Fernbeziehung für immer

    • (1) 21.08.15 - 10:50
      Fernbeziehung-Erfahrung

      Hallo zusammen,

      ich freue mich, dass ich mein Thema mit euch teilen darf. Dies ist mein erster Beitrag hier und ich hoffe trotzdem auf eine gute Diskussion.

      Es geht mir um das Thema „Fernbeziehung“. Ich führe seit 5 Jahren eine Beziehung über 600 km Distanz. Mein Freund und ich sind beide familiär und beruflich sehr an unseren Wohnort gebunden und wir haben festgestellt, dass es sehr unrealistisch ist, in absehbarer Zeit zusammenzuziehen und einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt zu schaffen. Es gab Versuche, aber die scheiterten. Ich persönlich halte es mich ausgeschlossen umzuziehen. Wir genießen unsere gemeinsame Zeit im Schnitt einmal im Monat für 3 Tage und verbringen natürlich Urlaube und Feiertage gemeinsam. Diese Zeiten gestalten sich eigentlich immer sehr angenehm und erlebnisreich. Wir haben gemeinsame Interessen, können prima miteinander reden und mögen uns sehr. Ich spüre seine Liebe und seinen Wunsch nach gemeinsamer Zeit und Erleben stets und immer.

      Ich bin in letzter Zeit innerlich zurückhaltender geworden. Ich empfinde nicht mehr so leidenschaftlich, wie am Anfang. Es ist natürlich ruhiger geworden mit der Zeit – aber auch vertrauter-und ich frage mich, ob das daran liegt, dass ich mich damit abgefunden habe, dass diese Beziehung keinen Alltag und gemeinsames Ziel haben wird. Ich fürchte, es ist eine Frage der Zeit, bis ein schleichender Prozess beginnt, der uns die Beziehung verlieren lässt. Ob einige schöne Stunden auf Dauer reichen? Wir telefonieren täglich, tauschen uns über unseren Alltag und Probleme aus. Ich genieße es auch, Zeit für mich zu haben… Aber wir werden nicht jünger. Wir sind Anfang/Mitte 40 und ich habe das Gefühl, die Zeit läuft irgendwann davon und dann sind wir alleine. Das macht mir Angst und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann. Aber vielleicht ist das auch ein Modell einer Beziehung, die für mich/uns das richtige ist? Will ich unbewusst keine wirkliche nahe und intensive den Alltag erlebende Bindung?

      I
      ch suche gerade nach Antworten, wie ich weiterhin mein Beziehungsleben gestalten will. Suche den Sinn… Vielleicht mag sich jemand mit mir austauschen? Ich würde mich sehr freuen.

      Herzliche Grüße, Carla

      • (2) 21.08.15 - 11:01

        Puuh, ehrlich gesagt wäre das nichts für mich. Man lernt sich ja nie richtig kennen, denn die Zeit die man zusammen hat, soll natürlich schön sein, da wälzt man keine Probleme.
        Eine gewissen zeitlang mag das ja gehen, aber für immer?

        3 Tage im Monat ist sehr wenig und jeder lebt eigentlich sein eigenes Leben, den Freunde, Unternehmungen etc macht man immer alleine.
        Und die ganze Fahrerei wäre mir auf Dauer zu stressig und zu anstrengend.

        Ich möchte meinen Partner vor Ort, abends spontan treffen bei schönem Wetter, mal ins Kino, einfach auf der Couch kuscheln etc. Man muss ja nicht zusammen wohnen, aber doch bitte in der gleichen Stadt.

        Dein Inneres scheint ja schon zu vermelden, dass es mit der Situation nicht zufrieden ist und es wird der Punkt kommen, wo es zu wenig ist. Du willst nicht umziehen, er auch nicht und mit 60 dann noch durch die Gegend juckeln, um den Partner zu sehen?

        • Danke für deine Meinung! Deine Einwände sind berechtigt, finde ich. Und für jede/jeden ist eine solche Beziehung wirklich nicht geeignet. Ich habe allerdings auch für mich beschlossen, dass voraussichtlich ein Zusammenleben auch nicht in Frage kommt, weil ich meine Unabhängigkeit sehr genieße und auch brauche. Allerdings habe ich schon das Bedürfnis nach Spontanität im Alltag, das "in den Arm genommen werden, wenns mal schwierig ist" und so weiter. Ich sehe es auch auf lange Sicht anstrengend werden.

          • (4) 21.08.15 - 11:20

            Deswegen ja auch das Modell getrennter Wohnung, da ist man immer noch sein eigener Herr, der andere aber schnell zu erreichen. Das klappt hervorragend.

      Angst, dass eine Beziehung zu Ende gehen kann, schleichende Prozesse die an einer Beziehung nagen..... gibt es die nicht immer? Egal ob Fernbeziehung oder nicht? Erlebt haben wir es doch alle schon, dass Beziehungen scheitern, niemand kann doch wirklich garantieren, dass etwas klappt und hält und das wenns geht noch "für immer". Es kann immer auch schiefgehen.

      Wenn etwas schön ist, hat man Angst es zu verlieren, ich denke das ist einfach so.

      Du kannst also Deine Fernbeziehung weiter genießen und es geht gut und niemand ist alleine, vielleicht seid ihr im Alter sogar zusammen. Du kannst es auch beenden und bist jetzt alleine, lernst nochmal jemanden kennen und lebst mit dem zusammen. Es kann auch sein, dass es noch ein paar Jahre hält - ach es kann doch alles sein, niemand kann in die Zukunft gucken.

      Und ob das Modell für Dich das richtige ist? Keine Ahnung... bei meinem letzten Freund war es richtig, dass wir nie zusammenziehen wollten und uns nur am Wochenende sahen, ich genoß meine Freiheit unter der Woche, wir hatten keinen gemeinsamen Haushalt, ich sah das als Vorteil. Mit meinem jetzigen Freund ist alles anders, wir sind schnell zusammengezogen und genießen jeden einzelnen Tag sehr und finden es toll, dass wir täglich zusammen sind und Alltag haben.

      Was jetzt für mich richtiger ist, kann ich Dir nicht sagen... der letzte Freund war es wohl nicht, das ging zu ende. ob es der jetzige und das jetzige Modell ist - ich hoffe es, sagen kann ich es Dir in 20-30 Jahren ;-).

      Soll heißen.... bei/mit dem einen ist es so richtig, mit/bei dem anderen eben so. Und manchmal ist eben auch heute richtig, was gestern noch nicht möglich war.

      Wichtig ist, dass man ehrlich zu sich ist und sich nichts vormacht, das finde ich manchmal nicht so einfach. Wichtig ist, dass man glücklich und zufrieden mit der Situation ist, wie sie ist. Ich stelle mir das immer so als Bild einer Waage vor.... die sollte minimum ausgewogen sein, wenn die "glücklich-Seite" unter Mitte kippt sollte man die Situation in der man ist genau überdenken und evtl. handeln. Ist sie oben bis Mitte ist alles ok.

      Bedenke, es hat alles Vor- und Nachteile und es gibt immer gute und schlechte Tage, egal ob Fernbeziehung, Zusammen leben oder Single.

      Wieso hast Du das Gefühl, einen Sinn in eurer Beziehung verloren zu haben? Was lässt Dich grübeln?

      Lichtchen

      • Vielen Dank für deine Sicht auf die Dinge, du hast sicher in einigen Punkten vollkommen recht. Niemand hat eine Glaskugel und kann wissen, was hier richtig oder falsch ist oder sein wird. Natürlich genieße ich mein Leben jetzt. Und lebe heute. Aber ich denke auch an später. Es wird vermutlich etwas schwieriger, flexibel zu sein, wenn man vielleicht auch nicht mehr ganz so fit ist. Mal eben eine solche Entfernung reisetechnisch und auch organisatorisch zu bewältigen.

        Außerdem merke ich, dass die Leidenschaft nachgelassen hat. Völlig normal nach der Zeit, sicherlich, aber gerade wenn man sich so selten sieht, fällt das schon auf. Ich habe ehrlich gesagt auch Sorge, irgendwann festzustellen, dass das alles doch nicht reicht und ich dann "zu alt" geworden bin, um nochmal anzufangen. Nichts rationales...

    Wenn es keine Zukunft hat, solltest du dir überlegen, ob du auf Dauer damit leben kannst.

    Eine Fernbeziehung wäre für mich eine nette Abwechslung. Man freut sich aufeinander, genießt die wenige, gemeinsame Zeit und hat jemanden zum reden. Es entsteht aber niemals eine tiefe Bindung und auch ohne Streit könnte ich nicht leben.

    Es wäre mir alles zu harmonisch und eintönig.

    Was möchtest du im Leben?

    Jemanden der für den Rest deines Lebens als Partner an deiner Seite steht, oder alleine sein mit einem Mann, den du dir zwischendrin für schöne Stunden und etwas Abwechslung in dein Leben holen kannst?

    • Danke für deine Antwort! Da steckt viel wahres und zutreffendes drin. Ich denke schon darüber nach, wer für mich da sein würde, falls ich krank oder hilfebedürftig wäre. Ich bin schon sehr selbstständig, aber was ist, wenn man alleine nicht klarkommt? Manchmal brauche ich schon "einen Mann im Hause".

      Warum genau meinst du, entsteht keine tiefe Bindung? Das mit der Harmonie ist mir auch schon sehr aufgefallen, wenn es dann im Urlaub doch mal zu Differenzen kommt, gibt es keine Streitkultur.

      • <<<Warum genau meinst du, entsteht keine tiefe Bindung?>>>

        Genau deshalb weil ihr fast nur schöne Zeiten miteinander verbringt.

        Ich bin der Meinung, dass genau diese schlechten Zeiten, die man zusammen durchsteht, eine tiefe Bindung entstehen lassen.

        Es schweißt mehr zusammen....genauso wie der Alltag. Man baut sich gemeinsam etwas auf und wächst als Paar daran.

        Ich denke einfach, dass man eine Fernbeziehung mit jedem führen könnte, für den man schwärmt, oder der einem sympathisch ist. Eine "richtige" Beziehung funktioniert aber nur, wenn man den Partner in allen Lebenssituationen kennt und liebt.

        • Ich kann das gut nachvollziehen, was du dazu schriebst. Sehe es im Grunde ja genauso. Ich vermisse es "zusammen durch dick und dünn zu gehen", mich ihm näher zu füllen, als irgendwem sonst. Habe bereits gemerkt, dass ich beispielsweise berufliche Probleme kaum noch erzähle, sie eher mit einem Kollegen bespreche. Auch Probleme allgemeiner Natur. Ich hätte gerne ein Ziel, ein Projekt, irgendetwas, was verbindet. Außer der Entfernung. Mein Freund sagt, er vermisst mich. Spricht aber die dahinterstehende Problematik auch nicht an. Am liebsten hat er mich gut gelaunt. Sobald die Stimmung kippt, dann bin ich halt "schlecht drauf"...

          • Dass kann man jetzt so oder so sehen.

            Entweder möchte er die kurze, gemeinsame Zeit genießen und duldet ein "schlecht drauf" nicht, oder er führt genau aus dem Grund eine Fernbeziehung, weil es da kein "schlecht drauf" geben sollte.

            Ich weiß nicht, was ich dir raten kann. Ich persönlich könnte so nicht leben, weil ich meinen Mann bei mir haben will.

            Du musst selbst entscheiden, ob du dieses Modell auf Dauer so leben willst. Wenn ich deine Antworten aber richtig deute, willst du es so wie es ist, nicht.

            • Es strengt mich halt zunehmend an. Diese Organisiererei. Nie ist klar, ob man an dem Tag, wo es vielleicht wichtig oder gewünscht ist, auch tatsächlich dort sein kann oder er eben hier. So viele unsichere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Ständige Kompromisse. Enweder oder...

              Aber es ist auch schön, sich bewusst Zeit füreinander zu nehmen. Zeit zu genießen. Das Besondere teilen. Immer ein wenig wie Urlaub...
              Mir fehlt Verbindlichkeit. Ich habe auch das Gefühl, dass so eine Fernbeziehung auch nicht immer im Umfeld für "voll genommen" wird.

Ich denke, dass ich dazu etwas sagen kann, da mein Mann und ich seit 7 Jahren eine Fernbeziehung führen. Mal waren es 600km, mal 200 und mal irgendwas dazwischen. Wir sehen und jedes Wochenende, allerdings auch mal für mehrere Wochen / Monate am Stück nicht. Insofern ist die Situation sicherlich vergleichbar.

Im Laufe unserer Beziehung haben wir von gemeinsamer Wohnung über Hochzeit bis Kinder kriegen alles durch und sind immer noch verheiratet.

Einige hier schreiben, man lernt sich nicht richtig kennen und erlebt nur schöne Zeiten gemeinsam. Das zeigt mir, dass diese Personen anscheinend noch keine Fernbeziehung geführt haben. Auch in einer Fernbeziehung kann man sich sehr gut kennenlernen, es dauert nur vielleicht etwas länger. Man muss zum Kennenlernen nicht dauernd aufeinander hocken. Auch dass man nur schöne Zeiten hat und nie streitet ist auf Dauer in einer Fernbeziehung nicht zu realisieren. Anfangs sicherlich aber nicht über die Jahre.

Ob dieses Beziehungsmodell auf Dauer etwas für dich ist, musst du selbst herausfinden. Dass die Leidenschaft irgendwann nachlässt, ist - selbst in einer Fernbeziehung - vollkommen normal. Allerdings kann es auch sein, dass du dich wegen deiner Gedankengänge selbst zurücknimmst und deswegen die Beziehung insgesamt ein bisschen abkühlt.

>> Ich fürchte, es ist eine Frage der Zeit, bis ein schleichender Prozess beginnt, der uns die Beziehung verlieren lässt.<<
Diese Gefahr sehe ich vielmehr bei den zahlreichen Beziehungen im Freundes- und Bekanntenkreis, in dem die Partner dauernd aufeinander hocken. Klar muss auch mal einer ein paar Stunden arbeiten, aber selbst da muss dann telefoniert werden um irgendwelche Einkäufe oder Abendessen zu klären. Partner geben einander oft fast keinen Freiraum mehr. Geht einer der beiden aus, müssen Zeiten genau abgeklärt werden und so weiter.

Die Partner sind nicht unbedingt immer selbstständig, verlassen sich viel zu sehr auf den anderen und engen sich ein. Die meisten merken das aber auch erst nach ein paar Jahren.

Ich an deiner Stelle würde die Zeit mit ihm genießen und sehen wo es hinführt. In eurem Alter wollt ihr vielleicht keine Kinder mehr, dann kann man so ein Beziehungsmodell eigentlich ganz gut leben. Wichtig ist, dass du dein eigenes Leben lebst, aber das tust du sicher auch bereits jetzt.

An eurer Stelle würde ich nur vielleicht versuchen, die Frequenz der Treffen zu erhöhen. Welchen Grund gibt es denn, dass ihr euch nicht jedes Wochenende seht? Auch bei 600km Entfernung geht es doch eigentlich jedes Wochenende.

  • Herzlichen Dank für deine positive und optimistische Sichtweise! Hattet ihr immer ein festes Ziel eurer gemeinsamem absehbaren Zukunft oder herrschte auch viel Unsicherheit und Zweifel?

    Leider muss mein Freund oft am Wochenende arbeiten und hat auch eine Tochter, die Zeit braucht.

Meine Meinung ist. Würdet ihr beide euch wirklich lieben und wollt beide ein paar sein dann hättet ihr schon lange eine Lösung gefunden um gemeinsam zu leben. Gemeinsam zusammen leben, mit Alltag und alles drun und dran. Erst DAS ist eine Beziehung für mich! 3 tage im Monat sehen stellt keine Partnerschaft dar.

Wenn es euch beiden wichtig wäre und ihr beide zusammen sein wollt dann hätte es eine Lösung gegeben. Einer hätte auch im Wohnort des anderen einen neuen Job gefunden. Wichtig ist doch das man zusammen ist. Klar hätte einer seine Familie/Freunde zurück gelassen aber für den Menschen den man liebt tut man das und die jeweilige Familie hätte man 3 tage im Monat besuchen können.

  • Ist das tatsächlich so? Ist Liebe absolut bedingungslos? Kann man so (auch) wichtige Dinge im Leben, wie Beruf, Einkommen, auch um Unterhaltspflichten zu gewährleisten und Verpflichtungen alten Eltern gegenüber, gegen die Liebe abwerten? Ist es deshalb gleich keine wirkliche und ehrliche Beziehung, weil man nicht alles andere vergisst...

    Danke auch für deine Meinung. Im Grunde kann ich sie verstehen.

Hallo,
Ich kann deine Bedenken gut nachvollziehen. Wir führen jetzt seit 3 1/2 Jahren eine Fernbedienung, sehen uns 1x im Jahr für 2 Wochen (sind aber schon 13 Jahre verheiratet).
Mir geht es momentan ähnlich, hinterfrage sehr viel. Bei uns kommt noch hinzu das mein Mann eigentlich gar nicht "redet", wenn ich ihn Frage wie sein Tag war kommt als Antwort wie immer. Kann dir leider keinen Tipp geben... Ich hoffe das wenn mein Mann in einem Jahr wieder kommt wir die Kurve bekommen und alles wieder wird wie zuvor
Lg Hope

  • Ich stelle auch immer öfter fest, dass wir, je länger das Getrenntsein andauert, uns entfernen. Die Gespräche werden oberflächlicher, man ist schnell genervt und ist es auch müde von einem Alltag zu berichten, den der andere ja doch nicht miterlebt. Keinerlei Bezugs zu den alltäglichen Kram hat.

    Wünsche euch sehr, dass ihr es schafft, eure Ehe und Liebe zu bewahren.

Heute ist wieder einmal so ein Wochenende, welches mich nicht fröhlich stimmt. Mein Freund hat einen wichtigen feierlichen familiären Anlass und ich kann nicht dabei sein. Bin, wie so oft, außen vor. Ich habe es leider nicht geschafft, hinzufahren. Es macht mich sehr traurig, nicht nur, weil mir das gemeinsame Erleben und als zusammengehörend wahrgenommen werden fehlt-sondern weil es mir bewusst macht, dass ein gemeinsames Leben als Familie unmöglich ist und ich nur die "Freundin von ..." bleiben werde. Sorry, musste mal jammern.

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