Völlig fertig, obwohl wieder alles okay

    • (1) 29.05.15 - 17:15
      ohnegrund

      Hallo, jetzt muss ich mich auch mal an euch wenden:

      Mein Sohn war diese Woche auf Ferienfahrt mit dem Hort. Schon am 1. Abend hat mich die Erzieherin angerufen, dass es meinem Sohn nicht gut gehen würde. Sie wollten es aber nochmal probieren, sie dachte, er wäre nur erschöpft.

      Am 2. Abend musste ich ihn dann abholen. Kind krank und die ganze Nacht gehustet. Die Nacht vorher natürlich Sorgen gemacht.

      Das war der Tag, nachdem ich meinem Mann nachts in die Notaufnahme gebracht habe. Kammerflimmern oder so ähnlich, es ging ihm elend, ich kenne mich da nicht aus mit den Herzkrankheiten.

      Er war 2 Tage auf der Intensivstation, danach hat er so einen Schock mit dem Defibrillator unter Vollnarkose bekommen und dann ging es wieder. Ich bin fast gestorben vor Angst und jetzt erkältet.

      Musste mich echt zusammenreißen, um meine und die Termine meines Mannes wahrnehmen zu können.

      Heute sind wieder alle da und ich bin einfach nur fertig, könnte nur rummeckern und heulen. Eigentlich müsste ich ja jubeln vor Freude und mir fehlt ja auch nichts Schlimmes, keine Ahnung.

      Gibt es das, dass man so fertig ist, obwohl alles gut ausgegangen ist?

      Danke

      • (2) 29.05.15 - 17:24

        Das gibt es.
        Ich nenne es mal seelischen "Muskelkater"
        Als du gebraucht wurdest hast du funktioniert, dich zusammengerissen und getan, was nötig war.
        Jetzt ist der Druck weg und deine Emotionen suchen sich einen Weg.

      (5) 29.05.15 - 17:31

      Ich hab einen extrem empfindlichen Magen. Bei viel Stress kriege ich immer eine Magenschleimhautentzündung. Aber nicht während des Stresses, sondern dann, wenn der Stress (Prüfungen o.Ä.) vorbei ist. Das ist, als würde alles von mir abfallen, und mein Körper würde merken, dass er jetzt nicht mehr "funktionieren" braucht, sondern mal schlapp machen kann.
      Also: Ja, definitiv. Gönne dir und deiner Familie eine Auszeit, um zur Ruhe zu kommen!
      Wünsche euch alles Gute!

      (6) 29.05.15 - 17:38

      Ja, das gibt es! Der Körper ist einige Zeit zu Höchstleistungen fähig. So wie Worcaholics, die plötzlich krank werden, wenn Urlaub ansteht und sie zur Ruhe kommen. Oder Todkranke, die noch so lange durchhalten, bis ein bestimmtes Ereignis, das sie unbedingt noch erleben wollen, vorüber ist.

      Du bist ein paar Tage auf Hochtouren gelaufen, hattest weder Zeit für Erholung noch für Schockreaktionen. Jetzt fällt alles von dir ab und die vergangenen ßtage holen dich ein mit der normalen Reaktion. Wenn du dich erholt hast, kommt sicher auch die Freude und Erleichterung.

    • (7) 29.05.15 - 21:26

      Das ist eine ganz normale Reaktion.

      Oftmals sind wir darauf programmiert, in den schwierigen Situationen zu funktionieren, damit wir und unsere Lieben die Situation gut überstehen.

      Danach entspannt der Körper und die Seele - oftmals mit Tränen und Müdigkeit!

      Das ist ein gutes Relikt aus der Steinzeit! Erstmal das Leben retten, Angst haben kann man hinterher ;-)

      Ich wünsche dir, dass bald alles wieder in Ordnung kommt und alle wieder gesund werden!

      Alles Gute!

      Das ist normal! Dann ist der ganze Stress vorbei und der Koerper kann entspannen und dann ist die Luft raus.
      In 1-2 Tagen ists es wieder gut! Gute Besserung an alle!

      (9) 01.06.15 - 16:18

      Huhu,

      unser Jüngster ist chronisch krank, war die ersten drei Lebensjahre alle paar Wochen im KH, weil er unklare Fieberschübe bis 42 Grad hatte und die Entzündungswerte im Blut extrem hoch waren.

      Im KH habe ich dann so Dinge erlebt, wo sich ein Mann beschwert hat, dass die OP des eigenen Kindes spontan nach hinten geschoben wurde, weil unser Sohn eine Vollnarkose für die Lumbalpunktion bekam. Die Ärztin hat sehr ernst zu ihm gesagt, er solle verdammt froh sein, dass es nicht sein Kind sei, das in diesem Zimmer liege #heul Ich glaube, erst in diesem Moment ist mir die Gefahr so richtig klar geworden.

      Ich habe die komplette Diagnostik (3 Jahre) über funktioniert, war immer stark und habe alles aufgenommen, umgesetzt und Termine abgearbeitet. Und jedes Mal kam nach ein paar Tagen zu Hause, wenn alle um mich herum waren, in "Sicherheit", der totale Zusammenbruch. Ich habe NUR gemeckert, war total ungerecht, habe bei jeder auch nur angedeuteten Kritik geheult, fühlte mich ungerecht behandelt, fand alles total sinnlos und und und. Totales Gefühlschaos #schwitz Das waren dann die Momente, in denen mein Mann übernommen hat. Er hat mich komplett aus dem Verkehr gezogen und mich zu einer Freundin geschickt, während er die Kids wieder in die Spur gebracht hat. Es ging mir dann nach ein paar Tagen wieder besser. Er hingegen war derjenige, der im Krankenhaus zusammengebrochen ist, weil er die vielen Schläuche im Baby nicht verkraften konnte.

      Bei dir ist aber der Part, der dich auffangen sollte, selber betroffen. Du hast niemanden zum anlehnen #liebdrueck Insofern musst du mehr oder weniger alleine damit klar kommen und möchtest wohl auch nicht mit deinem Mann über deine Ängste um ihn reden.

      Ich denke, solche Situationen machen einem erst wirklich bewusst, wie zerbrechlich das Glück doch ist. Es kann so furchtbar schnell etwas schief gehen :-( Bei mir kommen auch immer wieder Ängste durch Trigger hoch. Das kann alles mögliche sein z. B. das Geräusch von Martinshörnern oder Blaulicht, der Geruch von Desinfektionsmittel oder wenn nachts das Licht angeht. Ich bekomme Schweissausbrüche, Herzrasen und habe Tränen in den Augen. Total bescheuert, aber ich kann nichts dagegen machen... Laut Psychologen wird das mit der Zeit besser...ich bin gespannt #schwitz

      Insofern: Eine normale Reaktion auf die Ängste und den Stress der letzten Tage. Wenn dieser Zustand länger als eine Woche anhält, würde ich mir Hilfe suchen. Ich hätte das damals viel früher tun sollen. Ich konnte nicht mit meinem Mann über Dinge wie Beerdigung, was sagen wir den Großen, Befürchtungen und Ängste reden, weil wir uns beide nur mühsam aufrecht gehalten haben. Freunde wollte ich damit nicht belasten, die hätten wohl auch ohnehin gesagt, dass ich positiv denken sollte. Eine außenstehende Person wäre da genau richtig gewesen. Einfach mal alle Ängste auspacken und ansprechen können, ohne Angst, dass das Gegenüber zusammensackt, das hätte geholfen.

      LG und alles Gute für euch
      Jenx

      • (10) 01.06.15 - 21:46

        Hallo Jenx,

        vielen Dank für deinen Beitrag. Ich hoffe, deinem Kind geht es inzwischen besser.

        Leider bin ich selber schon seit 4 Jahren chronisch krank mit diversen Krankenhausaufenthalten und Operationen. Mein Sohn ebenfalls, mein Mann war bisher der Fels in der Brandung. Bis Dienstag eben.

        Wir sind nervlich beide so runter, dass wir gestern fast den ganzen Tag gestritten haben, das auch noch. Wegen Kuchen, wer den holt und wer nicht und dann ob. Unglaublich.

        Ich habe viele Freunde verloren, weil es den meisten einfach zu viel geworden ist. Jeder hat eigene Probleme, das ist halt so, es tut weh, aber ich verstehe das.

        Ich wollte mit der aktuellen Krise den Freunden nicht die Pfingstferien verderben, deshalb habe ich es hier geschrieben anstatt jemanden anzurufen. Mein Schwager hat einfach gar nicht reagiert und meiner Schwiegermutter ist der Urlaub mit dem neuen Freund auch wichtiger als der Sohn und ich.

        LG und für euch auch alles Gute!

        • (11) 04.06.15 - 11:43

          Ach Mensch, da hat es euch aber auch echt hart erwischt :-( Das tut mir sehr leid!

          Ja, unser Sohn ist seit einem Jahr recht stabil #schwitz Wir genießen jeden Tag, der in Normalität verläuft. Kleiner Trost: Seit wir wieder mehr auf der Sonnenseite sind, streiten wir eigentlich überhaupt nicht mehr und gehen deutlich aufmerksamer miteinander um. Wir haben unsere psychischen und physischen Grenzen kennengelernt, wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können und dass wir zusammenhalten. Das hat viel Kraft gegeben. Ich würde mit deinem Mann wirklich mal darüber reden. Was ihr aneinander habt, dass du Angst um ihn hast und auch allgemein über deine Gefühle.

          Außerhalb der Kernfamilie ist schwierig. Wir haben meine Eltern immer erst informiert, wenn wir wussten, dass der Junior überlebt. In der Situation selber noch mit meinen Eltern zu reden hätte mich überfordert. Es gab nur kurze Statusmeldungen per SMS. Andere Leute haben zwar immer betroffen reagiert, aber das hat mir nicht geholfen. Keine Ahnung ob überhaupt etwas geholfen hätte.

          Mein Mann hat übrigens damals einen fremden Mann im Zug vollgequatscht, weil er nicht wusste, mit wem er über seine Ängste reden soll. Hat er mir heute erzählt, weil er sich gestern, nach über vier Jahren, mit dem Mann verabredet hat um sich nochmal zu bedanken. Die Beiden haben sich super verstanden und wollen sich jetzt einmal im Monat zum Essen treffen. So kann's gehen... #rofl

          Ich wünsche euch alles alles Gute!

          #liebdrueck
          Jenx

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