(Fern-)Beziehung mit einem Egoisten

    • (1) 08.06.15 - 08:19

      Hallo,

      ich brauche mal dringend einen Rat. Seit 7 Monaten führe ich eine Fernbeziehung mit einem 13 jahre älteren Mann aus Bayern. Ich selbst bin 45 Jahre alt und wohne in Niedersachsen. Unsere Wohnorte liegen 370 km auseinander. Wir sehen uns ca. alle 2-3 Wochen und waren im Februar auch schon zusammen im Urlaub. Bisher war alles wunderbar.

      Ich habe mir nun überlegt zu ihm nach Bayern zu ziehen. Dies wäre für mich ein sehr großer Schritt: ich müsste meinen sicheren, sehr gut bezahlten Job aufgeben, meinen alleinstehenden alten Vater und meine restliche Familie sowie meine Freundinnen, sprich mein gesamtes "soziales Netzwerk", verlassen usw.. Das würde ich aber gern in Kauf nehmen um mit ihm zusammensein zu können, denn ich liebe ihn sehr und hatte eigentlich auch das Gefühl, dass es mit uns gut funktionieren würde.

      Nun habe ich ihm von meinem Plan erzählt und er war zunächst auch ganz begeistert. Er steht aber auf dem Standpunkt, ich solle bei ihm einziehen. Er hat eine kleine, sehr günstige Mansardenwohnung von 42 qm, die für zwei Personen einfach zu klein ist. Das möchte ich auf keinen Fall. Ich möchte lieber in einer größeren Wohnung mit ihm zusammen neu anfangen.

      Das lehnt er jedoch ab. Seine Argumente: die Wohnung sei durchaus groß genug für zwei, außerdem sei sein gepachteter Garten gleich um die Ecke und seine Garage, wo seine Motorräder drin stehen. Außerdem bräuchte er einen Stellplatz für sein Wohnmobil und seine Anhänger. Und seine Wohnung läge ja so zentral, nur ein paar Schritte zur U-Bahn und zum Supermarkt.

      Eine gemeinsame größere Wohnung zu finden, die den o.g. Anforderungen entspricht, sei praktisch unmöglich, und außerdem viel zu teuer (was Quatsch ist, denn wir wären im Fall der Fälle ja Doppelverdiener mit einem Monatseinkommen von ca. 4.500 EUR).

      Ich bin jetzt wahnsinnig enttäuscht und weiß ehrlich gesagt nicht wie ich mich weiter verhalten soll. Ich finde sein Verhalten einfach nur egoistisch. Ich wäre bereit für ihn mein gesamtes Leben umzukrempeln und er beharrt auf solchen Sachen wie Garage, Stellplatz, Garten und ist nicht bereit in dieser Hinsicht Kompromisse zu machen? Das kann es ja wohl nicht sein!
      Ich habe nach zwei schlaflosen Nächten jedenfalls meinen Plan umzuziehen erstmal auf Eis gelegt. Vielleicht ist es dazu auch einfach zu früh. Ich denke aber nicht, dass sich an der Grundeinstellung meines Freundes mit der Zeit etwas ändern wird. Also was tun? Diese Beziehung hat dann doch keine Perspektive mehr, oder wie seht Ihr das?

      Bitte teilt mir Eure Meinung zu dem Thema mit. Vielen Dank.

      • Hallo, wenn dein Freund in München wohnt, könnte er Recht haben. Was kostet denn eine vergleichbare 3-4 Zimmer-Wohnung an seinem Wohnort? In München sind das gleich über 2000 €. Wenn er in Hof wohnt, findet ihr bestimmt etwas günstiges für euch. LG

        • (3) 08.06.15 - 08:58

          Ich verstehe ihn schon. Du hast nämlich kein Einkommen mehr wenn du zu ihm ziehst und er muss für dich aufkommen. Ich finde nach 7 Monaten zu erwarten, dass jemand aus der Wohnung auszieht ganz schön viel. Ich verstehe aber auch, dass 42 qm recht eng für zwei sind. Such dir einen Job in Bayern. Eine eigne Wohnung. Seht euch öfter und regelmäßig dann klapp es auch mit dem zusammen ziehen. Es kommt drauf an wo in Bayern er wohnt. Ist es um München, dann findet man eh kaum ne bezahlbare Wohnung ist es eher in Nordbayern dann findest du evtl keinen Job. Ich möchte dir noch einen anderen Rat geben. Stell es dir in Bayern als "zuagreiste"nicht so einfach vor. Die warten da nicht auf neue Bekanntschaften. Überlege dir 2 mal ob du deine Freunde verlässt du wirst dort kaum neue finden. Oberflächliche Bekanntschaften ja aber wirklich Anschluss wirst du nicht finden.

          • Hallo,

            nur um das mal richtig zu stellen: ich werde mir auf jeden Fall einen Job in Bayern suchen, und werde meinem Freund auf keinen Fall "auf der Tasche liegen". Ein Job wäre überhaupt die Grundvoraussetzung für den Umzug. Ich will mich ja nicht in die totale Abhängigkeit begeben ;-) Eigene Wohnung wäre durchaus eine Option, habe ich auch schon dran gedacht.
            Das Problem mit den Zugereisten ist mir durchaus bewusst: mein Freund wohnt in Franken und das scheint dort ein besonderer Menschenschlag zu sein. Ich gehe auch mal davon aus, dass es sehr schwierig sein wird dort Anschluß zu finden. Das wäre also eher ein Argument dagegen.

            • (5) 08.06.15 - 10:43

              Ich bin auch Fränkin, lebe aber im Norden. Ich habe von vielen hier gehört, dass Sie Bayern (was übrigens nicht Franken ist) wieder verlassen haben da sie keinen Anschluss gefunden haben. Du hast deinen Partner da ist es vielleicht etwas leichter. Als ich in Norddeutschland angekommen bin und Franken (Bayern) mit etwas Abstand betrachten konnte, ist mir wirklich aufgefallen, dass dieses Vorurteil stimmt. Wir sind wirklich kein herzliches völkchen ????.

              • Auweia, das habe ich jetzt schon von verschiedenen Seiten gehört und es stimmt mich schon sehr bedenklich. Das Problem ist auch, dass mein Freund nur einen sehr überschaubaren Bekannten-/Freundeskreis hat, zumeist ältere Paare oder halt "Kumpels".

                • (7) 08.06.15 - 15:14

                  Kommt er eher aus einer etwas größeren Stadt wie Hof oder Nürnberg oder ist es eher etwas dörflicher wie Coburg oder Ansbach. In Nürnberg mags leichter sein als in etwas dörflicheren Regionen.

                  • Er wohnt direkt in Nürnberg. Die Leute, die ich dort (über ihn) kennengerlernt habe, sind eigentlich ganz nett und zugänglich, sind aber wie gesagt fast alles Männer um die 50/60.

                    • ich bin selbst vor 4 jahren mit meinem Mann nach Nürnberg gezogen. Durch die Arbeit hatten wir schnell Bekanntschaften aber so wirkliche Freunde und sich zuhause fühlen,..das hat schon so seine 2 Jahre gedauert.
                      In Nürnberg sind allerdings eben auch sehr viele zugezogene, also je nachdem wie viele Mitarbeiter deine neue Arbeitsstelle hat, ist die Chance wahrscheinlich größer in großen Betrieben neue Leute zu finden, die zu dir passen :)

                      Hallo,

                      ich komme ebenso aus dem Norden (Niedersachsen) und habe vor einigen Jahren auch in Nürnberg gelebt.... und sogar mein erstes Kind dort zur Welt gebracht.

                      Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich diesen Vorurteilen gar nicht anschließen kann, man hätte es "schwer" mit Franken etc.

                      Ich habe mich dort eigtl sehr wohl gefühlt und empfand die Leute immer als recht offen und freundlich....

                      ich fand und finde Nürnberg sehr schön...

                      Wenn ich mich nicht vom Vater des Kindes getrennt hätte (gebürtiger Nürnberger), wäre ich vermutlich dort wohnen geblieben....

        Mein Freund wohnt in Franken, Nürnberg.

    Hallo,

    Ich kann jetzt nur von mir reden. Ich werde auch zu meinem Freund in seine Gegend ziehen. Ca 100 km von meiner Großstadt entfernt. Allerdings ziehen bei mir zwei Kinder mit.

    Wir gehen diesen Kompromiss ein.

    Dafür zieht mein Freund auch aus seinem Ort raus und zurück in seinen Geburtsort ( nahe davon), weil da mehr Zivilisation ist und wir aus der Stadt nicht in so ein Pipi- Dorf ziehen müssen. Er verkauft sogar sein Haus und wir ziehen in etwas neues eigenes. So geht jeder einen Kompromiss ein.

    An Deiner Stelle würde ich nirgends hinziehen. 42 qm ? Meine Tochter hat schon alleine 25 qm für sich und ist gerade mal 15. Wohin willst Du Dich denn mal hin zurückziehen? Schließlich kennst Du ihn nur aus der Ferne, das ist schon was anderes als ständig aufeinander zu hucken.

    Er will alles so wie früher.

    Sein Garten, Wohnung, etc und Du sollst parieren. Hmmm und er ist ja schon 58. das ist ja schon fast ein Rentner. Dann ist er nur noch zuhause. Stell ich mir grausam vor.

    Überleg Dir gut was Du tust. Du bist noch in der Rosaroten Brille Phase. Die dauert bei Fernbeziehungen eh länger.

    Zunächst einmal, ich verstehe Deine Seite UND seine Seite.

    Erstmal finde ich 7 Monate Fernbeziehung viel zu kurz um einen Entschluß von dieser Tragweite zu treffen. Realistisch gesehen, habt ihr Netto erst einen guten Monat ( inclusive Urlaub ) zusammen verbracht.

    Für mein Dafürhalten wäre in dem Alter ( ich bin selbst auch 50 ) erst nach sehr viel mehr Zeit ein Zusammenziehen eine Option, da denke ich an mindestens 2 Jahre.

    Warum? Menschen die schon ein Leben gelebt haben, anders als ganz junge, bestimmte Vorstellungen, Ecken und Marotten. Sie haben gewisse Rituale oder Menschen, Hobbies oder Angewohnheiten die Ihnen wichtig sind -so wie der Garten Deines Freundes!

    Außerdem ist Bayern ein sehr teures Pflaster. Wer da eine günstige Wohnung hat gibt diese vernünftigerweise nicht auf. Ja, heute seit ihr Doppelverdiener mit 4500€. In 7 Jahren wird Dein Freund aber in Rente gehen und muß mit einem Bruchteil seines bisherigen Einkommens zurecht kommen. Ich kann nachvollziehen, daß ihn die Vorstellung ängstigt, dann komplett von Dir abhängig zu sein, weil seine Rente vielleicht gerade mal für ein Wohnklo mit Kochnische im sozialen Brennpunkt langen würde.

    Genauso gut verstehe ich Dich. Du machst einen Riesenschritt auf ihn zu, gibt quasi alles auf um Dich in das Abenteuer Liebe zu stürzen. Ja, seine Wohnung ist zu klein für zwei, man hat keine Rückzugsmöglichkeit, keinen Stauraum. Außerdem ist es toll, wenn man einen neuen Lebensabschnitt auch mit einem gemeinsamen Projekt beginnt, sich zusammen ein Nest baut.

    Auch wenn für mich alles schlüssig nachvollziehbar ist, ich habe das Gefühl, das Du zu schnell zu viel möchtest. Läßt diese Beziehung doch erst mal wachsen und sich stabilisieren. Dann verliert auch er sein Ängste und fasst Vertrauen auf eine stabile und tragfähige Zukunft mit Dir gemeinsam.

    Es wundert mich, ehrlich gesagt, das ihr Euch bei dem guten Einkommen, das ihr derzeit habt, nur so selten seht. 370 km ( einfachen Strecke, denk ich mal ) ist durchaus eine Distanz die man , im Wechsel, wöchentlich fahren kann.

    Und nur damit Du weißt, das mein Post nicht nur theoretischer Natur ist: im Mai 2011 hab ich ( Kölnerin ) in einen Pfälzer verliebt. Auch 300km Distanz. Ein zusammen ziehen war auch recht schnell ein Thema bei uns. Er hat allerdings greise Eltern, die er pflegt. Ich zwei Kinder. So sagten wir uns, wer zuerst weg kann, der zieht zum jeweils anderen. Nun ist es endlich soweit: meine Kinder sind flügge. Und seit Wochen betreibe eine Art Umzug light.

    Zum einen natürlich weil sich manche administrative Dinge, wie z.B. Bafög für meinen Sohn, sich wesentlich langsamer entwickeln, als gedacht.

    Aber auch weil ich, als es denn Ernst wurde, sehr viele Ängste entwickelt habe. Denn es ist schon was, alle Freunde und das soziale Umfeld hinter sich zu lassen.
    Nach 3 Monaten , nennen wir es pendeln, habe ich erst seit ein paar Tagen die Gewissheit , das ich eine Spedition anrufen möchte um jetzt auch meine Möbel herzubringen.
    Und ich bin sehr froh, das mein Freund mir die Zeit gegeben, mich von meinem alten Leben zu verabschieden.

    Redet miteinander , vorwurfsfrei, über die Wünsche und Bedürfnisse des Anderen und findet Kompromisse mit denen jeder Leben kann

    Alles Gute
    Pina

    • Vielen lieben Dank Pina für Deine Meinung. Du hast mir sehr weitergeholfen.

      Wir sehen uns nur so selten, weil mein Freund als Busfahrer Schichtdienst hat und auch an Wochenenden arbeiten muss. Da bringt es also nichts, wenn ich zu ihm fahre, da er sowieso nicht zuhause ist. Wir müssen also die Wochenenden abpassen, an denen er nicht arbeitet und das ist halt nur alle 2-3 Wochen, leider.

      Ich denke mittlerweile auch, die Idee mit dem Zusammenziehen kam viel zu früh. Wir brauchen viel mehr Zeit zusammen um uns besser kennen zu lernen. Ich werde das Thema daher erst mal zurückstellen und abwarten wie sich die Beziehung weiter entwickelt.

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