerst an sich selbst und ihren Ansichten arbeitet.

          Ihr Mann hat damit nichts zu tun.

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