Wieviel ist einem Kind zum Wohle des Vaters zuzumuten?

    • (1) 07.06.15 - 20:10
      bitte-schwarz

      Hallo,

      erstmal Ja, falsche Kategorie. Tut mir leid dafür, aber ich möchte gerne anonym schreiben.

      Ich bin mit meinem Kind alleinerziehend und seit 6 Jahren vom Vater getrennt lebend.
      Wir waren uns immer einig dass wir nicht vor Gericht ziehen wollen und versuchen möchten Alles zum Wohle des Kindes selbst zu regeln.

      Nun finde ich ist es ein schwieriges Thema. Ich habe mich schon oft mit meinem besten Freund darüber unterhalten der von seiner Frau getrennt ist seit seine Kinder 6 und 7 Jahre alt waren. (der mir also sozusagen die Sicht eines getrennt lebenden Vaters wiedergeben konnte)
      Eine ganze Weile sagte er mir immer wie wichtig der Vater fürs Kind ist und hat mich oft wieder "besänftigt" und angehalten gute Miene zu machen.

      Ich gebe euch mal ein paar Beispiele und Fakten, denn die komplette Bandbreite geht einfach nicht.

      Der Vater hat eine eigene 2-zi-Wohnung 5km von uns entfernt. Er ist seit einer Weile wieder arbeitslos, inzwischen im ALG2-Bezug. Vorher hat er ein Jahr gearbeitet - war davor auch arbeitslos - also immer im Wechsel sozusagen.
      Er hat mir selbst schon gesagt dass er einfach keinen Bock mehr hat zu arbeiten und dass er das mit seiner Psychologin schon so hindreht dass ihm das Amt da nicht zu sehr in die Quere kommt. Scheinbar funktioniert das auch, denn als LKW-Fahrer hatte er früher sehr oft die Arbeitgeber gewechselt (weil ihm die Chefs nie gepasst haben) und hat immer sehr schnell wieder eine Stelle gefunden.

      Seine Wohnung ist äusserst chaotisch. Damit meine ich nicht, dass er nicht besonders ordentlich aufräumt, sondern es sieht beinahe wie eine Messie-Wohnung aus. Er ist kein Messie, also er hat jetzt keinen Sammelzwang oder sowas. Von der Küche sieht man nicht mehr viel, die ist mit dreckigem Geschirr und Essensresten, leeren Verpackungen usw. übersät. Und so zieht es sich durch die ganze Wohnung. Dazu kommt eben auch dass es dreckig ist weil er nicht putzt und Essensreste gerne öfter mal verschimmelt irgendwo rumfliegen.

      Eine Zeit lang hat er es geschafft zumindest den Müll soweit einzusammeln und wegzuräumen bevor unser Kind zu ihm kam. Inzwischen ist es ihm völlig egal. Man steigt wirklich über Klamotten- und Müllberge in der Wohnung.

      Er unternimmt nur noch sehr selten etwas mit unserem Sohn. Wenn er mal ein Wochenende bei ihm ist, ist es oft so dass sie gar nicht aus der Wohnung raus kommen und nur vor dem Fernseher sitzen. Dann erzählt mir der Kleine öfter dass Papa z.b. Sendungen für Erwachsene gucken will (Castle, Navy CIS, Mentalist usw.) die er dann mit anschaut. Das ist nun kein Horror, aber für einen 7jährigen wohl definitiv nichts.

      Was ich aber für das Bedenklichste halte:
      Er bringt dem Kind gegenüber Sprüche wie
      -du brauchst überhaupt nicht mehr zu mir zu kommen
      -es ist am besten wenn du dir einen neuen Papa suchst
      Wenn er wütend ist haut er auch schonmal Ausdrücke wie Arschloch, Penner, usw. raus (dem Kind gegenüber)

      Vor ca. einem Monat gab es mal wieder so eine Auseinandersetzung als unser Sohn bei ihm war. Er wollte dann alle seine Sachen die er bei Papa hat mitnehmen (was wir auch taten als ich ihn abholte) und sein Vater meinte daraufhin er würde dann eh alles wegschmeißen was er noch von ihm hätte.

      Nun ist mein Sohn sauer (zu Recht wie ich finde) auf ihn und will erstmal nicht mehr zu ihm gehen.

      Und ich, ich sehe es einfach nicht mehr ein den Kleinen zu seinem Vater zu "schicken".
      Ich habe so lange versucht Alles wieder auszubügeln und freundlich auf den Vater einzureden wenn es Zoff gab usw.

      Aber wie oft hört man doch, der Vater hat eben auch Rechte, oder
      es geht die Mutter ja wohl nichts an wie der Vater seine Wochenenden mit dem Kind verbringt, und.... ein Vater ist genauso wichtig fürs Kind wie die Mutter. usw.

      Wie seht ihr das? Wieviel ist einem Kind zuzumuten damit der Vater sein Umgangsrecht zur Genüge ausüben kann?
      Es sind alles keine handfesten Gründe mit denen man jetzt vor Gericht ziehen sollte/könnte um dem Vater den Umgang zu verbieten. Er trinkt nicht, er nimmt keine Drogen, er schlägt das Kind nicht.

      Trotzdem bin ich der Meinung dieser Vater tut einfach nicht gut fürs Kind.

      • wer rechte hat, hat auch pflichten. werden die nicht erledigt (z.b. angemessene sauberkeit und umgang) dann kann er sich seine rechte sonstwohin stecken. zumal es inerster linie um das wohl des kindes geht, nicht des vaters.

        Ich persönlich würde vermuten das der KV wirklich psychisch krank ist, und das der Grund ist weswegen er sich nicht mehr bewerben brauch.

        Auch finde ich, das die Umstände die Du beschreibst nicht Kindgerecht sind.

        Aber Du wirst in Zeiten wie diesem keinen Richter finden, der Dir die Umgangsaussetzung absegnet. bestenfalls temporär.

        Ich kann Dir Geschichten erzählen, eigene, das rollt Dir die Zehennägel hoch, gerne per PN

        Du kannst eigentlich nur hoffen, das der KV die Lust auf den Umgang verliert.

        Pina

        • (4) 08.06.15 - 06:54

          Danke für deine Antwort.

          Ein psychisches Problem hat er definitiv, die Trennung von ihm hatte deutliche Gründe.

          Es ist eben nur so, dass er durch seine Arbeitslosigkeit meiner Meinung nach immer mehr verwahrlost und noch weniger macht.

          Genau diese Hoffnung hege ich inzwischen. Dass er vielleicht irgendwann eine neue Beschäftigung für sein Leben findet und dadurch evtl. keine Lust mehr hat auf den Umgang.

          • Natürlich ist eine Arbeitslosigkeit kontraproduktiv.

            Durch eine Beschäftigung, wie auch immer geartet, strukturiert sich der Tag, ultimativ wichtig bei psychischen Erkrankungen. Dazu kommt dann noch regelmäße Bewegung, die durch die Endorphinausschüttung weiter die Symptome abmildern kann.

            Aber ich kenn das auch von meinen Ex: Nein er steht nicht morgens früh für einen Hiwijob auf ( er hat jetzt seit über 20 Jahren nicht mehr gearbeitet) und Sport, ohje.
            Stattdessen hockt er in seiner abgedunkelten Butze, im Bett, zog sich Schnps, Tabletten und was weiß ich rein, schaut TV oder zieht sich Verschwörungstheorien via Internet rein.

            Wir haben seit über 4 Jahren gar keinen Kontakt und wissen auch nich ob er noch lebt und wenn ja wo.

            Und soll ich mal was sagen: es interessiert auch keinen. Nicht mich, nicht die Kinder, ja nochnichtmal seine eigenen Eltern.

            Er hat sich und sein Leben aufgegeben.

            Pina

      Hallo,

      erstmal finde ich es wirklich traurig das zu lesen. Schade, wenn ein Elternteil sich seinem Kind gegenüber so gehen lässt.

      Ich würde nicht sofort mit Gericht kommen, aber ich würde ihm mal klar die Meinung sagen und dass er es endlich hinbiegen soll.
      Ansonsten besser draußen treffen. An einem neutralen Ort.

      LG

      • (7) 08.06.15 - 06:57

        Danke für deine Antwort.
        Ich habe es so lange versucht, wirklich jahrelang. Und eine Zeit lang klappte es dann auch immer mal ein wenig besser. Aber eben nur eine sehr begrenzte Zeit, da sprechen wir von ein paar Wochen. Da hat er dann zumindest versucht ein wenig aufzuräumen und hat auch was mit ihm unternommen.
        Aber seit ca. einem halben Jahr läuft es nun durchgängig so wie oben beschrieben.

    Wie ist denn der Standpunkt des Vaters, will er den Sohn überhaupt sehen, oder ist der kleine nur ein "Ballast" und wird deswegen so behandelt?

    Ich bin der Meinung das Kind hat in solchen Situationen recht zu entscheiden ob es den Vater besuchen will oder nicht. Ich wurde das Jugendamt kontaktieren, ein Gespräch Suchen und unter Umständen eine besuchspause einlegen.

    K

    • (9) 08.06.15 - 07:03

      Der Vater ist sehr gut im Sprüche klopfen und Reden schwingen.
      "Mein Sohn ist doch alles was ich habe, mein Ein und Alles"
      Er kann auch sehr melodramatisch werden wenn er erzählt wie viel ihm sein Kind doch bedeutet. Nur die Praxis kennt eben Niemand ausser dem Kleinen und mir, da sieht es anders aus.

      Zur Zeit ist er beleidigt weil er der Meinung ist dass die Auseinandersetzung die Schuld unseres Sohnes gewesen wäre. Somit kam ausser drei Emails seitdem keine Regung von ihm. Wenn diese Phase wieder vorbei ist bei ihm, wird er (erfahrungsgemäß) wieder damit anfangen wie wichtig ihm sein Kind ja ist und dann will er den Umgang auch wieder.

      Ich sehe es wirklich genauso. Ich lasse es unserem Sohn nun auch offen ob er zu ihm möchte oder nicht. Auf der anderen Seite ist so eine Entscheidung für einen 7jährigen nicht optimal, aber eine bessere Lösung sehe ich nicht.

      Mit dem Jugendamt hatte ich in der Vergangenheit schon Kontakt. Es gab sogar ein gemeinsames Gespräch mit dem Vater. Aber er kann wie gesagt sehr gut reden. Er schafft es die Leute einzulullen so dass Jeder sieht welch treusorgender Vater er ist.
      Somit wurde ich als die gemeine Mutter hingestellt die versucht dem Vater das Kind vorzuenthalten.

(10) 07.06.15 - 22:11

" Wieviel ist einem Kind zuzumuten damit der Vater sein Umgangsrecht zur Genüge ausüben kann?"

Umgekehrt wird ein Schuh draus - das Kind hat ein Umgangsrecht dem Vater gegenüber. Keinem Kind ist zuzumuten, einem vermüllten Scheißvater ausgesetzt zu sein.

  • (11) 08.06.15 - 07:07

    Danke!
    Ich habe das auch ein wenig überspitzt geschrieben.

    Meine Meinung ist das was du hier schreibst. Aber ich werde so hingestellt als ob ich dem Vater seinen Lebensinhalt nehmen will wenn ich versuche ihm klarzumachen dass er seinem Kind damit schadet.

    Meine Mutter ist die einzige Person die hier absolut zu mir hält weil sie so Einiges mitbekommen hat als wir noch zusammengewohnt haben. (also Er und Ich)

    Ansonsten kann er Menschen sehr gut einlullen und für sich gewinnen.

    Es tut mir gerade einfach unglaublich gut hier mal die Meinungen zu lesen die nicht mich für den Bösewicht halten.

Ich finde nicht das es Kleinigkeiten sind.

Die verdreckte Bude hat schon was von Verwahrlosung ....das ist keine Umgebung für ein kind.
Dazu kommen die verbalen Attacken....es sind keine Schläge , richtig ,- aber für mich ist emotionale Gewalt genauso hart zu unterbinden wie körperliche.

Mein Kind würde den Vater nur noch unter Aufsicht sehen....und wenn mein Kind nicht zum Vater möchte dann würde ich das sehr ernst nehmen.
Der Vater hat ja scheinbar eh null intetesse

Solltest du noch einmal Zutritt zu dieser Wohnung bekommen, dann mache unbedingt Fotos. Dann hast du was in der Hand, wenn das Jugendamt nochmal was sagt.

Mute deinem Sohn nicht diesen Saustall und diesen Umgang zu. Bzw. sollte dieser Vater nur stundenweise und dann nur in der Öffentlichkeit Umgang mit deinem Kind haben.

Und noch was: mich würde es auch nicht wundern, wenn dein Sohn einen seelischen Knacks davon trägt. Die Abweisung und Lethargie des Vaters werden Spuren hinterlassen. Glaub mir das. #klee

Guten Morgen,

puh, das kommt mir sehr bekannt vor. Mein Ex hat unseren inzwischen 9,5jährigen Sohn auch immer in so einer Drecksbude empfangen. Überall rumliegende Klamotten, rumfliegende leere Lebensmittelverpackungen, halbleere bereits schimmelige Kaffeebecher,... Ich fand die Erzählungen meines Sohnes auch nicht so prickelnd, auch nicht, dass der Papa gern abends vor der Glotze eingepennt ist und mein Sohn dann auch in den "Genuss" von wenig kindgerechtem TV-Programm kam, wenn er nachts mal aufwachte (sie schliefen oft zusammen in einem Bett). Aber der Vater kümmerte sich und sein Kind war ihm trotz allem wichtig. Sie unternahmen was, fuhren gemeinsam in den Urlaub, gingen zelten,... Alles im kleineren Rahmen, aber das ist ja vollkommen in Ordnung.

Seit einem Jahr ist nun alles anders. Mein Ex hat seinen Job verloren, kurz darauf seine Wohnung. Er zog dann zu seiner neuen Freundin, mit der er einen 4jährigen Sohn hat. Die Freundin hat noch 3 Mädchen aus einer früheren Beziehung. Es war also nicht mehr möglich, dass unser Sohn ihn übers Wochenende besucht. Er meldete sich auch nicht mehr und war weder über Telefon, noch über whatsapp oder email erreichbar. Ich habe es dann mit den Großeltern, also den Eltern des Vaters, so arrangiert, dass die zwei sich sonntags bei ihnen treffen.

Unser Sohn ist mit der Situation nicht sonderlich glücklich, zumal sein Papa immer noch den Halbbruder dabei hat und er ihn nie mal für sich alleine hat und auch nichts großartiges mit ihm macht (gerne schläft er auch, während Oma sich kümmert) Das tut mir unglaublich leid für ihn, aber ich kann es nicht ändern. Wir reden oft darüber und ich merke, wie sich sein Blick auf den tollen Papa allmählich ändert. Er ist nur noch eine Randfigur in seinem Leben.

Es ist nun auch so, dass unser Sohn mittlerweile selbst entscheiden darf, ob er zu den Großeltern, bzw. zum Papa will oder lieber hier zu Hause Alternativprogramm machen will. Gestern war hier im Ort ein kleines Grillfest. Da wollte er lieber hin. Hatte dann die Oma angerufen. Die war zwar nicht begeistert, weil ja ihr Sohn extra "anreist" und dann sicher wieder "so nen Hals" hat, aber das juckt mich mittlerweile nicht mehr.

Mein Ex gibt sich auch keine Mühe, eine neue Arbeit zu finden (habe kein Internet, kann nicht suchen... haha... blablabla). Gemeinsam mit seiner neuen Freundin lebt er nun von Alg II. Vom Jugendamt (bekomme nun UHV) hab ich nebenbei erfahren, dass die zwei sich mit falschen Angaben Unterhaltsvorschuss für den Kleinen erschlichen haben.

Hm, was wollte ich dir eigentlich raten? :) Ich finde einfach, dass manche Väter den Umgang mit ihren Kindern nicht mehr verdient haben. Mein Sohn ist so ein toller Kerl, gehört zu den besten Schülern seiner Klasse, darf zur Begabtenförderung und sein Papa interessiert sich nen Scheiß! Perlen vor die Säue.

LG und viel Kraft für dich und deinen Sohn
Klappspaten

  • Deinen letzten Absatz finde ich interessant.
    Hätte der Vater des Kindes den Umgang eher verdient, wenn das Kind entwicklungsverzögert wäre und eine Integrationsklasse besuchen würde?
    Oder warum genau erwähnst du die herausragenden schulischen Leistungen?

    LG Claudi

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