Irgendwie krieg ich nichts auf die Reihe

    • (1) 14.06.15 - 17:37
      Inaktiv

      Hallo,

      ich fühl mich wie eine Versagerin. Gerade hat es mal wieder gekracht zwischen mir und meinem Mann und unser Kind hat es wieder einmal mit bekommen. Ich schäme mich so, dass ich mich so wenig im Griff habe und mir, wenn mein Mann bestimmte Knöpfe drückt, die Sicherungen durchbrennen. Dabei geht es um absolute Belanglosigkeiten.
      Außerdem bin ich in letzter Zeit ständig krank (grippale Infekte) und insgesamt wenig belastbar. Auf der Arbeit bin ich in letzter Zeit auch häufiger ausgefallen als mir recht ist. Ich glaube, dass ich insgesamt meine Aufgabe als Mama nicht schlecht mache. Zumindest meinem Sohn gegenüber bin ich wirklich immer geduldig und liebevoll. Aber ich bin keine gute Parterin, keine Stütze für meinen Mann, was er mir auch manchmal sagt, dabei wäre ich das so gerne: ich wäre so gerne wieder die fröhliche, kraftvolle Person von früher.

      Aber ich fühl mich einfach so wahnsinnig erschöpft, dabei habe ich, so rein sachlich betrachtet, nur moderaten Stress. 1 Kind, arbeite Dreiviertel-Teilzeit, kann mir die Arbeit manchmal sogar so legen, dass mal ne Stunde Füße hochlegen für mich rumkommt.
      Weil mich immer mal wieder, offensichtich psychisch bedingte Symptome piesaken, habe ich eine Therapie begonnen, die aber irgendwie alles noch schlimmer macht, weil dadurch einige Dinge hochkommen und mich noch zusätzlich belasten und dann noch mehr Unruhe in meine Beziehung bringen.

      Schilddrüse habe ich vom Endokrinologen checken lassen, alles tutti. Trotzdem komme ich irgendwie nicht auf einen grünen Zweig, egal, wie sehr ich mich abstrample. Im Gegenteil: ich hab das Gefühl, ich verliere immer mehr den Boden unter den Füßen. Zu meinen Zipperlein kommt dann noch die Scham darüber, nicht stark zu sein und dann versuche ich richtig wieder Gas zu geben, um mein Umfeld für meine Schwäche zu "entschädigen" und dann knacks ich beim kleinsten Anlass wieder zusammen. Und jedes Mal, wenn mein Sohn über Bauchweh klagt, denke ich: OK, es ist so weit. Jetzt hat er ´nen Knacks, weil seine Mama so ein unausgeglichener Jammerlappen ist.
      Ich könnte einfach nur heulen gerade. Sorry für´s Ausheulen. Vielleicht fällt ja jemandem etwas Kluges dazu ein?

      Traurige Grüße
      Die Versagerin

      • (2) 14.06.15 - 17:53

        Hallo traurige Mama,

        ja, ich schreibe bewusst " traurige Mama" , denn als Versagerin sehe ich dich nicht.

        Du machst für dein Kind was in deiner Macht steht. Du möchtest genauso für deinen Partner da sein.

        Ich gehe davon aus das du überlastet bist und das dir auch die notwendige Unterstützung von deinem Partner fehlt. Zusätzlich machen dir noch psychische Probleme Sorgen.
        Du hast dies erkannt und arbeitest aktiv daran. Deine Therapie kostet die zusätzlich Kraft. Leider kann eine Therapie zeitweise auch herunter ziehen. In meinen Augen ist es nicht ungewöhnlich und gehört auch bedingt zu einer Therapie. Du wirst jetzt mit etwas konfrontiert was du in deinem Unterbewusstsein erfolgreich verdrängt hast.
        Mit Hilfe der Therapie kannst du diese Dinge Verarbeiten und du kannst lernen damit umzugehen. Versuche die Therapie weiter fortzusetzen auch wenn es dir im Moment schwer fällt.

        Dein Partner sollte gerade in der jetzigen Situation für dich da sein und dich stützen und nicht du ihn. Mache dir auch bitte keine Vorwürfe. Akzeptiere dich so wie du bist und die Starke solltest du für andere auch nicht spielen. Es kostet zusätzliche Kraft und hilft dir auf Dauer nicht weiter.

        In meinen Augen ist im Moment dein Partner gefordert und nicht du.

        Ich schicke dir viel Kraft und hoffe das dein Partner bereit ist dich zu unterstützen.

        MfG Blaue-Rose

        • (3) 14.06.15 - 19:29

          Tausend Dank für deine lieben Worte.

          Es tut gut, wenn ich nicht verteufelt werde für meine Schwäche. Ich hasse mich selbst so sehr dafür.

          Daher fällt mir das auch soooo schwer, Unterstützung von meinem Mann anzunehmen. Und ich merke ja, dass er mich nur begrenzt versteht. Trotzdem tut er alles, was er kann, um mich zu stützen. Aber mir fehlt so sehr, dass er es nachvollziehen kann, wie es mir geht. Aber das kann man wohl nicht erzwingen....
          Uff, ich hätte nicht gedacht, dass es mich mal so aus den Latschen haut.
          Ich war immer die Macherin, die, die alles mit links schafft und immer ein Ohr für alle hatte. Mein Selbstbild bekommt durch meine momentane Schwäche so einen Riss....
          Naja, irgendwann komme ich bestimmt wieder auf die Füße...

          • (4) 14.06.15 - 20:36

            Hallo,

            es hat niemand das Recht dich zu verurteilen oder wie du geschrieben hast zu verteufeln.

            Ich sehe es auch nicht als Schwäche an. Hat sich jemand den Arm, oder das Bein gebrochen bekommt er von allen Seiten Unterstützung und Verständnis. Man kann ja sehen das er krank ist. Niemand wird dann auf die Idee kommen ihn als schwach zu bezeichnen. Anders sollte es bei psychischen Erkrankungen auch nicht sein. Es gibt nur den einen Unterschied: Für dritte oder unbeteiligte ist das Krankheitsbild nur schwer zu erkennen.

            Hilfe anzunehmen ist auch keine Schwäche, sondern in meinen Augen mehr eine Stärke.

            Du hast geschrieben das nach außen hin alles super in deinem Leben ist. Das kann ich mir auch gut vorstellen. Aber leider schaut keiner hinter die Fassade und erkennt wie es dir wirklich geht. Kurz gesagt kann man sagen " Willkommen im Goldnen Käfig" .

            Fg blaue-rose

      Hallo,

      "Weil mich immer mal wieder, offensichtich psychisch bedingte Symptome piesaken, habe ich eine Therapie begonnen, die aber irgendwie alles noch schlimmer macht, weil dadurch einige Dinge hochkommen und mich noch zusätzlich belasten und dann noch mehr Unruhe in meine Beziehung bringen."

      Die Frage ist doch, was kommt denn da hoch? Ist DAS vielleicht der Grund dafür, dass Du so traurig bist?

      LG

      • (6) 14.06.15 - 19:32

        Ja, die Dinge, die da hochkommen machen mich traurig. Aber teilweise sind sie nur sehr begrenzt zu ändern. Ich muss mich irgendwie damit arrangieren. Und die Dinge, die ich ändern kann, versuche ich zu ändern, aber das kostet mich soooo viel Kraft.

        Dabei ist von außen betrachtet alles total super in meinem Leben. Verrückt....

    (7) 14.06.15 - 19:39

    Ich glaube, solche Phasen durchleben ganz viele Leute. Mir geht es oft ähnlich, nur dass ich halt oft finde, dass ich meinen Job als Mutter nicht toll mache. Und dann macht man sich selbst fertig... Hilft Dir jetzt auch nicht, aber ich wollte damit sagen, dass Du nicht alleine bist!
    Und ja, halte die Therapie durch, das gehört (leider) dazu, aber es lohnt sich aufs Ganze gesehen!
    Liebe Grüße!

    (8) 14.06.15 - 20:43

    Hast du es schon mal so den Hausarzt erzählt? Das klingt für mich nach beginnendem burnout...

    K

    (9) 14.06.15 - 23:07
    ganz bestimmt nicht

    Hallo, du bist ganz bestimmt keine Versagerin. Du nimmst dir vielleicht nur zu viel vor. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Mir geht es auch manchmal so, dass ich dann letzten Endes nur von mir selbst genervt bin. Ich habe 3 Kinder, auf die ich stolz bin und gehe 50% arbeiten. Auch ich fühle mich nicht mehr so lebenslustig und ausgeglichen wie noch vor einigen Jahren. Meine Hausärztin, selber Mutter von 3 Kindern, hat mich darauf hingewiesen, dass ich dringend Zeiten nur für mich brauche. Naja, leichter gesagt als getan. Man ist ja ständig irgendwo am Rumwuseln. Ich habe mir vor ein paar Wochen das Buch "Die 7 Geheimnisse der Schildkröte" gekauft. Da geht es ums Gelassenheit lernen. Ich habe das Buch noch nicht durchgelesen. Aber das was ich bisher gelesen und umsetzen konnte, hat mir schon ein Stück weit weitergeholfen. Es sind oft nur Kleinigkeiten, die man ändern oder auch nur anders betrachten kann.

    Alles Gute dir. Ich bin überzeugt, dass unsere gute Laune iiiiiirgendwann auch mal wiederkommt. Aber den Vorschlag die Therapie weiter zu machen, möchte ich dir auch empfehlen. Das ist sicher schwer. Aber da scheinen schon einige Sachen zu sein, die aufgearbeitet werden müssen. Dazu sind die Therapeuten da, um dir da zu helfen.

    Liebe Grüße

    • (10) 16.06.15 - 09:01

      Vielen lieben Dank für deine Antwort und deine Buchempfehlung. Ich habe mir die "7 Geheimnisse der Schildkröte" gleich gestern besorgt und allein die Liste, anhand derer man überprüfen konnte, ob das Buch für sich selbst geeignet ist, war ein Volltreffer: Genau wie dort beschrieben, fühle ich mich.

      Mal schauen, ob das Buch nun brauchbare Lösungsansätze bietet. Ich hatte eh schon mit dem Gedanken gespielt, mit Meditation anzufangen, weil bei mir im Kopf permanenter Lärm herrscht und mir wirklich so gar nichts mehr gelingen will, weil ich ständig 10 Dinge gleichzeitig mache.

      Ich wünsche dir alles Gute bei deiner Suche nach deiner guten Laune!!!

      Viele Grüße
      Die Versagerin (die heute etwas besser gelaunt ist als die Tage zuvor)

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