Antriebsschwach und fremdbestimmt

    • (1) 30.08.15 - 22:59
      Müde

      Mein Mann hat früher sehr gut verdient und kann es sich jetzt leisten nicht mehr zu arbeiten. Ich ebenfalls, mal abgesehen von der Arbeit in der Familie ( 4 Kinder), großem Haus und Garten. Wir sind also in einer vorgezogenen Rentensituation, in der eben noch die Kinder zuhause leben. Mein Mann hat alle Freiheit, er ist sehr autonom und geht seinen Hobbys nach (Sport). Zwar hat übernimmt er auch ein paar Aufgaben, aber von einer ausgewogenen Arbeitsverteilung in unserer Partnerschaft sind wir weit entfernt. Vieles was ich für nötig halte hält er für unnötig, und ich kann es dann tun oder lassen. Dazu zählt Hausarbeit aber auch schulische Unterstützung der Kinder ("musste mich auch allein durchbeißen"), oder ehrenamtliche Engagements.
      Ich bin an Krebs erkrankt, im Moment geht es mir relativ gut, aber mich lässt der Gedanke nicht los, dass mein Leben einfach verrinnt. Mein Mann wirft mir vor, dass ich kein Hobby habe (und ihm die seinen daher nicht gönne), und ich habe das Gefühl ich komme gar nicht dazu vor lauter Alltag. Das ist es aber nicht allein. ich habe wirklich kein Hobby, das mich von innen heraus trägt und treibt.

      Ich habe das Gefühl ich bin nicht mehr die Gleiche wie vor meiner Erkrankung, ich bin schneller müde, und auch psychisch verändert eine lebensbedrohliche Krankheit vieles. Aber meine Familie kann und will das nicht bemerken. Natürlich will ich meinen Kindern und auch meinem Mann keine Angst machen. Aber für mich ist nichts mehr so sicher wie zuvor.
      Was meine Frage ist? Ich weiss es auch nicht genau. Wie kann ich besser für mich sorgen? Wie finde ich ein Hobby, das mich trägt? Wie grenze ich mich gegenüber meiner Familie so ab, dass ich nicht aufgesogen und leer werde?
      Ich bin gerade sehr dünnhäutig. Bitte keine groben Antworten. Aber vielleicht ein paar Gedanken, die mir weiterhelfen. Danke.

      • (2) 30.08.15 - 23:13

        Das erste, was mir einfällt, ist eine Haushaltshilfe einzustellen, wenn es euch finanziell ja gut geht.

        Und für mich ist nicht ganz klar geworden, ob Du nun ein Hobby willst, weil Dein Mann das für angemessen hält, oder weil DU es möchtest? Was hattest Du denn früher für Hobbys - Dein Leben wird ja nicht immer nur aus Haushalt, Kindern und/oder Beruf bestanden haben?

        Wenn Du schnell müde wirst, solltest Du Dir auch die nötige Ruhe gönnen. Schau auch selber noch mal, wo Du im Alltag Abstriche machen kannst.

        Alles Gute!

        • (3) 31.08.15 - 09:17

          Liebe Anyca, du hast recht mit der Haushaltshilfe, die würde schon einiges entspannen. Hier findet man nicht so leicht jemanden (Feriengebiet), aber ich starte jetzt endlich einen konkreten Anlauf. Danke dir.
          Was ich gerne tue: mit netten Menschen zusammen sein. Aber meinem Mann ist das nicht so wichtig und daher muss immer ich die treibende Kraft sein.

      (4) 30.08.15 - 23:28

      Weißt Du,
      bei mir ist es genau umgekehrt. Mein Mann ist an Krebs erkrankt und ich weiß nicht, wie lange ich ihn noch habe. Ich kann Dein Gefühl des "einfach Verrinnens" sehr gut verstehen. Das ist das Schlimmste. Denn das Einzige, das man sich in diesem Leben nicht kaufen kann, ist Lebenszeit. Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich einsehen muss, dass ich keinerlei Einfluss darauf habe, wieviel Zeit wir noch zusammen haben - aber jeden Einfluss darauf, wie diese Zeit ist. Ab sofort ist jeder Tag ein guter Tag. Punkt. Es ist eine hohe Kunst, den Augenblick zu leben, aber es ist letztlich die einzige Möglichkeit, in einer solchen Situation zu über-leben. Für sich selber.
      Ich hoffe, dass ich mich halbwegs verständlich für Dich ausdrücke. Ich glaube nicht, dass es irgendeine Art von "Hobby" ist, die Dir fehlt. Horch' mal in Dich hinein und überlege, was Du wirklich tun willst. Was Du tun würdest, wenn niemand von Dir abhängig wäre. Worauf Du in Deinem Allerinnersten "Bock hast". Und wenn Du das für Dich selber rausgefunden hast, versuch', mit Deinem Mann zu reden. Wenn's schief geht, versuch' es in einer ruhigen Minute nochmal. Alles andere ist Organisation.
      Herzliche Grüße

    (7) 31.08.15 - 07:23

    Ich muss noch mal fragen: du hast Krebs und dein Mann denkt nur an seinen Spaß und Hobbys und nimmt dir kaum was ab? Auch nicht bei den Kindern? Mit welchem Recht denn? Für mich ist er ein egoistisches A...och, tut mir leid. Mir kommt es fast vor als würde er deine Erkrankung ignorieren damit er bloß in seinem schönen Leben nicht gestört wird! Du musst dir unbedingt mehr Ruhe gönnen, auf deine Art! Stell wie schon jemand schrieb, eine Haushaltshilfe ein und konzentriere dich auf deine Gesundheit. Aber dein Mann- ohne Worte

Guten Morgen!

"Mein Mann hat früher sehr gut verdient und kann es sich jetzt leisten nicht mehr zu arbeiten. Ich ebenfalls, mal abgesehen von der Arbeit in der Familie ( 4 Kinder), großem Haus und Garten. Wir sind also in einer vorgezogenen Rentensituation, in der eben noch die Kinder zuhause leben."

-----> Wie alt sind denn die Kinder?

Mein Mann hat alle Freiheit, er ist sehr autonom und geht seinen Hobbys nach (Sport).

----> Finde ich gut!

"Zwar hat übernimmt er auch ein paar Aufgaben, aber von einer ausgewogenen Arbeitsverteilung in unserer Partnerschaft sind wir weit entfernt."

----> Ist das neu, oder altbewährt, aber jetzt im neuen Licht, weil Ihr beide zu Hause seid?

"Vieles was ich für nötig halte hält er für unnötig, und ich kann es dann tun oder lassen. Dazu zählt Hausarbeit aber auch schulische Unterstützung der Kinder ("musste mich auch allein durchbeißen"),"

----> Das ist sicher persönliche Ansichtssache, aber wünschenswert wenn die Ansichten ähnlich sind.

"oder ehrenamtliche Engagements."

----> Das ist doch Deine ganz persönliche Sache, die ich unter Hobby verbuchen würde.

"Ich bin an Krebs erkrankt, im Moment geht es mir relativ gut,"

----> Toi toi toi, dass das so bleibt und noch besser wird!

"aber mich lässt der Gedanke nicht los, dass mein Leben einfach verrinnt."

----> Dieser Gedanke trifft fast jeden irgendwann im Leben. Im Angesicht Deiner Krankheit sicher noch vehementer. Daher ist das doch ein guter Zeitpunkt, auf Erreichtes zurückzublicken und vorausschauen auf das, was da noch kommen darf! :-D "Mein Mann wirft mir vor, dass ich kein Hobby habe (und ihm die seinen daher nicht gönne), und ich habe das Gefühl ich komme gar nicht dazu vor lauter Alltag."

---> Ist es so, dass Du ihm seine Hobbies nicht gönnst? Ich gehe davon aus, dass es keine Kleinkinder mehr sind. Was bestimmt dann Deinen Alltag so immens?

"Das ist es aber nicht allein. ich habe wirklich kein Hobby, das mich von innen heraus trägt und treibt."

----> Hättest Du das gerne, außer Ehrenamt und Garten, oder machst Du das nicht gerne?

"Ich habe das Gefühl ich bin nicht mehr die Gleiche wie vor meiner Erkrankung, ich bin schneller müde, und auch psychisch verändert eine lebensbedrohliche Krankheit vieles. Aber meine Familie kann und will das nicht bemerken."

----> Das ist ein ganz natürlicher Prozess und Du solltest da unbedingt achtsam mit DIr umgehen und darüber auch mit Deiner Familie sprechen. Nur so können sie Verständnis für die Veränderungen aufbringen.

" Natürlich will ich meinen Kindern und auch meinem Mann keine Angst machen. Aber für mich ist nichts mehr so sicher wie zuvor."

---> Wenn sie nicht wissen was los ist und wie es in Dir aussieht, dann bekommen sie eher Angst, bzw. werden verunsichert. Wenn Du mit ihnen sprichst, können sie Dein Verhalten besser einschätzen.

"Was meine Frage ist? Ich weiss es auch nicht genau. Wie kann ich besser für mich sorgen? Wie finde ich ein Hobby, das mich trägt? Wie grenze ich mich gegenüber meiner Familie so ab, dass ich nicht aufgesogen und leer werde?"

---> Was genau lässt Dich so fühlen. Was empfindest Du als größere Belastung als zuvor? Und gibt es etwas, dass Du gerne tun würdest?

"Ich bin gerade sehr dünnhäutig. Bitte keine groben Antworten. Aber vielleicht ein paar Gedanken, die mir weiterhelfen. Danke."

---> Ganz wichtig finde ich zuerst einmal die Gedanken zu strukturieren und sortieren.
Und was machen Dein Mann und Du gemeinsam? Was teilt Ihr an Hobbies? Den Garten?

LG
Dana #blume

(10) 31.08.15 - 10:50

Hallo

klingt banal, ich würde auch eine Haushaltshilfe einstellen und Yoga machen.
Gerade jetzt wo du dich müde und leer fühlst, wirst du mit Yoga zur Ruhe kommen und zunehmend spüren was du jetzt brauchst und dir guttut.
Vielleicht bringt dich das weiter im Umgang mit dem Krebs.

Alles Gute für dich

(11) 31.08.15 - 11:46

Ganz sicher bist du nicht mehr dieselbe wie vorher. Niemand ist das nach einer solchen Erfahrung. Ich glaube, dass dein Partner diese Tatsache so stark wie möglich verdrängt. Nicht jeder Mensch kann mit einer lebensbedrohlichen Situation umgehen.

Hat er dich denn während den Therapien gestützt?

Ich glaube auch, dass du dir Unterstützung holen und mehr Zeit mir dir selber verbringen solltest. Der Tipp mit Yoga war gut. Auch Tai Chi oder simple Spaziergänge könnten dir mehr Ruhe verschaffen. Vielleicht ein Hund zulegen? Na? :-)
Vielleicht kannst du auch versuchen, dir ein Netzwerk aufzubauen, Freundschaften zu schliessen oder dich ehrenamtlich betätigen.

Mehr Unterstützung bei deinem Mann bekommst du vielleicht mit etwas Psychologie. Vielleicht kannst du deinem Mann irgendwie machen? 2Schatz, schau, ich weiss, du hast dich selber durchgebissen. Aber du weisst nun mal besser über das Thema xy Bescheid als ich...."

Alles Gute, thyme

(12) 31.08.15 - 12:20

Hallo,

sicher kann ich mich nicht wirklich in deine Situation einfühlen, aber ich kenne das Gefühl, dass das Leben verrinnt und man vor lauter Alltag nicht dazu kommt, etwas für sich selber Sinnvolles zu finden. Was mir sehr geholfen hat, ist die Beschäftigung mit Spiritualität und vor allem Achtsamkeit. Es geht dabei darum, sich so gut es geht den gegenwärtigen Augenblick wahrzunehmen. Yoga, Tai Chi, Meditation etc. sind Wege dazu, es gibt aber auch Techniken, die sich mit wenig Aufwand in den Alltag integrieren lassen. Google mal nach Büchern etc. zum Thema Achtsamkeit (ich persönlich finde die Bücher von Eckhart Tolle gut, auch wenn sie sich zunächst ziemlich esoterisch lesen).

Seitdem ich versuche, mir immer öfter kleine Momente zu schaffen, in denen ich nicht denke, plane, grüble etc., sondern nur in der Gegenwart bin, habe ich das Gefühl, dass die Zeit langsamer vergeht bzw. ich sie intensiver wahrnehme, und es fällt mir auch leichter, Sachen zu finden, die mich interessieren - um ein Hobby zu finden, das zu dir passt, musst du ja auch erstmal irgendwie bei dir selber ankommen.

Ich wünsche dir Gesundheit und alles Gute!
Meggie

Hallo!

Das wichtigste wäre erst mal eine Haushaltshilfe. Gerade wenn es Dir körperlich nicht gut geht muss man sich doch nicht auch noch kaputt machen, indem man den halben Tag die Böden schrubbt, das kann doch um Himmels Willen jemand anderes machen. Und man findet wirklich überall eine Putzfrau, man muss nur aktiv suchen und auch mal 3 ausprobieren und die, die nicht so gut arbeiten eben wieder kündigen.

Auch für die Kinder könnte ein Abiturient oder Student kommen und jeden Tag 1-2 Stunden bei den Haushaufgaben und dem Lernen helfen könnte. Das klappt wahrscheinlich besser, als wenn das Dein Mann macht, der gar keine Lust drauf hat und vielleicht dabei mal ungeduldig mit den Kindern wird.

Ob Du nun wirklich ein Hobby brauchst oder Dir eher Yoga, Pilates oder einfach nur mit Freunden treffen und gemütlich ein Buch lesen wirklich gut tut, musst Du selber heraus finden. Oder ob Du lieber einen Zwergpudel brauchst, mit dem Du jeden Tag 2 Stunden alleine durch den Wald laufen kannst.

(14) 31.08.15 - 22:04
Nicht mehr so müde

Danke für alle Eueren freundlichen Antworten und Anregungen.

Ein Hund wird's bei mir zwar nicht werden (mit meinen Kindern habe ich schon genug Familienmitglieder, die mich brauchen), aber es stimmt dass es mir gut geht, wenn ich Zeit ungestört aber aktiv mit mir selbst verbringe.

Heute hatte ich einen vom Zufall geschenkten freien Vormittag und habe in aller Ruhe im schattigen Garten einen Stuhl bemalt. Und den Rest des Tages war ich gut gelaunt, entspannt und hatte eine schöne Zeit mit unseren Kindern.

Ich hoffe, ich kriege diese Freiräume auch hin, wenn sie mir nicht in den Schoß fallen.
Es ist so heilsam ganz im jetzt zu sein, und ungestört das zu tun, was man gerne tut.

es wurde ja schon viel geschrieben...meine idee noch: vielleicht wäre reiten was für dich? der kontakt zum pferd tut der seele gut und das reiten selbst dem körper :)

lg bb

(16) 01.09.15 - 08:57
mein Gedanke dazu

hallo

ich schreibe aus meiner Perspektive und aufgrund meiner Erfahrungen: das Thema Tod, wenn das plötzlich in einer Familie Thema wird - und dann noch viel zu früh - ist ein heftiger Einschnitt und damit kann nicht jeder so umgehen. Nur sieht man es im Außen nicht immer so gut. Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, niveauvolle Vorträge oder Diskussionen anzuhören - oder mit einem Art Therapeuten oder Menschen, für den das Thema kein Tabu ist und der sich viel mit den Gedanken und Sorgen der Betroffenen und Angehörigen beschäftigt hat, zu unterhalten - oder gute Bücher oder einfach ein paar schöne Fragen, über deren Antworten man sich länger unterhalten kann... wenn es irgendwie möglich wäre, würde ich mit meinem Mann das machen. Ich empfand das als sehr unterstützend, um auch zu merken, welche Strategien jeder entwickelt und wie die Strategien manchmal gegeneinander arbeiten - obwohl beide Menschen das gleiche Ziel haben.

Das ist nur ein Gedankenanstoß... ich wünsche euch viel Kraft und Liebe, die euch trägt und nährt - und Gesundheit!

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