Hochzeit trotz Möglichkeit der Pflegebedürftigkeit des Partners

    • (1) 29.08.15 - 22:45
      Kopf oder Herz?

      Liebe Gemeinde,

      verzeiht, dass ich in schwarz schreibe, aber ich bin hier oft unterwegs und möchte dennoch nicht allzu viel Privates preisgeben, bitte versteht das.

      Kurz zum Sachverhalt: mein Partner und ich sind mehrere Jahre zusammen. Wir haben Kinder, Haus und alles was man sonst als Familie so hat gemeinsam. Natürlich würde ich ihn auch gern heiraten, er mich auch. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass er an einer Erbkrankheit leidet, die auf jeden Fall nach einem langen schrecklichen Verlauf zum Tode führt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er erkrankt, steht 50:50. Ein Gentest ist prinzipiell möglich, diesen möchte mein Partner jedoch nicht durchführen und das respektiere ich.

      Mit der Ungewissheit zu leben ist natürlich schwierig, aber es überschattet unseren Alltag nicht. Ich möchte meinen Partner heiraten, weil ich ihn liebe, natürlich weiss ich, dass dies ein rein formeller Akt ist und sich unsere Beziehung dadurch nicht ändert. Nun gab er mir aber zu bedenken, das ich im Falle seiner Pflegebedürftigkeit für ihn Unterhaltspflicht habe und das meinen finanziellen Ruin bedeuten könnte (Plätze in speziellen Pflegeheimen sind sehr teuer). Dagegen ist zu sagen, dass nach dem SGB XII auch Partner in eheähnlichen Gemeinschaften dem zu pflegenden Partner Unterhalt zu leisten haben, sofern sie noch in einem gemeinsamen Haushalt leben. Kommt der pflegebedürftige Partner ins Heim, muss sich der andere Partner gesetzlich nicht an den Kosten beteiligen. Das hört sich erst einmal sehr finanziell an, für mich ist es selbstverständlich, ob verheiratet oder nicht, für meinen Partner einzustehen.

      Ich weiss, dass es für viele unvorstellbar wäre, so eine Partnerschaft zu führen, ich habe mich aber für meinen Partner entschieden mit allen Konsequenzen und möchte dies auch nicht bewertet haben. Ich möchte nur gern eure Meinung hören, ob ihr dennoch an einer Heirat festhalten würdet oder käme euch der Gedanke, es unter diesen Umständen zu lassen? Vielleicht hat schon jemand Erfahrung auf diesem Gebiet...

      Liebe Grüße

      • Wenn ich das Gefühlsmäßige mal strikt außen vor lasse, dann stimmt es, dass Dich die Tatsache, dass Dein Ehemann in ein Pflegeheim muss, an den Rand des Ruins bringen kann. Da ihr ein Haus habt, kann es dazu führen, dass es verkauft werden muss. Müsste Dich aber ein Notar/Rechtsanwalt besser beraten, ob man dem entgehen kann, wenn man sofort eine entsprechende Regelung träfe.
        Mein Mann war vor seinem Tod ein Pflegefall, nicht lange - und auch zuhause. Aber hätte ich ihn zuhause nicht mehr pflegen können, aus welchem Grund auch immer, wäre mir nicht viel mehr als die "Grundsicherung" geblieben, da er selber über keine hohe Rente verfügte, wie die meisten seiner Jahrgänge.
        Knapp 4.000 kostet ein Pflegeplatz für die Pflegestufe III, kann auch mehr sein, je nach Aufwand.
        Leistungen der Pflegeversicherung: 1.550 Euro (in Härtefällen: 1.918 Euro).
        Rente des Pfleglings dazu, evtl. 1.000 Euro, bleibt übrig ?? Das ist von den Angehörigen aufzubringen, vor allen Dingen der Ehefrau.
        Das ist alles sehr grob überschlagen, aber mir wäre nicht mehr viel Geld geblieben, hätte auch sofort meine Wohnung aufgeben müssen, da zu teuer.
        Mit Hilfe von Pflegediensten und diversen Zusatzleistungen kann man einen Menschen heutzutage sehr lange zuhause pflegen, ich hätte meinen Mann wohl nur in ein Altersheim gegeben, wenn ich selber schwer krank geworden wäre oder ähnliches.
        Schön von Dir, dass Du auch angesichts der drohenden Krankheit heiraten willst, aber ich würde mich sehr gut erkundigen, was alles auf Dich zukommen kann im schlimmsten Fall. Denn Du bist ja auch noch für Kinder verantwortlich.
        LG Moni

          • "in guten wie in schlechten Zeiten" hat für meinen Mann und mich 35 Jahre lang Gültigkeit gehabt, bis zu seiner letzten Minute.
            Aber oft muss man Entscheidungen treffen, wo man einfach auch VERSUCHEN muss, realistisch zu denken. Galt für mich ja auch für die Entscheidung, meinen Mann vom KrHs heimzuholen, als klar war, dass man nichts mehr für ihn tun kann....und ich bin sehr sehr froh, so entschieden zu haben, denn er wollte NIE im KrHaus sterben - an Schläuchen.
            Und das konnte ich ihm erfüllen.
            Ich hab die TE schon verstanden, wie sie es meinte.
            LG Moni

        Hallo,

        das stimmt so nicht ganz. Wenn die TE verheiratet ist dann ist und bleibt ihr EHEmann seiner Frau auch als Pflegefall Unterhaltspflichtig.
        Wenn die TE nicht verheiratet ist, dann wird sie zu Zahlungen an das Pflegeheim mit rangezogen aber im Sterbefall würde sie keine Witwenrente bekommen (sind ja nicht verheiratet). Bei selbstbewohntem Eigentum muss auch das Haus nicht zwangsläufig verkauft werden nur weil das Pflegeheim versucht die Kosten von den Eigentümern (hier die TE) wieder zu bekommen. Denn auch die Kinder "erben" ja einen/ihren Anteil am Wohneigentum. Jedenfalls hat man mir es so erklärt als mein Mann ein Pflegefall wurde.

        Ich würde der TE raten zu heiraten, dann wäre sie mit den Kindern "versorgt" und sollte der Ehemann Pflegefall werden wird das Sozialamt einen Teil der Kosten tragen müssen, da eben der Ehemann für seine Frau und die Kinder im Rahmen seiner Möglichkeit immernoch für den Unterhalt (Unterhaktspflicht) sorgen muss. Auch sind die Bemessungsgrenen ziemlich hoch so das die TE kaum zahlen müsste.

        @ TE. lies dich hier mal durch (ich habe es nur so auf die schnelle gefunden und auch nur überflogen)
        http://www.newbooks-services.de/MediaFiles/Texts/3/9783648014363_Excerpt_001.pdf

        LG

        • Kann das sein, dass es regionale Unterschiede gibt?
          Mir wären genau 720 Euro geblieben - nicht mehr und nicht weniger. Nicht mal eine "Härtefallregelung" wäre mir zugestanden worden. Hab es ja rein interessehalber mal ausrechnen lassen. Rein geldliche Rechnung, Haus haben wir ja keines.
          Mein Mann wäre mir NICHT unterhaltsverpflichtet gewesen, weil er viel zu wenig Rente bekam, war ja weniger als die Pfändungsgrenze. Kann sein, dass das eine Rolle spielt, wie hoch das ist.
          LG Moni

          • Nee, regionale Unterschiede können nicht sein dann würde ja Jeder umziehen weil er dann mehr Geld bekommen würde. Evtl. liegt es wirklich an der Höhe der Rente. Das Sozialamt versucht jedenfalls von den Familienangehörigen so viel Geld zurück zu bekommen wie nur möglich, egal, ob es rechtens ist. Von vielen, die gegen solche Entscheidungen geklagt haben, habe ich gehört dass sie gewonnen haben und eben nichts oder nur einen kleinen Teil zahlen mussten.
            Aber wenn man nicht verheiratet istmuss man bezahlen und hat keinerlei Ansprüche an eine Rente, darum würde ich immer heiraten in so einem Fall und wenigstens meinen Anspruch sichern auf Rente.

            LG

    Hallo,

    Ich würde nicht heiraten. Aus den bereits genannten Gründen. Man kann auch wunderbar ohne Hochzeit leben.

    Wie sieht das denn mit der Erbkrankheit und Euren Kindern aus? Klingt ja schon schlimm.

    Lg

    Genau das habe ich mich auch gefragt. Haben die Kinder es geerbt?

    Zu der eigentlichen Frage, möchte ich nicht viel sagen. Ich weiß wohl, dass ich einen Gendefekt habe. Durch das Nichterkennen führte das bei mir auch fast zum Tod. Ich habe die große Maus direkt testen lassen. Sie hat es nicht. Die Kleine wird demnächst auch getestet. Falls sie es hat, müssen wir einige Dinge beachten. Dann ist der auch nicht so gefährlich.

    Wann hat dein Freund sich denn dss letzte mal beraten lassen? Die Medizin macht große Fortschritte. 2006 hieß es noch, dass ich auf gar keinen Fall Kinder bekommen dürfe, weil das zu gefährlich ist. Nun habe ich zwei und die Forschung weiß, dass Kinder bis 30 unter strenger Kontrolle ok sind. Bleibt gefährlich, aber endet nicht zu 100% mit dem Tod wie noch 2006 angenommen.

    Ebenso der Opa meines Mannes. Der ist auch an etwas Erblichem verstorben. Drei Jahre später fanden sie raus, wie sie die Krankheit stoppen können...

    Ich weiß ja nicht, was er hat. Aber alle paar Jahre mal mit einem Spezialisten zu sprechen, ist manchmal gar nicht schlecht! :-)

    Liebe Grüße

Diese Frage hätte ich gestellt, bevor ich Kinder mit jemand bekommen hätte.- jetzt ist es ein wenig spät dafür . Ausserdem hat er die Krankheit ja noch gar nicht - alles seltsam.

Finanzieller Ruin hört sich ganz schön dramatisch an. Wie passt der Begriff Selbstbehalt dazu?

Die Entscheidung wäre einfacher, wenn dein Partner einen Gentest machen lassen würde. Schon wegen der Kinder wäre es notwendig.
Ich habe mal einen Mann mit vermutlich dieser Erkrankung betreut. Das lässt sich nur machen, wenn rundum jemand zu hause ist, also wenn du nicht berufstätig bist.

Ich würde nicht heiraten, wenn der Test positiv ist, denn es bedeutet, dass du deswegen irgendwann nicht mehr hast, als die Grundsicherung, wenn dein Partner ins Pflegeheim kommt. Wenn ein Trauschein so teuer ist, würde ich darauf verzichten.

Ich wünsche euch den den Mut, den Test machen zu lassen.

  • (17) 30.08.15 - 08:44
    Kopf oder Herz?

    Vielen Dank auch für deine Antwort. Natürlich würde ein Test alles verändern-egal wie er ausfällt. Mein Partner hat jedoch für sich entschieden, dass er im Falle eines Falles nicht mit dem Ergebnis leben könnte. Davon hängt dann auch die Lebensqualität der letzten Jahre ab, die man noch krankheitsfrei hat. Das respektiere ich. Die Möglichkeit, die Kinder zu testen, gibt es in D nicht unter dem 18. LJ. Und selbst wenn mein Partner betroffen ist, heisst das nicht automatisch, dass die Kinder es auch sind.

(18) 30.08.15 - 08:50

aus welchen Gründen würdet ihr den heiraten wollen?
Vielleicht könnt ihr ja auch einfach eine "inoffizielle" Zeremonie machen - also ohne Standesamt, aber mit Feier und allem?!

Denn wenn tatsächlich der Fall eintritt, dass er so schwer erkrankt, kostet es dich Haus und Hof und wie eure Kinder dann versorgt werden (je nachdem wie alt sie sind) ist ja dann auch fraglich.

Ich wünsche euch von Herzen, dass es nicht so weit kommt.

  • (19) 30.08.15 - 10:03

    Selbstverständlich ginge auch eine inoffizielle Zeremonie. Obwohl es für mich nie das gleiche wäre. Ich möchte nicht nach dem Motto leben, für immer und ewig, es sei denn, du erkrankst, denn bin ich raus. Er will natürlich, dass ich seinetwegen dann nicht auch noch finanziell belastet wäre. Rechtliche Beratung habe ich mir bereits geholt. Wären wir nicht verheiratet, würde unsere Bedarfsgemeinschaft theoretisch enden und ich wäre ihm nicht finanziell verpflichtet. So nimmt man es an, wenn es denn tatsächlich anders ist, wird dies immer im Einzelfall betrachtet. Wenn ich dann so tue, als wären wir nicht mehr in einer eheähnlichen Gemeinschaft, kann dies natürlich als Sozialbetrug ausgelegt werden. Also ganz raus wäre ich so oder so nicht und das möchte ich auch gar nicht. Ich glaube einfach, im Fall einer Erkrankung, liegt mir auch was an der rechtlichen Stellung seiner Ehefrau.

    • Solange ihr zusammen wohnt ist es eine Bedarfsgemeinschaft, wenn dein Partner nicht mehr arbeiten kann und seine Rente nicht ausreicht.
      Ich denke, es geht darum, falls er irgendwann ins Pflegeheim müsste, dass dann alles "übrige" Geld und auch das Haus aufgebraucht werden muss, wenn ihr verheiratet seid.
      Wenn ihr unverheiratet zusammen bleibt und dein Partner wird krank, dann verlässt du ihn doch nicht. Emotional spielt es keine Rolle, ob du verheiratet bist oder nicht. Du wirst ihn doch nicht wegen der Krankheit verlassen.

      • (21) 30.08.15 - 12:59
        Kopf oder Herz?

        Das stimmt, das würde ich nicht. Ginge er in ein Pflegeheim und wir sind nicht verheiratet, kann argumentiert werden, dass die Bedarfsgemeinschaft nicht mehr besteht. Wohlgemerkt: KANN. Wenn es tatsächlich doch der Fall ist, ist man unter Umständen weiterhin zu Leistungen verpflichtet. Daher macht es wohl rechtlich als auch auch ethisch (meiner Meinung nach) kaum ein Unterschied, ob verheiratet oder nicht.

(22) 30.08.15 - 09:29

dein Herz hat schon entschieden, nicht ob Trauschein oder nicht (anwaltliche Unterstützung fände ich hier auch angebracht)
sondern dass du mit ihm alt werden willst.

ich kenne zwei Paare, wo der Mann jeweils sich dafür entschieden hat - auch auf die Gefahr hin, dass die Frau bei der Geburt der Kinder sterben könnte oder nicht alt werden wird...
und ich bin jedes Mal berührt von der Kraft der Liebe...
so auch jetzt, als ich deinen Beitrag gelesen habe.

inhaltlich ist meine Antwort nicht wertvoll - aber ich wollte euch dazu beglückwünschen, dass ihr das Glück habt, Liebe so intensiv und ehrlich zu erleben.
und wünsche euch natürlich, dass ihr gemeinsam alt werden könnt!

vielleicht findet ihr - falls der Trauschein zu teuer werden könnte - auch einen Menschen, der für euch eine Trauzeremonie abhält, die dann nur für euch ist.

Hallo!

Das Haus ist nicht in Gefahr. Wenn Dein mann pflegebedürftig ist und DU wohnst auch nachdem er ins Heim kommt weiterhin im Haus dann ist das Haus tabu. Nur ausziehen darfst Du nicht, dann wäre das Haus weg.

Am wichtigsten wäre vor allem, dass Du Entscheidungen für ihn treffen darfst. Das geht über eine Ehe oder entsprechende Vollmachten. Es sollte schon so sein, Dass DU für ihn sprechen darfst, wenn er nicht mehr selber entscheiden kann.

Und es muss ja auch gar nicht sein, dass er erkrankt.

  • Hallo!

    Ich kann Deinen Freund verstehen, dass er das nicht wissen möchte. Eine junge Frau die ich betreue, hat sich auf Chorea Huntington testen lassen, da ihr Vater es hat.
    Und ist danach in ein tiefes Loch gefallen, die Krankheit brach beinahe unmittelbar danach aus. Der psychologische Effekt ist sicher nicht zu unterschätzen.

    Ich finde es auch nicht gut, die Entscheidung davon abhängig zu machen. Wenn Ihr heiraten wollt, dann macht das und dann würde ich trotzdem eine Vorsorgevollmacht für Dich einrichten.
    Und wieso soll es unbedingt ein Pflegeheim sein? Eine 24/7 Pflege kann mittlerweile auch zu Hause stattfinden.

    Alles Gute,
    Dana
    #blume

    • (25) 30.08.15 - 12:28

      Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Genau deswegen kann ich auch verstehen, dass er von einem Test absehen möchte, ohne gleichzeitig die Sache an sich zu verdrängen. Und du hast Recht, ein Pflegeheim ist letztendlich auch nicht immer der letzte und beste Weg.

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