Wie rauskommen aus der Opferrolle und Umgang mit Selbstvorwürfen

    • (1) 27.06.15 - 15:40
      keinOpferseinwollen

      Hallo miteinander, mir geht es momentan ziemlich dreckig. :-( Ich bin ein Jahr nach der Trennung aus meiner fast 20jährigen Beziehung in eine kurze Episode mit einem richtigen Scheißkerl geraten. Die Trennung erwähne ich deswegen weil sie sehr hart war, mein Selbstbewusstsein dadurch angeknackst und lädiert. Ich war also sehr empfänglich und bedürftig für Zuwendungen, leider gingen diese Zuwendungen auch mit anderem einher.

      Ich sage bewusst Scheißkerl, obwohl meine Rolle in der ganzen Angelegenheit auch alles andere als ruhmreich war. Weswegen ich mir schwerste Selbstvorwürfe mache, "dumme Kuh" ist noch die harmloseste Variante... Eigentlich bin ich eine Frau, die, wie man so schön sagt, mit beiden Beinen im Leben steht. Trotz der harten Trennung. Ich habe einen guten Job, nette Freunde, eine liebe Familie, sehe für mein Alter noch halbwegs tageslichttauglich aus. Und obwohl ich rational meine Erklärungen dafür habe, wie mir das "passieren" konnte, oder ich es mit zuließ, dass es soweit kam, weil ich mich bedürftig und sehnsüchtig fühlte, auf der Suche nach ein wenig Liebe und Leidenschaft, geht es mir einfach nicht in den Kopf.... Dass dieser Mensch mich auf allen Ebenen meines Daseins abgewertet hat, in dem er mich von Anfang an elementar belogen hat (das erfuhr ich erst hinterher), mich mit anderen Frauen verglich, die alle in seinen Augen "besser" waren, mich vielleicht sogar betrog; mehrfach mir gegenüber beleidigend wurde und verbal ausrastete, mich als Nutte, Schlampe usw. bezeichnete...

      Das Ganze ging nur wenige Monate und ich verstehe nicht, gar nicht, wieso ich mir einen abstrampelte, Respekt einzufordern von jemandem, für den Respekt ein Fremdwort ist. Ich kapiere das nicht. Ich kapiere nicht, wie und was mich da in die Opferrolle hat rutschen lassen und wieso ich, als eigentlich gestandene Frau, mich vor diesem Menschen benahm wie das Kaninchen vor der Schlange. :-(

      Ich zermarter mir das Hirn darüber, komme nicht zur Ruhe. Nach dem ich es endlich beendet hatte, er ist erneut verbal ausgerastet und hat mir Dinge an den Kopf geworfen, die ich lieber mit ins Grab nehme, als sie jemand zu erzählen, so sehr schäme ich mich, ging der Psychoterror erst richtig los und er fing an, mich zu stalken. Das Stalking hat mittlerweile etwas nachgelassen, aber war noch das I-Tüpfelchen auf dem Ganzen. In den letzten Monaten habe ich angefangen mich zu zerfressen mit, warum ich nicht beim ersten verbalen Ausraster das getan hätte, was ich normalerweise getan hätte, gehen! Gleichzeitig merke ich, dass solche Gedanken mein Selbstbewusstsein noch mehr schwächen, ich weiter in dieser Opferrolle bleibe.

      Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine Therapie angefangen, aber es geht nur mühsam voran... Ich bin ein Schatten meiner Selbst. Habe zu nichts mehr Lust, Antrieb, aus Angst vor noch so einer Erfahrung, dass ich nicht in der Lage bin, mich zu schützen? Also, ich habe völlig das Vertrauen in mich verloren, sowas nie mehr zuzulassen. Ich meide mittlerweile Treffen mit Freunden aus Angst, dass zur Sprache kommt, wie es mir geht... Aus Scham über das Erlebte rede ich außer mit meinem Therapeuten mit niemandem. Kurz und gut, ich bin sehr ratlos, deprimiert und weiß nicht mehr weiter. :-( Und mein Selbstmitleid kotzt mich an! :-[

      • Hallo keinOpferseinwollen,

        fühl dich erstmal ganz doll gedrückt! Du scheinst da ja ganz schön was mitgemacht zu haben.

        Du fragst dich, warum du dich so hats verarschen lassen von diesem Typ.

        Jeder mensch ist für sowas empfänglich, einer mehr einer weniger. Aber solche Menschen wie dein Ex wissen ganz genau, wie sie jemanden behandeln müssen, damit derjenige sich selber am Ende als der schuldige fühlt. Du warst vermutlich auch verliebt und vllt auch einfach glücklich, dass da wieder jemand war, der dich "begehrt" hat.Du sagst selber die trennung war sehr hart, du hast Wunden davon getragen und das kann einen anfällig machen, für andere Dinge, die man normalerweise so nie akzeptieren würde.

        ich glaube aber es ist der falsche Weg, deinen Freunden aus dem Weg zu gehen. Ich hoffe, dass es Freunde sind, die akzeptieren, dass du eine schlimme Erfahrung gemacht hast und bei denen du aber keine Angst haben musst die Wahrheit zu sagen. Und du musst dich auch ganz und gar nicht schämen, wegen dem was passiert ist! Er sollte sich schämen, dass er dich so behandelt und dir nach der Trennung nichtmal die Gelegenheit gibt abzuschließen, indem er dir noch nachstellt. Aber du hast dir meiner meinung nach nichts vorzuwerfen.

        Versuch wieder mehr raus zu gehen, menschen zu treffen, die dich respektieren. Egal ob im Job oder deine Freunde. Tu Dinge, die dir gut tun, ganz egal was, wellness, sport, lesen. Ist es dieser Scheißkerl denn wirklich wert, dass du dich runtermachst? ich denke ganz und gar nicht, sondern er sollte einfach ein Grund sein zu sagen: okay, das war ein Griff ins Klo, aber ich mache ich weiter.

        jeder Mensch ist in der Lage sich auf die eine oder andere weise ganz schlimm verarschen zu lassen, gerade wenn man von einer vorherigen Trennung sich noch nicht erholt hat.

        Ich wünsche dir ganz viel Kraft das alles zu überstehen. Sicher bist du eine sehr starke Frau und wirst deinen Weg wieder gehen.

        LG

        P.S.: Ich finde es gut, dass du dir professionelle Hilfe gesucht hast. Auch wenn es langsam voran geht, du schaffst das schon. gib dir einfach selber die Zeit, die du brauchst, um alles zu verarbeiten.

        • "Ich finde es gut, dass du dir professionelle Hilfe gesucht hast. Auch wenn es langsam voran geht, du schaffst das schon. gib dir einfach selber die Zeit, die du brauchst, um alles zu verarbeiten."

          ***

          Wenn ein Mensch Verletzungen erlitten hat, werden die Wunden versorgt und die Zeit tut ihr übriges. Dann ist der Mensch ein Patient - und nicht umsonst bedeutet patient=geduldig. Und was braucht ein kranker Mensch? Ruhe, umsorgt sein, ...
          früher gab es in manchen Klostergärten einen Wandelgarten mit Rosen und anderen schönen blühenden Gewächsen, damit die Patienten zur Genesungsförderung durch den Garten wandeln konnten.

          ***

          Hikari hat so schön geschrieben. #blumeIch sehe das auch so, wie wichtig die Zeit jetzt ist - und auch die sozialen Kontakte. Wäre das deiner besten Freundin passiert, würdest du nicht zögern, oder? Geh mal davon aus, dass es andersherum nicht gänzlich anders sich verhält!

          #herzlich#klee
          alles Gute
          und Hikari: danke für die schönen Worte

      Versuch heraus zu finden, warum du dich auf so einen Mann eingelassen hast und warum er so mit dir umgehen konnte.
      Warum war dieser Mann dazu in der Lage dich so schäbig zu behandeln? Du wirst sicher nicht die einzige Frau sein, die auf ihn reingefallen ist.
      Wolltest du es nicht wahrhaben, was zwischen euch ab lief?
      Hast du die Schuld für sein Verhalten bei dir gesucht?
      Es muss einen Grund geben, warum die länger als ein Ausrutscher mit ihm zusammen warst.
      Warst du in und nach der Trennung von deiner zwanzigjährigen Beziehung so bedürftig? Diese Beziehung wird sicherlich auch noch eine Rolle gespielt haben für dein Verhalten in der nächsten Beziehung.

      Gut, dass du Therapie machst. Es dauert aber, bis man hinter sein eigenes Verhalten kommt.
      Und dann versuch dir zu verzeihen. Jeder macht man Dinge, die nicht ok sind.

    • Du kommst schneller aus der Opferrolle raus, wenn Dein Selbstmitleid endlich in Wut umschlägt, die ja durchaus berechtigt ist. Aber nicht auf Dich, sondern natürlich auf ihn.
      Falls er Dich immer noch belästigt, zum Angriff übergehen, Polizei, Rechtsanwalt - egal was, aber lass das auf keinen Fall mehr zu.
      In eine Opferrolle kann man gedrängt werden, aber rauskommen muss man alleine - hört sich brutal an, ist aber so. Keine Ahnung, welchen Therapieansatz Dein Therapeut verfolgt, aber ich würde VERSUCHEN, den Scheißkerl abzuhaken. Unerfreuliche Lebenserfahrung - fertig. Du kannst ihm auch noch genußvoll die Pest an den Hals wünschen, notfalls unter Abbrennen einer Kerze. Lach nicht, ich hab jemand schon mal inbrünstig was Schlimmes gewünscht -und das ist auch noch eingetroffen, schon einen Tag später (er lebt schon noch...hat aber gebüßt, meine Schadenfreude tat sooooooo gut #cool)
      Alles ist besser als rumsitzen und auf sich selber wüten. Kapieren wirst Du es eh nicht, Du warst ein einer Ausnahmesituation und bist auf einen Deppen reingefallen. Kismet....als Lebenserfahrung abhaken -und als Warnung nehmen, sich den nächsten Kerl SEHR genau anzuschauen. Aber eine Weile würde ich mich erstmal um mich selbst kümmern und mir ganz viel Gutes tun - ganz ohne Männer. Alles Gute.
      LG Moni

      Hallo

      Selbstmitleid tut auch mal gut und in kleinen Dosen kann man darin auch mal baden. Die Frage nach dem warum, die Ungerechtigkeit die man empfindet, die Wut und die Hilflosigkeit führen dazu das man sich bedauert. Du leckst deine Wunden. Nur wenn man sie immer wieder leckt, dann wird sie größer und größer. Das solltest du dir vor Augen führen, was es dir bringt und wie du dich fühlst wenn du in die Wunde stichst.

      Daraus sollte dann die Selbstfürsorge entstehen, die Achtsamkeit dir gegenüber.
      Dafür musst erst mal das annehmen was dir passiert ist. Was du jetzt brauchst kannst du erkunden indem du dich selber fragst, was tut mir jetzt gut.
      Für jeden ist es etwas anderes und daher solltest du in dich hinein hören.
      ( Mir hat es geholfen kleine Zettel zu schreiben und diese dann zu verbrennen, immer wenn es mit schlecht ging. Solange bis ich kein Bedürfnis mehr dazu hatte. )
      Achtsam solltest du deinen eignen Gedanken gegenüber sein, denn dein Bewustsein hört mit und registiert alles was du denkst. Negative Gedanken solltest du aktiv ausblenden und umkehren. Am Anfang ist es schwierig und man muss sich immer wieder ermahnen. Mit einiger Übung wird es dir immer besser gelingen.

      Ich habe letztens eine furchtbare Geschichte gehört gehört. Eine gestandene Frau so wie du, aktiv aber einsam unterwegs. Sie geriet an einen Lovescammer der sie nach Strich und Faden ausnahm. Als sie nichts mehr geben wollte, bekam sie Drohungen.
      Sie hatte keine Selbstachtung mehr und schämte sich zutiefst.
      Bis sie dann ein Forum fand und sich mit anderen Opfern austauschen konnte. Das half ihr und sie lernte daraus. Mit ihrer Geschichte hilft sie anderen Frauen.

      Ich möchte dir ein Buch empfehlen; " Glücksregeln für die Liebe " von Pierre Franck

      Alles Gute!

    • Ob wir einem Menschen einen so großen Stellenwert in unserem Leben einräumen wollen, entscheiden wir selbst! Du hast entschieden, dass nicht mehr zu wollen und hast eine Entscheidung getroffen! Gut so und jetzt solltest du auch dahin kommen zu sagen, ich habe leider eine bittere Erfahrung gemacht und ich weiß, dass mir das nicht mehr passieren wird und damit sollte es gut sein.Versuche einfach keinen Gedanken an den Schwachkopf mehr zu verschwenden.Er ist es nicht wert! Ich weiß, leichter gesagt, als getan. Werte dich bitte nicht selbst ab! #winke

      Als ich deinen Beitrag gelesen habe dachte ich vieles könnte von mir sein..

      Ich kann sehr gut nachempfinden wie es dir geht !!

      Das hilft dir natürlich nicht.

      Aufgrund MEINER Erfahrung, denke ich, hilft dir nur die Auseinandersetzung mit dem Typ.

      Andere werden es nicht verstehen, weil du es warscheinlich nicht vermitteln kannst.

      Wie gesagt, meine Erfahrung..

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