Mein Mann ist Asperger. Wessen Mann noch? Welche Erfahrungen? :-)

    • (1) 22.08.15 - 00:02

      Hallo!

      Ich würde mich freuen, wenn ich hier andere Frauen finde, deren Männer Asperger sind. Mich würde interessieren, wie eure Beziehungen sind und wie sich euer Alltag gestaltet. Gerne auch per PN. :-)

      Mein Mann hat gestern erfahren, dass er Asperger ist. Es gingen viele Monate der Diagnosefindung voraus. Es hat mich nicht weiter erstaunt, da er von Anfang an sehr speziell war. Gerade das Spezielle hat ihn für mich schon immer sehr attraktiv gemacht. :-) Natürlich gibt es auch immer wieder mal Reibereien, bis wir einen Kompromiss gefunden haben oder so lange geredet haben, bis wir einander verstehen. :-)

      Nun bin ich einfach mal neugierig, was für Erfahrungen ihr habt. ^^

      Liebe Grüße
      Ninly mit Maus (4,5 Jahre, deren Autismusdiagnostik am Montag beginnt) und Würmchen (9 Monate)

      • (2) 22.08.15 - 00:25
        kleine Korrektur

        Man IST nicht Asperger, sonder HAT das Asperger-Syndrom.

        • Das ist die Kurzform von Aspergerautist. Nun "hat man ja nicht Aspergerautist", sondern ist Aspergerautist! Manche sagen kurz sogar: "Ich bin Aspie"...

          Danke für deine falsche Korrektur! #winke

          • (4) 22.08.15 - 01:00

            Man kann also sagen "Ich habe das Asperger-Syndrom" oder "Ich bin Aspergerautist". In diesem Fall wären sogar beide Fälle richtig. ^^

            • Rein formal ist das richtig. Man kann Epilepriker, Autist oder ähnliches sein.

              Die Interessenvertreter kämpfen aber gegen diese Bezeichnungen. Man kann selbstverständlich Epilepsie, Asperger oder ähnliches haben, aber man ist immer noch sehr viel mehr als die Krankheit.

              Mein Kind und dein Mann leben mit Asperger, sie haben das Syndrom auch, aber sie sind weit mehr als ihre Störung.

              • Die Asperger nehmen dies als Identitätsmarker und nicht als Krankheit. Ich persönlich sehe es auch nicht als Krankheit. Es ist ein Begriff. Das stimmt. Er beschreibt etwas und stellt keinen Begriff für eine Krankheit dar.

                Ich möchte auch gar nicht weiter über "ist" und "hat" diskutieren. Beides kann man sagen.

                Mein Kind IST Epileptikerin und HAT somit Epilepsie. Sie ist weitaus mehr als das. Allerdings rede ich sie mit den Begriffen nicht krank, sondern beschreibe sie damit. Immerhin sollte jedem klar sein, dass jeder Epileptiker und jeder Autist ein Individuum ist und man keinem Menschen mit einem Begriff gerecht werden kann. Dies habe ich allerdings als allgemein bekannt vorausgesetzt.

                Die Asperger haben erstaunlicher Weise nicht das Problem, was hier seit gestern entfaltet wird. Naja, ich habe mich nun in einem Forum angemeldet, auf dem nur Asperger und ihre Angehörigen unterwegs sind. Dort schreiben alle Betroffenen "Ich bin Asperger" ohne sich damit krank reden zu wollen.

                Die Gesellschaft scheint da was aufzubauschen und als krankhaft zu verstehen, was von den Betroffenen ganz anders interpretiert wird...

                Liebe Grüße

                • Das Asperger-Syndrom ist eine anerkannte Behinderung.

                  • Ich weiß. Eine praktische Sache in Hinblick auf Vorteile bei der Rente usw.

                    Ich habe auch eine 4 Etagen Thrombose und eine erwiesene Thrombophilie und gelte als chronisch krank.... Das weiß ich und renne ja trotzdem nicht rum und sage, dass ich chronisch krank bin.

                    Was ich sagen wollte, ist, dass sich diese Menschen nicht als krank sehen und auch gar nicht müssen! ... Sie sagen "ich bin Asperger", weil sie das beschreibend meinen. So wie Bambuswald es schon sehr schön erklärt hat.... Deshalb erspare ich mir weitere Ausführungen.

                    Das stimmt, und das ist in gewisser Weise auch gut so.
                    Dennoch können die Einschränkungen maximal bis minimal sein. Dies nicht nur, weil es verschiedene Ausprägungen gibt, sondern vorallem auch weil das Umfeld ausschlaggebend ist.
                    Meine Freundin hat angeboren eine schwere Deformation der Wirbelsäule.

                    Beim Schwimmen merkt man nichts davon. Im Gegenteil. An Land hängt es vom Boden ab, von ihren Schuhen, aber auch von den Mitmenschen ob und wie sehr ihre Einschränkung festzustellen ist. Je nach Kompatibilität der Umstände.
                    Bei Autismus ist das genauso.

              Ich bin nicht krank. Ich bin ein Mensch mit gewissen, vielleicht etwas wenig häufiger vorkommenden, Wesensmerkmalen, so wie jeder andere Mensch auch.

              Asperger ist keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal.

              Gruß

              Manavgat

        (12) 22.08.15 - 02:26
        kleine Korrektur

        Diese Verniedlichungen (ich bin Aspie, ich bin Bordi) machen aber nichts besser, ganz im Gegenteil.

        • Verniedlichungen finde ich auch doof, wobei zwischen Asperger und Bordelinestörungen Welten liegen.
          Was wir dir zu sagen versuchen: ein Asperger (und die meisten Nicht-Autisten mit engem Bezug zu Aspergern), bezeichnet seine Andersartigkeit nicht als Syndrom, Störung, Erkrankung und verzichtet auf eine Hierarchisierung bzw. Wertung zwischen seiner Wahrnehmung, seinem Blickwinkel, seinen Bedürfnissen zu denjenigen anderer Menschen, ob Autisten oder nicht.

    Du musst neurotypisch sein und wenig Erfahrung mit Autisten haben, oder?
    Ich kenne keinen Asperger der von sich sagen würde er hätte ein Syndrom. Sondern er sagt er sei Asperger oder Autist.

    So wie man halt auch Deutscher oder Amerikaner ist, oder dick oder dünn....

    • Ich kenne keinen einzigen Menschen mit Asperger, der sich selbst so bezeichnet. Der Begriff Autismus ist heute so weit, dass er für Außenstehende kaum informativ ist. Der Mann der TE ist schwerlich der 1980 verstorbene Hans Asperger - diese Formulierung habe ich noch nie gehört. Auch die Interessenverbände lehnen das ab.

      Allgemeiner Sprachgebrauch mag das noch sein - aber angemessen ist: "Mein Kind/Mann/Frau hat Asperger" oder - wie bei anderen Behinderungen "Mein Kind ..... lebt mit Asperger."

      • Das wird in unserer Gegend (Schweiz) von vielen Fachleuten und Betroffenen aber genau andersrum gesehen. Die Tochter von Hans Asperger praktiziert übrigens hier ;-)

        Schau mal ich BIN Mensch, ich BIN Frau, ich BIN Schweizerin, ich BIN 165cm gross, ich BIN .... und ich BIN Autistin.
        Bei gewissen Dingen kann ich wählen, ich kann sagen, ich bin dunkelblond, ich kann aber auch sagen ich habe dunkelblonde Haare.
        Es gibt Dinge, da kann ich im normalen Sprachgebrauch tatsächlich nur sagen, ich HABE, zb ich HABE Muskelkater.
        Keine dieser Dinge die ich BIN reduziert mich darauf, nur weil ich Frau BIN, bin ich nicht nichts anderes mehr.

        Als Autist, mitten im Leben stehend, sich mit traumwandlerischer Sicherheit unter Neurotypischen zurechtfindend, mit Familie, Erfolg im Beruf, Freunde, Hobbies, habe ich meiner Ansicht nach durchaus das Recht zu sagen, dass ich Autist BIN, denn ich habe zwar eine andere WAhrnehmung, andere Bedürfnisse, andere Perspektiven, aber ich habe kein Syndrom, keine Krankheit und keine Behinderung.
        Ich habe das Recht meiner Umwelt zu verbitten eine Wertehierarchisierung zu meinen Ungungsten vorzunehmen, ich mache es nämlich umgekehrt auch nicht!
        Oder was sagst du bitte dem Chinesen der als Ausstauschstudent hierher kommt? Sprichst du ihm ab sich als Chinese bezeichnen zu dürfen, muss er sagen er habe das China-Syndrom?

Falsch.

Aspie ist man oder nicht.

So wie Du NT (Neurotypical) bist oder nicht.

Gruß

Manavgat

(19) 22.08.15 - 10:09

Hallo,

die Antworten hier haben dir auf jeden Fall sehr weitergeholfen, jetzt weißt du wenigstens, was gelangweilte Hausfrauen antworten, wenn sie keinen Plan haben.

Hab einen Sohn, welcher diese Diagnose zu seinem 18. Geburtstag bekommen hat.

Er hat eine Freundin, mit ihr verstehe ich mich super und sie fragt mich immer, wenn sie was nicht versteht.

Leider hlft dir sicher auch das nicht weiter, aber ich habe 20 Jahre mit meinem Sohn gelebt und versucht, ihm unter anderem immer wieder aufzuzeigen, wie man sich "richtig" verhält. Es hat ihn sehr viel Energie gekostet, auch schon in der Schule (er ist außerdem noch hoch sensibel und hat einen IQ von 180). Es gab Phasen, da wollte er nicht mehr leben.

Er hat im letzten Jahr seinen Hauptschulabschluss nachgeholt und dieses Jahr Real, ich bin so stolz auf ihn. Ich liebe seine Denkweise, seinen genialen Humor, seine Feinfühligkeit. Er ist für mich der beste Mensch überhaupt:-D

Wünsche dir alles Gute und deinem Mann auch

  • Zwei meiner Kinder haben Asperger - aber schon diese beiden sind völlig verschieden.

    "Elias" ist neun und ein wunderbares Kind. Er versteht nicht immer warum andere Leute handeln wie sie handeln, aber er ist sehr um ihr Wohlbefinden besorgt. Gruppenaktivitäten sind für ihn anstrengend, vor allem in großen Gruppen. Wenn es nicht allzu lange andauern und er sich dann zurückziehen kann kommt er damit aber gut zurecht. Reize aller Art nimmt er intensiver wahr als die meisten anderen Menschen - es wird ihm manches also schnell zu laut, zu grell ......

    Beim Großen war es schwieriger, aber er ist auch erst mit 12 diagnostiziert worden und er war auch noch hochbegabt. Sein Weg war schwerer und es gab viele Misserfolge. Heute - mit 22 - hat er immerhin eine Ausbildung fast geschafft und er lebt seit mehreren Jahren mit seiner Freundin zusammen.

    Aus Partnerperspektive kann ich dazu wenig sagen. Aber zumindest dieses Paar funktioniert gut.

(23) 22.08.15 - 14:40

Danke für deine Antwort!

Ja, so ähnlich erlebe ich es auch. Allerdings habe ich meinen Mann natürlich erst im Erwachsenenalter kennen gelernt. Als Mama hat man da bereits einiges vorher erklären und machen müssen. Aber auch ich erkläre meinem Mann sehr häufig, warum jetzt XY so oder so reagiert und wie XY empfinden könnte. Mit Beispielen, die meinen Mann direkt betreffen, ist es ein wenig leichter für ihn zu verstehen. Blickkontakt haben wir auch lange üben müssen. ^^

Leider sind seine Eltern nicht darauf gekommen. Sie sagten damals immer nur, dass er völlig anders ist und haben es so hingenommen. Für meinen Mann war es wichtig, in Erfahrung zu bringen, warum er "anders" ist. Und es erklärt tatsächlich eine Menge Verhaltensweisen sehr gut. :-)

Ich wünsche dir, deinem Sohn und dessen Freundin auch alles Gute! :-)

  • Früher war man mit Autismusdiagnosen sehr viel vorsichtiger als heute, vor allem, wenn die betroffenen Kinder noch in der Schule zurechtgekommen sind und auch mal einen Freund hatten.

    Umgekehrt hat man - teilweise in einer Art, die heute als übergriffig gälte - autistische Verhaltensweisen den Eltern zum Vorwurf gemacht. Andere haben in einer nicht weniger übergriffigen Art versucht die Kinder wie die Affen zu dressieren. Das haben viele Eltern - aus heutiger Sicht zu Recht - nicht lange mitgemacht. Die Kompetenztrainings, die Menschen mit Asperger tatsächlich helfen gibt es erst seit wenigen Jahren.

    Also mach deinen Schwiegereltern heute keine Vorwürfe. Will dein Mann überhaupt Hilfe? Wenn er eine eigene Familie haben kann, ist die Störung nicht sehr ausgeprägt. Was mir etwas seltsam vorkommt: Du bist nicht seine Therapeutin. Solche Erklärungen gibst du besser nur ab, wenn dein Mann das wirklich will.

    • Weißt du was. Du bist echt massiv. Und dir antworte ich nicht mehr. Auch du hast die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, wenngleich deine Kinder betroffen sind. Aber nur weil meine Tochter Epilepsie hat, bin ich noch lange kein Neurologe... lässt sich auch auf dich und deine Kinder übertragen. Oder hast du das auch zufällig studiert und hast fundierte Ahnung statt nur eine Muttermeinung zu dem Syndrom ihrer Kinder, was angelesen ist?

      Du kennst weder meinen Mann noch mich. Ich rede unheimlich viel mit ihm und frage wie ich helfen kann usw. Ich habe kein heftiges HelferSyndrom und kommuniziere mit ihm bevor ich handele. Bestimmt zwinge ich ihm nichts auf. Und doch. Man kann Eltern Vorwürfe machen. Mein Mann leidet sehr darunter, dass seine Andersartigkeit des Denkens usw immer schlecht geredet wurde, aber keiner interessierte sich dafür, warum es so war. Es wäre ihm einiges erspart geblieben, wenn seine Eltern mal recherchiert hätten statt Vorwürfe und blöde Sprüche zu lassen. Leider Gottes paasiert das auch heute noch häufig. Je nach Einstellung und Horizont der Eltern.

      Dazu aber genug. Über deine Massivität denke mal nach. Das kenne ich von Eltern kranker oder behinderter Kinder nur, wenn sie selbst noch nicht damit klar kommen, dass ihre Kinder "anders" sind.

      Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute!

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