Depressiver Freund

    • (1) 21.05.15 - 14:56
      Alter Schulfreund

      Ich schreib im falschen Thema, weil ich anonym bleiben muss, entschuldigt bitte.

      Es geht um einen guten Freund von mir, den ich schon über 20 Jahre kenne, seit dem Eintritt ins Gymnasium. Zeitweise waren wir ganz eng, dann wurd's mal weniger, dann wieder mehr, der Kontakt war aber immer da.

      Das Problem: Er ist depressiv - und deswegen auch medikamentös in Behandlung. Eine begleitende Therapie hat er aber wohl (so ist meine letzte Information) abgebrochen.

      Und mit den Jahren wird es immer schlimmer. Jedes gemeinsame Treffen klagt er mir sein Leid. Immer geht's ihm von allen Menschen am schlechtesten. Wer findet keine Frau? Er. Wer wird auf der Arbeit von den Kollegen schlecht behandelt? Er. Wer wurde beim Kauf des Autos über den Tisch gezogen? Er. Wer ist (obwohl gar kein Bahnfahrer) das größte Opfer des Bahnstreiks? Er. Denn schließlich sind die Straßen ja dadurch voller, die ganzen Bahnfahrer haben ja als Gelegenheitsfahrer das Fahren verlernt und er kommt dadurch dann zu spät zur Arbeit. Gleitzeit, wohlgemerkt.

      Außerdem "muss" ich mich aus seiner Sicht mindestens wöchentlich mit ihm treffen. Wenn nicht, ist er mies gelaunt und macht mir Vorwürfe. Wenn doch, dann ist er trotzdem mies gelaunt und lamentiert wie oben beschrieben.

      Wenn ich mal was Schlimmes erlebe, z.B. nach der Krebsdiagnose bei meinem Vater, wechselte er direkt das Thema und erzählte von seiner - im Ernst - Erkältung, die er nicht wegbekommt.

      Lange Rede, kurzer Sinn: Ich halt das nicht mehr aus, bei aller Rücksichtnahme auf seine Krankheit nicht.

      Was würdet ihr tun? Die Freundschaft beenden? Mir wäre sehr danach, und nicht aus einer Laune raus, sondern weil es seit Jahren nur noch schrecklich ist.

      Meine Angst: Außer mir hat es schon alle vergrault. Was, wenn ich nun auch noch gehe. Man weiß ja, wozu Depressive fähig sind. Ich hab irgendwie auch Angst vor Schuldgefühlen, wenn er sich irgendwann mal was antun sollte...

      Ihr merkt, ich bin ratlos. Und für jede Antwort dankbar.

      • Der klingt nicht nach depressiv, der ist eher ein negativer Narzisst oder eine andere psyschiche Krankheit. So sind Depressive nicht.

        Dem kannst Du nicht helfen. Zieh Dich zurück bzw beende alles, ihm ist es letzendlich egal, selbst wenn Du ihm sagen würdest warum, würde er sich nicht ändern, weil er nicht kann und erkennt es auch selbst nicht, deswegen wohl der Therapieabruch.

        Zieh den Schlußstrich.

        (3) 21.05.15 - 15:54
        so einen hab ich auch

        Hallo,

        ich habe auch so einen Freund/Bekannten den ich schon über zwanzig Jahre kenne.

        Er ist so wie dein beschriebener Freund.

        Meiner bringt auch solche Sachen. Zum Beispiel ruft er mich an und ich frage wie es ihm geht (die Frage brauche ich eigentlich nicht stellen weil es ihm immer schlecht geht).

        Er meint dann, dass es ihm schlecht geht, er hat Magen- und Darmkrebs.

        Ich bin fast umgekippt und dann stellte ich heraus, dass er immer wieder Bauchkrämpfe hat und Durchfall.

        Er war aber noch bei keinem Arzt aber ER geht von Krebs aus.

        Da war ich so sauer und hab gemeint er soll mit so einer Krankheit keinen blöden Scherze machen.

        Inzwischen hab ich den Kontakt auf ein Minimum reduziert weil es mich auch runterzieht.

        Er hat auch keine Freunde, keine Freundin, er und alle in seiner Familie sind immer krank, bei der Arbeit läuft es nicht gut usw.

        Ich hab im damals ein paar Tipps gegeben damit es besser läuft aber ich glaub er fühlt sich in der Versagerrolle wohl und braucht das Mitleid der anderen.

        LG

        Bist du sicher, dass er depressiv ist?

        Für mich klingt er eher nach einem Jammerlappen, der Aufmerksamkeit braucht.

        Ich bin der Meinung, dass wenn er dir nicht gut tut, dann solltest du diese Freundschaft beenden. Er zieht dich runter. Er "saugt" dich emotional aus. Sowas braucht kein Mensch.

      • (5) 21.05.15 - 16:50
        EhemaligerDepressiver

        Mir ging es früher ähnlich wie Deinem Freund. Ich habe alles nur schwarz gesehen. Das Glas war immer halb leer und nicht halb voll.
        Ich hatte eine tolle Partnerin an meiner Seite, jedoch ging ich ihr wohl mit meinen negativen Gedanken auf den Keks und es kam zur Trennung.
        Das hat mich natürlich erst mal noch tiefer runter gezogen, aber habe beschlossen etwas zu ändern.

        Ich habe viel Sport gemacht, mich in meinem Beruf engagiert und viel Wertschätzung erhalten. Allmählich kam ich aus diesem schwaren Loch heraus. Ich habe zwar heute auch noch depressive Züge, aber die sind dann anlassorientiert und kommen nicht aus dem Nichts.

        Ich schaue dann auf Pokale oder Diplome, die ich erreicht habe und dann geht es mir wieder besser.

        Was kannst Du Tun?
        1. Die Freundschaft beenden, vielleicht rüttelt ihn das wach, vielleicht auch nicht
        2. Ihm direkt sagen, dass Dir sein Gejammere ankotzt und die Dich mal über positive Dinge mit ihm unterhalten willst, und wenn nicht Du überlegst, die Freundschaft zu beenden. Vielleicht hilft das bereits.

        • "Ich schaue dann auf Pokale oder Diplome, die ich erreicht habe und dann geht es mir wieder besser."

          Nicht böse sein, aber Kennzeichen einer echten Depression ist ja nun gerade, dass der Depressive sich an solchen Dingen eben nicht mehr aufrichten kann, sondern trotzdem nur noch negativ denkt und gerade daran verzweifelt ... ich habe leider mehrere beruflich erfolgreiche Menschen in der Familie, die wegen Depressionen suizidal geworden sind.

      Hi,

      mit solch einem energetischen Blutsauger war ich verheiratet. Fragt lieber nicht....#augen
      Ich dachte auch ich könnte helfen und bla. Aber am Ende können wir als Partner oder Freunde gar nichts, wenn betreffende Person nicht will.
      Beende dieses Thema, du bist nicht für sein Seelenheil verantwortlich. Und da er dir mehr Energie raubt (du lässt halt auch rauben ;-)) als du aus dieser Freundschaft etwas positives mitnimmst, ist die Sache (wenn überhaupt) sehr einseitig.

      Such dir neue Freunde. :-p;-)#winke

      Ihm kannst du nicht helfen!

      Hey,

      Ich habe eine Schulfreundin, die sich ähnlich verhält. Sie war schon immer eher negativ eingestellt, wobei es im Laufe der Zeit immer intensiver wurde. Ich hab es die meiste Zeit als Herausforderung gesehen und versucht ihre Sichtweise zu hinterfragen – das hat manchnal geklappt, manchmal nicht. Allerdings wurde mir das irgendwann auch zu anstrengend. Am meisten hat mich ihre Ich-Bezogenheit gestört. Es wurden immer ihre Probleme gesprochen. Ich hatte das Gefühl, sie interessiert sich nicht mal mehr für meine Anliegen. Irgendwann hab ich ihr ausführlich die Meinung gesagt und sie hat zugegeben, dass sie sich dessen schon bewusst sei – zumindest phasenweise. Sie meinte auch, dass sie daran arbeiten wollen würde. Zu diesem Zeitpunkt war sie auch schon ein halbes Jahr in therapeutischer Behandlung gewesen. Mittlerweile hat schon einiges gebessert, allerdings gibt es immernoch Phasen, in denen wirklich alles schlecht und alle doof sind.

      Ob dein Freund wirklich an einer "puren" Depression leidet, weiß ich nicht. Die Beschreibungen deuten auch ein bisschen auf eine Persönlichkeitsstörung hin (evtl narzisstische Züge?).. Wenn die Krankheitseinsicht so gar nicht vorhanden ist, ist eine Therapie richtig schwierig.

      Du kannst nicht mehr tun, als ihm deinen Rat geben, sich in psychologische Betreuung zu begeben. Du solltest zuerst an dich denken: Wo sind deine Grenzen?

      Liebe Grüße

      Hallo!
      Ich habe jetzt noch keine Antwort gelese.Aber ganz unabhängig von einer Depression, gibt es Menschen, die immer nörgeln! Ich habe letzt aus familiären gegebenen Anlaß mal einen kleinen Text geschrieben. Vielleicht erkennst Du Deinen Freund wieder?

      P.S. Ist natürlich nicht ganz ernst gemeint!

      -Nörgler; der, die das. Stets mit sich und seinem Leben unzufriedener Mensch , vermutlich dominant vererbte, schwer zu behandelde Eigenschaft. In extremer Form zur Lebenseinstellung werdend. Durch einkreuzen von Nicht-Nörglern sind im Versuch positive Resultate zu beobachten. Quelle: Psychorambel, 2015

      Ich gehöre zu den Nörglern. So, jetzt ist es raus. Jetzt hat das Elend einen Namen.

      Nörgler, das ist eine Spezies, die kann keiner ertragen, am wenigstens die Nörgler selbst. Als Nomalo sollte man im Gespräch innerhalb Sekunden entscheiden, wie man auf solche Gesprächspartner reagiert. Da hat man grundsätzlich erstmal zwei Möglichkeiten. Entweder innerlich abschalten, nicken und bedauern oder gleich Kontra geben. Letzteres als eine Art Selbstschutz, denn wenn ein Nörgler erst in Fahrt kommt, kann es häßlich werden, denn auch mit sachlichen Argumenten, kommt man nicht weiter. Dagegen ist der geübte Nörgler immun.

      Hier ein Beispiel, wie Nörgler gern eine Unterhaltung beginnen, obwohl diese vom Gegenüber nicht mal gewollt ist: „ Hallo XY, Du ich habe gar keine Zeit, aber…(Achtung: Wenn man hier nicht blitzschnell reagiert, kann man locker zwei Stunden anhören, warum er oder öfter sie, keine Zeit hat.)

      Klassisch auch folgende Variante: Hallo XY! Man hast Du Heute auch soooolche Kopfschmerzen? Da hat man leider wirklich gar keine Chanze heile aus der Nummer rauszukommen und man muß schon ein gefestigter Charakter sein. Denn egal, wie man darauf Antwortet, wenn nicht die nächsten Stunden genau dort Düsenjets starten und landen, muß man sich schon zumindest die gröbsten Krankheitsgeschichten anhören, die der Nörgler so die letzten 10-20 Jahre erlebte und in Zukunft erleben wird! Falls man als Gesprächspartner kurz vorm einnicken doch den Fehler begeht, auch eine Krankheitsanekdote zum Besten geben zu wollen, kann man sicher sein, dass der Nörgler gerade diese auch durchmacht, nur viel schlimmer und praktisch erst kurz vorm hellem Licht umgekehrt ist!

      Ansttrengend auch Gespräche über Arbeit und Geld.

      Ersteres immer zuviel, Zweites immer zu wenig!

      Wenn Sie sich jetzt zu recht fragen: „Ja, Mensch über was kann man sich denn mit einem Nörgler unterhalten? Na, über Aussehen, Klammotten und Gewicht jedenfalls nicht mit weiblichen Nörglern. Das geht auch nicht gut! Was gutes haben wir Nörgler aber auch! Wir nörgeln meistens nur an uns selber herum: Zu dick, blöde Frisur, krumme Füße, häßliche Hose. Finden wir alles bei uns selber. Brauchen wir grundsätzlich ja dann nicht bei anderen suchen. Kann also, um sein eigenes Ego aufzupolieren, zwischendurch als Geprächsthema angeschnitten werden. Denn bei uns ist alles scheißiger, darauf gebe ich mein Wort!

      Wenn sich allerdings Zwei oder mehrere Nörgler begegnen, dann kann es nicht nur häßlich werden, dann sollte man als Normalo möglichst unauffällig und zügig die Gefahrenzone verlassen. Da kommen, wenn es ganz schlecht läuft, Dinge auf den Tisch, die für zartbesaitete nicht geeignet sind. Da kann es bei Kaffee und Kuchen schon mal passieren, dass weibliche Nörgler sich mit schlimmen Geburtserlebnissen bis hin zur stärke der nachgeburtlichen Blutung übertrumpfen wollen. Schlimmer geht immer.

      Lg Sportskanone

      • #rofl

        Ich habe herzlich gelacht. Vielen Dank für dieses Posting.

        Und, OMG, dadurch ist mir eben klar geworden: Mein Schwiegervater ist ein Nörgler. Der Text beschreibt genau ihn. Auweia #schock.

        • ;-)Jep, wenn man weiß, worauf man achten muß, erkennt man den gemeinen Nörgler schnell!
          Ich weiß wovon ich schreibe, wir sind eine Familie (also meine Eltern, Geschwister..) der Nörgler. Aber ich habe den Kreis durchbrochen und erkannt, dass man als Nörgler auch anders kann-dann macht das Leben mehr Spaß und man nervt andere nicht dauert. Leider fehlt den meisten Nörglern diese Einsicht.
          Deshalb habe ich gerade wieder mal Funkstille mit meiner Schwester, der Königin aller Nörgler der Welt#zitter#zitter#zitter
          Lg Sportskanone

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