Depressiver Partner

    • (1) 14.10.15 - 15:39
      secretonexxx

      Hallo zusammen,

      vor ca. 2 jahren wurden bei meinem partner depressionen diagnostiziert.
      Ich habe mich mit diesem thema zwar schon mehrfach auseinandergesetzt, jedoch stellen sich mir immernoch so einige fragen.

      Ich kann nicht zurordnen welche seiner schlechten verhaltensweisen auf die depression zu schieben sind und welche nicht. Sein nicht-korrektes Verhalten mir gegenüber, seine eigenen Firma die kurz vor dem aus steht& seine dadurch entstanden Schulden...

      All diese Probleme sind mittlerweile massiv und ich frage mich: Ist diese Krankheit an vielen Dingen schuld? Rückzug aus Beziehungen, Antriebslosigkeit , Lustlosigkeit , Anspannung, Gereiztheit sind alles Symptome einer Depression, welche aber auch zu den 3 genannten Punkten passen..
      Ich hoffe es ist nachvollziehbar worauf ich hinaus möchte.

      Wirklich in therapie ist er nicht, er war nur beim psychologen und nimmt antidepressiva. aber auch in der einnahme sah ich in der vergangenheit keine konsequente einnahme, wo wir wieder beim thema "antriebslosigkeit" wären - kein antrieb zum arzt und zur apotheke zu gehen, nur ein kleines beispiel von vielen!

      Seine Probleme sind sehr enorm. Und ich kann einfach nicht unterscheiden inwiefern ich wegen der Krankheit zu ihm stehen muss und inwiefern ich mir das einfach nicht mehr bieten lassen DARF.

      Für meinen Mann bin ich (angeblich) ALLES , behandelt werde ich jedoch wie ein fußabtreter. Mir geht es durch sein Verhalten &seiner Krankheit sehr schlecht, auch das nimmt er nicht wahr, er zieht es ins lächerliche&lacht mich aus. Er schwebt von einem extrem ins andere:"ich brauche dich" bis zu "dann zieh doch aus "usw.
      Seine Laune ,Lebenseinstellung & verhalten zieht mich runter, aber das realisiert er nicht.

      Hat jemand von euch Erfahrungen mit dem Thema Depressionen, insbesondere in der Partnerschaft?
      Inwiefern muss man auch in diesen schlechten zeiten zu seinem partner stehen und inwiefern geht man letztendlich nur selbst daran kaputt?

      Nimmt die Krankheit tatsächlich so eine Überhand über das eigene ICH?

      Ich hoffe jemand kann mir ein wenig von seinen Erfahrungen berichten :-)
      Ganz liebe Grüße!

      • Hallo, ich bin mit einem depressiven Mann verheiratet. Er hatte diese von Anfang an. Es gab Phasen da hatte er schwere Depressionen und Klinikaufenthalte und Zeiten wo man nichts merkte. Es ist schwierig hier zu verallgemeinern da Depressionen unterschiedlich sind. So wie auch die Menschen charakterlich und wie man damit umgeht. Mein Mann ist in den schweren Phasen sehr antriebslos, lustlos, emotionslos gewesen. Er hat sehr an mir geklammert konnte aber auch die Liebe schwer zeigen. Absolut nicht belastbar in dieser Phase. Auslöser ist bei ihm familiäre Struktur und Vererbung aber auch schlimme Erlebnisse. Er ist immer regelmässig beim Psychologen. Muss sein lebenlang Medis nehmen. Nach Versuch in guten Phasen diese abzusetzen (war nicht meine beste Idee) ist ee völlig abgestürzt. Da hat es lange gedauert bis er wieder draussen war. Zusätzlich ist er bei einer Therapeutin. Obwohl ich einen Therapeuten nicht immer zwingend notwendig halte kommt drauf an was für eine Depression es ist. Man sollte seinen Partner in der schweren Phase stützen aber genauso gut auch die Grenzen zeigen. Man darf sich als Partner dabei selbst nicht kaputt machen. Und man darf seinen Partner auch mal ordentlich Dampf machen. Meiner brauchte jedenfalls die Mischung, alles kann man nicht auf Depressionen schieben. Mittlerweile weiss ich ganz genau wann er gewisse Dinge nicht schafft und was einfach keine Lust etc ist. Sprich mit deinem Partner. Gerne verschliessen sie sich durch die Depression, nehmen weder Bedürfnisse anderer oder die eigenen richtig war und ziehen sich in ein Schneckenhaus zurück. Das muss man immer wieder ansprechen. Versuchen geneinsam zubesprechen was notwendig ist. Die Medikation muss durchgehend erfolgen und vor allem muss es das richtige Medikament sein. Mein Mann war auch mal kurze Zeit in einer Selbsthilfegruppe, allerdings war das für ihn nichts. Es gibt viele Hilfestellungen man muss sie aber auch annehmen. Es ist eine Krankheit aber auch diese ist behandelbar auch wenn oft nicht heilbar. Nimm das an und sprech mit ihm. Wenn er so überhäuft von Problemen ist geht eins nach dem andern an. Ich wünsche euch viel Kraft. Alles Gute.
        Ps. Trotz dessen konnte ich mich immer auf meinen Mann verlassen und als ich schwere Zeiten hatte konnte er mir beistehen wie sonst keiner weil er weiss wie schrecklich man sich fühlen kann undwie tief der Abgrund sein kann.

        • (3) 15.10.15 - 14:06

          hallo,

          vielen dank für deine rückmeldung :)

          Stützen und Grenzen zeigen ist ein guter Punkt, welcher auf meinen Mann bezogen auch wegfällt, weil er sich von niemandem etwas sagen lässt. Und das macht vieles schwerer.

          Man sieht tatsächlich: die krankheit ist nicht an allem schuld, der kern und anstand eines menschen ist nämlich außen vor und sollte trotz der depression noch vorhanden sein.

          liebe grüße

      Hallo,

      mein Mann leidet auch an Depressionen. Seit gut fünf Jahren akut, bis hin zu Selbstmordgedanken. Er war auch sporadisch bei einem Psychiater und hat Antidepressiva genommen, aber auch nicht konsequent. Vor vier Jahren ging es soweit, dass er seine Arbeit kündigen musste (ein Teil der Depressionen gehen auf den damaligen Arbeitgeber zurück). Im Herbst letzten Jahres dann der große Knall. Sein Vertrag wurde nicht verlängert und er bekam gleich eine neue Arbeitsstelle, allerdings im Einzelhandel, wo er nie wieder hin wollte. Diese Wochen waren schrecklich.

      Schließlich habe ich einen Termin gemacht in einer Notfallpraxis. Er bekam neue Antidepressiva (die im Laufe der Therapie nochmal angepasst wurde) uuund ganz wichtig, er hat eine Überweisung zum Psychotherapeuten bekommen. Das war dann schließlich bei und der Knackpunkt. Psychologe schön und gut, aber mein Mann muss seine Probleme aufarbeiten. Er hat 50 Stunden genehmigt bekommen und hat alle ein bis zwei Wochen seine Sitzung. Es tut ihm gut, sehr gut sogar. Natürlich gibt es immer wieder rückfälle, aber sie werden weniger. Und vor allem wenn er einen hat, redet er mit seinem Therapeuten darüber, wie er sich verhalten kann, wie er alte Muster durchbrechen kann.

      Was nun wirklich normales schlechtes Verhalten ist und was an der Depression liegt, ist immer schwer zu sagen. Wobei, mein Mann und ich sind seit 12 Jahren zusammen, da lernt man seinen Partner kennen. Und ich kann schon sagen, wenn er einen schlechten Tag hat und wenn was nur allgemein schlechte Laune ist.

      Auf alle Fälle braucht man als Partner viel Kraft. Es gab Tage/Wochen, wo mein Mann kaum aus dem Bett kam, da bliebt komplett alles an mir hängen. Arbeiten gehen, Kind, Haushalt, Haustiere... Da stößt man auch an seine Grenzen. Ich bin ehrlich, ich möchte diese Phasen in der Form nicht mehr mitmachen müssen. Du musst klar schauen, dass du dir Freiräume schaffst, sonst wirst du selbst depressiv.

      Und ich kann dir nur raten, dein Man braucht zuerst einmal einen guten Psychiater, dann die richtige Medikamenteneinstellung, welche er dann auch nimmt und zu guter letzt eine gute Therapie! Von alleine geht das sonst nicht...

      LG und alles Gute!

      (7) 15.10.15 - 14:14

      hallo,

      danke für deine sicht der dinge :)

      wahnsinn wie lange du das schon mit ihm miterlebst, aber mit der zeit lernt man wahrscheinlich stück für stück den partner und die depression besser handzuhaben.

      ich denke auch dass das wichtigste in erster linie professionelle hilfe und die richtigen medikamente ist....

      ich hab echt etwas angst vor dem was kommt #schmoll

      dir auch alles gute, viele grüße!

      • Man versucht es zumindest! Es ist nicht immer leicht und geht an die Substanz. Auf der anderen Seite überrascht mich mein Mann dann auch mal mit einem schön dekorierten Wohnzimmer mit Kerzen, Musik ect. und ich bekomme ne einstündige Massage.

        Bei dem Medikament eben ganz wichtig, dass es JEDEN Tag genommen wird! Das Medikament sorgt für einen bestimmten Pegel im Blut, da macht ein Tag schon viel aus. Gaaanz selten kann es mal sein, dass es mein Mann morgens in der Hektik vergisst und das macht sich dann schnell mit einer depressiveren Stimmung, Ohrensaußen est. bemerkbar.

        Und lasst den Vitamin D3 Spiegel wirklich messen. Muss man zwar selbst bezahlen, kostet aber nur um die 20 €. Mit einem Wert unter 10 gilt man als extrem Selbstmordgefährdet.

        Euch alles Gute!!

        • (9) 16.10.15 - 12:05

          wow :) das hört sich doch gut an, von sowas kann ich nur träumen!

          ja, ich frage auch immer ob er es genommen hat.

          ok danke dir! ich werde es ihm sagen!

          liebe grüße

(10) 14.10.15 - 17:08

DIE Depression gibt es nicht, Depressionen haben viele Facetten.
Was ich allerdings nicht verstehe, warum dein Mann so nachlässig mit der Einnahme seiner Medikamente umgeht. Wenn es mir schlecht geht und ich mir mit Tabletten helfen kann, dass es mir besser geht, muss das doch hinzukriegen sein. Die Nicht-Einnahme mit Antriebslosigkeit zu entschuldigen, halte ich für übertrieben. Blödes Beispiel, aber er macht sicher nicht in Hose, weil er zu antriebslos ist, die Toilette aufzuzsuchen.

Ich nehme seit 10 Monaten ein Antidepressivum und ich habe es noch nicht ein mal vergessen, weil es mir gut tut. Gleichzeitig habe ich eine Psychotherapie angefangen und es geht mir sehr viel besser als vor einem Jahr.
Wer einfach seine Tabletten weglässt, dem geht es nicht schlecht genug oder der ruht sich auf seiner Diagnose aus.

  • Das Toiletten-Beispiel: in meiner schlimmsten Zeit war ich nicht so weit von dem Punkt entfernt... Einfach aus absoluter Gleichgültigkeit mir selbst gegenüber, es war schon eine Leistung aufzustehen und zu duschen. Ein Albtraum.

    Wie du selber sagtest, jede Depression ist anders.

    (12) 15.10.15 - 14:23

    ich persönlich sehe das genauso wie du! denk mir auch immer "wenn man das nicht mal hinkriegt kanns ja nicht so schlimm sein!"

    Aber ich habe auch schon oft gelesen dass für depressive Zähneputzen , duschen, anziehen... zu viel verlangt ist und sie überfordert sind.
    Wo wir wieder beim punkt wären: Ich komme da nicht mehr hinterher, ist das mit dem arzt und medikamente nicht holen jetzt die depression oder kriegt er einfach nur seinen arsch nicht hoch, sooo schlimm kanns dann ja wohl nicht sein!?!

Hallo.

Du MUSST gar NICHTS ... Du hast nämlich nur ein Leben ... Deins!

LG

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